Mittelsinn ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung.
Geografie Geografische Lage Mittelsinn liegt in der Region Würzburg. Ein wichtiger Aspekt der Geografie Mittelsinns ist die Sinn, die sich durch den Ort zieht. Auf dem Wappen ist sie im unteren Bereich (grüner Hintergrund) zu erkennen. Mittelsinn liegt zwischen Obersinn und Burgsinn. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich mit am Gipfel des Berges Kuppe, östlich von Mittelsinn, der niedrigste liegt an der Sinn auf .
Gemeindegliederung Mittelsinn hat nur einen Gemeindeteil.
Auf dem Gemeindegebiet liegen die Gemarkungen Forst Aura (Gemarkungsteil 3) und Mittelsinn. Die Gemarkung Mittelsinn hat eine Fläche von 14,306 km². Sie ist in 2251 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6355,55 m² haben.
Nachbargemeinden
Name Etymologie Das Grundwort im Namen geht auf den den Ort durchfließenden Fluss Sinn zurück. Der Zusatz „Mittel“ wurde verwendet, um Mittelsinn von den naheliegenden Dörfern Obersinn und Niedersinn (heute Burgsinn) zu unterscheiden und weist auf die Lage im Tal hin.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1295 „Melesynnen“ 1319 „Metelnsinne“ 1346 „Miltelsynne“ 1364 „Metelsynne“ 1369 „Metelsinne“ 1372 „Metelnsinne“ 1376 „Mettelnsin“ 1377 „Mittelnsynne“ 1542 „Mittelsynn“ 1600 „Mittelsinn“
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der größte Teil des ehemaligen Amt Aura im Sinngrunde des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, war 1808 an das Fürstentum Aschaffenburg (1803 erst an Bayern, 1805 an das Großherzogtum Würzburg) gefallen. Im Jahre 1812 gehörte Mittelsinn zum Großherzogtum Frankfurt und lag mit 40 Feuerstellen und 480 Seelen in der Districtsmairie Altengronau des Departements Hanau und mit der Emrichsthaler Glashütte, einer Ziegelhütte, 58 Feuerstellen und 555 Seelen in der Districtsmairie Burgjoß der Unterpräfectur Orb im Departement Aschaffenburg. 1814 kam es zu Bayern. Hiesige Rechte des Kurfürstentums Hessen-Kassel fielen erst 1860 an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Verwaltungsgeschichte Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Gemünden am Main gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Mittelsinn lag. 1872 wurde das Bezirksamt Gemünden ins Bezirksamt Lohr am Main eingegliedert. Erst 1902 wurde das Bezirksamt Gemünden wieder neu gebildet. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Mittelsinn war dann eine der 27 Gemeinden im Landkreis Gemünden am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Gemünden am Main kam Mittelsinn am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Mittelmain, der zehn Monate später seinen endgültigen Namen Landkreis Main-Spessart erhielt.
Jüdische Gemeinde Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien ansässig, die eine jüdische Gemeinde bildeten und im Ort ihre Synagoge errichteten. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus zerstört, woran eine Gedenktafel an der gegenüberliegenden ehemaligen Sparkasse erinnert.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 165
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 926 auf 805 um 121 Einwohner bzw. um 13,1 %.
Politik Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn.
Gemeinderat Der Gemeinderat hat nach der Kommunalwahl 2020 acht Mitglieder: +Partei/Liste%SitzeCSU – SPD – Unabhängige Bürger68,195Junge Bürger Mittelsinn18,792Mein Mittelsinn13,021
Steuereinnahmen Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2009 398.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 38.000 €.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2023 Dirk Schiefer (CSU/SPD/Unabhängige Bürger). Sein Vorgänger ab 2008 war Peter Paul (CSU/SPD/Unabhängige Bürger). Dieser wurde am 15. März 2020 mit 66,6 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt. Er starb im März 2023 im Alter von 71 Jahren.https://www.mainpost.de/regional/main-spessart/buergermeister-von-mittelsinn-peter-paul-ist-ueberraschend-gestorben-art-11074701 Vorgänger von Peter Paul war Karl Kratz (CSU/SPD).
Amtszeiten der Bürgermeister 1864–1879: Georg Sachs 1879–1893: Johannes Roth 1893–1906: Joh. Künstler 1906–1922: Joh. Michael Sachs 1922–1933: Joh. Klein 1933–1938: Adam Blum 1938–1945: Karl Ommert April–September 1945: Joh. Klein Oktober–Dezember 1945: Adam Hergert 1946–1947: Joh. Krämer 1947–1948: Willy Mann 1948–1952: Wilhelm Larösch 1952–1972: Leo Vogt 1972–1978: Karl Sachs 1978–1989: Ludwig Sachs 1989–2008: Karl Kratz (CSU/SPD) 2008–2023: Peter Paul (CSU/SPD/Unabhängige Bürger) 2023–2026: Dirk Schiefer (CSU/SPD/Unabhängige Bürger) seit 2026: Philipp Kuhn (CSU/SPD/Unabhängige Bürger)
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 2023 nach der amtlichen Statistik insgesamt 118 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 345. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine Betriebe, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 2020 16 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 534 ha, davon waren 110 ha Ackerfläche und 274 ha Dauergrünfläche.
Verkehr Mittelsinn hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Flieden–Gemünden. Die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg, unter anderem mit der Talbrücke Mittelsinn, verläuft über das Gebiet der Gemeinde.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2024): Kindergärten: 60 Kindergartenplätze mit 40 Kindern
Persönlichkeiten August Hagen (* 27. Januar 1843 in Mittelsinn; † nach 1912), Schulleiter und Mitglied des Deutschen Reichstags Meier Kahn (* 12. Mai 1886 in Mittelsinn; † 1943 im KZ Auschwitz), deutscher Jurist, Opfer des Nationalsozialismus Horst Peisker (* 26. November 1939 in Mittelsinn; † 10. Oktober 2012 in Kelsterbach), Autor Oswald Rothaug (* 17. Mai 1897 in Mittelsinn; † 4. Dezember 1967 in Köln), Jurist in der NS-Zeit, ab 1943 Reichsanwalt am Volksgerichtshof Melchior Sachs (* 28. Februar 1843 in Mittelsinn; † 18. Mai 1917 in München), deutscher Komponist Elise Thümmel (* 17. Juni 1885 in Mittelsinn; † 13. April 1976 in Dresden), deutsche Politikerin (USPD, SPD, SED) Werner Väth (* 9. September 1945 in Mittelsinn; † 19. November 2012 in Berlin), Politikwissenschaftler, Vizepräsident der Freien Universität Berlin
Weblinks
Mittelsinn als Teil der Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Main-Spessart Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Main-Spessart