mini|Memmingen mini|Der Memminger Marktplatz – die Keimzelle der Stadt mini|Memmingen von Südosten, im Hintergrund das württembergische Berkheim, am Horizont die Schwäbische Alb mini|Gassen der historischen Altstadt (Beispiel Kramerstraße) mini|Obere Bachgasse mit Stadtbach mini|Marktplatz in Memmingen
Memmingen ist eine kreisfreie Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Die frühere Reichsstadt ist Oberzentrum sowie Schul-, Verwaltungs- und Handelszentrum in der Region Donau-Iller. Mit ihrer gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt, den historischen Freiheitsrechten von 1525 sowie traditionsreichen Kulturveranstaltungen zählt sie zu den bedeutenden historischen Städten Bayerisch-Schwabens. Das Stadtgebiet grenzt im Westen an die Iller, die hier die Grenze zu Baden-Württemberg bildet, und ist nach Norden, Osten und Süden sowie im Westen mit dessen Exklave Buxheim vom Landkreis Unterallgäu umgeben.
Die in Oberschwaben liegende Stadt ist mit Einwohnern (Stand: ) die fünftgrößte Stadt im Regierungsbezirk Schwaben. Die Ursprünge der Stadt reichen bis in die Römerzeit. Die Altstadt gehört mit ihren vielen Plätzen, Bürger- und Patrizierhäusern, Palästen, Kirchen, Stadttoren und der Stadtbefestigung zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtanlagen Süddeutschlands. Durch die gute Verkehrsanbindung auf Straße, Schiene und in der Luft ist sie der Verkehrsknoten Oberschwabens, des Allgäus und Mittelschwabens. Durch den Flughafen Memmingen dient die Stadt vielen Flugreisenden als Ausgangspunkt für Reisen in das Allgäu, nach Bayerisch-Schwaben sowie zu weiteren Reisezielen in Bayern und der Bodenseeregion.
Internationale Bekanntheit erlangte Memmingen durch die Zwölf Artikel von 1525, die als eine der frühesten Forderungen nach Freiheits- und Menschenrechten in Europa gelten. Dieses historische Erbe prägt das Selbstverständnis und den Slogan der Stadt als „Stadt der Freiheitsrechte“ und wird unter anderem durch den Memminger Freiheitspreis 1525 gewürdigt.
Zu den bekanntesten Veranstaltungen zählen der jährlich stattfindende Fischertag sowie die alle vier Jahre ausgetragenen Wallensteinfestspiele, die zu den größten historischen Festspielen Europas gehören und somit zählt Memmingen zu den bedeutenden touristischen Destinationen Bayerisch-Schwabens. Neben der Geschichte prägen die Altstadt, Märkte, Gastronomie und kulturelle Veranstaltungen das Stadtbild. Zahlreiche überlieferte Sagen und Legenden sind eng mit der Geschichte der Stadt verbunden und werden bis heute im Rahmen von Stadtführungen, Publikationen und kulturellen Angeboten vermittelt.
Geographie mini|Übersichtskarte mini|Altstadt mit Sehenswürdigkeiten
Geographische Lage Memmingen liegt nahe der bayerischen Westgrenze zu Baden-Württemberg an der Iller, etwa 50 Kilometer südlich von Ulm und 115 Kilometer südwestlich von München im Memminger Trockental, das dem Iller-Gletscher während der letzten Eiszeit als Hauptabflussrinne diente. Das Memminger Trockental gehört geographisch zum Bereich Ober- beziehungsweise Mittelschwaben. Natürlich begrenzt wird das Stadtgebiet im Westen durch die Buxacher Halde, im Südosten durch das Benninger Ried, im Osten durch die Talflanke, auf der die Gemeinde Memmingerberg liegt. Im Nordosten begrenzt der Ortsteil Eisenburg das Stadtgebiet. Die Frage, ob Memmingen im Allgäu liegt, wird von der Stadtverwaltung aus touristischen Gründen meist bejaht. Aufgrund der kultur- und bauhistorischen Geschichte ist Memmingen jedoch dem Bereich Oberschwaben zuzurechnen.Memminger Forum für schwäbische Regionalgeschichte 9. bis 11. November 2007 im Rathaus Memmingen.
Geologie Memmingen befindet sich auf einem alten Gletscherplateau. Der Boden ist in der Kernstadt meist sandig, in den Ortsteilen und im Memminger Westen lehmig. An einigen Stellen hat der Gletscher Kies hinterlassen (z. B. auf der Steinheimer Flur). Im Osten ist der Grundwasserspiegel sehr hoch (meist 1,5 bis 2,5 Meter unter der Erdoberfläche); dort entspringen viele kleinere Bäche. Die Stadt liegt teilweise auf altem Moorgebiet. Von dort wurden bereits zur Zeit der Stadtgründung Gewässer gebündelt und in die Stadt geleitet. Dadurch entstand die Memminger Ach. Das Industriegebiet Nord befindet sich auf einem fruchtbaren, humusreichen Boden und war ehemals die Kornkammer Oberschwabens. Heute werden nur noch Randgebiete in Richtung Heimertingen und Buxheim landwirtschaftlich genutzt. Der Ortsteil Eisenburg liegt auf einer Ansammlung von größeren, durch den Gletscher zusammengedrückten Steinformationen, die ein eigenes Hochplateau bilden.Lt. Amt für technischen Umweltschutz MM, Bauamt MM, Umweltamt MM.
Geografische Daten der Stadt Memmingen: Tiefster Punkt: (Iller bei Egelsee) Höchster Punkt: (Wasserspeicher im Eisenburger Wald) Das Ortsmittel beträgt (Marktplatz)
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet Memmingens misst in der größten Nord-Süd-Ausdehnung 14,6 Kilometer, in der Ost-West-Richtung sind es 11,4 Kilometer. Der Umfang der Stadt beträgt 82,469 Kilometer. Die Gesamtfläche beträgt 70,14 Quadratkilometer, davon sind 3481 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 1709 Hektar Wald. Die Gewässerflächen betragen 52, die öffentlichen Verkehrsflächen 531 und die Erholungs- und Grünflächen 70 Hektar.
Stadtgliederung
Stadtviertel und Ortsteile: Memmingen, Altstadt, Amendingen, Aumühle, Baltensiedlung, Baumsiedlung, Berliner Freiheit, Bleiche, Blumensiedlung, Brunnen, Buxach, Buxachermühle, Buxachtal, Dichterviertel, Dickenreishausen, Dobelhalde, Egelsee, Eisenburg, Ferthofen, Galgenberg, Galgenberghalde, Grünenfurt, Hart, Hitzenhofen, Hühnerberg, Illerfeld, Illerfeld, Im Dickenreis, Kälberhalde, Kalkerfeld, Künersberg, Künstlerviertel, Mitteresch, Musikerviertel, Neue Welt, Oberesch, Ölmühle, Priemen, Pulverbauer, Römersiedlung, Schnaid, Spitalmühle, Stadelesmühle, Steigmühle, Steinheim, Straßbauer, Straßbauerhölzl, Teichgarten, Unteresch, Unterhart, Volkratshofen, Wegmann und Weidenbühl.
Es existieren die Gemarkungen Memmingen, Amendingen, Buxach, Dickenreishausen, Eisenburg, Ferthofen, Steinheim und Volkratshofen.
Klima Memmingen liegt mit der Jahresdurchschnittstemperatur und der Niederschlagsmenge in der gemäßigten Zone. Der Niederschlag ist meist etwas höher und die Tiefsttemperaturen etwas niedriger als der Durchschnitt. Im Frühjahr und Herbst ist durch die nahe Iller und die durch die Stadt fließende Memminger Ach dichter Nebel in der Altstadt und den westlichen Ortsteilen recht häufig. Der kälteste Monat ist der Januar mit einer durchschnittlichen Tagestiefsttemperatur von −5 °C und einer durchschnittlichen Tageshöchsttemperatur von +2 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit je 12 °C durchschnittlicher Tiefsttemperatur und 24 °C durchschnittlicher Höchsttemperatur.
Panoramaansicht
Geschichte Geschichte der Stadt Memmingen
Die erste Besiedlung bereits in der Steinzeit ist durch Funde an der Iller bei Ferthofen belegt. Erste Baufunde stammen aus der Römerzeit. Vermutlich befand sich dort ein kleiner Wacht- und Siedlungsposten. Hierfür kommen zwei Namen, Jochen Garbsch, Peter Kos: Das spätrömische Kastell Vemania bei Isny. Zwei Schatzfunde des frühen vierten Jahrhunderts (= Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Band 44). Beck, München 1988, ISBN 3-406-33303-6, S. 109. oder in Betracht. Reste der Siedlung befinden sich unter der St.-Martins-Kirche und dem Antoniterkloster. Ob nach Abzug der Römer ein neuer Herr die Siedlung übernahm, ist nicht feststellbar. Da der Einflussbereich des Klosters St. Gallen kurz vor Memmingen endete, müssen vor allem im Kloster Augsburg Unterlagen über die Fluren vorhanden gewesen sein. Durch die mehrmalige Zerstörung der Augsburger Bibliothek gingen Dokumente verloren. Aufgrund der Endung -ingen kann allerdings von einer Namensgebung um das 4. und 5. Jahrhundert ausgegangen werden. Ziemlich sicher ist, dass im 5. Jahrhundert eine alemannische Siedlung gegründet wurde. Ab dem 7. Jahrhundert wird ein fränkischer Königshof vermutet. Damals könnte eine erste Kirche erbaut worden sein. Unter der Frauenkirche befinden sich Reste romanischen beziehungsweise frühromanischen Baustils. Der Name Memmingen ist vermutlich auf einen Königshof bei der Siedlung des Mammo zurückzuführen. Im Laufe der Zeit verschwand die Siedlung und nur der Name blieb erhalten.
Durch die Salzstraße von Böhmen, Österreich und München nach Lindau und die Straße von Norddeutschland in die Schweiz und nach Italien erlangte der Handelsposten zunehmende Bedeutung. Erstmals erwähnt wurde der Ort Mammingin im Jahre 1128 in einer im Kloster Ochsenhausen verfassten Urkunde, in der die Verhandlung eines Streitfalles und ein Landtag von 1099 erwähnt werden. Daraus ist zu schließen, dass Memmingen für die Welfen bereits ein bedeutender Ort war, da Landtage nur in machtpolitischen Zentren stattfanden. Der Ort Memmingen ist relativ schnell zur Stadt herangewachsen. Verschiedene Funde bei Ausgrabungen 1991 im Bereich des Antoniterklosters und des Marktplatzes belegen, dass die Besiedelung im 9. Jahrhundert noch relativ klein war. Im 11. und 12. Jahrhundert ist allerdings ein hohes Bevölkerungswachstum erkennbar. Der andauernde Streit mit den Welfen veranlasste 1130 den Staufer Friedrich von Schwaben, neben Memmingen auch Ravensburg und Altdorf (heute Weingarten) zu zerstören. Memmingen brannte damals bis auf die Grundmauern ab. Noch heute zeugen Aschespuren im Boden von diesem Ereignis. 1142 siegelte Heinrich der Löwe in der . Im Februar 1151 trafen sich in Memmingen Heinrich der Löwe, Welf VI., der Stauferherzog Friedrich II. von Schwaben, Graf Adolf II., Graf Gottfried von Ronsberg sowie mehrere staufische und welfische Ministeriale, um einen Kompromiss im Streit zwischen den Welfen und den Staufern zu finden. Dies zeigt, welch hohen Rang der Ort bereits zu dieser Zeit gehabt haben muss.
Im Jahr 1158 wurde Memmingen durch Herzog Welf VI. zur Stadt erhoben. Nach dessen Tod ging 1191 die Stadt an den Staufer Konrad, den Bruder Kaiser Heinrichs VI. Der letzte Staufer, Konradin von Hohenstaufen, starb 1268 in Neapel. Damit fiel die Stadt an das Reich zurück, wurde 1286 durch den römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg zur Freien Reichsstadt erklärt und damit direkt dem deutschen König unterstellt. Sie erhielt die königliche Bestätigung des tradierten Stadtrechts und wurde mit Überlinger Recht ausgestattet. Zehn Jahre später erhielt Memmingen zusätzlich das Ulmer Recht. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert war die Blütezeit der Reichsstadt. Dies zeigte sich vor allem in der regen Bautätigkeit, im Handel und im Aufblühen der Kultur. mini|alt=|Der 1471 erbaute Bettelturm mini|hochkant|Fassade der Kramerzunft am Weinmarkt in Memmingen. Motiv: Verlesung der 12 Artikel des Bauernaufstandes.
1445 wurde die Stadt letztmals mit einem Mauergürtel, dem Ulmer Tor und vier neuen Türmen erweitert. 1478 errichtete Peter Fort eine Papiermühle. 1480 eröffnete Albrecht Kunne aus Duderstadt ein Druck-Offizin, das bis 1520 rund 200 verschiedene Drucke veröffentlichte. Unter anderem wurde dort 1519 America als Bezeichnung des neuen Kontinents verwendet. Es ist einer der frühesten Belege für diesen Namen, der 1507 von dem Kartografen Martin Waldseemüller erstmals verwendet worden war (Jacob Stoppls ).Städtisches Memmingen, Stadtarchiv Memmingen.