Live 8 war ein weltumspannendes Rockkonzert unter dem Motto „Make Poverty History“ („Macht Armut zur Vergangenheit“ oder „Lasst Armut Geschichte werden“), das am 2. Juli 2005 gleichzeitig an zehn Orten der G8-Mitgliedstaaten sowie in Südafrika stattfand. Am 6. Juli 2005 fand zudem ein elftes Live-8-Konzert in Edinburgh statt. Die Konzerte wurden von Bob Geldof und Bono, dem Sänger der Band U2, initiiert und organisiert.mini|Städte der Live-8-Konzerte
Überblick Der Name Live 8 lehnt sich an die Live-Aid-Konzerte von 1985 sowie den G8-Gipfel an, der vom 6. bis 8. Juli 2005 in Gleneagles (Schottland) tagte. Dort wurde über einen Schuldenerlass und die Entwicklungshilfe für einige der ärmsten Länder Afrikas verhandelt. Die Konzerttermine wurden bewusst direkt vor diese Zusammenkunft und der letzte Konzertort in seine unmittelbare Nachbarschaft gelegt. Damit wollten die Veranstalter die Probleme der afrikanischen Entwicklungsländer wieder in den Fokus der internationalen Politik rücken und auf wirksame Maßnahmen gegen die Armut drängen.
Im Gegensatz zu dem Live Aid-Konzert von 1985 sollte Live 8 nicht vornehmlich zum Sammeln von Spenden dienen, sondern eine politische Demonstration an die Adresse der G8 darstellen. Bob Geldof drückte diese Absicht mit dem Motto „Wir wollen nicht euer Geld, wir wollen eure Stimme!“ aus. Demgemäß übergaben die Live-8-Veranstalter den Regierungschefs der G8-Staaten eine Petition mit mehr als 24 Millionen Unterschriften bzw. Namen, die insbesondere per SMS und E-Mail gesammelt wurden.
Die Konzerte waren 20 Jahre nach Live Aid das bisher größte Musikereignis weltweit. Etwa 170 Rock- und Popstars in zehn Städten auf vier Kontinenten boten insgesamt 50 Stunden lang Musik. 140 Fernseh- und 400 Rundfunkanstalten waren dabei. Geschätzte 1,7 Millionen Menschen waren bei den Einzelkonzerten vor Ort, 2 bis 3 Milliarden Menschen hatten Zugang zur weltweiten Fernsehübertragung. UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte dazu am 2. Juli 2005 in London: „Here are really united nations.“ („Hier sind wirklich vereinte Nationen.“)
Die Einzelkonzerte 50px|ohne|Noten Für die Programme und Abläufe der Live-8-Konzerte siehe den UnterartikelLive 8/Konzertprogramme.
London
Das Hauptkonzert von Live 8 mit 200.000 Besuchern fand im Hyde Park in London (England) statt. Es begann um 14:00 Uhr (Ortszeit) und dauerte mit Umbaupausen und Zugaben bis kurz nach Mitternacht, zweieinhalb Stunden länger als geplant. Die Eintrittskarten wurden für 2,50 Pfund als „Lospreis“ paarweise in einer SMS-Lotterie vergeben.
Das Konzert wurde von Paul McCartney und U2 eröffnet, die den Beatles-Klassiker Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band spielten. Begleitet wurden sie von einer Bläsergruppe, den „Bootleg-Beatles“, die die bekannten Sergeant-Pepper-Kostüme trug.
Angesichts der begeisterten Publikumsstimmung trat Bob Geldof im Konzertverlauf spontan mit seiner Band auf und sie nutzten dafür teilweise die Instrumente von Travis, die vor Geldof aufgetreten waren. George Michael sang anstelle seines angekündigten Solosongs Praying for Time mit Paul McCartney den Beatles-Titel Drive My Car.
Youssou N’Dour und Dido flogen nach ihrem Duett nach Paris, um abends auch beim dortigen Live-8-Konzert aufzutreten. Auch Elton John, Coldplay, R.E.M. und U2 gaben zusätzlich eigene Konzerte am selben Tag, sodass sie beim gemeinsamen Abschluss-Lied Hey Jude fehlten.
Die Band Pink Floyd stand zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder gemeinsam mit Roger Waters auf der Bühne. Pink Floyd spielten die Titel Speak to Me/Breathe/Breathe Reprise, Money, Wish You Were Here und Comfortably Numb.
Moderiert wurde das Konzert von Fearne Cotton.
Zahlreiche lokale und nationale Radiosender übertrugen das Konzert. Die BBC übertrug es zusammen mit AOL im Internet in einem Livestream sowie auf beiden Haupt-Fernsehprogrammen für Großbritannien in voller Länge. Hinzu kamen Großbildleinwände in 14 britischen Großstädten sowie auf Guernsey.
Bis zu 400 Zuschauer beschwerten sich während der Sendung über Flüche und obszöne oder vulgäre Ausdrücke von Künstlern wie Madonna oder Snoop Dogg auf der Bühne. „Falls sich jemand verletzt fühlen würde“, entschuldigte sich die BBC bereits im Vorfeld dafür, da sie bei einer kompletten Live-Übertragung keinen Einfluss auf die Darbietung hatte.
Paris
Knapp 100.000 Zuhörer erlebten das Konzert vor dem Palais de Versailles nahe Paris (Frankreich), das von 15:00 bis 23:15 Uhr (MEZ) dauerte. Die Behörden hatten Geldofs Wunsch, es unterhalb des Eiffelturms stattfinden zu lassen, abgelehnt.
Rom mini|Live 8 in Rom
Das Konzert fand laut Veranstaltern vor rund 200.000 Besuchern im Circus Maximus in Rom (Italien) statt. Anders als in Berlin hatten die Behörden dem Wunsch der Live-8-Organisatoren entsprochen und einen historischen Platz im Zentrum Roms als Konzertrahmen zur Verfügung gestellt. Im Programm waren viele einheimische Künstler und Bands vertreten.
Berlin mini|Live-8-Konzert in Berlin. Es spielen a-ha.
Das Konzert an der Berliner Siegessäule begann um 14:00 Uhr und sollte um 20:00 Uhr enden, dauerte dann aber bis 00:30 Uhr (Ortszeit). Wie in London kam es zu mehrstündigen Verspätungen einiger Auftritte. Laut Veranstalterangaben kamen rund 200.000 Besucher, die sich auf der Straße des 17. Juni zusammendrängten. Viele konnten das Geschehen auf der Bühne nur über eine der acht zusätzlich aufgestellten Großbild-Leinwände verfolgen. Dies kritisierten Veranstalter und Musiker zum Teil (siehe unten).
Philadelphia
Das Konzert am Museum of Art in Philadelphia (USA) dauerte von 12:00 bis 19:00 Uhr (Ortszeit) bzw. von 16:00 bis 22:00 Uhr (koordinierte Weltzeit). Die Besucherzahl ist unbekannt, da keine Karten verkauft wurden und die Polizei von Philadelphia keine Schätzungen vornahm. Moderatoren, die von der Bühne auf die Menge herabsahen, sprachen von einer Million Zuhörern; die meisten Organisationen gehen dagegen von circa 700.000 aus.
Einige Künstler widmeten ihren Auftritt Luther Vandross, der am Vortag verstorben war. Der Produzent und Organisator, Russell Simmons, hatte sich dafür eingesetzt, dass mehr afroamerikanische Künstler bei diesem Konzert auftreten sollten, darunter einige Def-Poetry-Jam-Dichter.
Übertragen wurde das Konzert in den USA von MTV und VH1, allerdings nicht komplett und auch nicht vollständig live. Einige Male wurden Lieder durch Werbung unterbrochen.
Als ein weiterer Austragungsort des Konzertes wurde ursprünglich auch die US-Hauptstadt Washington, D.C. genannt, das US-Konzert fand dann jedoch wie bereits 1985 in Philadelphia statt.
Barrie/Toronto
35.000 Besucher sahen und hörten das Konzert im Park Place von Barrie (Ontario) nahe Toronto (Kanada). Es dauerte von 11:00 bis 20:00 Uhr (Ortszeit). Bob Geldof hatte im Vorfeld den Wunsch geäußert, das Konzert in Toronto stattfinden zu lassen. Doch nach einer langen Diskussion um einen geeigneten Standort, bei dem auch eine schwimmende Bühne auf dem Ontariosee im Gespräch war, kam man zu dem Entschluss, das Konzert in das 100 Kilometer entfernte Barrie zu verlegen.
Einige Künstler wie das Duo Tegan and Sara und Burton Cummings sagten ab, meist wegen Erkrankungen. Great Big Sea verpassten fast ihren Auftritt, da der Flug von ihrem Konzertort am Vorabend in letzter Minute ausfiel. Darum konnten sie auch nicht alle ihre Instrumente einsetzen. Eröffnet wurde Live 8 Barrie von Tom Cochrane, am Ende spielte Steven Page O Canada von den Barenaked Ladies, das viele der anwesenden Künstler mitsangen.
Für Neil Young, der als letzter Künstler des kanadischen Live 8 auftrat, war es der erste Auftritt, seitdem er an einem Hirn-Aneurysma erkrankt gewesen war.
Chiba
Bereits um 5:00 Uhr (koordinierte Weltzeit) begann im Makuhari Messe Convention Center von Chiba (Japan) das Erste der Live-8-Konzerte, da Japan in der frühesten Zeitzone der teilnehmenden Länder liegt. Mit 10.000 Konzertbesuchern war die Veranstaltungshalle allerdings nur halb gefüllt. Zwar konnten die Eintrittskarten in einer Verlosung gewonnen werden, die teilnehmenden Künstler waren aber nur eine Woche vor dem Konzert angekündigt worden und wurden daher weniger stark beachtet als die Auftritte in London oder Philadelphia. Das Konzert dauerte von 14:00 bis 22:00 Uhr (Ortszeit) und war damit bereits vorbei, als in den meisten anderen Städten die Konzerte erst begannen. Außer ein paar einheimischen Bands traten die Sängerin Björk, die Band McFly sowie die in Japan bekannte US-Punkrockband Good Charlotte um die beiden Zwillinge Benji Madden und Joel Madden auf. Diese beiden waren sehr enttäuscht von der Presse, die über dieses Konzert berichtete, da sie die ganze Situation schlechter dargestellt hatten als es war, so die Maddens.
Johannesburg
Das Konzert am Mary Fitzgerald Square, Newtown, einem Stadtteil von Johannesburg (Südafrika) dauerte von 10:45 bis 17:30 Uhr (koordinierte Weltzeit). Ein Höhepunkt war der Auftritt des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, der für eine Ansprache eingeladen wurde. Das Publikum begrüßte ihn mit einer fünfminütigen stehenden Ovation.
Nach Angaben der Veranstalter nahmen 40.000 Besucher daran teil. Die vor allem von Johannesburgs schwarzer Bevölkerung gelesene Zeitung Sowetan hielt dies für übertrieben, titelte Die Mengen meiden Live 8 und kommentierte:
Eine weitere Lokalzeitung, der Citizen, stellte fest, dass Live 8 im übrigen Afrika kaum bemerkt worden sei, und zog das Fazit:
Moskau
An diesem Konzert auf dem Roten Platz in Moskau (Russland) nahmen den Veranstaltern zufolge 200.000 Besucher teil. Es dauerte von 19:00 bis 22:30 Uhr (Ortszeit) bzw. von 16:00 bis 19:30 Uhr (koordinierte Weltzeit). Bis auf die Pet Shop Boys traten hier fast nur russische Künstler auf. Die Teilnahme von Moskau wurde von Geldof erst wenige Tage vorher bekanntgegeben.
Nach ihrem letzten Lied (Go West) verließen die Pet Shop Boys in der Annahme, die Show sei zu Ende, die Bühne. Da die Zuschauer sich jedoch weigerten zu gehen, betraten die Pet Shop Boys erneut die Bühne und spielten das Lied It’s a Sin ein weiteres Mal als Zugabe.
Cornwall (Eden Project)
Peter Gabriel initiierte dieses zusätzliche Konzert in Großbritannien im Eden Project, Cornwall (13:00 bis 23:00 Uhr Ortszeit) kurzfristig, nachdem öffentlich kritisiert worden war, dass am Live-8-Projekt kaum afrikanische Musiker beteiligt seien. Demgemäß traten außer ihm selbst und Dido hier ausschließlich afrikanische Künstler auf. Es kamen jedoch nur 5000 Zuhörer. Das Konzert hatte damit die geringste Besucherzahl aller Live-8-Konzerte.
Edinburgh mini|Live-8-Konzert in Edinburgh
Am 6. Juli 2005 fand im Murrayfield Stadion von Edinburgh (Schottland) vor rund 60.000 Zuschauern das elfte und letzte Live-8-Konzert unter dem Titel The Final Push statt. Neben zahlreichen Künstlern, die auf der Bühne musizierten, wurde eine Videobotschaft von Nelson Mandela aus Südafrika abgespielt.
Viele Prominente hatten im Vorfeld dazu aufgerufen, in Edinburgh für die Erhöhung der Entwicklungshilfen durch die Teilnehmerstaaten der G8 zu demonstrieren. Bereits vier Tage vor dem Beginn des G8-Gipfels am 6. Juli 2005 forderten dort laut Daily Mail rund 250.000 Demonstranten die Staats- und Regierungschefs unter dem Motto Make Poverty History zum Kampf gegen Hunger und Armut auf.