Wiesen ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen.
Geografie mini|links|hochkant|Gemeindegebiet von Wiesen mini|hochkant|Gemarkung von Wiesen Lage Wiesen liegt in der Region Bayerischer Untermain an der Landesgrenze zu Hessen. Das Dorf befindet sich im Aubachtal an den Staatsstraßen 2305 (Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee) und 2905 (Spessart-Höhenstraße). In der Nähe des Wiesbüttsees hat das Gemeindegebiet eine kleine Exklave, die durch den Wiesener Forst vom Hauptgebiet getrennt ist. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung ist der Gipfel des Hohen Sang mit , der niedrigste liegt am Aubach südlich von Wiesen auf . Durch Wiesen führt der Fränkische Marienweg.
Gemeindegliederung Außer dem Pfarrdorf Wiesen gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Wiesen. Sie hat eine Fläche von 5,637 km² und ist in 2976 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1894,20 m² haben.
Nachbargemeinden
Name Namensherkunft Das Grundwort im Namen Wiesen ist eine Pluralform vom althochdeutschen Wort wisa, das Wiese bedeutet, und weist auf die geografische Lage im oberen, unbewaldeten Talabschnitt des Wiesenbaches (heute Aubach) hin.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:
Jahr Schreibweise 1057 Wisun (nur Flurname) 1331 Wiesin 1339 Wiesen
Geschichte mini|Ortsansicht Wiesen Bis zur Gemeindegründung Wiesen wurde 1339 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zum Herrschaftsbereich der Grafen von Rieneck; im 16. Jahrhundert ging es über an Kurmainz, wo es bis zum Reichsdeputationshauptschluss verblieb.
1803 wurde es zugunsten des neugebildeten Fürstentums Aschaffenburg des Fürstprimas von Dalberg säkularisiert und fiel 1814 (jetzt ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Verwaltungszugehörigkeit Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Lohr am Main gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Wiesen lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Wiesen war nun eine Gemeinde im Landkreis Lohr am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Lohr im Zuge der bayerischen Gebietsreform im Jahre 1972 wurde ein Großteil der Gemeinden dem heutigen Landkreis Main-Spessart zugeschlagen. Auch Wiesen kam zu diesem neuen Landkreis, der zunächst Landkreis Mittelmain hieß, wechselte jedoch am 1. Juli 1976 in den Landkreis Aschaffenburg.
Heute Dank des nahen Wiesbüttmoors und Wiesbüttsees ist Wiesen heute an moderatem Wandertourismus im Spessart angeschlossen, hat sich aber seinen traditionellen Charakter mit wenigen Landgasthöfen, Geschäften, infrastrukturellen Einrichtungen und Handwerksbetrieben bewahrt. In einer kleinen Privatbrauerei von 1888 stellt Wiesen sein eigenes Bier her.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1961 1021 1970 1076 1987 1050 1991 1160 1995 1135 2000 1152 2005 1117 2010 1056 2015 1031 2018 1019 2022 1059 2023 1042
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1051 auf 1019 um 32 Einwohner bzw. um 3 %. In den 1990er Jahren hatte die Gemeinde rund 1150 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus zwölf Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 1001 und 2000.Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern (Gemeindeordnung – GO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. August 1998; Art. 31 – Zusammensetzung des Gemeinderats, abgerufen am 11. Juli 2014 Der Gemeinderat wird für jeweils sechs Jahre gewählt.
Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der Erste Bürgermeister.
Die Kommunalwahlen in Bayern 2014 und 2020 ergaben folgende Ergebnisse: Partei Anzahl Sitze Veränderung Dorfgemeinschaft 12 ± 0 Partei Anzahl Sitze Veränderung Dorfgemeinschaft 12 ± 0
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Willi Fleckenstein (Wählergemeinschaft Dorfgemeinschaft). Dieser wurde bei der Bürgermeisterwahl am 16. März 2014 mit 83,20 % der Stimmen gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 69,7 %.Bürgermeisterwahl Wiesen: 83,20 Prozent für Fleckenstein, abgerufen am 12. Juli 2014 Am 15. März 2020 wurde er mit 98,1 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 70,3 % im Amt bestätigt.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Das Schloss Wiesen der Mainzer Kurfürsten (1597) ist ein dreigeschossiger Kasten mit Rundturm im Ortskern; ob der Renaissancebau wirklich Jagdschloss war, ist nicht belegt. Das Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz und wird aufwendig und liebevoll von dem privaten Bauherren restauriert, die vom Spessartprojekt mit begleitenden archäologischen Forschungen unterstützt werden und interessante Einblicke in die Baugeschichte des Schlosses vermittelten. Es konnte ein spätmittelalterlicher Vorgängerbau nachgewiesen werden: ein steinernes Haus, von dem sich noch der ursprüngliche Gewölbekeller erhalten hat. Die Besiedelungsspuren auf dem Anwesen reichen jedoch bis ins 13. Jahrhundert zurück.Vfl. Das Archäologische Spessartprojekt e. V.: Neben dem „Jagdschloss“ steht die barocke Pfarrkirche St. Jakobus, ein einschiffiger Saalbau von 1724 mit drei Altären und Kanzel aus der Entstehungszeit. Für lokale Veranstaltungen und Festivitäten genutzt wird die Alte Dreschhalle von 1936 (Neubau von 1992 nach einem Brand 1991). An der Kreuzkapelle von 1883 (restauriert 2011) oberhalb des Ortes, auf der Anhöhe Hoher Sang, befindet sich ein Kreuzweg. Das vor der Kapelle aufgestellte Pestkreuz, datiert auf 1610, stand ursprünglich in der Ortsmitte. An der Kreuzkapelle kommt der Eselsweg vorbei, der zwei Kilometer weiter die Birkenhainer Straße kreuzt. An diesem wichtigen Kreuzungspunkt zweier historischer Fernhandelswege hat der Spessartbund 1932 dem Heimatforscher Karl Kihn ein Denkmal gesetzt (so genannter Dr. Karl Kihn-Platz). Der Volkerstein befindet sich oberhalb der Alten Dreschhalle. Stele aus Buntsandstein zur Erinnerung an Volker Helleiner aus Aschaffenburg. Er lebte zuletzt in Wiesen und war Eigentümer des hinter der Stele quer zum Hang verlaufenden Geländestreifens, seinerzeit Acker, nun dauerhafte ökologische Nutzung (Feldhecke) durch die Gemeinde Wiesen. Inschrift auf der Vorderseite (Rainer Maria Rilke, 1875–1926): . Inschrift auf der Rückseite: . Entwurf und Fertigung: Helmut Hirte, Bildhauer und Steinmetz, Aschaffenburg.
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Alte Dreschhalle Wiesen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2020 umgerechnet 1.852 T€, davon waren 1.076T€ (netto) Gewerbesteuereinnahmen.
Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Im Jahre 2020 gab es nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 91 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort zwölf Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 446. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 drei landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 197 ha, davon waren 197 ha Dauergrünfläche.
Bildung Im Jahre 1999 gab es folgende Einrichtungen: Kindergarten: 50 Kindergartenplätze mit 45 Kindern Schule mit vier Klassenzimmern, Turnhalle und Schlittenfahrhang
Persönlichkeiten Magnus Will (* 1834 in Wiesen; † 1896 in Aschaffenburg), Jurist und Politiker, Bürgermeister der Stadt Aschaffenburg Oscar Büdel (1923–2001), Romanist
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Aschaffenburg Kategorie:Ersterwähnung 1339 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Aschaffenburg