Der Hausesel (Equus asinus asinus) ist ein weltweit verbreitetes Haustier. Seine Stammform ist der Afrikanische Esel. Der Asiatische Esel (Equus hemionus), auch als Halbesel bezeichnet, ist eine weitere wilde Pferdeart, die von der Stammform des Hausesels zu unterscheiden ist.
Merkmale
mini|hochkant|links|Kopf eines Esels Esel sind ponygroße Vertreter der Pferdefamilie mit sehr langen Ohren, Stehmähne und einem Schwanz mit Endquaste. Die Fellfarbe ist grau oder braun bis schwarz, manchmal rötlich. Daneben gibt es auch gescheckte Esel. Sehr selten sind rein weiße Esel (Asinara auf Sardinien, österr./ungar. Albino- oder Barockesel). Über den Rücken verläuft meistens ein Aalstrich, zudem über die Schultern ein Querstrich (Schulterkreuz) und die Beine sind häufig zebraartig gestreift. Der Bauch ist weiß, ebenso der Bereich um das Maul und die Augen.
Anders als beim Hauspferd sind die Hufe des Esels einem trockenen Untergrund angepasst. Die Hufwand der Eselhufe kann mehr Wasser aufnehmen als die der Pferde und ist widerstandsfähiger gegen Abrieb. Dies ist ein Vorteil in trockener Umgebung, aber ein Nachteil in feuchtem Klima. Esel benötigen deshalb eine darauf angepasste Haltung, die es ihnen ermöglicht, Nässe zu vermeiden.S. D. White: Donkey Dermatology. In: Vet Clin Equine. 29, 2013, S. 703–708. doi:10.1016/j.cveq.2013.08.002 (Volltext, PDF)
Esel haben je nach Rasse eine Schulterhöhe von 80 bis 160 cm und werden bis zum Stockmaß von 100 cm als Zwergesel, ab 120 cm als Großesel bezeichnet. Sie sind mit 2 bis 2 ½ Jahren geschlechtsreif. Im Prinzip ist eine Paarung ganzjährig möglich, in der Regel findet sie jedoch im Frühjahr statt. Nach einer Trächtigkeitsdauer von 12 bis 14 Monaten wird gewöhnlich ein Junges, manchmal auch zwei geboren. Bis zur Eigenständigkeit dauert es etwa sechs bis neun Monate. Esel sind in der Regel langlebiger als Pferde und können über 40 Jahre alt werden.
Besonderheiten mini|Störrischer Esel im Straßenverkehr (Bild: Berlin 1936) Neben den rein äußerlichen Unterschieden zu Pferden verfügen Esel über einige Besonderheiten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Im Gegensatz zu Pferden besitzen Esel fünf statt sechs Lendenwirbel. Esel verfügen über 31 Chromosomenpaare, Pferde haben 32. Die Körpertemperatur ist bei Eseln etwas niedriger, sie beträgt durchschnittlich 37 °C statt der üblichen 37,5 bis 38,2 °C bei Pferden. Die Tragzeit ist bei Eseln länger als bei Pferden. Im Durchschnitt beträgt sie 365 bis 370 Tage gegenüber 330 Tagen beim Pferd. Bedeutend sind auch Unterschiede im Verhalten: Pferde neigen in Stresssituationen zur Flucht, Esel hingegen zum Innehalten. Eselstuten leben oftmals alleine mit ihren Fohlen im Gebirge und eine sofortige Flucht ist deshalb nicht immer möglich, ohne das Fohlen zu gefährden.F. Burden, A. Thiemann: Donkeys Are Different. In: J Equine Vet Sci. 35, 2015, S. 375–382. doi:10.1016/j.jevs.2015.03.005 (Volltext, PDF) Esel bleiben oft wie angewurzelt stehen. Zusätzlicher Stress, zum Beispiel durch Schläge oder Schreie, verstärkt diese Starre eher, woraus der Ruf des Esels als besonders stures oder dummes Tier resultiert. Dies ist jedoch falsch. Esel leben ursprünglich in schroffem Ödland und felsigem Gebirge.Gertrud, Helmut Denzau: Wildesel. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7995-9081-1. Esel sind sehr aufmerksam. Sie prüfen genau, wohin sie treten. Anders als beim Pferd – einem Bewohner offener Steppen – würde eine kopflose Flucht der Tiere im steilen oder steinigen Gelände zum sicheren Tod führen.
Wildesel und verwilderte Hausesel Wie auch beim Pferd kann man zwischen ursprünglichen Wildeseln und verwilderten Hauseseln unterscheiden. In mehreren Unterarten war der Afrikanische Esel einst über Nordafrika und Vorderasien verbreitet, heute leben nur mehr wenige hundert Tiere im nordöstlichen Afrika (Äthiopien, Eritrea, Somalia und Sudan).
Verwilderte Hausesel gibt es dagegen in vielen Regionen der Welt. Zu ihrem Verbreitungsgebiet gehören auch die Länder, in denen echte Wildesel beheimatet sind, was Anlass zur Sorge gibt, dass sich beide Bestände vermischen und die genetische Reinheit der Wildesel zerstören könnten. 1,5 Millionen verwilderte Hausesel durchstreifen das Innere Australiens. Im Südwesten der USA leben etwa 6000 verwilderte Esel, die hier (spanisch für „Esel“) genannt werden. Als historisches Symbol werden diese Burros geschützt; dies ist aber umstritten, da sie durch Konkurrenz bei Nahrungs- und Wassersuche einen Rückgang der einheimischen Dickhornschafe verursacht haben sollen. Eine der wenigen Populationen verwilderter Esel in Europa kommt im Norden der Mittelmeerinsel Zypern auf der Halbinsel Karpas vor. Sie sind dunkelbraun bis schwarz und wesentlich größer als ihre ursprünglich ausgewilderten Artgenossen. Oft besitzen sie Zebrastreifen an den Beinen.
Domestikation mini|hochkant|Hortus sanitatis, Mainz 1491 Abbildung zum Kapitel Asinus – Esel, Sackträger DNA-Untersuchungen bestätigen bestehende Theorien zur Phylogenese der Esel, dass alle heutigen Hausesel vom Afrikanischen Esel abstammen und mit diesem auch fertil kreuzbar sind. Esel wurden früher als Pferde domestiziert und stellen damit eines der ersten den Menschen zur Verfügung stehende Lasttiere dar. Die Domestikation erfolgte vor mehr als 7000 Jahren in Ostafrika.Evelyn T. Todd et al. 2022. The genomic history and global expansion of domestic donkeys. Science 377 (6611): 1172-1180; doi: 10.1126/science.abo3503 In Mesopotamien wurde auch der Asiatische Esel eingekreuzt, wie genetische Befunde an einem Tier aus einem bronzezeitlichen Grab bei Umm el-Marra in Syrien belegen. Die dafür verwendeten Wildtiere entstammen dem Syrischen Halbesel.E. Andrew Bennett, Jill Weber, Wejden Bendhafer, Sophie Champlot, Joris Peters, Glenn M. Schwartz, Thierry Grange, Eva-Maria Geigl: The genetic identity of the earliest human-made hybrid animals, the kungas of Syro-Mesopotamia. In: Science Advances. 8, 2022, S. eabm0218, doi:10.1126/sciadv.abm0218. Schon vor dem klassischen Altertum gelangten Esel nach Europa. Die Etrusker hatten Hausesel, die vermutlich aus Kleinasien stammen. Nach Griechenland gelangten Hausesel etwa 1000 v. Chr. Nördlich der Alpen kommen Esel erst seit der römischen Zeit vor.
Nutzung
Reit- und Lasttier Ursprünglich wurden Esel auch als Reittiere und zum Ziehen von Wagen verwendet. Später wurden sie in der Regel von Pferden abgelöst, die schneller und kräftiger waren. Ab dieser Zeit tauchen Esel in den Überlieferungen alter Kulturen kaum noch auf. Dass man den Esel vor allem als Packtier weiter verwendete, liegt an seiner Zähigkeit. Viel länger als ein Pferd kann ein Esel ohne Wasser und Nahrung auskommen. Esel wurden bevorzugt auch in Mühlen gehalten und dienten dort als Sackträger für Getreide und Mehl. Da Esel anders als Pferde schwindelfrei sind, waren und sind sie in steilen Bergen ein bevorzugtes Reit- und Lasttier (Lastesel).
Heil- und Lebensmittel
mini|Eselsgelatine Ejiao Neben der traditionellen Verwendung als Trag- und Zugtier werden Esel auch zur Fleischgewinnung (Salami), als Milchproduzenten (Eselsmilch) und zur Lederherstellung verwendet. Eselfleisch wird wegen seiner Zähigkeit und Eigengeschmacks nur behelfsmäßig verwendet; in einigen orientalischen Ländern wird das Fleisch junger Tiere oder das der großen Rassen (Poitou-Esel) geschätzt, letzteres kann wie Pferdefleisch eingestuft werden. In Südfrankreich, wo kleine Eselrassen gehalten werden, wird deren zähes und streng schmeckendes Fleisch nur zu Wurst verarbeitet. Im Mittelalter wurde auch das Schmalz (ausgelassene Fett) von Eseln heilkundlichGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 373 (eslein smaltz). genutzt.
Zur Herstellung von Pergament hielt man im Mittelalter Eselhaut für besonders geeignet. In Ostasien wird Eselhaut seit Jahrhunderten zu einer dunklen Gelatine oder zu Pulver verarbeitet und als Heilmittel, genannt Ejiao (), in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Die steigende Nachfrage aus China führt weltweit zu rapide sinkenden Eselbeständen.
Landschaftspflege und Beweidung mini|Video: Esel als Bodenmanager Wegen seines Abwehrverhaltens gegen Hundeartige wird er von Schäfern auch als Herdenschutzesel eingesetzt. In der tiergestützten Therapie und der Pädagogik kommt der Esel zunehmend zum Einsatzsiehe Merkblatt Nr. 131.1 des Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V. zu Esel im sozialen Einsatz mit Haltungsrichtlinien, Stand Aug. 2013. In Europa wird er auch als Reittier im Tourismus eingesetzt (Burro-Safari, Strandritte).
Die Beweidung mit Eseln stellt ein effektives, jedoch bislang wenig verbreitetes Werkzeug der Landschaftspflege dar. Vor allem zur Pflege wertvoller Trocken-Lebensräume haben sie sich sehr gut bewährt. In Kombination mit anderen Weidetieren oder manueller Pflege kann zudem die Regeneration lichter Kiefernwälder erreicht werden. Dominante Ruderalgräser wie das Land-Reitgras lassen sich durch Esel gut zurückdrängen. Gleichzeitig fördern sie durch Störstellen wuchsschwache Pflanzen. Im Vergleich zu Pferden sind Esel geländegängiger und verbeißen Problemarten wie Orientalisches Zackenschötchen, Distel oder Brennnessel. Gegenüber Schafen, Rindern und Ziegen haben Esel eine höhere Lebenserwartung. Verglichen mit Schafen fressen Esel mehr Gehölze und grasartige Pflanzen und bauen zudem die Streuschicht besser ab. Allerdings sind sie aufwendiger zu führen. So kann eine Person nur ein bis zwei Esel führen, als Schafherde hingegen mehrere 100 Tiere.A. Zehm, A. Fölling, R. Reifenrath: Esel in der Landschaftspflege – Erfahrungen und Hinweise für die Beweidungspraxis. In: Anliegen Natur. 37(1), 2015, S. 55–66. (PDF 1,1 MB)
Haltung
Richtlinien für eine artgerechte Tierhaltung sind beispielsweise vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium herausgegeben worden. Demnach sollten Esel niemals als Einzeltiere, sondern stets in Gruppen von mehreren Eseln gehalten werden, jedoch nicht als reine Hengstgruppen. Sie benötigen eine ausreichend große Weide (z. B. mindestens 500 m² für fünf Tiere) mit Witterungsschutz. Außerdem wird ein Stall mit ausreichend Platz benötigt (mindestens 5 m² pro Tier, alle Esel sollten sich gleichzeitig im Stall hinlegen können). Der Stall muss Schutz vor Regen, Wind und Kälte bieten, insbesondere im Winter. Stuten mit Fohlen sollten separat untergebracht werden.
Bei der Fütterung ist neben einer ausreichenden Wasserversorgung zu beachten, dass die Nahrung einen hohen Anteil an Rohfasern enthält (größer als bei Pferden), wie beispielsweise Holz, verholzte Sträucher, Stroh und Heu. Eine Überversorgung mit energiereicher Kost (z. B. Getreide) führt zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und Hufveränderungen.
Empfohlen ist weiterhin eine tägliche Kontrolle der Tiere, insbesondere der Hufe, die leicht zu Strahlfäule neigen. In größeren Zeitabständen ist auch das Gebiss zu kontrollieren. Die Hufe müssen regelmäßig korrigiert werden, eine Behandlung gegen Endoparasiten und Impfungen sind ebenfalls notwendig. Bei der Tierbetreuung ist auch darauf zu achten, dass die Esel ausreichend Beschäftigung haben.
Die Tiere dürfen durchaus Lasten tragen oder ziehen. Um gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, sollte das zu tragende Gewicht höchstens 20 % des Eselgewichtes betragen (also beispielsweise bei einem 200 kg schweren Esel maximal 40 kg Traglast). Das Reiten auf einem Esel ist daher in vielen Fällen nicht möglich. Bei der Zuglast gilt das Doppelte des Eselgewichtes als gerade noch zumutbar.