mini|Rauchende Jungen (1910) mini|Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt rauchend in der Zürcher Kronenhalle (1963) mini|1 – Zigarrenkiste;2 – Zigarre;3 – verschiedene Pfeifen;4 – Shisha (Wasserpfeife);5 – Räucherstäbchen;6 – Bong Tabakrauchen (kurz: Rauchen) ist die Inhalation von Tabakrauch, der durch das Verbrennen (eigentlich Glimmen) tabakhaltiger Erzeugnisse wie Zigaretten, Zigarillos oder Shishatabak entsteht.
Zigarren und Pfeifen werden üblicherweise gepafft, wenngleich auch hier oft vom Rauchen gesprochen wird. Der Übergang ist fließend, manchmal wird Tabakrauch von Wasserpfeifen oder Zigarillos gepafft, manchmal inhaliert.
Seit die gesundheitsschädigenden Folgen des Rauchens sowie des Passivrauchens wissenschaftlich belegt wurden, wird das Thema öffentlich verstärkt wahrgenommen und diskutiert. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben mit Stand 2025 jedes Jahr über sieben Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, davon etwa 1,6 Millionen Nichtraucher durch Passivrauchen.Weltgesundheitsorganisation: Tobacco. Abgerufen am 21. Oktober 2025. Alleine im 20. Jahrhundert starben mehr Menschen an den Folgen des Rauchens als in beiden Weltkriegen zusammen. Der jährliche wirtschaftliche Schaden wurde 2017 auf rund 950 Mrd. Euro geschätzt.Rauchen kostet Weltwirtschaft eine Billion Dollar im Jahr . In: FAZ, 10. Januar 2017; abgerufen am 10. Januar 2017. Zum Verschleiern der gesundheitlichen Auswirkungen des Tabakkonsums betrieb die Tabakindustrie eine über Jahrzehnte verfolgte Desinformationsstrategie zum Leugnen dieser wissenschaftlichen Tatsachen.
Geschichte des Rauchens
mini|Raucherabteil der S-Bahn München, ca. 1972
Das Rauchen war in verschiedenen altamerikanischen Kulturen schon lange üblich und wurde dort in erster Linie rituell betrieben. Älteste Darstellungen rauchender Maya-Priester sind schon von 600 bis 500 v. Chr. bekannt. Die Priester der Maya zündeten heilige Feuer an und inhalierten dann den Tabakrauch.K.-O. Haustein, D. Groneberg: Tabakabhängigkeit. Springer Verlag, 2008, ISBN 978-3-540-73308-9, S. 2ff. Die genutzten Tabakpflanzen der südamerikanischen Indianer sind und waren weitaus stärker als die heute zumeist genutzten.Christian Rätsch, Enzyclopedie der Psychoaktiven Pflanzen, Teil 1 Nach der europäischen Wiederentdeckung Amerikas durch Kolumbus, der am 6. November 1492 zum ersten Mal den Tabakkonsum von Einheimischen auf der heutigen Insel Kuba dokumentierte, tauchten 1497 erste Berichte über die Tabakpflanze in Europa auf. Später gelangte auch Tabak nach Europa, wo womöglich bereits andere Pflanzen geraucht worden waren (beispielsweise Bilsenkraut oder Lavendel). Europäer inhalierten Tabakrauch zunächst durch die Nase.
Bald war das Rauchen so verbreitet, dass Zar Michail Romanow den Tabakkonsum im 16./17. Jahrhundert mit Strafen wie Verbannung, Exkommunikation und Hinrichtung zu bekämpfen versuchte – während andernorts 1625 erstmals die Tabaksteuer eingeführt wurde. Tabakrauchen in der Landwirtschaft wurde im 18. Jahrhundert durch das Verbot in Scheunen und Ställen eingeschränkt, wie sich aus einer Verordnung zur Brandverhütung vom 2. Oktober 1738 im Kurfürstentum Trier ergibt. In weiteren Kurfürstentümern des Heiligen Römischen Reiches galt dieses Verbot ebenso. Ab dem frühen 19. Jahrhundert war das Rauchen dann wieder sozial weitgehend akzeptiert und als Mittel zum Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, Gelassenheit und Überlegenheit positiv besetzt. Im Umfeld der Revolutionen 1848/1849 galten Rauchverbote als Ausdruck von Fürstenwillkür, das „Recht auf Rauchen in der Öffentlichkeit“ hingegen galt als „Errungenschaft“.Karl Pawek: Raucher, hört die Signale. In: Die Zeit, Nr. 39/1997.
Im NS-Staat wurden gesundheitspolitische Maßnahmen gegen das Rauchen ergriffen, unter anderem mit der propagierten Aussage „Die deutsche Frau raucht nicht!“ Gottfried Krummacher, damals Mitglied der Reichsleitung der NS-Frauenschaft, erklärte im November 1933:Dies zuerst lesen! In: Junge Front. Wochenzeitung ins deutsche Jungvolk, Jg. 2 (1933), Nr. 48 vom 26. November.
Solche Propaganda konnte zwar den allgemeinen Anstieg des Tabakkonsums nicht verhindern, jedoch den Anteil der Frauen unter den Rauchern. Nach dem Krieg fanden die Maßnahmen gegen das Rauchen ein vorläufiges Ende, und durch die Zigarettenwerbung stieg der Anteil der Raucher stark an.Ute Mons, Svenja Pust, Martina Pötschke-Langer, Frauen und Rauchen in Deutschland (.pdf) Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2008, abgerufen am 19. Dezember 2025 Der US-Konzern Philip Morris versuchte, Rauchverbote in Anzeigen mit dieser „Nazi-Connection“ in Misskredit zu bringen (Vergleich von Nichtraucherzonen mit JudenghettosR. N. Proctor: The Nazi war on cancer. Princeton University Press, 1999, ISBN 0-691-00196-0, S. 271ff. ), doch ohne Erfolg.
Der Zusammenhang zwischen dem Tabakrauchen und dem Risiko der Entwicklung eines Bronchialkarzinoms („Lungenkrebs“) und einer koronaren Herzkrankheit wurde in einer bahnbrechenden epidemiologischen Studie des Royal College of Physicians im Vereinigten Königreich aus dem Jahr 1962 erstmals wissenschaftlich eindeutig belegt. Zuvor war dieser Zusammenhang zwar schon mehrfach vermutet, aber nicht streng wissenschaftlich bewiesen worden. Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Studienergebnisse waren etwa 70 % aller Männer und 40 % aller Frauen in Großbritannien Raucher, und geraucht wurde buchstäblich überall ohne Rücksicht auf Nichtraucher, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Flugzeugen, am Arbeitsplatz, zum Teil sogar in Schulen und Krankenhäusern. Mit zunehmender Verbreitung der medizinischen Erkenntnisse über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens hat sich die allgemeine Einschätzung des Rauchens stark zum Negativen gewendet. War in den 1960er Jahren das Rauchen besonders in der gesellschaftlichen Oberschicht verbreitet, ist es heute so, dass eher Geringverdiener rauchen. Personen des öffentlichen Lebens vermeiden es heutzutage zugunsten ihres Ansehens als Vorbild meist, sich zum Rauchen zu bekennen.
Rauchen und soziale Schichten Der Anteil von Rauchern ist erhöht in Schichten mit niedriger Bildung bzw. mit niedrigem sozioökonomischen Status. Dies belegten laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2004 unter anderem Studien aus Indien, Polen und Großbritannien. Zudem sind die Raucherquoten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen höher als in Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen.WHO röschüre: Tobacco and Poverty – a vicious circle (PDF; 1,5 MB) Weltgesundheitsorganisation, 2004, S. 4; abgerufen am 27. April 2026
Mitte der 1960er Jahre betrug der Raucheranteil in Deutschland in der Oberschicht und der Mittelschicht noch jeweils mehr als 40 %, bis 2010 hatte er sich in der Oberschicht mehr als halbiert und lag nur mehr bei 19 %, in der Mittelschicht war er um ca. ein Drittel auf 29 % gesunken. Demgegenüber war das Zigarettenrauchen in den unteren sozialen Schichten Anfang des 21. Jahrhunderts mit rund 34 % noch genauso verbreitet wie Mitte der 1970er Jahre.Rauchen im Wandel der Zeit. In: Deutsches Ärzteblatt, Mai 2011; abgerufen am 6. Jänner 2014.
Laut einer im Jahr 2004 veröffentlichten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit Daten von 1998 betrug zu dieser Zeit in Deutschland der Raucheranteil unter Männern mit einem Einkommen von weniger als 730 € im Monat 43 %; bei Männern mit einem Einkommen oberhalb von 3.350 € lag der Anteil nur bei 23 %. Von Personen, die einfache, manuelle Tätigkeiten ausüben, rauchten etwa 50 %. Der Anteil der Raucher in der Gruppe der Ärzte sowie Gymnasial- und Hochschullehrer lag dagegen bei etwa 15 %.Rauchen und soziale Ungleichheit – Konsequenzen für die Tabakkontrollpolitik (PDF; 51 kB) Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Factsheet von 2004; abgerufen am 25. Oktober 2012. Soziale Differenzen im Rauchverhalten zeigen sich auch bereits bei jungen Menschen. Laut einer 2015 vom BZgA in Deutschland durchgeführten Studie rauchen im Alter der Sekundarstufe I rund 3 % der Gymnasiasten und Gesamtschüler, aber 8,5 % der Realschüler und 9,3 % der Hauptschüler. Bei den älteren Jugendlichen rauchen 18,7 % der Sekundarstufe II des Gymnasiums und 16,5 % der Studenten, aber 32,1 % der Berufsschüler und 36,1 % der Auszubildenden.Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015 - Zentrale Studienergebnisse (PDF; 152 kB) 2016, abgerufen am 7. April 2016.
Auch das Statistische Bundesamt bestätigte im Jahr 2006: Bei Menschen mit einem Abschluss an einer Universität/Promotion liegt der Raucheranteil bei nur 16 % (Männer 18 %, Frauen 14 %).Mikrozensus 2005: Drei Viertel der Deutschen sind Nichtraucher. 22. Juni 2006, abgerufen am 25. Oktober 2012. Eine repräsentative Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, beruhend auf der 2018 veröffentlichten „Deutschen Befragung zum Rauchverhalten“ (DEBRA), bestätigte das soziale Gefälle beim Rauchverhalten: Es rauchen 42 % aller über 14-jährigen Deutschen, die keinen Schulabschluss haben, aber nur 20 % aller Deutschen mit Abitur. Der Raucheranteil und das soziale Gefälle beim Rauchen sind in Deutschland ausgeprägter als in anderen west- und nordeuropäischen Ländern.
Die Mikrozensus-Daten von 1995 zeigten: Zu den Männerberufen mit der höchsten Raucherquote zählten Bauhilfsarbeiter (54 %), Straßenbauer (52 %), Transportarbeiter (52 %), Dachdecker (51 %) und Berufskraftfahrer (40 %). Unter den Berufen mit der niedrigsten Raucherquote gab es nur einen manuellen Beruf, nämlich Landwirt (17 %). Andere Berufe mit einer niedrigen Raucherquote waren Elektroingenieur (17 %), Volksschullehrer (16 %), Hochschullehrer (15 %) und Gymnasiallehrer (13 %). Unter den Frauen fanden sich die höchsten Raucherraten bei den Gastwirtinnen (45 %), Altenpflegerinnen (36 %), Kassenfachleuten (35 %), Raumpflegerinnen (35 %) und Krankenpflegehelferinnen (34 %) und die niedrigsten Raucherraten bei den Lehrerinnen (16 %), Volksschullehrerinnen (15 %), Ärztinnen (11 %), Gymnasiallehrerinnen (11 %) und Landwirtinnen (9 %).Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung Bundes-Gesundheitssurvey: Soziale Unterschiede im Rauchverhalten und in der Passivrauchbelastung in Deutschland (durchgeführt u. a. auf der Basis von Daten des Bundes-Gesundheitssurveys 1998), S. 15 und S. 26. (PDF) Robert Koch-Institut, Berlin 2006; abgerufen am 25. Oktober 2012.
Der relative Anteil an Ausgaben für Tabakwaren war im Jahr 1998 in finanziell schwachen Haushalten größer als in finanziell starken Haushalten. In einkommensschwachen Gruppen, besonders bei Alleinerziehenden, konnte dieser Anteil bis 20 % des verfügbaren Einkommens betragen.
Ein Erklärungsmodell für die hohe Raucherquote unter weniger gebildeten Menschen ist das vom Medizinsoziologen Johannes Siegrist entwickelte Modell der Gratifikationskrise. Nach diesem Modell kommen Beschäftigte mit niedriger Qualifikation wie zum Beispiel Bauhilfsarbeiter häufig in eine emotionale Krise. Sie verausgaben sich beruflich, bekommen jedoch von der Gesellschaft trotzdem wenig Anerkennung. Die emotionale Krise kann zu vermehrtem Rauchen führen. Einer kanadischen Studie zufolge neigen Menschen mit einem relativ geringen Bildungsniveau generell dazu, Gesundheit als nicht beeinflussbares Glück anzusehen und Maßnahmen gegen das Rauchen weniger als Fürsorge denn als Schikane zu bewerten. Gruppen mit einer gemeinsamen Sozialisation, zu der auch die Bestätigung der Gruppenzugehörigkeit durch Rauchen gehöre, entwickelten der 2010 veröffentlichten Studie zufolge das Gefühl, diskriminiert zu sein.Parvin Sadigh: Arme Raucher im Abseits. In: Die Zeit. 29. Juni 2010, abgerufen am 7. September 2014.
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene