mini|hochkant=1.65|Blick über Enger mit der Stiftskirche
Enger ist eine kreisangehörige Stadt im Südwesten des ostwestfälischen Kreises Herford im Nordosten von Nordrhein-Westfalen. Mit Einwohnern ist Enger per Definition eine Mittelstadt. Die Stadt Enger führt seit dem 19. März 2012 offiziell den Beinamen Widukindstadt, weil in der Stadt der Sachsenherzog Widukind begraben sein soll.PM Innenministerium Enger wurde 804 erstmals schriftlich erwähntBirgit Meineke: Die Ortsnamen des Kreises Herford. Westfälisches Ortsnamenbuch (WOB). Verlag für Regionalgeschichte, Gütersloh 2011, S. 94 und hat seit 1719 das Stadtrecht.
Geografie Geografische Lage mini|Topographische Karte
Enger liegt im Ravensberger Hügelland beziehungsweise im Ravensberger Land zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge im Nordosten des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. In Westerenger (beim Ringsthof, Heßkamp) liegt der höchste Punkt der Stadt Enger mit . Dies ist jedoch kein markanter Berg, sondern eine geographisch unscheinbare Marke in einem nach Südwesten noch weiter ansteigenden Gebiet. Der tiefste Punkt in Enger liegt im Ortsteil Siele an der Sieler Beeke im Norden mit rund , wo das Gebiet in das Werfer Bruch abfällt. Die Stiftskirche in Enger liegt auf einer Höhe von .
Der Brandbach (in Enger auch Bolldammbach genannt) entspringt bei Pödinghausen. Er entwässert mit seinen Zuflüssen Bruchgraben, Baringer Bach, Mühlenbach, die alle im Stadtgebiet entspringen, den größten Teil des Stadtgebiets nach Nordwesten Richtung Hiddenhausen und letztendlich bei Südlengern in den Werrenebenfluss Else, die das Stadtgebiet jedoch nicht durchfließt. Der Werfener Bach und sein Zufluss Sieler Beeke entwässern das nördliche Stadtgebiet nach Norden hin zur Else. Im Südosten des Stadtgebiets entwässern Asbeke und ihr Nebenfluss Eickumer Mühlenbach das Gebiet Richtung Herford und letztlich via Johannisbach und Westfälische Aa in die Werre. Der Bolldammbach tritt bei starken Regenfällen über seine Ufer und überflutet das Naturschutzgebiet Enger Bruch.
Die nächstgelegenen Großstädte sind das rund 15 km südlich gelegene Bielefeld und das etwa 45 Kilometer westlich gelegene Osnabrück. Hannover liegt rund 100 km nordöstlich von Enger.
Geologie mini|Geothermische Karte von Enger
Das Gebiet gehört naturräumlich zur Ravensberger Mulde, einem leicht welligen, zwischen 50 und liegenden Hügelland. Zahlreiche kleine Täler, so genannte Sieke, schneiden oft unvermittelt und tief in das sonst nur schwach kuppierte Land ein. Geologisch liegen im Wesentlichen Liasplatten mit Lößauflage vor, die durch Zertalung im Pleistozän zum Hügelland umgestaltet wurden. Unter der Lößdecke finden sich teilweise Geschiebelehme. Weitere Hinterlassenschaft der Eiszeiten sind die häufig anzutreffenden Findlinge. Im Norden reicht das Stadtgebiet bis an den Rand des Elsetals beim Werfener Bruch, wo weniger Löß, sondern Terrassenschotter vorliegt. Im Norden um das Hücker Moor, das in der Nachbarstadt Spenge liegt, findet man Reste von Torf.
Enger eignet sich mittelmäßig bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Die Ergiebigkeit erhöht sich auf einer in etwa vom südwestlichen zum nordöstlichen Gemeindegebiet verlaufenden Diagonalen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|Flächennutzung in Enger
Enger hat eine Gesamtfläche von 41,21 km² und eine maximale Nord-Süd- sowie West-Ost-Ausdehnung von rund 7 km. Das Gebiet ist vergleichsweise dicht besiedelt und wird daneben vor allem landwirtschaftlich genutzt. Das Stadtgebiet ist daher sehr waldarm. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht der Flächennutzung:
Flächenach Nutzungsart Siedlungs- undVerkehrsfläche Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche sonstigeFreiflächen Fläche in Hektar 1089 2750 234 61 Anteil an Gesamtfläche 26,4 % 66,7 % 6,7 % 1,5 % Quelle: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Westen an Spenge, im Norden an Bünde, im Osten an Hiddenhausen sowie Herford und im Süden an die kreisfreie Stadt Bielefeld.
Stadtgliederung Die Stadt Enger gliedert sich in folgende neun Stadtteile, die vor der Neugliederung des Landkreises im Jahr 1968 eigenständige Gemeinden im Amt Enger waren. Die Einteilung der neuen Gemeinde entsprach im Wesentlichen der Einteilung des Amtes Enger. Die einzige größere Änderung betraf Herringhausen-Ost, das in die Stadt Herford eingegliedert wurde., PDF Einen Überblick über die Bevölkerungszahlen, die Fläche und die Bevölkerungsdichte in Einwohner je km² gibt folgende Tabelle (Stand 31. Dezember 2007):, Stand 31. Dezember 2007.
Ortsteil Einwohner Fläche Dichte Ortsteile der Stadt Enger 300px|zentriert|Lage der Ortsteile der Stadt Enger Belke-Steinbeck 2406 382 ha 630 Besenkamp 1842 399 ha 462 Dreyen 1412 409 ha 345 Enger 7917 489 ha 1619 Herringhausen (West) 445 462 ha 96 Oldinghausen 770 506 ha 152 Pödinghausen 2236 327 ha 684 Siele 119 302 ha 39 Westerenger 3790 849 ha 446
Klima Enger liegt wie ganz Ostwestfalen klimatisch im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas. Die Klimadaten für das benachbarte Herford, die sich kaum von den Daten Engers unterscheiden dürften, sind im langjährigen Mittel (1971–2000) in der folgenden Tabelle angegeben:
Monat Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr Temperatur in °C 1,8 2,2 5,3 8,4 13,0 15,6 17,7 17,4 13,8 9,8 5,4 3,1 9,5 Niederschlag in mm 72 49 65 53 65 82 69 71 73 61 64 80 804
Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte 800 bis 1599 Um das Jahr 800 werden drei miteinander verwandte Männer beigesetzt. Die Gräber wurden im Chor der historischen Stiftskirche gefunden.Enger – Stiftskirche Im Jahr 948 wird Enger erstmals in einer Stiftungsurkunde Ottos des Großen erwähnt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 157. 1305 wird im Zuge einer kriegerischen AuseinandersetzungStiftskirche Enger. Broschüre der Ev. Luth. Kirchengemeinde Enger, S. 27 (Baugeschichte) die Zerstörung der Burg Enger beschlossen. Im 13. Jahrhundert herrschen in Enger die Edelherren von Lippe, die ihre Macht von Heinrich dem Löwen verliehen bekamen und von diesem Zeitpunkt an als Vögte tätig sind.Gustav Engel: Dorf, Stadt und Amt Enger. Enger 1981, S. 27f. 1408 fällt Enger an die Grafschaft Ravensberg und wird Sitz einer Vogtei im Amt Sparrenberg. Das Kollegiatstift für weltliche Kanoniker zieht 1414 „aus Sicherheitsgründen“ in das befestigte Herford. Das Stift war vor 947 von der Widukind-Nachfahrin Mathilde I., der Frau Heinrich I., gegründet worden. Nach dem Tode Königin Mathildes übertrug Otto I. das Kanonikerstift 968 dem Erzbistum Magdeburg. Daher erklärt sich, dass der in Fulda entstandene und in Magdeburg gebundene Codex Wittekindeus in das Engeraner Stift gelangen konnte. Beim Umzug des Stiftes gelangte das Evangeliar nach Herford. Es wurde im 17. Jh. als Huldigungsgeschenk des 1647 brandenburgisch gewordenen Herfords dem Großen Kurfürsten übergeben und wird seitdem in der Berliner Staatsbibliothek (Theol. lat. fol. 1) aufbewahrt.Enger – Turm der Kirche
1600 bis 1814 1614 geht Enger mit Ravensberg an Brandenburg-Preußen. Am 20. Oktober 1719 erfolgt die Stadterhebung Engers (gemeinsam mit Preußisch Oldendorf und Bünde) durch Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Am 2. Mai 1747 ereignet sich ein großer Brand in Enger, der mehrere Todesopfer fordert. Es verbrennen 53 Häuser, vor allem im Bereich der Bünder Straße, der Bahnhof-, der Brand- und der Renteistraße. 1757 besetzt Frankreich im Zuge des Siebenjährigen Krieges erstmals die Stadt. Enger wird 1807 Teil des de facto französischen Königreichs Westphalen und am 1. Januar 1811 in das französische Kaiserreich eingegliedert.
1815 bis 1932 1815 kommt Enger wieder zu Preußen, zunächst im Kreis Bünde, dann im Kreis Herford. Am 19. Januar 1873 wird das Evangelische Krankenhaus eröffnet; drei Jahre vorher mietet die ev.-luth. Kirchengemeinde im Männerasyl acht Betten zur Pflege Kranker und Verwundeter an. 1898 gibt es im Ort erstmals elektrisches Licht. Es wird mittels Dampfkraft erzeugt und vom Müller Riepe geliefert, der schon vorher mit einer Wassermühle, die er bald durch eine Windmühle ergänzte, Energie erzeugte. Zwei Jahre später, am 10. August 1900, nimmt die Herforder Kleinbahn ihren Betrieb auf. Auf der Rückfahrt des allerersten Zuges, bei der auch Engeraner Stadtverordnete als Passagiere an Bord sind, entgleist der Zug in Höhe Oetinghausen. 1901 folgt die Eröffnung der Bielefelder Kreisbahn über Jöllenbeck, Schildesche zum Bielefelder Kreisbahnhof (Streckenlänge 16 km). Ein großes Fest wird am 7. August 1903 auf dem Vorplatz der Kirche gefeiert. Feierlich wird das Wittekind-Denkmal eingeweiht. Die wilhelminische Figur steht heute nicht mehr auf ihrem Sockel. Während des Ersten Weltkriegs sterben 408 Einwohner aus dem Amt Enger. Für sie wird ein Denkmal errichtet, das heute am Friedhof steht. Zwischen 1925 und 1928 wird das Freibad errichtet und ein Sportplatz angelegt.
1933 bis 1945 1934 wird der Ort durch Anschluss an das Gaswerk Bünde erstmals mit Gas versorgt. Drei Jahre später (1937) fährt die Müllabfuhr erstmals den Hausmüll ab. Im Jahr 1939 wird in Enger eine Widukind-Gedächtnisstätte eröffnet. Hintergrund ist der Versuch der Nationalsozialisten, die Stadt als Identifikationsort nationalsozialistischer Weltanschauung auszubauen. Nach Meinung der Nationalsozialisten würde sich der Widukind-Stoff besonders dazu eignen. So nahmen die Nationalsozialisten neben elf anderen Städten Enger in den König-Heinrich-Kult auf. Ein sichtbares Symbol des Widukind-Kults war das Widukinddenkmal am Kirchplatz. Doch als im Zweiten Weltkrieg Rohstoffe für die Waffenproduktion knapp und teuer sind, wird es 1942 vom Sockel gehoben.
Mindestens von 1938 an bis zur Auflösung im Jahr 1945 befand sich in Enger eine unter der Bezeichnung „Baringhof“ geführte Außenstelle des bisher unzureichend erforschten Strafgefangenenlager Oberems.
1946 bis heute 1948 feiern die Bürger unter anderem mit einem Festzug das tausendjährige Bestehen von Enger. 1954 wird der Betrieb der Bielefelder Kreisbahnen eingestellt, im April 1966 folgt die Herforder Kleinbahn. Am 1. Januar 1969 ist Enger von der kommunalen Neugliederung betroffen: Durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Herford und der kreisfreien Stadt Herford wird das Amt Enger aufgelöst und mit der Stadt Enger sowie den Gemeinden Siele, Westerenger, Dreyen, Pödinghausen, Oldinghausen, Herringhausen (West), Belke-Steinbeck und Besenkamp zusammengelegt. Zwischen 1970 und 1973 wird die historische Stiftskirche in Enger renoviert. Parallel dazu erfolgen umfangreiche archäologische Grabungen.
Die Verbindung Widukinds zu Enger mini|Widukindfigur (Widukindbrunnen)