Kirchheim (unterfränkisch: Kihri) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kirchheim.
Geographie Geographische Lage Kirchheim gehört zur Region Würzburg und ist Grenzgemeinde von Bayern zu Baden-Württemberg. Der namengebende Hauptort wird nahe am Ostrand vom Moosbach in südsüdwestlicher Richtung durchflossen, der sich am Südrand des Dorfes mit dem südsüdwestlich laufenden, es im Westen begrenzenden Rimbach zum Wittigbach vereint, der südlich weiterzieht.
Gemeindegliederung Es gibt sieben Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Egenburgerhof (Einöde) Eulenmühle (Einöde) Gaubüttelbrunn (Pfarrdorf) Geiersmühle (Einöde) Kirchheim (Pfarrdorf) Mühle (obere) (Einöde) Sellenbergerhof (Einöde)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Gaubüttelbrunn und Kirchheim. Die Gemarkung Kirchheim hat eine Fläche von 12,148 km². Sie ist in 2650 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4584,14 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Egenburgerhof, Geiersmühle und Sellenbergerhof.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Eine angeblich erste urkundliche Erwähnung Kirchheims, eigentlich undatiert, aber gerne auf das Jahr 742 gelegt, stammt aus Briefen, die die Heiligen Bonifatius und Lullus an den Papst geschrieben haben; diese Briefe sind im Original nicht erhalten (EppSel 1, 050; RIplus Regg. EB Mainz 001). Eine Urkunde von 768 für das Bistum Würzburg, in der ein „Kyrchaim“ steht, ist verloren gegangen (bmdep 595 in francia.ahlfeldt.se). Erst eine Urkunde, in der Kaiser Ludwig der Fromme im Jahr 822 dem Bistum Würzburg umfangreichen angeblich schon alten Besitz bestätigt, ist im Original erhalten (bm 768 in francia.ahlfeldt.se). Das gilt auch für eine Urkunde König Ludwigs des Deutschen von 845 für „Chiricheim“ (D_LD 041) und für ein Diplom Kaiser Arnulfs von 889 für „Chirihheim“ (D_Arn 067). Kirchheim war bis zu dessen Auflösung durch Napoleon Teil des Hochstifts Würzburg (Stift St. Burkhard, ab 10. Jahrhundert ein Benediktinerkloster und von 1469 bis 1808 ein Kollegiatstift), das zum Fränkischen Reichskreis gehörte. 1803 wurde das Hochstift Würzburg auf Druck Napoleons im Reichsdeputationshauptschluss säkularisiert und Bayern zugeschlagen, dann im Frieden von Preßburg 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen, mit dem es 1814 endgültig an Bayern fiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Gaubüttelbrunn eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Stand1961197019871991199520002005201020152020Einwohner2124219620082059227922952194218521682225 Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1997 auf 2134 um 137 Einwohner bzw. um 6,9 %. 1998 hatte die Gemeinde 2310 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik
Gemeinderat Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 haben von den 1.777 stimmberechtigten Einwohnern in der Gemeinde Kirchheim 1.319 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 74,23 % lag. Parteien und Wählergemeinschaften20252020SitzeAnteilSitzeCSUChristlich-Soziale Union in Bayern854,559SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands429,554GrüneBündnis 90/Die Grünen315,902Gesamt15100,015Wahlbeteiligung in %74,2
Aktuelle Bürgermeister Erster Bürgermeister war seit dem 1. Mai 2014 bis zu seiner Wahl in den Landtag 2023 Björn Jungbauer (CSU/Freie Bürger Kirchh.-Gaub.). Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wurde er mit 82,68 % der Stimmen wiedergewählt.Bürgermeisterwahl 2020 Seit 14. Januar 2024 ist Christian Stück (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) 1. Bürgermeister. Er setzte sich in der Neuwahl, die nach Jungbauers Ausscheiden nötig wurde, mit knapp 55 % gegen Silke Hümpfner (CSU) durch. AmtNamePartei1. BürgermeisterChristian StückDie Grünen2. BürgermeisterEngert EdwinCSU
Ehemalige Erste Bürgermeister AmtszeitNamePartei1954 – 1990Karl HeroldSPD1990 – 1996Franz KemmerParteilos1996 – 2014Anton HolzapfelCSU2014 – 2023Björn JungbauerCSU
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Zeugnisse der ehemaligen jüdischen Landgemeinde In Kirchheim bestand vom 16. Jahrhundert bis 1908 eine kleine jüdische Landgemeinde. In einem 1667 erbauten Haus (Gartenstraße 3) waren eine Synagoge, eine Schule und eine Mikwe (1993 entdeckt) untergebracht.Joachim Braun (Mitarbeit), Artikel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde, zu Synagoge und zur Entdeckung der Mikwe. Hier auch Literatur und Links zum Thema Die Verstorbenen der jüdischen Gemeinde wurden auf dem Jüdischen Friedhof Allersheim (Gemeinde Giebelstadt) bestattet. Die Gemeinde löste sich durch Abwanderung in die Städte selbst auf.
Eiche am Egenburgerhof Eine seit 1968 als Naturdenkmal geschützte, mindestens 400-jährige Stieleiche mit einem Stammumfang von 7,54 m (gemessen 2015 in Brusthöhe).„Eiche beim Hof Egenburg“ in „Monumentale Eichen“ von Rainer Lippert, bei www.monumentale-eichen.de mini|links|hochkant=0.70|Eiche am Egenburgerhof mini|hochkant=0.40|Stamm Die in die Liste markanter und alter Baumexemplare in Deutschland eingetragene und regional bedeutsame Eiche steht auf einem eingezäunten Privatgrund und ist nicht frei zugänglich. Der Stamm ist auf einer Seite geöffnet und bis in den Kronenansatz teilweise hohl beziehungsweise morsch. Die Öffnung reicht keilförmig spitz zulaufend bis zum Boden. In etwa drei Meter Höhe löst sich der Stamm in drei Starkäste auf, von denen einer abgebrochen ist. Ein rindenloser Astansatz von etwa einem Meter Länge ist stehen geblieben. Die Eiche hat eine große geschlossene harmonische Krone.
Bau- und Bodendenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab im Jahr 2021 nach der amtlichen Statistik im Bereich Handel und Verkehr 74 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 278 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1006. Im verarbeitenden Gewerbe gab es drei Betriebe, im Bauhauptgewerbe keinen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 2020 17 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 781 ha, davon waren 749 ha Ackerfläche und 32 ha Dauergrünfläche.
Die Gemeinde ist vor allem durch die Steinindustrie geprägt und ist Sitz zahlreicher Natursteinverarbeiter. Kirchheim ist Hauptsitz von Zeidler & Wimmel, einem der größten Steinmetzunternehmen Deutschlands.
Die Gemeinde betreibt seit vielen Jahren ein Freibad und erhält dabei Unterstützung durch den Schwimmbadförderverein.
Verkehr mini|Mainfrankenbahn am Haltepunkt Kirchheim (Unterfr) In Kirchheim (Unterfr) und in Gaubüttelbrunn befindet sich je ein Haltepunkt an der Frankenbahn Stuttgart–Würzburg. Zwischen Lauda und Würzburg verkehren die Regionalbahnen der Mainfrankenbahn im Ein-Stunden-Takt, am Wochenende im Zwei-Stunden-Takt.
Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2022): 2 Kindertageseinrichtungen: 141 Betreuungsplätze, 116 Kinder 1 Volksschule: 10 Lehrkräfte, 180 Schülerinnen und Schüler
Persönlichkeiten Steffen Hofmann (* 1980), Mittelfeldspieler bei Rapid Wien, spielte in der Jugend bei 1. FC Kirchheim, Würzburger FV und Bayern München Martha Merz (* 18. Dezember 1916 in Kirchheim), Bayerns erste Standesbeamtin. Sie lebte bis zu ihrem Tod († 21. Februar 2012) in Kelheim Hellmut Metzing (* 25. Juni 1919 in Berlin), Inhaber der 1966 gegründeten Konsul Metzing Steinindustrie in Kirchheim, ab 1984 Beiratsvorsitzender des 1776 gegründeten Unternehmens Zeidler & WimmelWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 834.
Literatur
Jutta Sporck-Pfitzer (Autorin), Landkreis Würzburg (Hrsg.): Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg. Würzburg 1988, zu Kirchheim: S. 67–69.
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (= Band A 85), Bamberg, Bamberg, Bayerische Verlags-Anstalt, 2., überarbeitete Auflage 1992, ISBN 3-87052-398-0, zu Kirchheim: S. 81. Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberpfalz (= Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands, Band 25), Büchenbach, Verlag Dr. Faustus, 2010, (zugleich Hochschulschrift Universität Bamberg, Magisterarbeit, 2008), ISBN 978-3-933474-69-8, zu Kirchheim: S. 74–76. Zeidler & Wimmel, Steinbruch- und Steinmetzbetrieb, gegründet 1776, Berlin, Bunzlau, Düsseldorf, Kirchheim U.-Fr.(= Archiv für Industrie und Handel, 1929), Berlin, Adolf Ecksteins Verlag, 1929.
Weblinks
Gemeinde Kirchheim (PDF; 1,05 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Würzburg Kategorie:Ersterwähnung 742 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Würzburg