Borken (Hessen) ist eine Kleinstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis mit etwa 13.000 Einwohnern.
Die Stadt war im 20. Jahrhundert ein Zentrum des Braunkohleabbaus und der Braunkohleverstromung in Hessen. Der Braunkohleabbau, der hier im Unterschied zu anderen Braunkohlerevieren auch unter Tage erfolgte, wurde nach dem schweren Grubenunglück von Stolzenbach (1. Juni 1988) eingestellt. Am 15. März 1991 wurde auch die Erzeugung von Strom im Kraftwerk Borken durch die PreussenElektra beendet.
Die Hinterlassenschaften des Borkener Braunkohlereviers werden nach der Rekultivierung als Borkener Seenland touristisch genutzt. Für den größten rekultivierten Tagebau ist eine eingeschränkte touristische Nutzung gegeben, da dieser zum Naturschutzgebiet Borkener See erklärt wurde.
Eine Attraktion ist das Hessische Braunkohle Bergbaumuseum, in dem die Bergbautradition der Stadt dargestellt wird. Seit 2003 ist ein Freilichtbereich eröffnet, der über Kohle und Energie informiert. Dem Museum ist ein Naturschutzinformationszentrum zum Borkener See angegliedert.
Geografie + Flächennutzung: Nutzung Fläche in ha und ProzentLandwirtschaft 4.805(58,3 %)Waldfläche 1.725(20,9 %)Wohnbebauung 564(6,9 %)Verkehrsfläche 535(6,5 %)Wasserfläche 305(3,7 %)Betriebe 147(1,8 %)Erholung 44(0,5 %)Sonstiges 105(1,4 %)Gesamtfläche 8230(100 %)
Geografische Lage Borken liegt zwischen Kassel (ca. 50 km) und Marburg (ca. 55 km). Die nächsten größeren Städte sind in nordöstlicher Richtung Fritzlar (ca. 15 km) und östlich Homberg (Efze) (ca. 15 km). Südöstlich von Borken befindet sich das Knüllgebirge (ca. 15 km) und westlich der Kellerwald (ca. 10 km).
Geologie Das Stadtgebiet ist Teil der Landsburger Senke (Borkener Becken und Trockenerfurther Gefilde) und des Hessengaus (Schwalmaue und Großenengliser Platte) in der Westhessischen Senke, der Ostsenke des Westhessischen Berg- und Senkenlandes. Entwässert wird das Borkener Becken durch viele kleine Bäche (wie Olmes, Hundsbach, und Lembach), Nebenflüsse der das Stadtgebiet von Westen nach Osten durchfließenden Schwalm.
Im Borkener Becken als Teil der Westhessischen Senke sind tertiäre Sedimentablagerungen vorherrschend. Somit sind bedeutende Kies-, Sand- und Tonlagen im nordöstlichen Gemeindegebiet vorhanden. Im Gemeindegebiet Borkens befinden sich in diesen Sedimentlagen ergiebige Braunkohlevorkommen, die sowohl im Tagebau als auch im Untertagebau gefördert wurden.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 82,3 Quadratkilometern (= 8230 Hektar (ha)). Hiervon werden 4805 ha landwirtschaftlich und 1725 ha forstwirtschaftlich genutzt. 305 ha sind Wasserflächen (139 ha Borkener See, 74 ha Singliser See und 26 ha Gombether See) und 44 ha Erholungsflächen (10 ha Naturbadesee Stockelache). Weiterhin werden 535 ha für den Verkehr, 564 ha für Gebäude und deren Freiflächen, 147 ha für Betriebe und 105 ha „ohne spezifische Nutzung“ erfasst.
Nachbargemeinden Borken grenzt im Norden an die Stadt Fritzlar, nordöstlich an die Gemeinde Wabern, im Osten an die Stadt Homberg (Efze), im Süden an die Gemeinde Frielendorf, südwestlich an die Gemeinde Neuental sowie im Westen an die Gemeinde Bad Zwesten (alle im Schwalm-Eder-Kreis).
Stadtteile 300px|rechts|Karte des Gemeindegebiets von Borken (Hessen) Zur Stadt Borken gehören 15 Stadtteile: 1. Stadt Borken 2. Großenenglis 3. Gombeth 4. Singlis 5. Lendorf 6. Freudenthal 7. Pfaffenhausen 8. Stolzenbach 9. Dillich 10. Haarhausen 11. Nassenerfurth 12. Trockenerfurth 13. Arnsbach 14. Kleinenglis 15. Kerstenhausen
Die Stadtteile waren bis zur Eingemeindung selbstständige Gemeinden. 13 von 15 Gemeinden wurden ehrenamtlich verwaltet.
Geschichte
Antike Durch Funde konnte für Borken eine Besiedlung in der älteren Bronzezeit (1300 v. Chr. bis 800 v. Chr.) belegt werden. Auch für die nachfolgenden Jahre ist die Besiedlung durch Funde gesichert. Aus der Zeit vor dem achten Jahrhundert sind keine schriftlichen Überlieferungen zu finden.
Mittelalter mini|Der historische Ortskern
Erstmals erscheint Borken in einer Schenkungsurkunde Karls des Großen an die Abtei Hersfeld, datiert auf den 5. Januar 775, die im Weirich Urkundenbuch Hersfeld Nr. 38 verzeichnet ist. Borken gehörte zum pago Hassorum, einer fränkischen Gaugrafschaft.
1108 wurde die Burg Borken zusammen mit den Inhabern des Gerichts zu Borken, den Herren von Furcun, erstmals erwähnt. Sie lag am Fuß des Blumenhains. 1266 wurde die Burg im Zusammenhang mit dem Verkauf von Gütern an das Kloster Haina als castrum bezeichnet. 1253 wurde Borken als villa Borchem bezeichnet, und in einem Schriftstück vom 26. August 1253 des Klosters Haina wird von einem Gerichtstag in Borken berichtet.
1285 kamen die Burg Borken und das Gericht nach dem Aussterben der Herren von Borken durch Erbschaft an die Herren von Löwenstein. Werner von Löwenstein-Westerburg trug die Burg Borken und die dazugehörenden Rechte im Jahr 1297 dem Landgrafen Heinrich I. von Hessen zu Lehen auf. Schon fünf Jahre später, 1302, erwarb der Landgraf die andere Hälfte der Burg von dem Hause Löwenstein-Schweinsberg.
In Urkunden vom 27. August 1303 („in oppido Burckenn“) und 18. Januar 1314 („in terminis oppidi Burcken“) wurde Borken als „oppidum“ und als „civitas“ bezeichnet. Dies gab dem Ort als eine befestigte Siedlung eine herausragende Stellung gegenüber den umliegenden Ansiedlungen. Am 9. November 1317 unterzeichneten Landgraf Otto von Hessen und Graf Johann I. von Ziegenhain einen Vertrag zur Gründung der Stadt Borken. Mit der Unterzeichnung übergab Landgraf Otto von Hessen dem Grafen Johann von Ziegenhain das „halbe Haus Borken.“ 1333 erwarben die Herren von Löwenstein die Ziegenhainer Hälfte, verloren sie aber bereits 1358 wieder an die Grafen von Ziegenhain.
Frühe Neuzeit Zur Verwaltung der landgräflichen Güter und der Gerichtsbarkeit wurde 1372 das Amt Borken gegründet. Hierzu gehörten die Dörfer Herboldshausen und Heckenhausen als Bestandteile der Stadt Borken.
Mit dem Aussterben der Grafen von Ziegenhain im Jahre 1450 fiel ihr Anteil an der Burg Borken an die Landgrafschaft Hessen. Die Söhne von Ludwig I. (Hessen) teilten die Landgrafschaft und hierbei wurde Borken 1467 mit Oberhessen an Landgraf Heinrich III. übergeben. Zwischen Heinrich III. von Hessen-Marburg und seinem Bruder Ludwig II. gab es nach der Teilung ein Streit über die Teilung der Landgrafschaft. Dies führte zum Hessischen Bruderkrieg. Trotz der im Jahre 1468 durchgeführten stärkeren Befestigung der Stadt Borken wurde die Stadt und die Burg Borken durch die Kämpfe im Jahre 1469 verwüstet. Bei der ersten Eroberung durch Ludwig II. am 7. Januar 1469 konnte die verstärkte Stadtbefestigung die Truppen nicht aufhalten. Ludwig konnte Borken jedoch nicht lange halten, da wenige Stunden später Truppen von Heinrich III. Borken zurückeroberten. Am 12. Januar erschienen wieder Truppen Ludwigs vor Borken. Diesmal dauerte es sechs Tage, bis sie es erstürmen konnten. Dabei wurden die Stadt und die Burg in Asche gelegt. mini|Wilhelm Dilich: Ansicht von Borken 1591. Gut zu sehen sind die beiden Wachtürme und die evangelische Stadtkirche. Wie der Zeichnung von Wilhelm Dilich, abgebildet in Synopsis descriptionis totius Hassiae tribus libris comprehensae, zu entnehmen ist, bauten die Borkener Bürger die Stadt in kurzer Zeit wieder auf. Nur die Burg Borken wurde nicht wieder instand gesetzt.
Im Jahre 1473 zogen das Amtsgericht und die Verwaltung der landgräflichen Besitzungen in das älteste noch erhaltene Gebäude Borkens um. Bis 1570 stieg die Zahl der zu verwaltenden Ortschaften auf vierunddreißig an (hierzu gehörten als nördlichster Ort die Kalbsburg, als östlichster Singlis, als südlichster Schlierbach und als westlichster Ort Brünchenhain bei Jesberg). Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erhöhte sich die Anzahl auf achtunddreißig Ortschaften.
Der Dreißigjährige Krieg zog auch Borken in Mitleidenschaft. 1631 plünderten Truppen von Tilly, 1635 zweimal kroatische und 1636 polnische Truppen Borken.
Im Jahre 1750 zog die Verwaltung der Stadt in das angekaufte Rathaus am Marktplatz um.
Neuere Geschichte Das Archiv der Stadt Borken wurde in den Jahren 1791 und 1792 bei einigen Bränden zu großen Teilen vernichtet. Die noch vorhandenen Unterlagen wurden 1982 zusammen mit den Archivalien der ehemals selbstständigen eingemeindeten Stadtteile dem hessischen Staatsarchiv Marburg übergeben.
Während der Zeit des kurzlebigen Königreichs Westphalen (1807–1813) war Borken Sitz einer Kantonalverwaltung und eines Friedensgerichts im Distrikt Hersfeld. Der Kanton war für 16 Dörfer und Weiler zuständig. In dem Kanton lebten 4.750 Menschen in 581 Haushalten. Nach dem Ende des Königreichs Westphalen konstituierte sich das Kurfürstentum Hessen-Kassel wieder. Somit wurde Borken wieder Sitz eines kurhessischen Amtes. 1821 wurde das Amt Borken mit den Ämtern von Homberg und Raboldshausen zum Kreis Homberg zusammengelegt. Das Amt Borken wurde als Justizamt Borken weitergeführt. Das Gebiet des Justizamts umfasste die Stadt Borken, 16 Dörfer und zwei Höfe.
1842 gehörten zu Borken 4367 Acker Land; davon wurden 2600 landwirtschaftlich genutzt. In diesem Jahr standen in Borken 177 Häuser mit 1378 Einwohnern. Es wurden in dieser Zeit fünf Jahrmärkte abgehalten.
An der Aufteilung der Kreise und Justizämter änderte sich nichts, als Preußen 1867 nach der Annexion Kurhessens nach dem Deutschen Krieg eine Verwaltungsreform durchführte. Dabei wurde der Kreis Homberg in die Provinz Hessen-Nassau eingegliedert. Bei einer kleinen Verwaltungsreform 1932 in Preußen wurde der Kreis Homberg mit dem Kreis Fritzlar zum Kreis Fritzlar-Homberg zusammengefasst; dieser wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Landkreis Fritzlar-Homberg umbenannt. Im Dezember 1947 wurden der seit Jahrzehnten geführte Name „Borken (Bez. Kassel)“ amtlich anerkannt. 1974 wurden im Rahmen der hessischen Kreisreform die Landkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain zum Schwalm-Eder-Kreis zusammengefügt.
Neueste Geschichte 1920 zog die Verwaltung in das Haus Pferdetränke 1. Seit 1938 befindet sie sich im ehemaligen „Gutshaus Koch“, das von der Preußischen Elektrizitäts-AG erworben wurde.
1958 wurde für das Amtsgericht Borken ein neues Gebäude mit Richter- und Wachtmeisterdienstwohnung errichtet. Es war bis zum 16. Februar 1968 dem Landgerichtsbezirk Marburg zugeordnet. Im Zuge der Aufhebung kleinerer Gerichte (Ein-Mann-Gerichte) wurde das Gericht am 1. Juli 1968 an das Amtsgericht Fritzlar eingegliedert. Der Amtsgerichtsbezirk umfasste die Orte: Allendorf, Arnsbach, Betzigerode, Bischhausen, Borken, Densberg, Dillich, Dorheim, Elnrode-Strang, Freudenthal, Gilsa, Gombeth, Haarhausen, Hundshausen, Jesberg, Lembach, Lendorf, Nassenerfurth, Neuenhain, Niederurff, Oberurff-Schiffelborn, Pfaffenhausen, Reptich, Römersberg, Roppershain, Schlierbach, Singlis, Stolzenbach, Trockenerfurth, Verna, Waltersbrück, Wenzigerode, Zimmersrode, Zwesten. Die Zweigstelle Borken des Amtsgerichts Fritzlar wurde mit Verordnung vom 25. Mai 1970 zum 1. Juli 1970 aufgehoben. Somit verblieb in Borken nach über 500 Jahren der niederen Gerichtsbarkeit nur noch ein Ortsgericht.
Eingemeindungen Um die Verwaltung zu professionalisieren, bessere Koordinierungs- und Abstimmungsmöglichkeiten für größere Planungsräume und die Verwirklichung des Gleichheitsgrundsatzes zu schaffen, wurde die hessische Verwaltungs- und Gebietsreform durchgeführt. Die erste Phase war der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden. Dies wurde auch durch finanzielle Vergünstigungen von Seiten des Landes gefördert. Dieses „Geschenk“ nahmen die Gemeinden Dillich, Freudenthal, Gombeth, Haarhausen, Lendorf, Pfaffenhausen (mit den Siedlungsplätzen: Marienrode und Gilserhof), Singlis und Stolzenbach wahr und ließen sich am 31. Dezember 1971 in die Stadt Borken eingliedern. Die Gemeinden Kerstenhausen und Kleinenglis schlossen sich zur neuen Gemeinde Kleinenglis zusammen.