Die Werre () ist ein linker Nebenfluss der Weser im Nordosten des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
Die Werre entspringt im westlichen Lipper Bergland bei Horn-Bad Meinberg und entwässert große Teile der Ravensberger Mulde zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald. Bei Bad Oeynhausen mündet sie am Großen Weserbogen in die Weser. Größte Zuflüsse der Werre sind die Bega, die Aa und die Else.
Die ausschließlich in der Region Ostwestfalen-Lippe fließende Werre hat eine Länge von 71,9 km. Gemessen an ihrer Länge und Wasserführung ist die Werre nach der Diemel der zweitgrößte Zufluss der Oberweser.
Name Die Werre wurde erstmals urkundlich im Jahr 784 in den fränkischen Reichsannalen „ad locum … in quo Wisura et Waharna confluunt“ als Waharna im Kontext der Sachsenkriege Karls des Großen erwähnt. Im Jahr 785 ebenfalls „...ubi confluit Waharna“. Für das Jahr 868 erscheint das urkundliche Uuerna und im selben Jahrhundert beim Poeta Saxo ein Warnae. Im 13. Jahrhundert erscheint der Beleg Werna („in utroque flumine tam in Hartna quam Werna“); Ende des 14. Jahrhunderts, das heißt für das Jahr 1399 in mittelniederdeutscher Form bi der Werne, schließlich neuzeitlich für das Jahr 1721 die Wehrde, Were.
Die Ausgangsform für die heutige Namensform ist das altsächsische *Werina zu Warna. Etymologisch liegt vermutlich eine Suffixableitung -ina von germanisch *war- aus protogermanisch *uor-, ableitend zur indogermanischen Wurzel *h2uer- mit der Bedeutung für „feucht (sein)“ zurück. Bei der ältesten Belegform Waharna handelt es sich um ein Kopulativkompositum aus *Warnahardna, insbesondere für den Unterlauf mit der Einmündung der Aa in die Werre ab Herford. Neben dem heutigen Namen der Aa ist ein weiterer mittelalterlicher Name für das Gewässer als die Hartna belegt; folglich die Erklärung des Warna-hardna. Das Kompositum *Warnahardna wurde dann zu Waharna gekürzt. Nach dem Linguisten und Onomastiker Albrecht Greule handelt es sich bei kopulativen Zusammensetzungen um einen selten belegten Vorgang im Namenschatz der Gewässernamen.
Allgemeines Lage mini|Einzugsbereich der Werre Die Werre als linker Nebenfluss der Weser ist die Sammelader eines Flusssystems, das das Ravensberger Hügelland und das Lipper Bergland östlich des Teutoburger Waldes entwässert. Der Fluss entspringt bei Bad Meinberg am Osthang des Teutoburger Waldes und läuft parallel zu dessen Hauptkamm in nördliche Richtung. Dabei durchfließt er die Städte Detmold, Lage, Bad Salzuflen, Herford und Löhne. Hier dreht die Fließrichtung nach Osten bis zur Mündung in die Weser bei Bad Oeynhausen.
Die Bega durchfließt die Stadt Lemgo und mündet bei Bad Salzuflen von rechts in die Werre. Von links mündet bei Herford die Aa in die Werre, die unter anderem einen Teil Bielefelds entwässert. Weiter unterhalb mündet von links die Else im Westen von Löhne in die Werre.
Grunddaten Die Werre ist ein linker Nebenfluss der Weser und gehört damit zu den norddeutschen Flüssen nördlich der europäischen Hauptwasserscheide. Nach der klassischen Flussordnung hat die Werre die Flussordnungszahl zwei. Die Gewässerkennzahl der Werre, die dem Flusssystem Weser zugeordnet ist, ist die Ziffer 46. Das Einzugsgebiet der Werre umfasst 1.335 km².
Die Werre hat bei einer Flussbreite von rund fünf bis 35 Metern eine Gesamtlänge von 71,9 km. Für die Flussschifffahrt ist dieser Fluss nicht mehr ausgebaut, laut der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie befindet sich die Werre im Rückbau zu einem naturnahen Gewässer. Die mittlere Abflussmenge am Pegel Löhne in der Jahresreihe 1983/93 beträgt 18,3 m³/s. Die höchste dort je gemessene Abflussmenge betrug 335 m³/s, die niedrigste 1,64 m³/s und liegen damit ungefähr im gleichen Rahmen wie die vom Topographischen Informationsdienst heute angegebenen Werte. Aufgrund der Lage der Werre im Mittelgebirge wird der Fluss im Oberlauf als feinmaterialreicher, karbonatischer Mittelgebirgsbach (Typ 6), im Mittellauf als grobmaterialreicher, karbonatischer Mittelgebirgsbach (Typ 7) und im Unterlauf als karbonatischer, fein- bis grobmaterialreicher Mittelgebirgsfluss (Typ 9.1) vom Fließgewässertyp typisiert.
Verlauf Obere Werre mini|Die Quelle der Werre in Wehren
Als Obere Werre wird das langgestreckte, 606,142 km² große Einzugsgebiet der Werre von der Quelle bis zur Mündung der Aa etwa 7,4 km unterhalb der Begamündung bezeichnet.
Die Quelle der Werre befindet sich im Horn-Bad Meinberger Ortsteil Wehren im Lipper Bergland auf 245 m über Normalhöhennull (NHN). Es handelt sich nicht um eine gefasste Quelle, wie zum Beispiel die der Fulda, sondern vielmehr um den Zusammenfluss einiger kleiner Rinnsale, die fast unsichtbar in den Sumpfgebieten in unmittelbarer Nähe der Quelle entspringen. Direkt an ihrer Quelle ist die Werre nicht einmal einen halben Meter breit, bereits einige Kilometer weiter, im Kurpark von Bad Meinberg, ist sie zu einem stattlichen Bach angewachsen. Von ihrer Quelle aus fließt die Werre zunächst in Richtung Südwesten, wendet sich nach etwa 100 Metern dem Westen zu und durchfließt das Silvaticum, einen westlich des Bad Meinberger Stadtzentrums gelegenen 40 Hektar großen Landschaftspark. In ihm sind die Waldlandschaften aus 14 Regionen der Erde angelegt. Östlich des Silvaticums wird der Bach im Kurgebiet von Bad Meinberg seit den 1950er-Jahren zum Kurparksee aufgestaut. Nach diesem ersten Aufstau fließt die junge Werre in naturnahem Zustand mäandrierend weiter nordwestlich. Sie durchquert Wilberg, Schmedissen und Schönemark, erreicht Detmolder Stadtgebiet und passiert die Stadtteile Remmighausen und Spork-Eichholz, bevor sie die Innenstadt erreicht. Westlich davon mündet der Knochenbach, der Unterlauf der Wiembecke, in die Werre und verdoppelt damit die Wassermenge. Im weiteren Verlauf durchfließt die Werre die westlichen Stadtteile Detmolds sowie Lage und Pottenhausen, durchquert das zu Bad Salzuflen gehörende Holzhausen und berührt Leopoldshöhe im Osten. Danach wendet sich das Gewässer zunächst kurz in Richtung Norden nach Schötmar und erreicht Bad Salzuflen. Dort nimmt sie ihren größten Zufluss, die 43,9 km lange Bega auf. Aufgrund der Stauung durch drei Wehre fließt sie gemächlich durch Ahmsen und nach Unterquerung der Bundesautobahn 2 nach Herford, wo ihr die Aa zufließt.
Untere Werre mini|Mündung der Werre (vorne) in die Weser
In Herford, am Mündungsdelta der Aa, teilte sich die Werre ursprünglich in mehrere Arme, insbesondere die Bowerre und die Kleine Werre. Beide, Werre und Aa, wurden im Mittelalter als Stadtgraben in die Stadtbefestigung einbezogen und dabei zusätzlich geteilt; während Bowerre und Kleine Werre quer durch die Herforder Neustadt flossen, wurde die (kanalisierte) Werre außen herumgeleitet. Kleine Werre und Bowerre wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet, so dass vom Bergertor bis zur Aa-Mündung heute nur noch der künstliche Werre-Kanal existiert. Hier ist die Ravensberger Mulde erreicht, wo sich der Fluss nach dem Zufluss der Aa nach Norden wendet und zunächst die Grenze zwischen Herford und Hiddenhausen bildet, flussabwärts zwischen Löhne und Kirchlengern.
Bei Kirchlengern mündet die Else in die Werre, die sich dort nach Osten wendet. Im unteren Werretal fließt sie gemächlich durch Löhne und erreicht Bad Oeynhausen. Sie ist dort durchschnittlich 25 Meter breit und verläuft in einem weiten Tal. Sie ist ein Element im Sielpark, der in die Landesgartenschau Bad Oeynhausen/Löhne 2000 einbezogen wurde.
Zwischen Herford und Bad Oeynhausen quert die Bundesautobahn 30 die Werre dreimal: Die erste Querung befindet sich westlich, die zweite nördlich von Löhne und die dritte östlich von Obernbeck. Die Autobahn wird im Zuge der Nordumgehung von Bad Oeynhausen auf zwei neuen Brücken über die Werre geführt. Die Bahnstrecke Hamm–Minden verläuft einige Kilometer parallel zur Werre und kreuzt diese zwischen Schweicheln-Bermbeck und Löhne. Das Einzugsgebiet der unteren Werre hat eine Größe von 879,256 km². In Bad Oeynhausen-Rehme mündet die Werre bei Weser-Kilometer 190 in die Weser. Die Mündungshöhe beträgt 42 m ü. NN.
Nebenflüsse Längster Nebenfluss der Werre ist die Bega. An der Mündung in die Werre ist sie mit 43,9 km länger als die Werre mit bis dahin 41,6 km zurückgelegter Flussstrecke. Deutlich größer ist das Einzugsgebiet der Bega mit 376,727 km² gegenüber dem der Werre mit 202,935 km² oberhalb der Mündung. Nach dem Einzugsgebiet ist die Else mit 415,518 km² der wichtigste Nebenfluss. Nachstehend werden die Nebenflüsse der Werre in der Reihenfolge von der Quelle zur Mündung genannt. Genannt werden die orografische Lage, die Mündungsposition mit Angabe des Stationierungskilometers, die Länge, die Größe des Einzugsgebietes, die Mündungshöhe und die Gewässerkennzahl (Anmerkung: Für die bessere Sortierbarkeit wurde ein Leerzeichen eingefügt).
Name Seite Stat.(km) Länge(km) EZG(km²) Mündungs-höhe(m ü. NHN) GKZ N.N. rechts 69,8 1,7 214 46-1112 Strangbach rechts 62,7 3,6 5,487 152 46-112 Wörbke rechts 62,0 4,0 4,771 147 46-114 Gildebach rechts 59,5 1,1 139 46-1152 Rötkersiekbach rechts 59,1 1,0 138 46-1154 Dolzerbach links 58,5 1,5 135 46-116 Kleine Werre rechts 57,4 2,3 134 46-1192 Berlebecke(Unterlauf: Knochenbach) links 54,6 18,2 47,121 119 46-12 Heidenbach links 53,4 6,6 8,752 118 46-132 Katzenbach links 50,8 1,7 110 46-1392 Hasselbach links 50,1 6,5 9,311 110 46-14 Bollerbach links 49,3 2,4 108 46-153 Rethlager Bach links 48,2 5,4 14,794 106 46-16 Rothenbach links 47,9 3,9 3,458 105 46-172 Haferbach links 40,1 9,8 27,796 88 46-18 Bentgraben links 36,4 4,2 6,831 81 46-192 Siekbach links 35,5 4,6 3,444 79 46-196 Bexter links 33,9 5,2 8,455 76 46-198 Bega rechts 30,3 43,9 376,727 70 46-2 Knipkenbach links 29,1 4,3 6,744 69 46-32 Siekbach links 28,3 1,3 69 46-392 Steinsieksbach rechts 26,0 3,4 67 46-396 Ellersieker Bach rechts 25,1 2,8 67 46-398 Aa links 22,7 26,1 255,191 62 46-4 Butterbach rechts 22,3 4,3 59 46-512 Uhlenbach rechts 21,9 4,5 59 46-514 Düsedieksbach links 21,0 4,8 12,384 57 46-52 Bramschebach rechts 17,0 5,9 13,308 56 46-54 N.N. links 14,8 1,4 55 46-592 Else links 12,7 31,5 415,518 53 46-6 Löhner Schulbach rechts 11,5 3,4 51 46-72 Mühlenbach rechts 9,0 2,3 50 46-74 Rehmerloh-MennighüfferMühlenbach links 8,4 16,4 70,895 50 46-8 Börstelbach links 7,5 1,2 49 46-9112 Haubach rechts 7,3 2,7 49 46-912 Ostscheider Bach links 6,8 5,4 49 46-914 Sudbach rechts 6,3 3,7 4,270 49 46-92 N.N. links 4,8 2,8 1,550 48 46-932 Mittelbach rechts 4,8 8,2 13,666 48 46-94 Kaarbach links 4,0 10,8 47 46-992 Hambkebach rechts 2,5 2,9 46 46-994
Geschichte Gewässergeschichte mini|Zusammenfluss von Weser und Werre in einem Stich aus dem 17. Jahrhundert
Die Mündung der Werre in die Weser befand sich nicht immer an der heutigen Stelle. Bis zur Mitte der Elstereiszeit floss die Weser oberhalb von Hameln an Süntel und Deister durch die Deisterpforte nach Norden. Die Ur-Werre floss durch die Porta Westfalica, bog nördlich des Wiehengebirges nach Westen ab und floss in Richtung Nordwesten oder Westen der Nordsee zu.
Später floss die Weser im heutigen Wesertal und weiter im ursprünglichen Werre-Urtal bis zur Porta Westfalica. Sie übernahm nördlich der Porta zunächst die alte Fließrichtung des Flusses gen Westen, bis sie nach dem Schmelzen der Eismassen zum Ende der Eiszeiten den Weg nach Norden fand.
Siedlungs- und Staatengeschichte Seit der älteren Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit wurde das Einzugsgebiet der Werre von Germanen kontinuierlich besiedelt. In der Völkerwanderungszeit und im Frühmittelalter dehnte sich die Siedlung der Sachsen in die Region aus und zu dessen Teilgebiet Engern (siehe Angrivarier) sie fortan gehörte als Teil des Stammesherzogtum Sachsen.