Deutz (abgeleitet aus , abgekürzt Divitia, später Duitia, Diuza, Tuitium, Duytz,Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll, Peter Simons, Nagelschmidt, Köln-Deutz 1913, S. 1 Deutsch,Werner Hollar, Kupferstich Stadtansicht von Köln 1656 kölsch Düx) ist der rechtsrheinische Teil des Stadtbezirks 1 (Innenstadt) von Köln und mit einer Fläche von über 524 Hektar größter der fünf Stadtteile im Bezirk.

Deutz entstand aus einem römischen Kastell und war bis zur Eingemeindung 1888 eine selbstständige Stadt. Zur Bürgermeisterei Deutz gehörten lange Zeit auch Poll, Kalk und Vingst. Heute ist der Stadtteil vor allem durch die Koelnmesse (früher in den Rheinhallen), die Lanxess Arena, den Hauptsitz des Medienunternehmens RTL Deutschland und den Bahnhof Köln Messe/Deutz bekannt.

Geografie

Für das größtenteils am linken Rheinufer gelegene Köln liegt das rechtsrheinische Deutz auf der „Schäl Sick“ – der „falschen Seite“, bildet aber mit Altstadt-Nord und -Süd sowie Neustadt-Nord und -Süd den Stadtbezirk Köln-Innenstadt. Deutz grenzt im Osten an die Stadtteile Kalk und Humboldt/Gremberg. Im Süden liegt der Stadtteil Poll; im Westen und im Nordwesten grenzt Deutz an den Rhein und im Nordosten an Mülheim.

Geschichte Um das Jahr 310 errichteten die Römer unter Kaiser Konstantin eine Rheinbrücke, um bei den zunehmenden Aufständen der Germanen möglichst schnell Truppen über den Rhein zu bringen. Aber auch für den Handel mit den Germanen war die Brücke nützlich. Zu ihrer Sicherung wurde auf dem rechten Rheinufer das Kastell Divitia errichtet. Dessen Name ist erstmals auf dem Grabstein des Soldaten Viatorinus bezeugt, der in der 2. Hälfte des 4. oder Anfang des 5. Jahrhunderts errichtet wurde, ausführlich zu dieser Inschrift Winfried Schmitz: Die spätantiken und frühmittelalterlichen Grabinschriften in Köln (4.–7. Jahrhundert n. Chr.). In: Kölner Jahrbuch, Band 28 (1995), S. 643–776, hier S. 687–690., und dann erst wieder in der Frankengeschichte des Gregor von Tours aus dem 6. Jahrhundert.Gregor von Tours: Decem libri historiarum 4,10 (16). Zu den ersten Erwähnungen von Deutz Winfried Schmitz: Die spätantiken und frühmittelalterlichen Grabinschriften in Köln (4.–7. Jahrhundert n. Chr.). In: Kölner Jahrbuch, Band 28 (1995), S. 643–776, hier S. 754. Die Rheinbrücke wurde von den später nachfolgenden Franken vernachlässigt und etwa 500 Jahre später wahrscheinlichPeter Simons: Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll. Nagelschmidt, Köln-Deutz 1913, S. 3 f. abgebrochen, danach war Köln für mehr als 1000 Jahre ohne festen Rheinübergang.

Zur Überfahrt dienten im Mittelalter und in der Neuzeit Fähren, beginnend mit einem kurkölnischen Lehen von Erzbischof Bruno (953–965) an Deutzer Fährherren. Laut der Chronik von Peter SimonsPeter Simons: Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll. Nagelschmidt, Köln-Deutz 1913, S. 238. scheint es mindestens zwei Fahrzeuge, einen Nachen und ein größeres Vlotschiff – zum Transport von Gütern und Vieh – gegeben zu haben, die von insgesamt zwölf Personen betrieben wurden, was aber angeblich erstmals 1428 beurkundet wurde. Ab 1674 wurde die an Seilen verankerte Fliegende Brücke, eine Gierponte, in Betrieb genommen. 1794 errichteten einrückende Franzosen für kurze Zeit eine stehende Schiffsbrücke, der aber schließlich 1822 eine dauerhafte Schiffsbrücke folgte.Josef Dollhoff: Die Kölner Rheinschiffahrt. J. P. Bachem, Köln 1980, S. 44 f. Vom 3. März 1791 bis zum 29. Juli 1793 war die fliegende Brücke im Streit aus Deutz verlegt worden. Sie führte dann vom linksrheinischen Bayenturm rechtsrheinisch unter Umgehung von Deutz wahrscheinlich auf Poller Gebiet, auf die Poller Wiesen.

Das alte Kastell wurde 1003 von Erzbischof Heribert von Köln in ein Benediktinerkloster umgewandelt, damit entstand die Abtei Deutz. Erzbischof Heinrich I. von Köln erhob 1230 Deutz zur Stadt, die lange Zeit ein Zankapfel zwischen der Stadt Köln, Kurköln und dem Herzogtum Berg war. 1583 wurde Deutz im Kölner Krieg, der bis 1588 dauerte, vollständig zerstört. Nach dem Frieden von Nimwegen wurden 1678 die Festungswerke geschleift. Erst ab 1816 errichteten die Preußen eine neue BefestigungsanlageTag der Forts Köln, abgerufen am 26. Januar 2012, deren Verlauf teilweise noch heute anhand mehrerer Straßen erkennbar ist (Helenenwallstraße, Reischplatz, Graf-Geßler-Straße, Kasemattenstraße). Vor den Mauern wurden zunächst Lünetten, Friedenspulvermagazine und später Forts errichtet.Festungsstadt Cöln, Kölner Festungsbauten

Im Rheinpark ist noch die Umwallung des ehemaligen Forts XII (später als XV nummeriert) erkennbar.Auf den Spuren des preußischen Kölns im Rechtsrheinischen, abgerufen am 27. Januar 2012 An das später errichtete Fort XII auf dem ehemaligen Windmühlenberg im Süden erinnert die Straße Fort Rauch.Institut für Festungsarchitektur, Fort Rauch Die Lünette 1 ist in der Nähe des Judenfriedhofs noch an den Wällen erkennbar. Zwischen Benediktinerabtei und dem späteren Eisenbahngelände innerhalb der Festungsmauern wurde für die Kürassiere ein Kasernenneubau errichtet, der nach dem Ersten Weltkrieg umgebaut wurde und anschließend das Rheinische Museum aufnahm (heute Landeshaus Köln).

mini|Köln und Deutz um 1850 mini|Preußische Stadtbefestigung Deutz um 1870

Deutz fiel 1803 an Nassau-Usingen, 1806 an das Großherzogtum Berg und 1814 an Preußen. Es wurde die Bürgermeisterei Deutz gebildet, die an den Landkreis Köln kam und zu der neben Deutz auch die Gemeinden Kalk, Poll und Vingst gehörten. Seitdem nahm Deutz eine enorme Entwicklung. Die Industrialisierung zog viele neue, auch nicht-katholische Einwohner an. Die Deutzer Schiffbrücke bestand von 1822 bis 1915.

Von 1859 bis 1861 wurde mit der St.-Johannes-Kirche die erste neue evangelische Kirche im Rechtsrheinischen gebaut. 1857 wurde die Bürgermeisterei Deutz in die Stadt Deutz und in die Bürgermeisterei Deutz-Land geteilt; letztere wurde 1867 in Bürgermeisterei Kalk umbenannt. Schließlich folgte 1888 im Rahmen der „großen Eingemeindungen“ der Stadt Köln auch die Eingemeindung der Stadt Deutz und der Gemeinde Poll in die Stadt Köln. Kalk und Vingst wurden 1910 in die Stadt Köln eingemeindet.

Ab 1845 wurde Deutz zum Endpunkt mehrerer Eisenbahnlinien der beiden konkurrierenden Bahngesellschaften, der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft und der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft. Ab 1859 wurden ihre Strecken über die neue Dombrücke mit den linksrheinischen Eisenbahnlinien verbunden.

1907 wurde der seit längerem benötigte leistungsfähige Rheinhafen für die Industrie im Deutzer Umland in Betrieb genommen. Die Dombrücke wurde 1911 durch die Hohenzollernbrücke an gleicher Stelle ersetzt. 1913 wurde der heutige Deutzer Bahnhof eröffnet. 1915 wurde als zweite Straßenbrücke über den Rhein die Deutzer Brücke eröffnet. 1959 folgte mit der Severinsbrücke die dritte Brücke, die Deutz mit der Innenstadt verbindet. Ab 1922 wurden am Rheinufer nördlich der Hohenzollernbrücke die ersten Bauabschnitte der Kölner Messehallen (Rheinhallen) errichtet.

Seit 1. Januar 1975 gehört Deutz zum neu gegründeten Stadtbezirk Innenstadt. Im Rahmen der Stadtentwicklung kam es seit den 1990er-Jahren zu verschiedenen Neubauten und Neuansiedlungen, z. B. der Lanxess Arena, des Stadthauses, des Kölntriangles und verschiedener Hotels sowie zum Umbau der Koelnmesse. Ein Einspruch der UNESCO stoppte den Bau von fünf Hochhäusern, die den Südeingang der Messe markieren sollten, da sie die Sichtwirkung des Weltkulturerbes Kölner Dom bedrohen.Petra Metzger: Der Deutzer „Hochhausjammer“. Ein Rückblick.

Bevölkerungsstatistik

In Deutz leben 15.785 Menschen. Die Struktur der Bevölkerung von Köln-Deutz (2021):

Durchschnittsalter der Bevölkerung: 41,4 Jahre (Kölner Durchschnitt: 42,3 Jahre) Ausländeranteil: 17,4 % (Kölner Durchschnitt: 19,3 %) Arbeitslosenquote: 5,9 % (Kölner Durchschnitt: 8,6 %)

Rheinboulevard mini|Rheinboulevard mit Freitreppe nach Fertigstellung, November 2016 mini|Luftbild Rheinboulevard Köln, März 2017 Im Rahmen der Regionale 2010 wurde die Rheinufergestaltung zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke unter dem Namen Rheinboulevard geplant. Bei den Bauarbeiten wurden am Rheinufer geschichtliche Zeugnisse von der Römerzeit bis in die Gegenwart entdeckt, die in dieser Folge und Konzentration eine Besonderheit in Deutschland sind. Aus einer deshalb im Sommer 2010 gegründeten Bürgerinitiative für die Erhaltung dieses kulturellen Erbes ging Ende 2011 der Förderverein Historischer Park Deutz hervor. Infolge des breiten zivilgesellschaftlichen Engagements für die historischen Funde (Abgerufen am 15. Dezember 2014) wurde 2011 ein Moderationsverfahren mit der Stadt Köln durchgeführt, in dessen Planungswerkstätten die mögliche Umsetzungen eines Historischen Parks erarbeitet wurden. Ab 2013 übernahm der Förderverein die Patenschaft über die Reste des Kastells Divitia und kümmert sich auch in Folge ehrenamtlich um den Erhalt der Denkmäler.

Zu den archäologischem Funden gehörten unter anderem:

Turm- und Mauerreste des römischen Kastells Fundamente der Kirche Alt St. Urban Grabstätten Fundamente eines mittelalterlichen Wehrturms Fundamente einer Drehscheibe am ehemaligen Bahnhof Schiffbrücke der Bergischen-Märkischen Eisenbahngesellschaft Bahndammmauerreste der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft Tunnelteilstück der Liliputbahn

Am 13. Juli 2015 wurde der untere Teil des Rheinboulevards mit der Freitreppe eröffnet. Oberhalb der Treppe wurde bis Ende 2016 ein Panoramaweg und der eigentliche Boulevard fertiggestellt. Dieser erzielt beim Kölner Architekturpreis 2017 eine Anerkennung. Da der Rheinboulevard bei Massenandrang eine Sturzgefahr von den hohen Stufen birgt und nur eingeschränkte Fluchtwege bietet, bleibt er beim Großfeuerwerk Kölner Lichter gesperrt.

2017 wurde das Projekt mit dem Deutschen Landschaftsarchitekturpreis ausgezeichnet, der höchsten deutschen Auszeichnung für Landschaftsarchitektur.Landschaftsarchitektur heute: Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2017, abgerufen am 30. März 2024

Poller Wiesen mini|Blick auf die heutigen Poller Wiesen im Stadtteil Deutz, wo die beiden nördlichen Poller Köpfe lagen

Als Poller Wiesen wird im allgemeinen Sprachgebrauch immer mehr das gesamte Rheinufer zwischen dem Molenkopf des Deutzer Hafens und der Rodenkirchener Brücke bezeichnet, obwohl dies ursprünglich und historisch korrekt nur den Wiesenbereich rheinabwärts der Südbrücke bezeichnete, der seit der Eingemeindung Polls zu Köln 1888 heute zum Stadtteil Köln-Deutz gehört. Am 24. Oktober 2005 wurden die Poller Wiesen aufgrund ihrer historischen Bedeutung – unter anderem wegen der mittelalterlichen Uferbefestigungen (Poller Köpfe), von denen noch Reste im Boden vorhanden sind – in die Bodendenkmalliste des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen.Informationen zu den Poller Köpfen aus Monumente, abgerufen am 27. Juli 2018. Sie werden – trotz Lage im Überschwemmungsbereichs des Rheins – gelegentlich auch für größere Veranstaltungen genutzt, z. B. anlässlich des Katholischen Weltjugendtages 2005 und des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2007 als Versammlungsort. 2003 fand dort eine (gewaltsam beendete) Veranstaltung der europäischen Antifa-Bewegung gegen Rassismus statt.

Der offene, unbebaute Bereich der Poller Wiesen im Ortsbereich Deutz wird für vielerlei Zwecke genutzt. Er ist auch ein beliebtes Gebiet, um Drachen steigen zu lassen bzw. im Sommer zu sonnen und zu grillen. Er ist zudem Landschaftsschutzgebiet.

Bürgermeister 1808–1842 Wilhelm Franz Neuhöffer 1843–1867 Gerhard Schaurte 1867–1888 Robert Reisch

Sehenswürdigkeiten mini|Wohnhaus „Deutzer Freiheit 1“ auf der Deutzer Freiheit/Justinianstraße, Frühwerk von Wilhelm Riphahn. mini|Fernwärmetunnel unter dem Rhein mini|Köln-Deutz, hinten die Lanxess Arena Hohenzollernbrücke, Eisenbahn- und Fußgängerbrücke zur Innenstadt, mit Kletterwand und zigtausend „Liebesschlössern“