mini|Neustadt am Main mit St. Michael und St. Gertraud
Neustadt am Main (amtlich: Neustadt a.Main) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt in der Region Würzburg. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich mit am Gipfel der Klosterkuppel, der niedrigste liegt im Main auf . Die Klosterkuppel ist die höchste Erhebung des Landkreises Main-Spessart, die vollständig im Kreisgebiet liegt. In der Nähe entspringt der Silberlochbach, der durch Neustadt am Main fließt.
Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Aurora (Einöde) Erlach am Main (Kirchdorf) Margarethenhof (Einöde) Neustadt am Main (Pfarrdorf)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Erlach a.Main und Neustadt a.Main.
Nachbargemeinden
Name Etymologie Wovon sich der ursprüngliche Ortsname Rorinlacha tatsächlich ableitet, ist nicht genau bekannt. Es bestehen zwei mögliche Theorien: Er besteht aus den althochdeutschen Wörtern rorīn und lahha. Es bedeutet „ein mit Röhricht bewachsener Sumpf“.Joseph Schnetz: Ältere Geschichte von Neustadt am Main. Lohr 1914. Diese Namenswurzel ist auch im Namen von Erlach zu finden (erl lahha). Laut Heinrich Wagner könnte er auch aus dem Personennamen „Roggo“, ein Verwandter von Megingaud, und „Lacha“ für umgrenztes Gebiet, bedeuten. Danach bedeutet er Ort des Roggo. Da sich das keltische Heiligtum Locoritum im Tal von Neustadt befand, ist es am wahrscheinlichsten, dass „Rorinlacha“ für einen mit Röhricht bewachsenen Sumpf steht.Klaus Weyer: Vom Keltenheiligtum zum karolingischen Missionskloster – Neustadt am Main. Königshausen & Neumann, Würzburg 2019, ISBN 978-3-8260-6740-2, S. 9–20 Mit Errichtung des dritten Klosters in Rorinlacha, an der „Neuen Statt“, wurde der Ort zuerst Niuwenstat, dann Neustadt genannt. Er besteht aus den althochdeutschen Wörtern niuwe und stat. Die gleiche Namenswurzel steckt auch im Ort Neuendorf in Unterfranken, wobei Neuendorf 1325 erstmals als Nuwendorf, als Dorf und nicht als Stadt, erwähnt wurde. Der Zusatz am Main unterscheidet Neustadt von weiteren gleichnamigen Orten.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 150 LocoritumKlaudios Ptolemaios, Geographike Hyphegesis, Germania 738 MichilstatVita Burkardi II, Buch 2, Kap. 3 754 MichilstatVita Burkardi II, Buch 2, Kap. 12 769 Rorinlacha 812 Rorenlacha 817 Nuuenstat 835 Niunstat 976 Nuenstat 993 Niuuuenstat 1003 Niuenstat 1150 Nůwenstat 1157 Nuwestat 1276 Nuenstat 1336 Nuewenstat 1494 Newenstat 1562 Neuenstatt am Mayn 1594 Neuestatt am Main 1648 Neuenstadt am Mäyn (Matthäus Merian) 1801 Neustadt am Mayn 1832 Neustadt am Main
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Der Ort wurde erstmals um 150 n. Chr. in der Geographike Hyphegesis des Klaudius Ptolemaios als Locoritum erwähnt. Übersetzt heißt Locoritum: „Furt im See“. Der See im Tal war ein keltisches Heiligtum und existierte wahrscheinlich schon um 1200 vor Christus.
769 n. Chr. wurde der Ort als Rorinlacha erwähnt. Übersetzt heißt das laut Joseph Schnetz: „Ein mit Röhricht bewachsener Sumpf“. Der heilige keltische See war jetzt offenbar ein Sumpf. Ab 738/39 wurde der Sumpf trockengelegt und dann mit dem Kloster an der Alten Statt überbaut.
Südlich von der Alten Statt, eingeweiht um 740, wurde die Neue Statt ab 772 gebaut und 781 eingeweiht. Die alten Namen im Tal von Neustadt a.Main passen zusammen. Zuerst See, dann Sumpf, und dann Neue Statt. Wenn es eine Neue Statt gab, muss es auch eine „Ältere Statt“ gegeben haben.
Ein genaues Datum, wann das Kloster Neustadt gegründet wurde, ist laut Theodor Ruf im Jahr 2019 nicht bekannt, es liegt im Zeitraum von 741/742 (Bistumsgründung) bis 814 (Tod Karls des Großen). Im gleichen Artikel von 2019 existiert auch eine andere Aussage von Theodor Ruf: Bereits vor der Resignation kann er (Megingaud) auch angefangen haben, eine kleine Kirche zu bauen, die sich mutmaßlich „um 750“ datieren lässt.Theodor Ruf: Kaum Licht im Nebel. 769 – vor 1250 Jahren – wurde das Kloster Neustadt am Main (vielleicht) gegründet. In: Würzburger katholisches Sonntagsblatt 18/2019, Würzburg 4. Mai 2019, S. 18–19.Eine Rezension zu dem Artikel von Theodor Ruf im Würzburger Sonntagsblatt 18/2019 findet man auf http://www.weyer-neustadt.de/content/Portals/57ad7180-c5e7-49f5-b282-c6475cdb7ee7/Theodor%20Ruf-Kaum%20Licht%20im%20Nebel_Artikel%20im%20W%C3%BCrzburger%20katholischen%20Sonntagsblatt%2018-2019.pdf
Die Zusammenfassung in Rufs Buch, Kloster Neustadt am Main 769 (?) – 1300, Untersuchungen und Regesten, Würzburg Nov. 2022, auf der Rückseite ist: "Im Jahr 769 wurde das Kloster Neustadt gegründet. Soll das Kloster gegründet worden sein. Wurde es, vielleicht, „gegründet“. Vielleicht aber auch erst einige Jahre später. Oder ein paar Jahre früher. Vom ehemaligen Würzburger Bischof Megingaud. Oder auch nicht".
Ein keltischer Thingplatz auf dem Gaiberg steht unter Denkmalschutz (D-6-6023-0014) und ist eine vorgeschichtliche (keltische) Abschnittsbefestigung. Dass die Ungarn 910, nach ihrem Sieg am Lechfeld südlich von Augsburg, nach Franken gezogen und Würzburg und Umgebung verwüstet hätten, ist wenig glaubwürdig,Alfred Wendehorst: Germania Sacra, Das Bistum Würzburg Teil 1. Walter De Gruyter & Co, Berlin 1969, S. 56 es existiert auch keine Quelle auf dem Berg. Philipp Meller hat 2021 bewiesen, dass man in keiner einzigen Quelle Hinweise findet, dass Mainfranken konkret von den Ungarneinfällen ab 899 betroffen war.
1,2 km südwestlich von der Margarethenhof-Quelle und 857 m südöstlich vom Ruhbrunnen, erstmals 772 erwähnt als Erphenbrunnen, befindet sich ein denkmalgeschützter Platz (D-6-6023-0030), der Glasbrunnen. Dort soll eine frühneuzeitliche Glashütte gestanden sein, allerdings gibt es keine Beweise für eine ehemalige Glashütte, keine archäologischen Funde an der Silberlochbach-Quelle und der zugehörigen Lichtung und keine Schriftquellen, auch nicht vom Kloster Neustadt.
Die Benediktinerabtei wurde schon 738 auf dem Michaelsberg in Rorinlacha (die Michilstat) gegründet. Es war der erste von insgesamt vier Standorten. Es folgten auf dem trockengelegten keltischen See im Tal die Alte Statt, die Neue Statt und am Ende die Romanische Statt. Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst.Klaus Weyer: Vom Keltenheiligtum (Locoritum, 150 n. Chr.) zum karolingischen Missionskloster – Neustadt am Main. Königshausen & Neumann, Würzburg 2019, ISBN 978-3-8260-6740-2.
Als Teil des Amtes Rothenfels des Hochstifts Würzburg fiel der Ort im Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 an die Fürsten Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Nach der Mediatisierung 1806 durch das Fürstentum Aschaffenburg fiel es mit diesem (nun ein Departement des Großherzogtums Frankfurt) 1814 an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Verwaltungsgeschichte Im Jahr 1862 wurde das Bezirksamt Lohr am Main gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Neustadt lag. 1871 kam Neustadt anlässlich der Reform des Zuschnitts der bayerischen Bezirksämter zum Bezirksamt Marktheidenfeld, kehrte jedoch am 1. Januar 1880 ins Bezirksamt Lohr zurück. Wie überall im Deutschen Reich wurde 1939 die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Neustadt war dann eine der 26 Gemeinden im Landkreis Lohr am Main. Mit der Auflösung des Landkreises Lohr am Main kam Neustadt am Main am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Mittelmain, der zehn Monate später seinen endgültigen Namen Landkreis Main-Spessart erhielt.
Eingemeindungen Die Gemeinde Erlach am Main wurde im Rahmen der Gebietsreform in Bayern am 1. Mai 1978 eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1987 bis 2017 sank die Einwohnerzahl um 4,4 %. 1961: 1078 Einwohner 1970: 1204 Einwohner 1987: 1301 Einwohner 1991: 1389 Einwohner 1995: 1398 Einwohner 2000: 1343 Einwohner 2005: 1349 Einwohner 2010: 1259 Einwohner 2015: 1288 Einwohner 2020: 1248 Einwohner, 14,49% bis 18 Jahre, 25,86% ab 66 Jahre 2022: 1311 Einwohner 2024: 1174 Einwohner
Politik Verwaltung Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Lohr am Main.
Gemeinderat Zur Gemeinderatswahl 2026 kandidierten die beiden Listen Bürgerliste und Gemeinsam für Neustadt und Erlach. Die Bürgerliste erhielt 8 Sitze, Gemeinsam für Neustadt und Erlach erhielt 4 Sitze. Beide Listen stellten einen Bürgermeisterkandidaten.
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2026 Stefan Kimmel (Bürgerliste); dieser wurde am 15. März 2020 mit 68,5 % der Stimmen für sechs Jahre gewählt. Es gab einen Gegenkandidaten.
Sein Vorgänger war Stephan Morgenroth (Bürgerliste). Erstmals seit 2014 gab es wieder mehr als einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt.
Wappen
Gemeindepartnerschaften mini|Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa Neustadt ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, in der sich 36 Städte (Stand: September 2008) mit Namen Neustadt aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei zusammengeschlossen haben.
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Es gab am 30. Juni 2020 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 42 und im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe 21 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 56 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 479. Am Stichtag 30. September 2020 gab es in Neustadt keine Betriebe des verarbeitenden Gewerbes oder landwirtschaftliche Betriebe. Es existiert kein Lebensmittelmarkt und kein Arzt.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2021): Kindergarten: 30 Kindergartenplätze, 22 betreute Kinder Keine Schule
Persönlichkeiten Burkard, Abt in Rorinlacha von 738 bis Ende 741. Ab März 742 erster Bischof von Würzburg, bis zu seinem Rücktritt Anfang 754. Megingaud von Würzburg, Abt in Rorinlacha von 742 bis 783. Von 754 bis Anfang 769 zweiter Bischof von Würzburg. Bernhard Krieg, von 1703 bis 1729 Abt von Kloster Neustadt. Plazidus Reich (1695–1764), Abt von Neustadt am Main 1733 bis 1763. Georg Link (1815–1901), Pfarrer von 1848 bis 1901 in Neustadt am Main. Er holte die Franziskanerinnen nach Neustadt. Bürgermeister Franz Greser Bürgermeisterin Karin Berger
Trivia Eine legendäre Sage berichtet, dass die Ehefrau von Kaiser Karl dem Großen, die zusammen mit ihrer Tochter Gertrudis verbannt worden war, sich mit ihrer Tochter in der vom Kaiser gegründeten Benediktinerabtei Neustadt am Main aufhielt und auf Wunsch Gertrudis eine Gerichtsverhandlung erhielt, bei der die Unschuld der Kaiserin festgestellt wurde. Gertrudis soll auch bei Neustadt trockenen Fußes den Main durchschritten haben.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 533 f. (Kaiser Karls Gericht); gemäß Christa Hinze, Ulf Diederichs (Hrsg.): Fränkische Sagen. 1980, ISBN 978-3-424-01148-7, S. 58.
Weblinks
Website Neustadt-Erlach Klaus Weyer: Neustadt am Main – Gestern und Heute (Private Website seit 2005. Fränkische Geschichte von den Kelten bis Heute).
Die Früh-Geschichte von Neustadt am Main 1250-Jahr-Feier von Neustadt a. Main, 2019
Literatur Johann Adolph Kraus: Die Benediktiner-Abtei Neustadt am Main. Historische Monografie, Würzburg 1856. Georg Link: Beschreibung der Benedictinerabtei, Neustadt am Main. Festgabe zur feierlichen Einweihung der ehemaligen Abteikirche daselbst, Würzburg 1872. Georg Link: Klosterbuch der Diöcese Würzburg. Band I: Geschichte der Benediktinerklöster. Würzburg 1873. Joseph Schnetz: Ältere Geschichte von Neustadt am Main. Lohr 1914.