mini|Typischer Aufbau einer Debitkarte (Vorderseite) 1. Name der Bank (mit Logo) 2. EMV-Chip 3. Hologramm 4. die mit der Karte verknüpfte Kontonummer (nicht die Kartennummer) 5. Logo des Debit-Typus 6. Ablaufdatum 7. Name des Karteninhabers 8. Zeichen für kontaktlose Nutzung mini|Typischer Aufbau einer Debitkarte (Rückseite) 1. Magnetstreifen 2. beschriftbarer Streifen für die Unterschrift 3. Kartenprüfnummer (KPN) bzw. Card Validation Code (CVC)
Eine Debitkarte (von ‚schulden‘, , ‚Soll‘, ‚Kontobelastung‘) ist eine von einer Geschäftsbank herausgegebene Bankkarte, die zur bargeldlosen Bezahlung von Leistungen im Einzelhandel oder Gastgewerbe sowie zur Barauszahlung am Geldautomaten eingesetzt werden kann. Debitkarten sind eine der Formen der Zahlungskarten. Im Gegensatz zur Kreditkarte wird der Zahlbetrag sofort oder innerhalb weniger Tage vom Girokonto des Karteninhabers abgebucht (debitiert).
Allgemeines Wie die meisten Zahlungskarten wird eine Debitkarte als Chipkarte aus Kunststoff im ISO-7810-Format ausgegeben. Die Debitkarte ist auf der Vorderseite mit einem EMV-Chip versehen, der sowohl durch Einstecken im Kartenterminal auch als auch mit einer im Kartenkörper integrierten Antenne für kontaktloses Bezahlen benutzt werden kann. Die Rückseite trägt ein Feld für die Unterschrift des Karteninhabers sowie einen Magnetstreifen, der aus Kompatibilitätsgründen wichtige Informationen enthält, aber nur noch in Ausnahmefällen genutzt wird und bis 2033 vollständig abgeschafft werden soll.
Geschichte Die heutige Debitkarte hat sowohl einen europäischen als auch US-amerikanischen Ursprung. In Europa wurde die Eurocheque-Karte entwickelt und ab 1968 ausgegeben. Sie ermöglichte als Garantiekarte für einen Eurocheque zunächst den Bezug von Bargeld in (fremden) Geldinstituten und später auch bargeldlose Zahlungen sowohl im Inland als auch im Ausland.
In den USA konnte man ab 1967 mit Automated-Teller-Machine-Karten Bargeld aus Geldautomaten (ATM) unter Verwendung einer Persönlichen Identifikationsnummer (PIN) beziehen. Später ermöglichten sie die bargeldlose Zahlung an Point-of-Sale-Terminals (POS) in Einkaufsstätten.
Europäischer Ursprung – Eurocheque-Karte
mini|Eurocheque-Logo|132x132px mini|Electronic-Cash-Logo|130x130px
Der Eurocheque und die ihn garantierende EC-Karte waren das erste instituts- und länderübergreifende Zahlungssystem mit Karte. Sie war zunächst keine Debitkarte, da mit ihr, im Gegensatz zu einer Debitkarte, nicht bargeldlos bezahlt werden konnte. Sie wies den Inhaber nur als berechtigten Vertreter der Bank bei dem Abschluss eines Garantievertrags zwischen der Bank und dem Schecknehmer aus. Der Name der auf einem Scheck und einer Plastikkarte beruhenden Zahlungsverkehrsdienstleistung wurde zu einer der ersten Marken im Bereich der Geldinstitute. Zugleich war der Eurocheque die erste grenzüberschreitende Dienstleistung dieser Art in Europa.
Außerhalb Europas (insbesondere in den USA) wurden mehrere Scheckgarantiesysteme realisiert, die lokal, national oder regional begrenzt blieben und nicht zu einer weltweiten Lösung führten.
Mit dem Aufkommen von Geldautomaten (ATM) seit Ende der 1970er Jahre wurde die EC-Karte in mehreren Ländern – in Ergänzung ihrer traditionellen Funktion als Garantiekarte für Eurocheques – als Bedienungsmedium genutzt. Somit wurde ihr eine erste Debitfunktion, das direkte Abbuchen von Geldautomatenauszahlungen vom Girokonto, hinzugefügt. Ab dem 1. Juni 1984 war es möglich, grenzüberschreitende ATM-Transaktionen unter Nutzung der nationalen Geldautomatennetze, auf Basis eines gemeinsamen Interchange-Standards, durchzuführen. Dieser Service wurde rasch zu einer Standardausstattung der Eurocheque-Karten und der europäischen Geldautomaten.
In Deutschland wurden diese ersten Debitfunktionen „Electronic Cash“ genannt und dafür ein zweites ec-Logo entwickelt, das sich am ec-Logo für Eurocheque orientierte. Die Abkürzung „EC-Karte“ hatte nun zwei Bedeutungen und blieb erhalten. Mit dem allmählichen Rückgang der Eurocheques zugunsten der Electronic-Cash-Funktion kam es mit der Zeit zu einem Bedeutungswandel der Abkürzung „EC-Karte“ von „Eurocheque-Karte“ hin zu „Electronic-Cash-Karte“. Diese Abkürzung bürgerte sich in Deutschland so sehr ein, dass sie umgangssprachlich auch für den Nachfolger Girocard oder ganz allgemein für „Debitkarte“ – in Abgrenzung zur Kreditkarte – verwendet wird.
mini|Maestro-Logo für globale Verwendung|110x110px Die nächsten Schritte zur Weiterentwicklung der eurocheque-Karte zu einer umfassenden Debitkarte erfolgten seit Ende der 1980er Jahre. Unter der Marke Electronic Data Capture (edc) wurde eine europäische POS-Funktion eingeführt, die neben dem EC-Zeichen, als Kennzeichnung für die europäische ATM-Funktion, bestand. Ab 1993 wurden diese beiden unter dem Maestro-Logo als globale Debitfunktionen durch den Debitkartendienst von Mastercard zusammengeführt. Begünstigt und vorangetrieben wurde dies vor allem durch die Globalisierung der Weltwirtschaft. Die Eurocheque-Karte wurde damit weltweit als elektronische Debitkarte einsetzbar. Die Eurocheque-Garantie wurde wegen der abnehmenden Bedeutung des Eurocheques Ende 2001 eingestellt.
US-amerikanischer Ursprung – ATM-Karte mini|US-amerikanische ATM-Karte um die Jahrtausendwende mit Visa Plus Mit dem Aufkommen der Geldautomaten, in den USA Automated Teller Machines (ATM) genannt, wurden Anfang der 1970er Jahre die ersten ATM-Karten ausgegeben. Diese dienten dazu, mit Karte und PIN-Code Banknoten aus Geldautomaten abzuheben. Sie wurden ursprünglich von Geldinstituten ausschließlich für ihre eigenen Kunden zur Nutzung an den eigenen Geldautomaten ausgegeben. Die Belastung erfolgte auf dem checking account (Girokonto) des Kunden. Damit waren diese ATM-Karten typische Debitkarten.
Bedingt durch die Fragmentierung des US-Bankensystems, die zunehmende Mobilität der Kunden und die hohen Kosten für Errichtung und Betrieb derartiger Geldautomatensysteme bildeten sich bald Gemeinschaftsunternehmen, die die ATM-Transaktionen über ihre electronic funds transfer networks (EFT networks) technisch abwickelten (switches). Die Geldautomaten und die ATM-Karten der beteiligten Geldinstitute wurden mit dem Logo des jeweiligen EFT networks versehen, in dem die Karteninhaber Geld abheben konnten.
Nachdem sich der Bargeldbezug an Geldautomaten mit Karte und PIN-Code durchgesetzt hatte, bargeldlose Zahlungen nach dem gleichen Verfahren an POS-Terminals im Handel (point of sale) möglich geworden waren und die bankbezogenen und lokalen POS-Systeme an der mangelnden Akzeptanz gescheitert waren, übernahmen die regionalen, bankneutralen und interoperablen ATM-Switches auch diese Funktion und schufen somit umfassende EFTPOS networks mit Single Messaging (Autorisierung und Clearing in einer Transaktion) zur Abbuchung der POS-Zahlung.
Die für die POS-Transaktionen innerhalb des EFTPOS networks verwendeten Karten blieben die gleichen und werden heute – obgleich es mittlerweile mehr POS- als ATM-Transaktionen gibt – umgangssprachlich in den USA immer noch ATM-Karten genannt. Dazu kommen noch Mastercard- oder Visa-Karten (zunächst als Kreditkarte) mit diesen Funktionen, sodass der Karteninhaber sich am POS entscheiden konnte, ob er mit Unterschrift (Clearing und Settlement via MasterCard oder Visa) oder mit PIN (Clearing und Settlement via switch) zahlt, falls das die Kartenzahlung akzeptierende Unternehmen beide Zahlungsmöglichkeiten vorsieht. Wenn nur eine der beiden Zahlungsmöglichkeiten angeboten wird, dann wird die POS-Transaktion über dieses Verfahren abgewickelt. Bei ATM-Transaktionen erfolgen das Routing und damit das Clearing und Settlement – solange die Transaktion an einem ATM erfolgt, das an den auf der Karte angeführten switch angebunden ist – über diesen switch. Außerhalb dieses Bereiches ist die Transaktion eine MasterCard- oder Visa-Bargeldbehebung.
Da die PIN-basierten POS-Transaktionen mit diesen Debitkarten kostengünstiger zu verarbeiten sind und die Risiken niedriger sind als jene der unterschriftsbasierenden Kreditkartentransaktionen bei Handels- und Dienstleistungsbetrieben, werden dem Vertragsunternehmen für sie geringere Entgelte verrechnet als für die Akzeptanz von Kreditkarten. Trotzdem lief diese Form der Kartentransaktionen in den USA nur zäh an – die Zahlungsgewohnheiten der US-Amerikaner mussten sich erst anpassen. Heute sind dort diese „regionals“ die dominanten Netzwerkbetreiber.
Hinsichtlich der Akzeptanzstellen dominierten zunächst die Lebensmitteleinzelhandelsfilialen und die Tankstellen. Erst ab Mitte der 1990er Jahre verbreiteten sich POS-Terminals mit PIN-Tastatur in allen Branchen, weil POS-Terminals zunehmend günstiger wurden und Debitkartengebühren niedriger als Kreditkartengebühren waren.
Bis in die Mitte der 1990er Jahre gab es eine Fülle von EFTPOS networks, die PIN-Transaktionen mit den Karten ihrer Gesellschafter – nahezu ausschließlich Banken – abwickelten. Danach folgte eine Konsolidierungswelle mit einer bis dahin für unmöglich gehaltenen Konzentration. Ziel dieser Fusionen war das Streben nach mehr Transaktionen, um die Abwicklungskosten zu reduzieren. Parallel dazu gaben die meisten Gesellschafterbanken ihre Beteiligungen an den EFTPOS networks auf. Nichtbanken erlangten so die dominante Stellung im bargeldlosen Zahlungsverkehr der Debit-Karte.
In den USA begann mit zunehmender Konzentration der Switches ein Boom der ATM-Karten mit POS-Funktion als Zahlungskarte, die mittlerweile von nahezu allen Geldinstituten ausgegeben werden. Diese Karten sind oft mit mehreren Switch-Logos versehen, falls ein Geldinstitut nicht nur in einer Region ein Privatkundengeschäft betreibt.
Mit dem Aufwärtstrend des Kreditkartengeschäfts stellten US-Banken bald fest, dass auf der Grundlage der Kartenabwicklung am POS nach den Regeln von MasterCard und Visa auch eine direkte Belastung des Cheque Accounts für jene Kunden, die bonitätsmäßig nicht für eine Kreditkarte in Frage kommen oder die an einem revolvierenden Kredit mit einer festen Kreditlinie nicht interessiert sind, vielfach sinnvoll ist. Diese Karten – MasterCard MasterMoney (ab 2007) oder Visa ChequeCard – können bei allen MasterCard- oder Visa-Vertragspartnern mit POS-Terminals zur bargeldlosen Zahlung akzeptiert werden. Jede Transaktion wird online von der kartenausgebenden Bank autorisiert. Wie bei Kreditkarten erfolgt die Datenübertragung für das Clearing und Settlement im Nachhinein. Die Verifizierung erfolgt am POS wie bei Kreditkarten durch Unterschrift.
Meist tragen derartige Debitkarten mit dem MasterCard- oder dem Visa-Logo auch das Logo eines der großen US-Switches, sodass die Transaktion je nach Entscheidung des Karteninhabers am POS eine MasterCard- oder Visa-Transaktion mit Unterschrift oder eine Switch-Transaktion mit PIN ist, vorausgesetzt beide Zahlungsmöglichkeiten sind durch das, die Kartenzahlung akzeptierende, Unternehmen vorgesehen. Wenn seitens des Handels- oder Dienstleistungsunternehmens nur eine der beiden Zahlungsmöglichkeiten angeboten wird, dann wird die POS-Transaktion über dieses Verfahren durchgeführt. Bei ATM-Transaktionen erfolgt das Clearing der Salden zum jeweiligen Switch primär und zu MasterCard oder Visa sekundär.
Von der Eurocheque- und ATM-Karte zur globalen Debitkarte Ausgehend von den beiden Ursprüngen und der Kreation von diversen Kreditkarten-Klonen mit prompter Abbuchung vom Girokonto bzw. cheque account entstand ein breites Spektrum von Debitkarten.