Donostia / San Sebastián () ist die Hauptstadt der Provinz Gipuzkoa in der spanischen Autonomen Gemeinschaft Baskenland. Sie liegt etwa 20 km westlich der französischen Grenze im Bogen des Golfs von Biskaya. Mit Einwohnern (Stand: ) ist sie die drittgrößte Stadt des Baskenlandes.
Geographie Lage 500px|mini|Blick auf die Bucht de La Concha vom Monte Igueldo aus mini|Mündung des Urumea in Donostia 300px|links|mini|Donostia und Umgebung (2011)
Donostia liegt im äußersten Norden der Iberischen Halbinsel an der Bucht La Concha (deutsch: Die Muschel), deren Name von ihrer auffälligen Form herrührt. Die Landesgrenze mit Frankreich liegt nur 20 Kilometer von San Sebastián entfernt. Die Mündung der Bucht wird durch die Felsmassive des Monte Igeldo und des Monte Urgull begrenzt, in der Ausfahrt selbst liegt die kleine Felseninsel Santa Clara. Der weitläufige Bogen der Bucht mit der Strandpromenade und der zwischen La Concha und der Mündung des Flusses Urumea gelegene Alde Zaharra (deutsch: Altstadt) sind bekannte Touristenattraktionen.
Klima Das Klima ist maritim mit milden Wintern und kühlen Sommern. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt über 1500 mm. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 13,1 °C, ermittelt auf dem Monte Igueldo, 218 m über dem Meeresspiegel, gemittelt von 1950 bis 1996. In der Stadt selbst beträgt die Durchschnittstemperatur 14,4 °C
Wappen Beschreibung: In Blau mit silbernem Bord und der Umschrift „Ganadas por fidelidad, nobleza y lealtad“ in schwarzen Majuskeln ein goldener Dreimaster mit drei silbernen geblähten Rahsegeln, einem Focksegel und goldenen Mastwimpeln auf fünf silbernen Wellen; in den Orten je ein silbernes S als Initialen für den Stadtnamen. Auf dem Schild die goldene Königskrone.
Geschichte Mittelalter mini|Historische Artilleriegeschütze auf dem Berg Urgull
Laut einigen Geschichtsforschern wurde die Gegend der heutigen Stadt ursprünglich Izurum genannt. Die erste Erwähnung des Namens „San Sebastián“ (spanisch für Heiliger Sebastian) findet sich im Zusammenhang mit der Beschreibung eines ortsansässigen Klosters in einer Urkunde aus dem frühen 11. Jahrhundert.
Ab dem Ende des 12. Jahrhunderts wurde San Sebastián auf Betreiben der Könige von Navarra zum zentralen Hafen dieser Provinz ausgebaut, verlor diese Position jedoch Mitte des 14. Jahrhunderts an die Stadt Bilbao. Dies führte zusammen mit der sich entwickelnden Stahlerzeugung in der Region zu einer allmählichen Autonomiebewegung einzelner Ortsbezirke.
Neuzeit Im Januar 1489 legte ein Großbrand die gesamte, damals überwiegend aus Holz gebaute Ansiedlung in Schutt und Asche. Der Neuaufbau wurde dazu genutzt, Donostia zum Stützpunkt der kantabrischen Kriegsflotte zu machen, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder gegen französische, niederländische und britische Armadas kämpfen musste.
König Philipp IV. verlieh Donostia 1662 das Stadtrecht. 1719 wurde die Stadt von einem französischen Heer erobert und diente anschließend als Garnison für etwa 2.000 französische Soldaten, bis sie im Rahmen des Friedensvertrages von Den Haag vom 25. August 1721 an Spanien zurückgegeben wurde.
mini|hochkant|Hommage an die Zivilbevölkerung, die die Stadt nach dem Brand von 1813 wieder aufbaute
Nach einer weiteren Besetzung der Stadt 1813 durch französische Truppen führte ein Befreiungsversuch am 31. August des gleichen Jahres zwar dazu, dass sich die Besatzer letztendlich am 8. September ergaben, in den dazwischen liegenden Tagen brannte San Sebastián jedoch erneut fast bis auf die Grundmauern nieder. 1863 ließ Königin Isabella II. die Stadtmauern abreißen. Dadurch wurde der Weg für einen großzügigen Ausbau der Stadt Richtung Süden zum heutigen Stadtzentrum frei.
Maria Christina von Österreich, Witwe von König Alfons XII. und Königin von Spanien bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Alfons XIII., machte Donostia ab 1886 zu ihrer ständigen Sommerresidenz und verhalf der Stadt damit zu einem starken gesellschaftlichen Aufschwung.
Im Jahr 1914 entwickelte sich San Sebastián mit Einsetzen des Ersten Weltkriegs zu einem kosmopolitischen Zentrum Europas. Im damals weltberühmten Casino der Stadt verkehrten Persönlichkeiten wie Mata Hari, Leo Trotzki und Maurice Ravel.
Neueste Zeit Von 1940 bis 1975 war San Sebastián jedes Jahr im August die Sommerresidenz des spanischen Diktators Francisco Franco. In den 1950er Jahren residierte dort auch Juan Carlos de Borbón, der spätere spanische König Juan Carlos I.
Donostia lag im Zentrum des Konflikts um die Unabhängigkeit der Basken, der blutig (z. B. durch Bombenanschläge der baskischen Organisation ETA und polizeiliche Gegengewalt) ausgetragen wurde. Der bewaffnete Konflikt ist seit 2011 beendet. Daneben gab es immer auch das gewaltfreie Unabhängigkeitsstreben. 1987 gewann die linke Unabhängigkeitspartei Eusko Alkartasuna die Bürgermeisterwahl.
Am 11. April 2019 wurde die Stadt mit dem Europapreis für ihre herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet.
Herkunft des baskischen Namens Der baskische Stadtname Donostia ist ebenso wie das spanische San Sebastián aus dem Namen des heiligen Sebastian entstanden. Done, kommend von lateinisch domine (Herr), wird im Baskischen den Namen von Heiligen vorangestellt und entspricht damit spanisch San. Done Sebastian entwickelte sich über Donebastia zu Donostia. Die baskischsprechenden Einwohner von San Sebastián bezeichnen sich als Donostiarrak, was auch im spanischen Wort donostiarra(s) verwendet wird.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Stadt war 2016 gemeinsam mit Breslau Kulturhauptstadt Europas.
Stadtbild Den Stadtvätern ist es gelungen, durch strenge Bauvorschriften den architektonischen Charakter der Stadt zu erhalten. Insbesondere der Blick auf die Concha-Bucht ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu unverändert.
Heutzutage ist der Tourismus eine Haupteinnahmequelle der Stadt. Hotelburgen und ähnliche Merkmale des Massentourismus gibt es jedoch nicht.
Einzelbauwerke mini|Rathaus von San Sebastián, altes Spielkasino mini|Kursaal im Jahr 2009 (10 Jahre = 10 años, 10 urte) mini|Museo San Telmo, Donostia mini|rechts|Baskisches Maritimes Museum mini|Kursaal-Brücke («puente del Kursaal») mini|Peine del Viento
Rathaus, 1897 als Casino eröffnet, beherbergt seit 1947 das Rathaus (span. ayuntamiento) Kursaal, Veranstaltungs- und Kongresszentrum, das von 1989 bis 1999 nach Plänen des Architekten Rafael Moneo am Standort des alten Gran Kursaal errichtet worden ist; 2001 mit dem Mies van der Rohe Award for European Architecture ausgezeichnet Kathedrale Buen Pastor Basilika Maria des Chores Palacio Miramar (dt.: Palast von Miramar), ehemalige Sommerresidenz der Königin Maria Christina an der Bucht La Concha gegenüber der Insel Santa Clara Diputación Palacio de Aiete Teatro Victoria Eugenia Peine del Viento („Windkamm“), Skulptur von Eduardo Chillida, die den Wind und das Meer am Rande einer Mole einbindet
Museen Museum und Kloster San Telmo mit einer Dauerausstellung über die baskische Kultur und baskische Künstler sowie saisonale Ausstellungen Baskisches Maritimes Museum am Hafen Chillida-Leku-Museum im ca. 10 km entfernten Hernani
Stadtviertel Derzeit wird die Stadt in Stadtviertel (barrios) mit zum Teil eigenständiger Geschichte und unterschiedlichem Charakter eingeteilt.
Name Einwohnerzahl Beschreibung Aiete / Miramon 15.662 Ruhiges Wohnviertel auf einem zentralen Hügel entlang der Straße nach Hernani und um den Parque de Aiete gelegen. Altza 20.377 Großes, in den 60er Jahren stark gewachsenes Viertel; wurde 1939 in die Stadt eingegliedert. Amara Berri / Riberas de Loiola 28.114 Neueres Stadtviertel (Neu-Amara) am linken Ufer des Urumea; mit dem Estadio Anoeta (dt.: Stadion Anoeta). Amara / Morlans 6.528 Zentral südlich des Zentrums um den Platz Easo herum gelegen. Antiguo 15.084 Gehobenes Stadtviertel am Strand Ondarreta mit vielen Villen und alten Palästen. Añorga 2.177 Kleines, ländliches, hügeliges Stadtviertel am Westrand der Stadt auf halbem Weg nach Lasarte-Oria, durch die Schnellstraße und die Bahnlinie zerschnitten und vom Rest der Stadt abgetrennt. Bidebieta 9.169 Eines der neuesten Stadtviertel; im Osten Richtung Pasaia gelegen. Centro 10.077 Das Stadtzentrum prägt das Bild der Stadt. Es liegt südlich der Altstadt zwischen der Bucht La Concha und dem Strand La Zurriola und wurde nach dem Abriss der Stadtmauern 1862 bebaut. Hier ist der „km 0“ aller Straßen der Provinz Gipuzkoa, die in San Sebastian beginnen. Egia 14.956 Viertel am Ostufer des Urumea am Parque de Cristina Enea, durch die Bahnlinie geteilt. Gros 19.442 Stadtviertel mit vielen Läden und Bürobauten am Strand Zurriola zwischen dem Fluss Urumea und dem Berg Ulia gelegen. Ibaeta 9.408 Eins der ältesten Stadtviertel; am Osthang des Igeldo, umfasst Wohngegenden, Industriepark und Campus der Universität UPV/EHU. Igeldo 1.072 Ehemals eigenständiges, ländliches Dorf auf dem Berg Igeldo im Westen der Stadt. Intxaurrondo 16.211 Wohnviertel im Osten der Stadt mit Sitz der Guardia Civil; zuletzt starkes Bevölkerungswachstum. Loiola / Txomin-enea 4.962 Am linken Ufer des Urumea, nördlich der Bahnlinie. Martutene 2.893 Wohnviertel am Urumea südlich des Gefängnisses und der Infanteriekaserne von San Sebastián. Parte Zaharra 6.083 Das älteste Stadtviertel, Name zusammengesetzt aus spanisch Parte Vieja und baskisch Alde Zaharra (jeweils dt.: Altstadt); bis zur Schleifung der Stadtmauer das einzige Stadtviertel. 1813 vollständig niedergebrannt. Ulia 3.962 Wohngebiet an den Hängen des Monte Ulia im Nordosten der Stadt. Zubieta 294 Enklave südwestlich des Stadtgebiets; wird durch eine Junta Vecinal verwaltet.
Plätze, Straßen, Strände und Parks mini|Jacques-Cousteau-Platz mini|Plaza de la Constitución
Fischereihafen, in einer Ecke der Bucht La Concha zwischen Altstadt und Berg Urgull Plaza de la Constitución (baskisch: Konstituzio Plaza, dt.: Platz der Verfassung), zentraler Platz in der Altstadt mit altem Rathaus Plaza de Guipuzkoa, Platz im Zentrum, Sitz der Provinzregierung (diputación) Boulevard und Avenida de la Libertad, zentrale Flaniermeile an der Stelle der 1863 abgerissenen Stadtbefestigung, trennt Altstadt von der Neustadt, zentraler Bushaltepunkt Bucht La Concha (dt.: Die Muschel) mit gleichnamigem Strand Playa de La Concha, zusammen mit Ondarreta der Badestrand mit nur kleinen Wellen Strand Ondarreta am Westende der Concha Strand La Zurriola östlich des Urumea, der einzige Strand, der zum Surfen genutzt wird; Baden ist nur eingeschränkt möglich Park Alderdi Eder Park Cristina Enea Park Aiete Berg Monte Igueldo mit kleinem Vergnügungspark und Leuchtturm Berg Monte Urgull mit Jesusstatue Berg Monte Ulia mit Jugendherberge und altem Wachturm
Musik Die Stadt ist unter anderem Sitz des Orquesta Sinfónica de Euskadi, des Chores Orfeón Donostiarra und der Musikhochschule des Baskenlands Musikene.
Jakobsweg San Sebastián ist Teil des Jakobswegs an der Küste, dem Camino de la Costa und hier eine bedeutende Station für Pilger.
Regelmäßige Veranstaltungen mini|„Köche“ bei der Tamborrada
San Sebastián präsentiert über das ganze Jahr verteilt international bedeutende Kulturveranstaltungen. Tamborrada: Jedes Jahr am 20. Januar (Tag des Sankt Sebastian) feiern die Donostiarrak das Fest Tamborrada (etwa: „Trommelei“ oder „Trommelfest“). Um Mitternacht hisst der Leiter des Festes auf der Plaza de la Constitucion die Fahne von San Sebastián, und für 24 Stunden erfüllt der Klang von Trommeln die Stadt. Heineken Jazzaldia: ein Jazzfestival, 1966 begründet, findet jährlich im Juli statt Semana Grande Donostiarra (dt.: Große Festwoche der Stadt Donostia, bask.: Aste Nagusia):Die Festwoche Semana Grande Donostiarra findet jedes Jahr im August in der Woche des Festtages Mariä Himmelfahrt statt, u. a. mit einem Wettbewerb der Feuerwerker mit internationaler Beteiligung, begleitet von Konzerten, Pferderennen und Theatervorstellungen.