Leinach (unterfränkisch genannt) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Sie entstand im Zuge der bayerischen Gebietsreform am 1. Mai 1978 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Oberleinach und Unterleinach. Der Ortsname Leinach ist seit dem Jahr 775 im Codex Eberhardi als Linaha urkundlich belegt. Die Leinacher nennen sich selbst Leiner.
Geologie Das dominierende Gestein ist der Muschelkalk, der hochprozentige, terebratelhaltige Kalksteinbänke bildet. Am dem sich zwischen Greußenheim und Leinach erstreckenden Höhenzug befinden sich in dem etwa 225 Millionen Jahre alten Muschelkalk Versteinerungen von Ceratiten und Perlbooten. Der ursprünglich nah am nördlichen Ausgang des Leinachtals vorbeifließende Main trug als Vorfluter, in den Oberflächenwasser durch die durch Erosion gebildeten Gräben abfloss, zur Entstehung der heutigen Landschaft Leinachs bei. Auf dem Muschelkalk der Leinacher Flur befinden sich Bereiche mit Mainfränkischem Trockenrasen, deren lückiger Aufwuchs zu den ältesten Zeugen unveränderten Aufwuchses seit der letzten Eiszeit gehört. Die in sonnigen, weinbaufähigen Lagen (etwa Kehlberg, Himmelberg, Am Trieb, Steig, Glumpberg und Berg) mit Bodenauflage durch Mähung und Beweidung entstandenen Magerrasen sind inzwischen brachgefallen und verfilzt.
Steinbrüche Aus den Kalksteinbrüchen nordöstlich von Oberleinach (Schaumkalkbänke auf dem Volkenberg, einem LandschaftsschutzgebietVgl. auch protected planet. Leinachs), von Oberleinach und auf der Unterleinacher Gemarkung wurden Bausteine gebrochen. Obere Röttonsteine wurden zur Ziegelherstellung und zur Bodenverbesserung der Weinberge verwendet. Zur Bodenverbesserung und als Dünger benutzten bereits die Kelten Mergel, der durch kalkgesättigte Muschelkalkwässer von an der Grenze von rotem Buntsandstein zum vom ursprünglich tiefer liegenden Sandstein durchbrochenen hellgrauen Muschelkalk vorkommenden Tonsteinen entstanden war. Im Osten Leinachs gibt es zwischen Oberleinach und Erlabrunn in Richtung Volkenberg die Flurlage „Mergel“. Bis 1977 wurde im unteren Kerntal-Graben Sandstein gebrochen.
Geographie Lage Die linksmainische Gemeinde liegt in der Region Würzburg im nach dem Bach Leinach benannten Leinachtal, 16 Straßenkilometer nordwestlich von Würzburg. Durch den Ort fließt der Leinacher Bach, genannt auch die Leinach. Zwischen Unterleinach und Oberleinach verläuft die Aufwölbung des Thüngersheimer Sattels. Die Leinacher Flur gehört zum Naturraum Marktheidenfelder Platte.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden im Uhrzeigersinn): Zellingen, Erlabrunn, Margetshöchheim, Zell am Main, Hettstadt, Greußenheim und Birkenfeld.
Gemeindegliederung Die beiden Gemeindeteile sind das Pfarrdorf Leinach und die Einöde Steinhaugshof.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Oberleinach und Unterleinach.
Name Etymologie Der Ortsname Leinach (von althochdeutsch Linaha, entstanden im 1. Jahrhundert v. Chr. nach Zuwanderung elbgermanischer Stämme in das von Kelten besiedelteVgl. Land, bzw. als Ort der aus Bauern (Hübnern) und Söldnern bestehenden und dort auf keltisch-germanischen Wohnplätzen angesiedelten fränkischen Markgenossenschaft Linaha marca) leitet sich vom, von den zugewanderten Stämmen benannten, Bach Leinach ab, der durch den Ort fließt und in Zellingen in den Main mündet. Das Grundwort ach (älter aha) bezeichnet ein fließendes Gewässer; das Bestimmungswort Lein (älter lin) geht entweder auf lin („Lein, Flachs“) oder hlina („Lehne, Berghang“) zurück. Eine zuvor wohl bestehende keltische Benennung des Baches ist nicht belegt. Spekulativ bleibt die Möglichkeit, dass die elbgermanischen Stämme ein germanisches aha/ach (im Sinne von „Bach“) an ein keltisches lin (von lindo „See, Teich“) oder lein (von leinos „Hain, Wald, Heiligtum“) angehängt hatten.
Seit dem 13. Jahrhundert wurde zwischen den beiden etwa einen Kilometer voneinander entfernten Orten Oberleinach (erstmals unterschieden von Lynach 1186; 1421: obirn Lynach, 1473: Obernleynach) und Unterleinach (1421: nydirn Lynach, 1473: Nydernleynach), nach ihrer Höhenlage, unterschieden. Im Jahr 1359 wurde (unter Graf Eberhard von Wertheim) offiziell auch zwischen den Orten „Lynach“, „Nydern Lynach“ und „Obern Lynach“ unterschieden. Bis ins 18. Jahrhundert war mit Leinach (auch „Lynach“ oder „Lleynach“) dann häufig Unterleinach gemeint, seltener Oberleinach. Oft wurde auch die Formulierung „Beide Leinach“ gebraucht.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: um 1160 „linaha“ 1170 „Lynaha“ 1186 „Linaha“ 1199 „Lina“ 1202 „Linah“ 1205 „Linach“ 1302, 1370 „Lynach“ 1452 „Leynach“ 1589 „Leinach“
Geschichte Urgeschichte und Frühgeschichte Die ältesten archäologischen Funde aus der Leinacher Markung sind Mikrolithen aus der Mittelsteinzeit. Steinbeile, wie sie etwa in Unterleinach gefunden wurden, aus der Jungsteinzeit zeugen ebenfalls von der frühen Besiedlung der flachwelligen, weiten Hochfläche Leinachs.
Aus der Zeit um 650 v. Chr. (ältere Hallstattzeit) stammt ein Bronzeschwert mit Ortband aus einem Grabhügelfeld im Unterleinacher Hennig. Ein Großgrabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung auf dem Feldberg ist eines von ehemals fünf Oberleinacher Hügelgräbern. Der Leinacher Bereich war im 6. Jahrhundert v. Chr. von frühen Kelten des Westhallstattkreises besiedelt, die in dem Gebiet zahlreiche Hügelgräber hinterlassen haben. Funde aus einem Hügelgrab am Greußenheimer Weg in Unterleinach stammen aus der Zeit um 559 v. Chr. (jüngere Hallstattzeit). Das Hügelgrab wurde um 1900 entdeckt und 1928, nachdem es zunächst für eine Ansammlung von Lesesteinen gehalten wurde, näher untersucht. Ein kleiner Teil der Grabinhalte (Bronzefibeln oder Gewandschließen) ist ins Mainfränkische Museum gelangt, Schmuckstücke und Skelettreste im Luitpold-Museum gingen beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 verloren. Eine hallstattzeitliche Siedlung befand sich am Ausgang des heutigen, nach dem am Steinernen Weg liegenden, im 14. Jahrhundert Keltberg genannten, Kehlberg (Kehlberg ist ein geschützter Landschaftsbestandteil Oberleinachs) benannten, Kehlberggrunds. Dies belegt ein im Sommer 1897 dort „Am toten Mann“ (benannt nach einem Skelettfund und der Sage vom „Toten Mann am Keltberg“) am Steinernen Weg auf dem Südwestabhang des Kehlbergs in Oberleinach von dem Schmiedemeister Sebastian Öhrlein beim Beackern seines Feldes entdecktes späthallsteinzeitliches, mit verschiedenen, von Paul Reinecke 1898 bekanntgemachten Beigaben versehenes frühkeltisches „Fürstengrab“,Hermann Müller-Karpe: Das späthallstattzeitliche Wagengrab von Oberleinach, Ldkr. Würzburg. In: Germania. Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts. Jahrgang 31, 1953 doi:10.11588/ger.1953.44850; auch abgedruckt in: Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 38–44, hier: S. 40–43. das zudem bestätigte, dass die für die süddeutsche Hallstattkultur typische Bestattungsform des Wagengrabs bis zum Main verbreitet war. In den Waldabteilungen von Unterleinach wurden zwischen 1884 und 1951 32 Hügelgräber (im Hägholz und im Hennig) gefunden.
Im Mai 1911 wurden am Westrand Unterleinachs auf dem Hausberg, genannt auch Haugsberg, oberhalb des ehemaligen Fronhofes (in der Nähe der Kirche Allerheiligen in der Hauptstraße) zwei Reihengräber aus der Zeit der ersten Besiedlung durch Franken im 6./7. Jahrhundert n. Chr. freigelegt. Leinach entstand in der Merowingerzeit zwischen den alamannischen Siedlungsplätzen Remlingen und Zellingen. Der Ortsname „Leinach“ (althochdeutsch Linaha) entstand nach der Zuwanderung elbgermanischer Stämme im 1. Jahrhundert v. Chr.
Mittelalter und Frühneuzeit Erstmals urkundlich erwähnt wurde Leinach im Jahr 775 (belegt als Linaha im Codex Eberhardi, in dem Karl der Große das kleine Kloster Holzkirchen an das Kloster Fulda übertrug) als Teil der Besitzungen des über den Waldsassengau, in dem auch Leinach lag, herrschenden Gaugrafen Throand (latinisiert Throandus). Die Besitzungen waren Ausstattungsgut vom Kloster Holzkirchen, einem Nebenkloster des Klosters Fulda. Das Kloster Holzkirchen verfügte zu dieser Zeit über Besitz (drei Mansen oder Huben in der später Riedstraße genannten Rittergasse) auf dem Gebiet Unterleinachs. Bruchstücke (Scherben) der Karolingerzeit von oberrheinischen Drehscheibenwaren aus dem 8./9. Jahrhundert wurden 1992 nordwestlich der Unterleinacher Feldmühle gefunden.
Im 9. Jahrhundert gingen, wie der Mönch Eberhard in sogenannten Summarien überlieferte, verschiedene Schenkungen, darunter Besitzungen, Wein- und Obstgärten, bzw. Stiftungen von Leinach (Linaha, womit vor allem das „untere Leinach“, Niedernleinach bzw. Unterleinach, gemeint war) an das 744 gegründete Kloster Fulda der Benediktiner, das auch im 14. Jahrhundert noch über Grundbesitz in Leinach verfügte. Zehentbezieher (Getreide- und Weinzehent) in Unter- und Oberleinach war von 1160 bis 1803 das benediktinische Würzburger Kloster St. Burkard (ab 1464 Ritterstift St. Burkard), das ab 1238 Inhaber bischöflicher Besitzungen und des Fronhofes in Unterleinach, der vom Kloster St. Burkhard bis 1803 als Zehnthof weitergeführt wurde, war. Die Ritter von Leinach verschenkten zum Heil ihrer Seele ab 1186 ihren Landbesitz an verschiedene Klöster und Stifte, wo auch Angehörige der Ritterfamilie als Mönche, hochrangige Geistliche, Richter und Stifter wirkten. Ab 1300 verfügte das bis 1803 bestehende Kloster Ebrach über Besitz aus einer Schenkung des Ritters Cuntz von Leinach und ab 1370 mit dem seither Ebracher HofVgl. auch Günter Berthel: Ode an die geliebte Leinach. In: Main-Post. 3. Dezember 2006. genannten, nördlich der alten Kirche in der Ringstraße 24 gelegenen, Anwesen über den als Notverkauf abgetretenen großen Hof des Edelknechts Gotz Hotz (auch Gotzo Hotzo und Gotze Hotze von L[e]ynach zu Niedernlynach oder Gotzo von Leinach genannt) und seiner Frau Margarethe. Von 1335 bis 1536 bezog das Kloster Heilsbronn Einkünfte (Gefälle) aus Unterleinach (bezeichnet auch als Leynach inferior und Nydernleynach). Auch die im 8. Jahrhundert gegründete Benediktinerabtei Neustadt am Main (ab 1186), das Schottenkloster Würzburg (ab 1186), das Kloster Oberzell (ab 1197), das Kloster Bronnbach (ab 1210), das Franziskanerkloster Würzburg (ab 1354), das Kloster Himmelspforten (ab 1355), das Augustinerkloster Würzburg und das Frauenkloster Schönau (ab 1377), das Karmelitenkloster St. Barbara (Würzburg) (ab 1445), das Frauenkloster Unterzell (ab 15. Jahrhundert), das Kloster Triefenstein (bis 1665) und viele weitere Klöster waren in Unterleinach (bzw. „Niedernleinach“) begütert.