Die Festspiel- und Kurstadt Bad Hersfeld (bis 1949 Hersfeld) ist die Kreisstadt des Landkreises Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen.

Überregional ist Bad HersfeldAb dem 4. März 1949 ist Hersfeld Heilbad und darf sich Bad Hersfeld nennen. vor allem durch die seit 1951 alljährlich stattfindenden Bad Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine bekannt. Die Stiftsruine gilt als die größte romanische Kirchenruine Europas. Die Geschichte der Stadt Bad Hersfeld reicht zurück bis ins 8. Jahrhundert.

Geographie Geographische Lage mini|hochkant=1.4|Ansicht der Stiftsruine vom Turm der Stadtkirche Die Stadt liegt in der Hersfelder Senke, die durch den Zusammenfluss der Fulda und der Haune gebildet wird. Die Innenstadt liegt am linken Ufer der Fulda. Im Stadtgebiet mündet der Geisbach und unmittelbar unterhalb der Stadt am rechten Ufer die Solz in die Fulda. Im Südwesten liegt das Vogelsberggebiet, im Nordwesten das Knüllgebirge und im Nordosten der Seulingswald. Der tiefste Punkt liegt mit im Mündungsbereich der Solz in die Fulda. Der höchste Punkt in der Stadtgemarkung ist der hohe Laxberg (Knüllgebirge). Die Stadt wird je nach Definition zu Nordhessen oder zu Osthessen gezählt. Die nächsten größeren Städte sind Kassel 52 km nördlich, Gießen 79 km südwestlich, Fulda 36 km südlich und Eisenach 45 km östlich von Bad Hersfeld. Durch Bad Hersfeld führt die Deutsche Fachwerkstraße.

Geologie mini|hochkant=1.4|Blick über die Altstadt von Bad Hersfeld Die Altstadt liegt auf einem alluvialen bzw. fluviatilen Schwemmkegel aus Kiesen und Geröllen, die zwischen Fulda und Geisbach angeschwemmt wurden. Auch im Talboden der Fulda liegen Kiese und Gerölle aus dem Holozän, die meist alluvialen Ursprungs sind. Sie sind von Löss und Lehmschichten durchzogen, die pleistozänen Ursprunges sind.

Der größte Bereich der offen zu Tage tretenden Gesteinsschichten gehört in das Erdzeitalter des Mittleren Buntsandsteins (der Buntsandstein ist die Untere Trias). Die Höhenzüge rund um die Stadt werden daher im Wesentlichen durch die Formation der Germanischen Trias gebildet. Aus dieser Formation stammen daher auch größtenteils die bodendeckenden Kiese und Gerölle in den Fluss- und Bachtälern. Im Westen und Osten reicht die Formation des Mittleren Buntsandsteins bis in eine Höhe von etwa , so z. B. auf der die Stellerskuppe () oder auf der Haukuppe (). Im Osten, auf der Wippershainer Höhe, reicht diese Schicht bis in eine Höhe von . Die untere Grenze des Mittleren Buntsandsteins befindet sich bei etwa .

Jüngere Gesteinsschichten der Trias treten im Stadtgebiet nur vereinzelt und kleinflächig zutage. Dazu gehört das Röt (Oberer Buntsandstein), der Quellhorizont vieler kleiner Bäche ist. Die Quellen liegen außerhalb der Stadt. Darüber liegen Unterer und Mittlerer Muschelkalk (der Muschelkalk ist die Mittlere Trias). Diese Schichten sind in einem vom West nach Ost verlaufenden Grabenbruch erhalten, der zwischen 110 und 460 Meter breit und etwa 4600 Meter lang ist. Dieser sogenannte Hersfelder Graben erstreckt sich zwischen Heenes, Wehneberg und dem Gut Oberrode, nördlich der Innenstadt. Der Graben entstand vor etwa 200 Millionen Jahren als sich zuerst der Graben öffnete und die damals noch nicht erodierten Kalkschichten einbrachen. Später schob sich der Graben wieder etwas zusammen, sodass sich die Kalkschichten verfalteten. Dieser Kalk wurde zum Teil bis in die 1960er Jahre in Kalkobes, Heenes und Oberrode abgebaut und in Kalkbrennöfen zu Dünge-, Bau- und Putzkalk verarbeitet.Peter Braun: 650 Jahre Oberrode. Ein Gut am Unterlauf der Solz zwischen Sorga und Bad Hersfeld. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde e. V., Bad Hersfeld 2001, , S. 19–23. Die jüngsten Gesteinsschichten der Trias, z. B. der Lettenkohlensandstein des Unteren Keuper (der Keuper ist die Obere Trias) – sind in der Region nur noch unter dem Schutz von Lavadecken erhalten, die im Bereich der Stadt aber nicht vorkommen.

Durch Hebung der Landschaft während der Jura- und Kreidezeit sind aus diesen erdgeschichtlichen Perioden keine Gesteinsschichten erhalten. Vulkanische Gesteine aus dem Miozän (jüngeres Tertiär) kommen unter anderem noch auf der Haukuppe vor.

Gesteinsschichten, die hier nicht zu Tage treten, sind der Untere Buntsandstein, der von etwa 90 Meter unter der Stadt (etwa ) bis etwa 390 Meter Tiefe reicht. Darunter folgt der Obere und der Untere Zechstein (Oberes Perm). Aus dem Unteren Zechstein werden die zwei Heilquellen der Stadt Bad Hersfeld gespeist. Die Schichten des jüngeren Zechstein werden im Untertagebau ab der 400-Meter-Sohle an der Werra (Heringen, Philippsthal) und an der Fulda (Neuhof bei Fulda) für den Abbau von Kalisalzen genutzt.Klaus Walter: Der geologische Aufbau des Kreises Hersfeld. In: Mein Heimatland. November 1961 Band 19. (Beilage der Hersfelder Zeitung)

Ausdehnung des Stadtgebiets Die heutige Innenstadt breitet sich an den Hängen des Tageberges (), des Frauenberges (), des Wehneberges () und des Wendeberges () aus und reicht in die Täler des Meisebaches und des Geisbaches hinein und hat eine Ausdehnung von Südwesten nach Nordosten von etwa 4,5 km. Die Ausdehnung von Nordwesten nach Südosten beträgt etwa 3,5 km.

Die Altstadt im Fuldatal erstreckt sich in ovaler Form mit etwa 960 Metern ost-westlicher und 570 m nord-südlicher Ausdehnung über etwa 40 Hektar; den Verlauf des früheren Stadtgrabens zeichnet heute der um die Altstadt umleitende Stadtring nach.

Die Gemarkung der Stadt hat eine Fläche von 73,83 km². bei statistik-hessen.de nach der Hessischen Gemeindestatistik Ausgabe 2009 (eingesehen am 16. November 2010) Der größte Teil der Gemarkung nimmt mit 38,91 % die Waldfläche ein (3067 Hektar). Weitere Flächennutzungsdaten nach Größe sortiert sind 2452 Hektar Landwirtschaftsfläche, 972 Hektar Gebäude- und Freifläche, 609 Hektar Verkehrsfläche, 124 Hektar Erholungsfläche, 101 Hektar Wasserfläche und 17 Hektar Betriebsfläche. Weitere 41 Hektar sind unbebaute Flächen die nicht einer der vorgenannten Nutzungsarten zugeordnet werden können. bei statistik-hessen.de nach der Hessischen Gemeindestatistik Ausgabe 2009 (eingesehen am 16. November 2010)

Stadtgliederung Neben der Innenstadt besteht Bad Hersfeld aus den Stadtteilen Allmershausen, Asbach, Beiershausen, Eichhof, Heenes, Hohe Luft, Johannesberg, Kathus, Kohlhausen, Petersberg und Sorga.

Die Gebiete der Innenstadt gelten nicht als eigene Stadtteile. Die Altstadt unterteilt sich in den Stiftsbezirk und die östlich davon gelegene Unterstadt. Dazwischen liegt der älteste Bereich der Altstadt. Zur Innenstadt zählt der westlich des Stiftsbezirkes gelegene Kurbezirk. Weiterhin gibt es Kalkobes (ein Dorf, das schon Anfang des 20. Jahrhunderts eingemeindet wurde), Wehneberg (dieser Ort entstand aus einem Gutshof), Zellersgrund, Oberrode (ein landwirtschaftlicher Betrieb), Hof Hählgans (ebenfalls ein landwirtschaftlicher Betrieb) und Mönches (eine Wüstung, bis 1998 stand dort ein Forsthaus).

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn beginnend im Norden sind das Ludwigsau, Friedewald, Schenklengsfeld, Hauneck, Niederaula, Kirchheim und Neuenstein.

Klima Durch seine Lage in Mitteleuropa befindet sich Bad Hersfeld in der warmgemäßigten Klimazone. Das regionale Klima wird durch die geschützte Lage im Fuldatal, mit den umliegenden hessischen und thüringischen Mittelgebirgen bestimmt. Dies führt in Bad Hersfeld zu einer verhältnismäßig hohen Jahresmitteltemperatur von 8,7 °C und einem ziemlich trockenen Klima mit nur 718,1 mm durchschnittlichem Niederschlag im Jahr. Die mittlere Jahressonnenscheindauer liegt bei 1385,4 Stunden. Im langjährigen Mittel hat Bad Hersfeld 34 Sommertage, 86 Frosttage und 22 Eistage pro Jahr.

Die seit 2008 automatisierte Wetterstation vom Deutschen Wetterdienst in Bad Hersfeld (10542), von der diese Angaben stammen, liegt am nordwestlichen Hang der Wippershainer Höhe, etwa 60 Höhenmeter über der Stadt.

Geschichte mini|hochkant=1.4|Kupferstich, Hersfeld um 1600, Matthäus Merian, nach einer Federzeichnung von Wilhelm Dilich

Stadtgeschichte

Die schriftliche Überlieferung der Geschichte Bad Hersfelds beginnt mit dem Mönch Sturmius, der 736 in Haerulfisfelt eine mönchische Einsiedelei errichtete, und mit Erzbischof Lullus, der 769 am selben Ort das Benediktinerkloster Hersfeld gründete. Beide waren Schüler des Missionsbischofs Bonifatius. Ausgrabungen deuten allerdings mit neolithischen Siedlungsspuren um 2000 v. Chr., einem bronzezeitlichen Grab um 1200 v. Chr. und Funden aus der La-Tène-Zeit um 400 v. Chr. auf eine weit frühere Besiedlung im Stadtbereich hin.

mini|hochkant|Das Stadtwahrzeichen, der Turm der Hersfelder Stadtkirche

Hersfeld wurde 1142 erstmals als Marktort und 1170 als Stadt erwähnt. In diese Zeit fiel auch der Höhepunkt der reichspolitischen Bedeutung der Abtei Hersfeld. In den folgenden Jahrhunderten schwand die Macht der Abtei, die sich seit dem Interregnum nicht mehr auf die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches stützen konnte. Ab 1373 erhielt die Landgrafschaft Hessen, durch Schutzbündnisse, Einfluss auf die Stadt. In der Vitalisnacht 1378 erreichte der Machtkampf zwischen Abtei und Stadt seinen Höhepunkt. Im Jahre 1439 wurden große Teile der Stadt durch einen Brand zerstört. Das älteste Fachwerkhaus in der Stadt ist das Küsterhaus von 1452. Abt Ludwig V. (1571–1588) löste für viele Jahrhunderte die letzte Baublüte in der Stadt aus, indem er die Gebäude der Abtei im Stil der Weserrenaissance aus- und umbauen ließ. Diese sind heute noch in der ganzen Altstadt zu sehen, z. B. die ehemalige Münze oder das Schloss Eichhof.

Durch den Deutschen Bauernkrieg 1525 fielen große Teile der Stadt und der Abtei an Hessen. Nach dem Tod des letzten Abtes im Jahr 1606 und dem Westfälischen Frieden 1648 wurde die gefürstete Reichsabtei Hersfeld der weltlichen Landgrafschaft Hessen-Kassel zugesprochen. Im Siebenjährigen Krieg 1761 brannten die Stiftskirche und die Klostergebäude nieder, und 1807 entkam die Stadt knapp der völligen Vernichtung durch napoleonische Besatzungstruppen, da der badische Oberstleutnant Lingg die Befehle Napoléons nur „wörtlich“ ausführte: Er sollte die Stadt an allen vier Seiten anzünden und tat dies, indem er vier einzeln stehende Gebäude anzünden ließ.

Im Jahre 1821 wurde Hersfeld Kreisstadt des Landkreises Hersfeld in Kurhessen. Bereits 1866, nun der Provinz Hessen-Nassau angehörig, wurden ein Bahnhof eröffnet und der Eisenbahnverkehr aufgenommen. Seit 1938 ist Hersfeld über eine Straßenauffahrt mit der von Kirchheim nach Eisenach führenden Autobahn (heute die A 4) verbunden. 1945 verbürgten sich zwei gefangengenommene Offiziere für die friedliche Übergabe Hersfelds und bewahrten so die Stadt ein zweites Mal vor der Zerstörung.

Ab 1945 war Hersfeld als Garnison der US-Armee überwiegend Standort gepanzerter US-Kavallerie Regimenter (Armored Cavalry Regiments (ACR)). Auftrag der Einheiten war die Sicherung der innerdeutschen Grenze im höchst vulnerablen Abschnitt des sogenannten Fulda Gap. 1993 teilte das US-Verteidigungsministerium mit, dass die 3. Schwadron des 11th ACR Blackhorse (3rd Squadron 11th ACR Blackhorse) abgezogen und durch die Räumung der McPheeters Barracks der Standort Bad Hersfeld aufgeben wird.

Seit dem 4. März 1949 ist Hersfeld Heilbad und darf sich Bad Hersfeld nennen; seit 1963 ist die Stadt Hessisches Staatsbad.

Nach der Zusammenlegung der früheren Kreise Hersfeld und Rotenburg wurde Bad Hersfeld zur Kreisstadt des neu entstandenen Kreises Hersfeld-Rotenburg bestimmt.

Eingemeindungen Zum 1. Juli 1918 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Kalkobes eingegliedert. Im Jahr 1928 kam der Gutsbezirk Meisebach hinzu. Es handelt sich dabei um das Gebiet des heutigen Stadtteils Johannesberg (Domäne Johannesberg und Bingartes).