mini|Riesenrad auf dem Santa Monica Pier im Pacific Park Das Riesenrad ist ein radförmiges Fahrgeschäft auf Volksfesten bzw. eine stationäre Attraktion als Wahrzeichen verschiedener Städte, das Passagiere an seinem Umfang auf eine Position mit guter Aussicht hebt.

Geschichte mini|links|Frühes Riesenrad mini|Nachbau eines handbetriebenen Riesenrads von 1600

Die älteste belegte Idee vom Riesenrad stammt aus Bulgarien. Davon berichtet der englische Reisende Peter Mundy. Am 16. Mai 1620 sah er in der Stadt Philippopolis (die heutige Stadt Plowdiw) einige Kinder, die auf dem Kreisumfang eines großen Rades kleine Sitze befestigt hatten, um sich durch sein Drehen zu amüsieren. Ähnliche Fahrten wurden später im 17. Jahrhundert auch in England gesehen.Eyes in the sky. BBC London, 28. Dezember 1999. mini|Der Niederländer Gijsbert van Laar veröffentlichte 1802 in seinem Gartenbuch „Magazin van Tuin-Sieraaden“ ein über ein Kronenradgetriebe angetriebenes Riesenrad

mini|Original Ferris Wheel mini|Menschengetriebenes Riesenrad in Indien. Das Personal befindet sich im Inneren an der Achse.

Das erste moderne Riesenrad der Welt wurde von George Washington Gale Ferris, Ingenieur für Eisenbahntechnik und Brückenbau aus Pittsburgh, anlässlich der Weltausstellung in Chicago 1893 erbaut. Die Veranstalter suchten etwas Originelles, Kühnes und Einzigartiges („original, daring and unique“), das den zur Weltausstellung 1889 in Paris errichteten Eiffelturm in den Schatten stellen sollte. Ferris’ Vorschlag wurde zunächst als unrealistisch abgelehnt. Seine Idee eignete sich jedoch wie keine andere, die Ingenieurskunst, den wirtschaftlichen Erfolg und die Macht der USA darzustellen, sodass er die Jury letztlich überzeugen konnte.

Das Ferris Wheel hatte eine Höhe von 80,5 Metern (264 Fuß), einen Raddurchmesser von 76,2 Metern (250 Fuß) und 36 Gondeln, in denen je 60 Personen Platz fanden. Bei der Planung erwies es sich als schwierig, das Rad so zu konstruieren, dass es leicht genug war, um von der Stützkonstruktion gehalten werden zu können. Ferris orientierte sich schließlich am Speichenprinzip der Hochräder und entwarf ein Rad, dessen Rand mit 6 cm dicken Stahlspeichen mit der Nabe verbunden ist. Ein Rad dieser Konstruktionsweise wird erst in sich stabil, wenn es geschlossen ist, weshalb für den Aufbau ein unterstützendes Gerüst benötigt wurde.Big, Bigger, Biggest: Singapore Flyer – das größte Riesenrad der Welt, Dokumentation des National Geographic Channel, GB, 2009. (aktuell nicht online verfügbar)

Das Riesenrad wurde am 21. Juni 1893 mit sieben Wochen Verspätung eröffnet und entwickelte sich zu einem besonderen Anziehungspunkt der Weltausstellung. In der Folgezeit wurden auch in anderen Städten Riesenräder errichtet, die neue Höhenrekorde aufstellten. Der Name „Ferris wheel“ entwickelte sich im Englischen zur allgemeinen Bezeichnung für Riesenräder.

Nach Chicago errichtete Walter B. Basset mittels der dafür gegründeten Firma „Earl's Court Great Wheel Company Limited“ 1894/1895 in London das Great Wheel, dessen Kettenantrieb einmal für einen 7-stündigen Stillstand sorgte, und 1896 eines in Blackpool, ebenfalls in England, das bis 1928 existierte, bevor 1897 das Wiener Riesenrad entstand.wienerzeitung.atmusiklexikon.ac.at

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Riesenräder den Reiz des Neuartigen verloren. Zu dieser Zeit wurden daher viele mangels Besuchern wieder abgerissen. Das Ferris Wheel wurde nach der Ausstellung Mitte 1894 abgebaut und bei der Weltausstellung 1904 in St. Louis wieder aufgebaut. 1906 wurde das Rad endgültig abgebrochen und verschrottet. An seiner Stelle steht heute eine Nachbildung.

mini|Ringlagerung einer Gondel des London Eye an der Außenseite mini|links|hochkant|Der Stern von Nanchang

Stationäre Riesenräder erlangten 1999 mit dem Bau des London Eye anlässlich der bevorstehenden Millenniums-Feierlichkeiten neue Popularität. Das mit 135 m seinerzeit größte Riesenrad der Welt bedeutete in vielerlei Hinsicht technischen Fortschritt. Während bislang die Gondeln pendelnd im Rad aufgehängt waren, sodass vor allem in höchster Position das Rad selbst die Sicht behinderte, ist hier erstmals jede Gondel drehbar in zwei Ringen gelagert, die an der Außenseite des Rades befestigt sind. Das Rad selbst besteht aus einem starren Ring, der mit Stahlseilen an der Nabe verspannt ist. Es wird zum Einsteigen nicht angehalten, sondern dreht sich kontinuierlich.

Als höchstes Riesenrad der Welt abgelöst wurde das London Eye vom 160 m hohen Stern von Nanchang. Als Ausdruck von Wirtschaftsmacht sollte es nachts mit tausenden Lichtern leuchten und auch tagsüber weithin sichtbar sein, was eine filigrane Bauweise wie die des London Eye ausschloss. Das Rad wurde deshalb wie bei transportablen Riesenrädern als massive Stahlkonstruktion gebaut, die Platz für bis zu 7000 Lampen bietet. Da ihr größeres Gewicht die Stützkonstruktion belastet und zudem erhebliche Windlasten auftreten, ist diese massive Konstruktionsweise bei Riesenrädern dieser Größe unüblich.

Der Singapore Flyer wurde bei seiner Eröffnung im Jahr 2008 das größte Riesenrad der Welt. Das Riesenrad ist 165 m hoch und die Technik ist ähnlich zum London Eye.

Abgelöst wurde der Singapore Flyer im April 2014 vom 167,7 m hohen The High Roller in Las Vegas. Auch bei diesem Riesenrad sind die Gondeln außen angebracht.

Das Ain Dubai in Dubai mit einem Durchmesser von 250 m hat seit 2021 den Rekord als größtes Riesenrad der Welt inne.

Prinzip Riesenräder sind Konstruktionen aus Stahl, die im Regelfall aus vier schräggestellten Stützen bestehen, die an einer nichtangetriebenen Radnabe zusammenlaufen. Bei kleineren Riesenrädern wurden auch Konstruktionen mit einer einzigen Stütze, wie im Böhmischen Prater, realisiert.

Antrieb Bei modernen Riesenrädern erfolgt der Antrieb durch Elektromotoren, die rechts und links des Einstiegsbereichs angeordnet sind und mit Reibrädern auf die äußere Seite des Rades wirken.

Bei älteren Riesenrädern sind Seilschlaufen (anfangs Ankerketten) um die Außenseite der Riesenradkonstruktion geführt und durch Zuggewichte gespannt. Motoren (anfangs Dampfmaschinen) treiben die Seilschlaufen an, die dann die Drehbewegung auf das Riesenrad übertragen.

Vor allem in Entwicklungsländern finden sich noch heute – teilweise mangels Stromversorgung – von Muskelkraft betriebene Riesenräder.Videobeweise auf YouTube

Stationäre Riesenräder Bei stationären Riesenrädern werden das Erdreich ausgeschachtet und die Fundamente in den Boden betoniert. Um das Gewicht des Rades zu minimieren, wird der äußere Ring bei besonders großen Riesenrädern mit Stahlseilen mit der Nabe verbunden. Da ein so konstruiertes Rad erst geschlossen in sich stabil wird, ist der Aufbau schwierig. Beim Ferris Wheel wurde ein Gerüst für den oberen Teil des Rades aufgebaut, das Rad des London Eye wurde auf schwimmenden Plattformen in der Themse liegend montiert und dann mit einem Kran aufgerichtet. Der Singapore Flyer wurde zunächst mit biegesteifen Speichen stabilisiert, die wieder entfernt wurden, nachdem das Rad geschlossen war. Mit dieser Technik sind Höhen von über 200 Metern möglich.

Transportable Riesenräder mini|Around the world beim Aufbau

Bei transportablen Riesenrädern wird der äußere Ring mit massiven Speichen mit der Nabe verbunden. Diese Konstruktionsweise ermöglicht es, das Rad am unteren Ende um einen Radabschnitt zu erweitern, es dann weiterzudrehen und den Vorgang zu wiederholen, bis das Rad vollständig aufgebaut ist.

Mit Fundamentsohle Bei diesem Typ wird zunächst eine Fundamentsohle errichtet und mit Ballastgewichten aus Beton oder mit Wassertanks beschwert. Auf dieser Sohle wird das Riesenrad gebaut. Gesamthöhen bis zu 60 Metern sind möglich. Der Aufbau dauert drei bis vier Tage. Ein großer Autokran ist zwingend erforderlich.

Auf Transportanhängern Die drei Transportanhänger werden zunächst nebeneinander aufgestellt und fest miteinander verbunden. Mittels Hydraulik können die vier Stützen ohne fremde Hilfe aufgerichtet werden. Die Nabe wird durch einen Kran aufgesetzt. Der Aufbau ist in ein bis zwei Tagen möglich. Gesamthöhen bis zu 40 Metern sind realisierbar. Bei einer Version mit vier Transportanhängern (jeder wiegt 55 Tonnen) ist eine Höhe von 50 Metern erreichbar.

Existierende Riesenräder Stationär mini|Wiener Riesenrad, mit 15 Gondeln, die in Wien Waggons genannt werden (2007) mini|London Eye mini|Roue de Paris mini|Blick nach Sinŭiju, Nordkorea (2008)

Ein bekanntes Riesenrad ist das Wiener Riesenrad im Wiener Prater. Es wurde 1897 zum 50. Thronjubiläum Kaiser Franz Josefs I. erbaut. Die Gesamthöhe beträgt 64,75 m bei einem Raddurchmesser von 60,96 m. Die Stahlkonstruktion hat ein Gewicht von 430 t, wobei das Rad 245 t wiegt. Die Drehgeschwindigkeit ist mit 2,7 km/h eher niedrig, Ein- und Aussteigen einzelner Personen während des Drehvorgangs wäre möglich. Im Jahr 1916 wurde eine Abbruchgenehmigung erteilt, die man aus Geldmangel jedoch nicht in Anspruch nahm. 1944 (im Zweiten Weltkrieg) wurde das Riesenrad durch einen Brand zerstört und ab 1945 wieder aufgebaut, wobei die Anzahl der Waggons von 30 auf 15 reduziert wurde. Die Wiederinbetriebnahme erfolgte 1947. Im Jahr 1961 erwarb Karl Lamac das Riesenrad.

In Berlin gibt es im Spreepark ein 45 Meter im Durchmesser messendes Riesenrad, das allerdings seit 2002 außer Betrieb ist und saniert wird.

Das Riesenrad mit dem höchsten Standort in Europa ist ebenfalls in Deutschland zu finden. Es befindet sich im Freizeitpark Traumland auf der Bärenhöhle.

Das London Eye liegt direkt an der Themse in London und ist mit 135 Meter (443 Fuß) derzeit das größte Riesenrad Europas. Es wird jährlich von 3,5 Millionen Besuchern frequentiert.

Das Roue de Paris ist eigentlich ein transportables Riesenrad. Es wurde zu den Millenniums-Feierlichkeiten in Paris errichtet und danach drei Jahre lang dort betrieben. Es handelt sich um ein 56 Meter hohes Rad, das kein permanentes Fundament benötigt, da 40.000 Liter Wasser als Ballast dienen. Nach der Demontage in Paris wurde es in Birmingham von November 2003 bis Februar 2004 betrieben. Im Dezember 2004 drehte sich das Roue de Paris auf dem Weihnachtsmarkt in Manchester. Anfang 2005 wurde das Rad von der Firma World Tourist Attractions Ltd. an Magic Fair Attractions B.V./Starlex Entertainment B.V., Eindhoven verkauft. Nach kurzer Verwendung auf der World Town Fair in Sittard-Geleen wurde es in den Sommermonaten 2005 auf der Museumsinsel in Amsterdam betrieben. Seit Januar 2006 steht es auf dem Night Bazaar in Bangkok.

In der ukrainischen Stadt Prypjat wurde anlässlich der Mai-Feierlichkeiten 1986 ein Riesenrad aufgebaut. Als nach der Katastrophe von Tschernobyl die Stadt Prypjat evakuiert wurde, wurde auch das Riesenrad stehen gelassen – unbenutzt. Das heute total verrostete Riesenrad steht immer noch am ehemaligen Prypjater Festplatz und wird heute oft mit der Geisterstadt Prypjat und Tschernobyl in Verbindung gebracht.

In Japan gibt es vier Riesenräder mit Höhen über 100 m. Das Tempozan Harbor Village Ferris Wheel wurde am 12. Juli 1997 in Osaka eröffnet. Es hat eine Gesamthöhe von 112,5 m und einen Durchmesser von 100 m. Das Palette Town Ferris Wheel wurde 1999 in Odaiba gebaut. Die Höhe beträgt 115 m, es hat ebenfalls ein 100-m-Rad. Mit einer Gesamthöhe von 120 m und einem Raddurchmesser von 112 m wurde das Sky Dream Fukuoka im Jahre 2002 erbaut. Das vierte Rad ist das 2005 errichtete Diamond and Flower Ferris wheel im Kasai Rinkai Park im Osten Tokios. Es hat eine Höhe von 117 m und ein 111-m-Rad.

Das viertgrößte Riesenrad der Welt, der Stern von Nanchang, wurde am 4. Januar 2006 in Nanchang in China eingeweiht. Bei einer Höhe von 160 Metern und 153 Metern Durchmesser dauert eine volle Umdrehung eine halbe Stunde.