mini|Zwei Zigaretten mini|Querschnitt durch eine Zigarette mini|Die Zigarette: 1. Filter, 2. Mundstück, 3. Zigarettenpapier, 4. Tabak Eine Zigarette (, Diminutiv zu „Zigarre“) ist ein mit Tabak gefülltes Stäbchen, das aus den fermentierten, getrockneten und feingeschnittenen Blättern der Tabakpflanze hergestellt wird, die in Papier gestopft, gedreht, gefaltet oder gerollt werden. Durch Verbrennung entsteht der daraus konsumierbare Tabakrauch. Tabakrauch wird als Rauschmittel verwendet und fand vor allem im 20. Jahrhundert starke Verbreitung. Inzwischen ist der Zigarettenkonsum in westlichen Ländern aufgrund verschiedener Maßnahmen zur Eindämmung des Rauchens stark rückläufig. Der Grund für diese Maßnahmen ist vor allem die krebserregende Wirkung des Tabakrauchs.

Die meisten Fertig-Zigaretten haben heutzutage die Größe bzw. das Format mit einer Länge von 83 mm. Hinzu kommen Zigaretten im Format , die 99 mm lang sind. Filterlose Zigaretten, also sogenannte Strangzigaretten, sind zumeist kürzer als „“.http://www.reemtsma.com/das-unternehmen/produkte/alles-wissenswerte-ueber-zigaretten-co/, abgerufen am 27. Januar 2020

Geschichte Tabak wurde von mittelamerikanischen Ureinwohnern in Maisblätter eingerollt geraucht und von den spanischen Kolonisatoren Mitte des 16. Jahrhunderts nach Europa gebracht. 1586 wurde das Tabakrauchen in England eingeführt und breitete sich über Holland in ganz Europa aus. Tabak wurde sonst hauptsächlich geschnupft.

Zigaretten wurden um 1850 zum ersten Mal in den Zigarrenfabriken in Frankreich und Südspanien aus Tabakresten hergestellt. Diese wurden gesammelt und in Papier gewickelt und zunächst vor allem von den Arbeiterinnen der Fabriken geraucht, da sie sehr viel preiswerter waren als Zigarren.

In Deutschland wurde die Zigarette durch Joseph Huppmann (1814–1897) bekannt. Er betrieb ab 1852 in St. Petersburg eine Zigarettenfabrik und richtete 1861 in Dresden eine Filiale unter dem Namen „Laferme“ mit einem Tabakschneider und sechs Arbeiterinnen ein. In dieser Filiale erhielt Georg Anton Jasmatzi 1868 eine Stellung als technischer Werksführer, bevor er sich später selbständig machte und seine eigene Zigarettenfabrik gründete.

Die erste eigenständige deutsche Zigarettenfabrik (Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze) wurde in Deutschland 1862 in Dresden eröffnet, die erste österreichische 1865. mini|Marktanteile von Zigarettenmarken in Westdeutschland 1981 1934 wurde in der Zigarettenfabrik Greiling in Dresden die erste Filterzigarette der Welt hergestellt.

Seit dem Tabakerzeugnisgesetz von 2016 sind in Deutschland gemäß einer EU-Richtlinie keine Zigaretten mehr erlaubt, deren Emission mehr als 10 mg Teer, mehr als 1 mg Nikotin oder mehr als 10 mg Kohlenmonoxid enthalten. Zuvor wiesen Zigaretten oft größere Werte auf, die Produkte wurden entsprechend angepasst. Mit dem Gesetz wurde außerdem ein mit wenigen Ausnahmen versehenes Werbeverbot für Tabakerzeugnisse erlassen und 2020 auch auf (auch nikotinfreie) E-Zigaretten und Nachfüllbehälter ausgeweitet und seit 2021 bis 2024 stufenweise in Kraft getreten.

Konsum

Der Anteil des Zigarettenverbrauchs am Gesamttabakverbrauch stieg zwischen 1912 und 1954 von 13 % auf 73 %. 1913 wurden in den USA 15 Milliarden Zigaretten geraucht. 1940 waren es 170 Milliarden und 1953 400 Milliarden.Heinrich Klose: Ethos des Sportes. Das Deutsche Gesundheitswesen – Zeitschrift für Medizin 13 (1958), S. 1688–1695, hier S. 1691.

2016 war die Volksrepublik China mit 2,3 Billionen gerauchten Zigaretten für 42 % des weltweiten Zigarettenkonsums von 5,8 Billionen verantwortlich. Besonders hoch war der Zigarettenkonsum pro Kopf in einigen arabischen und osteuropäischen Ländern. Belarus hatte 2016 den weltweit höchsten Pro-Kopf Zigarettenverbrauch. Hier kam auf jede Person über 15 Jahren ein durchschnittlicher jährlicher Konsum von ca. 2900 Zigaretten.

Beispiele für besondere Arten von Zigaretten sind elektrische Zigaretten ohne Verbrennungsprozess oder die Papirossa, die v. a. in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion verbreitet ist.

Herstellung Zigarettenfabrik

Die Herstellung einer Zigarette in einer Zigarettenfabrik gliedert sich grob in zwei Bereiche: Tabakaufbereitung (primär), Zigarettenherstellung, Filterherstellung (sekundär).

Neben diesen Bereichen, in denen die einzelnen Bestandteile einer Zigarette hergestellt und zusammengeführt werden, gibt es weitere Bereiche für die Lagerung von Rohstoffen und Fertigwaren sowie ein Materiallager.

Die Zigarettenindustrie beschäftigt in Deutschland über 10.000 Menschen und erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 20,1 Milliarden Euro.

Im Jahr 2023 arbeiten 7.492 Mitarbeiter in diesem Industriezweig bei einem Umsatz von 22,5 Mrd. Euro.

Handarbeit mini|Konsum einer Selbstgedrehten mini|Feinschnitttabak Nicht unwesentlich ist auch die Herstellung von Zigaretten in Handarbeit (umgangssprachlich: Drehen). Dazu wird Feinschnitttabak locker in Zigarettenpapier eingerollt. Dies kann entweder nur mit den Händen oder, wenn die Fingerfertigkeit nicht ausreicht, mit einfachen Zigarettendrehmaschinen geschehen. Das zumeist gummierte Zigarettenpapier wird zum Abschluss mit Speichel befeuchtet und verklebt. Eine weitere Variante ist die Verwendung von Zigarettenstopfmaschinen, mit denen sich eine annähernd gleiche Qualität wie bei gekauften Filterzigaretten erzielen lässt.

Nach einer massiven Tabaksteuererhöhung in den 1990er Jahren stellten die Tabakproduzenten in Deutschland das Angebot für Feinschnitttabak von 50-Gramm- auf 40-Gramm-Packungen um. Seit 2006 werden vermehrt 35-Gramm-Packungen statt der 40-Gramm-Packungen angeboten.

Einen hohen Marktanteil haben inzwischen Tabake, die als No-Name-Produkt in Supermärkten und bei einigen Tabakhändlern zu erwerben sind und in der Regel um etwa ein Fünftel billiger als die Markentabake sind.

Sorten und Marken Fertig produzierte Zigaretten sind in verschiedenen „Stärkegraden“ erhältlich, die sich in erster Linie durch ihren Nikotingehalt unterscheiden. Der Rauch einer Zigarette darf seit 1. Januar 2004 gemäß EG-Vorschrift laut Standardmessung höchstens 1,0 mg Nikotin enthalten. Zigaretten ab einem Wert von 0,8 mg werden durch die Erzeuger mit Bezeichnungen wie „“ (dt. voller Geschmack) versehen. Für Zigaretten mit geringerem Nikotingehalt existiert eine weitergehende Nomenklatur von Stärkekategorien, allerdings dürfen diese Bezeichnungen in vielen Ländern nicht mehr zu Vermarktungszwecken verwendet werden (unter anderem gilt dies seit 2003 für die EU laut EG-Richtlinie 2001/37/EG:.) Medium (zirka 0,7 mg), oder mild (zirka 0,4–0,6 mg) und Super- oder Ultralight (0,4 mg und weniger).

Das Verbot, die Namen von Zigarettenmarken mit Zusätzen wie „Medium“, „“ oder „mild“ zu versehen, wird damit begründet, dass diese Ausdrücke von den Verbrauchern als Hinweis auf eine verminderte Gesundheitsgefahr gedeutet werden könnten. In der Folge haben die Zigarettenhersteller ihre entsprechenden Varianten in uneinheitlicher Weise umbenannt: So heißt es statt teilweise „“, statt Light häufig „“, „“ oder „“ und statt „“ oder „“. Der Trend geht offenbar immer mehr zur Verwischung der alten Stärkekategorien, da der Verbraucher diese nur noch über Nikotin-Werte differenzieren kann, die zudem in der EU nicht mehr auf den Packungen abgedruckt werden dürfen, da sie zu der Annahme führen könnten, bestimmte Zigaretten seien weniger schädlich als andere. Zudem gibt es Varianten einzelner Sorten, die zwar „“ im Sinne von „Voll im Geschmack“ sind (oder zumindest so beworben werden), jedoch geringere Nikotinwerte haben.

Da Nikotin der hauptsächliche Sucht erzeugende Inhaltsstoff des Zigarettenrauchs ist, bleibt dennoch der Nikotingehalt das wichtigste Unterscheidungsmerkmal. Es gilt als erwiesen, dass die tatsächlich beim Konsumenten ankommende Nikotinmenge entscheidend durch das Rauchverhalten beeinflusst wird: So neigen Raucher bei Zigaretten, deren Rauch geringere Mengen an Nikotin und Teer enthält, zu tieferem Inhalieren, um mehr Nikotin aufnehmen zu können. Zudem verspüren Raucher nach dem Rauchen einer solchen Zigarette oft noch weiterhin den „Bedarf“ nach Nikotin, weshalb der Wunsch nach einer weiteren Zigarette erhalten bleibt. Anreicherungen von Ammoniak und Harnstoff erhöhen zudem den pH-Wert des Rauchs, wodurch angeblich die Lunge wesentlich mehr Nikotin aufnehmen sollte. Eine Studie aus dem Herbst 2011 widerlegte jedoch diese Vermutung. Durch ein kompensatorisches Rauchverhalten kann der tatsächlich aufgenommene Nikotinanteil selbst bei so genannten „“-Zigaretten dem von herkömmlichen Markenzigaretten entsprechen. Die Suchtgefahr, die von diesen Zigaretten ausgeht, ist demnach genauso hoch.

Vereinzelt unterscheiden sich die Varianten durch die den Zigaretten beigesetzten Aromen; hier ist insbesondere an Mentholzigaretten zu denken, aber auch an Spezialitäten wie Vanille- oder Nelkenzigaretten (Kretek). Die zur Aromatisierung des Tabaks eingesetzten Zusatzstoffe sind nicht deklarationspflichtig und werden von den Herstellern in der Regel nicht veröffentlicht. Sie prägen den sortentypischen Geschmack grundlegend und tragen zugleich dazu bei, die Inhalation des Zigarettenrauches zu erleichtern. Die Zigarette wird zu einem leichter konsumierbaren Produkt, was insbesondere auf jüngere Verbraucher abzielt.

Den weitaus größten Marktanteil genießen heutzutage Zigaretten aus Mischungen heller Tabake, zum Beispiel dem so genannten (dt. amerikanische Mischung), einer Mischung aus 60 % Virginia-, 30 % Burley- und 10 % Orienttabak. Geringere und weiter abnehmende Marktbedeutung haben Zigaretten aus schwarzen Tabaken.

In der Regel werden Zigaretten mit Filter, seltener ohne angeboten. Der Filter einer Zigarette besteht aus Celluloseacetat, einem Stoff mit faseriger Struktur. Dieser Zigarettenfilter bewirkt eine teilweise mechanische Zurückhaltung von Partikeln und Alkaloiden (zum Beispiel Nikotin) aus dem Tabakrauch. Zusätzlich kann das Mundstück einen Aktivkohlefilter enthalten und/oder zur Geschmacksverfeinerung gesüßt sein.

Die übliche Länge einer Zigarette beträgt 74–85 mm, welche von den Herstellern auch unter der Bezeichnung „“ vermarktet werden. Daneben gibt es Überlängen (100 mm, 120 mm), aber auch kürzere 70-mm-Zigaretten. Letztere sind etwa in Osteuropa und Nordafrika noch häufig anzutreffen.

Neben der (häufigeren) runden Form des Querschnitts gibt es auch ovale Zigaretten, die dadurch etwas anders in der Packung angeordnet sind.

Aufgrund niedrigerer Besteuerung hat in Deutschland der Markt für Nicht-Fertigzigaretten besondere Bedeutung – mit steigender Tendenz. Hierunter fällt zuallererst der Klassiker Drehtabak, also Feinschnitt, der vom Konsumenten erst mit Hilfe von gesondert gekauftem Zigarettenpapier und eventuell Drehfiltern zu Zigaretten verarbeitet wird. Kurzzeitig wurden als weitere Variante sogenannte Tabak-Sticks (vorportionierter Feinschnitt) angeboten. Diese hatten zwar bereits eine Hülle aus Papier, waren aber so nicht rauchbar und mussten erst manuell in eine Zigarettenhülle eingeschoben werden. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 10. November 2005 mussten die sogenannten Tabak-Sticks allerdings wie Fertigzigaretten besteuert werden und verschwanden anschließend wieder vom Markt.

Ebenfalls aus Gründen der geringeren Steuer und des somit geringeren Preises und in Anbetracht der Handelsspanne des Einzelhändlers von zirka vier Prozent für Zigaretten gibt es in Deutschland seit einigen Jahren zigarettengroße Filterzigarillos zu kaufen, die sich wie Zigaretten rauchen lassen.

Der weltweit größte Zigarettenhersteller ist Philip Morris International (ein Tochterunternehmen der Altria Group) mit Marken wie Marlboro, Merit, Chesterfield und vielen anderen.

Inhaltsstoffe mini|Strukturformel von Nikotin – Nervengift und Hauptsuchtstoff in Zigaretten