Die Salzburger Festspiele gelten als eines der weltweit bedeutendsten Festivals der klassischen Musik und darstellenden Kunst.ORF: Opera Award für Salzburger Festspiele. 23. April 2013, Abruf am 26. Juli 2013. Sie finden seit 1920 jeden Sommer im Juli und August in Salzburg statt. Markenzeichen der Festspiele sind der Jedermann auf dem Domplatz, exemplarische Mozart- und Strauss-Aufführungen, sowie ein vielfältiges und hochkarätiges Schauspiel-, Opern- und Konzert-Programm. Alljährlich werden in den sechs Festspielwochen mehr als 200 Veranstaltungen von mehr als 250.000 Gästen besucht.
Intendant war ab 2016 Markus Hinterhäuser, dessen Vertrag 2024 vom Kuratorium um eine dritte Amtszeit verlängert wurde. Im März 2026 trennten sich die Festspiele von Hinterhäuser, er wurde zum bis Vertragsende am 30. September 2026 beurlaubt. Interimistisch folgte ihm Karin Bergmann bis Herbst 2027 nach.
Präsidentin ist seit 1. Jänner 2022 bis Ende 2026 Kristina Hammer.
Gründung der Festspiele Gründungsgeschichte Schon im Mittelalter wurden in Salzburg große Mysterienspiele aufgeführt. Es gab Kostümfeste, die mehrere Tage dauerten. Die erste Oper nördlich der Alpen soll in Salzburg aufgeführt worden sein. Im Salzburger Dom waren opulente Messen und Oratorien fest im Jahreszyklus verankert. 1613 gab Fürsterzbischof Markus Sittikus die Hellbrunner Wasserspiele in Auftrag. An der Salzburger Universität wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Dramen und Singspiele aufgeführt. Fürsterzbischof Colloredo ließ viele Bräuche verbieten und stellte zahlreiche Feiern ein. Nach seinem Tod kam zum Wiederaufleben zahlreicher Lustbarkeiten und es begann die Mozart-Verehrung mit Mozart-Festen und -Umzügen. Die Begründung der Bayreuther Festspiele im Jahr 1876 und das 100-Jahr-Jubiläum des Don Giovanni im Jahr 1887 förderten Wiener und Salzburger Bemühungen um ein Festival, welches dem genius loci gewidmet sein sollte. „Einige der Proponenten waren durchaus deutschnational, viele Anregungen stammten auch aus der Mozart-Gemeinde in Wien. Doch der Erste Weltkrieg kam dazwischen, und auf die Monarchie folgte die Republik Österreich.“Norbert Mayer: Salzburger Festspiele: Nach der Niederlage ein Triumph der Kultur, Die Presse, 25. Juli 2014.
Max Reinhardt (1873–1943), dessen Karriere als Schauspieler 1893 am Stadttheater Salzburg begonnen und der ab 1901 in Berlin ein Theaterimperium aufgebaut hatte, wurde ab 1904 vom Dramatiker Hermann Bahr (1863–1934) in dessen Planungen für Salzburger Feste einbezogen.Hermann Bahr und die Salzburger Festspiele, Universität Wien, abgerufen am 1. August 2014. Schon damals war der Domplatz als Spielstätte geplant, Anna Mildenburg sollte Opern inszenieren, Reinhardt Schauspiele. Die Pläne scheiterten, wie schon mehrfach zuvor, an der fehlenden Finanzierung.
Nachdem Max Reinhardt im Jahr 1918 das Schloss Leopoldskron erworben hatte und sich jeden Sommer in Salzburg aufhielt, konkretisierten sich die Planungen. Gemeinsam mit Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) konzipierte er bereits im September desselben Jahres ein Projekt „des bayrisch-österreichischen Stammes“ als Antipode zum preußischen: „das, was in Bayreuth, gruppiert um ein norddeutsches Individuum, Wagner, geübt wird, hier um ein ungleich komplexeres und höheres Zentrum, die Kunst Österreichs, herumzubauen…“. Damit war der Gegensatz der beiden Festspielideen schon programmatisch festgeschrieben: Bayreuth hoch exklusiv, ein Haus, ein Komponist, alles allein auf dessen Werk zentriert, davon aber auch nur die zehn Greatest Hits (folglich doppelte Exklusivität). Salzburg hingegen inklusiv, mit drei Achsen: Schauspiel, Oper, Konzert, heute in drei Festspielhäusern und auf zahlreichen weiteren Plätzen der Stadt, Konzertsälen, Kirchen und Bühnen, im Freien und in geschlossenen Räumen, offen für Neues, aber stets im Ringen darum, ob das Gezeigte dem hohen Qualitätsanspruch Genüge tut. Zwei Welten also, wiewohl das Grundbestreben beider Festivals das Feiern des Fests zu Ehren eines Komponisten war, die Beförderung des Weihevollen, Eindrucksvollen, Erhabenen.
Geschichte der Festspiele
Der verlorene Weltkrieg, die verlorene monarchische und übernationale Realität und die Weiterentwicklungsüberlegungen zur kulturellen Identität, sowie die Notwendigkeit den Tourismus anzukurbeln, trugen wesentlich dazu bei, dem Festspielgedanken Auftrieb zu geben. Hugo von Hofmannsthal bekräftigte bei seinen Gründungsüberlegungen besonders die Schaffung einer kulturellen Basis für die trotzdem andauernde und nun besonders notwendige Mission des „theresianischen Menschen“ als Miterben des Heiligen Römischen Reiches beziehungsweise der Donaumonarchie zur weiteren Vermittlung zwischen den europäischen Ethnizitäten durch die Anwendung ausgleichender ritterlicher paneuropäischer habsburgischer Werte.Die Salzburger Festspiele sollten entsprechend den politischen und staatsrechtlichen Schriften Hofmannsthals (die im Rückblick auf den damals aufkommenden Nationalsozialismus hellseherisch wirken) als Gegenstück zur Preußisch-Norddeutschen kompromisslosen bzw. alternativlosen WeltsichtHeribert Prantl: Ein Hoch auf den Kompromiss. In: Süddeutsche Zeitung vom 3. April 2016. die völkerverbindenden und ausgleichenden habsburgischen Grundsätze des „Leben und Leben lassen!“ betonen. Es sollten die Kompromissfindung, die katholische Weltsicht zwischen irdischen Freuden und Gewissheit der Vergänglichkeit und der Stolz auf regionale Besonderheiten (z. B. Handwerk, Traditionen etc.) gezeigt und auch gefördert und erhalten werden.William M. Johnston: Zur Kulturgeschichte Österreichs und Ungarns 1890–1938. Böhlau, Köln/Wien 2015, ISBN 978-3-205-79378-6, S. 49. Hofmannsthal war damit auf einer Linie mit vielen Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit wie Stefan Zweig, Joseph Roth aber auch James Joyce, welcher in der weltoffenen Hafenstadt Triest mit dem Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn in Kontakt getreten war und das untergegangene Staatswesen rückblickend mit „They called the Austrian Empire a ramshackle empire, I wish to God there were more such empires“ klassifizierte.Franz Karl Stanzel: James Joyce in Kakanien (1904–1915). Königshausen & Neumann, Würzburg 2019, ISBN 978-3-8260-6615-3, S. 29.
Im Jahr 1920 fanden schließlich (nach jahrzehntelangen Diskussionen, Konzeptionen und Planungen) die ersten Salzburger Festspiele statt. Reinhardt wählte Hofmannsthals Jedermann, ein Stück, das er selbst im Dezember 1911 im Berliner Circus Schumann zur Uraufführung gebracht hatte, den Domplatz als Spielort und Alexander Moissi als Hauptdarsteller. In der Retrospektive erscheint die Wahl des Stückes ideal, des Spielorts kongenial und des Hauptdarstellers exzellent. Was im preußisch-protestantischen Berlin der Vorkriegszeit noch antiquiert und deplatziert wirkte, kam vor der Kulisse des barocken Salzburger Doms in der erzkatholischen Stadt Salzburg bestens zur Geltung. Das Stück wurde zum Dauerbrenner und zum Markenzeichen der Festspiele. Heute verzeichnen die alljährlich vierzehn Aufführungen rund 35.000 Zuseher; der Jedermann ist meist ausverkauft.
Reinhardt sollte auch – mit seiner sicheren Hand in der Auswahl malerischer Spielstätten – die kommenden Jahre der Festspiele prägen, bis in den frühen 1930er Jahren die Oper die erste Geige übernahm. Reinhardt gelang 1933 mit dem Faust in Clemens Holzmeisters Fauststadt in der Felsenreitschule noch einmal ein nachhaltiger Erfolg.
Als der Leiter des Salzburger Mozarteums, Bernhard Paumgartner (1887–1971), sich erlaubte, im Jahr 1921 zusätzlich zum Jedermann einige Konzerte mit lokalen Kräften anzusetzen, war Richard Strauss erbost. Er, der die Festspielidee maßgeblich unterstützt hatte, fürchtete die Einkehr der Provinzialität, griff zu Telefon und Taktstock, engagierte die Wiener Philharmoniker und die Wiener Staatsoper, dirigierte selbst 1922 – als erste Opernaufführung der Festspiele – Mozarts Don Giovanni und danach auch dessen Così fan tutte. Dem Dirigenten Franz Schalk wurden Le nozze di Figaro und Die Entführung aus dem Serail überantwortet. Bühnenbildner aller vier Mozart-Opern dieses Jahres war Alfred Roller (1864–1935), der die Ästhetik der Salzburger Opern- und Schauspielproduktionen der ersten fünfzehn Jahre prägen sollte. Von 1922 bis 1924 fungierte Strauss auch als Präsident der Festspiele; er blieb ihnen bis zu seinem Tod verbunden. Die Uraufführung seiner letzten Oper (Die Liebe der Danae) fand posthum 1954 in Salzburg statt. Auch Paumgartner blieb – ausgenommen die NS-Zeit – weiter im Spiel, institutionalisierte 1949 die Mozart-Matineen und 1950 die c-Moll-Messe in der Stiftskirche St. Peter, beide mit dem lokalen Mozarteumorchester, das heute zu den Säulen der Festivals zählt. Paumgartners jahrzehntelange treue Dienste wurden 1960 mit der Direktoriums-Präsidentschaft belohnt (zuletzt Ehrenpräsident), die er bis zu seinem Tod im Jahr 1971 innehielt.
Wegen der COVID-19-Pandemie wurden die Salzburger Festspiele des Jahres 2020 verkürzt und modifiziert.
Schauspiel
In der Gründungsphase der Festspiele spielten Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal eine führende Rolle. Reinhardt erklärte die ganze Stadt zur Bühne und inszenierte am Domplatz das mittelalterliche Mysterienspiel Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes in einer Neufassung von Hugo von Hofmannsthal. Die Premiere am 22. August 1920 markierte die Geburtsstunde der Festspiele, das Stück steht seit 1926 – ausgenommen die NS-Zeit von 1938 bis 1945 – durchgehend am Spielplan der Festspiele. Reinhardt entdeckte und eröffnete auch die Kollegienkirche,Uraufführung von Hofmannsthals Das Salzburger große Welttheater, 1922. das Schloss Leopoldskron,Molieres Der eingebildete Kranke, 1923. die WinterreitschuleWiederum Hofmannsthals Salzburger großes Welttheater und Vollmoellers Das Mirakel, 1925. und schließlich die SommerreitschuleGoldonis Der Diener zweier Herren, 1926. als Spielstätten der Festspiele. Winter- und Sommerreitschule wurden mehrfach umgebaut und dienen heute – als Haus für Mozart und Felsenreitschule – überwiegend der Oper und dem Konzert.
Neben dem Iffland-Ring gilt die Hauptrolle im Jedermann als größte Auszeichnung für einen Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Sie wird zumeist mit routinierten Theaterschauspielern besetzt, die sich in klassischen Rollen bewährt haben. In der Max-Reinhardt-Inszenierung (1920 bis 1937) wurde der Lebemann von Alexander Moissi, Paul Hartmann und Attila Hörbiger verkörpert. Die Nationalsozialisten verboten weitere Jedermann-Aufführungen wegen jüdischer Vorfahren des Autors. In den Nachkriegsjahren verkörperten Ewald Balser, wiederum Attila Hörbiger, Will Quadflieg, Walther Reyer und Ernst Schröder die Hauptrolle, ehe ab 1973 mit Curd Jürgens, Maximilian Schell und Klaus Maria Brandauer international bekannte Filmschauspieler zum Zuge kamen. Seit den 1990er Jahren wird der Jedermann wiederum überwiegend von Bühnenschauspielern verkörpert – Helmut Lohner, Gert Voss, Ulrich Tukur, Peter Simonischek, Nicholas Ofczarek und Cornelius Obonya. Mit Tobias Moretti spielte ein Schauspieler den Jedermann, der durch das Fernsehen bekannt wurde und zusätzlich auch eine hochrespektierte Bühnenkarriere vorweisen konnte. Es folgten Lars Eidinger, Michael Maertens und seit 2024 Philipp Hochmair. Die Rolle der Buhlschaft – mit sehr wenig Text, aber maximaler Sichtbarkeit – wurde häufig mit populären Fernseh- und Filmstars, wie Nadja Tiller, Christiane Hörbiger, Nicole Heesters, Senta Berger, Marthe Keller, Sophie Rois oder Veronica Ferres besetzt.