mini|300px|Blick auf Luhe (2023) mini|300px|Gewerbepark Luhe (2023)
Luhe-Wildenau ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab, der 1978 aus dem Markt Luhe sowie den Gemeinden Oberwildenau und Neudorf gebildet wurde.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt im Naabtal, umgeben von ausgedehnten Wäldern. Im Norden des Gemeindebereiches vereinigen sich die Waldnaab und die Haidenaab bei Unterwildenau zur Naab. In diese mündet bei Luhe der gleichnamige Fluss Luhe. Das Naabtal ist in Nord-Süd-Richtung offen, während es östlich und westlich von Hügelketten des Oberpfälzer Waldes gesäumt ist. Im Naabtal verlaufen die Bahnstrecke Regensburg–Weiden (–Hof), die Bundesautobahn 93 und die ehemalige Bundesstraße 15, jetzt (2025) St 2657.
An der Waldnaab liegt ein kleines Hammerschloss, in dem früher die Wasserkraft Maschinen antrieb. In Luhe liegt die Naabmühle als erste Mühle an der Naab. Dort wurde früher die Wasserkraft für eine Säge und eine Getreidemühle verwendet. Heute werden damit Stromgeneratoren betrieben.
Gemeindegliederung Es gibt 14 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Außerdem gibt es noch den Wohnplatz Haselhöhe.
Geschichte Slawische Besiedlung Hinweise zur Besiedlung gibt es bereits aus der Zeit vor dem 6. Jahrhundert vor Christus (Hügelgrab bei Neumaierhof). Weit vor der Wende zum 2. Jahrtausend sickerten slawische Siedler aus dem Osten in die Gegend des Oberpfälzer Waldes ein und drangen bis zum Flusslauf der Naab vor. Eine Urkunde aus dem Jahre 905 (‚… cuidam homini suo nomine Immo in comitatu senioris sui prope aquam que dicitur Loua unam quam sclauus quidam nomine Gruonkin quondam obsederat …‘)Monumenta Boica 31/1, S. 175 berichtet von einem Immo, dem König Ludwig das Kind auf Bitten des Markgrafen Luitpold eine Hube, also eine Hofstelle mit Grund und Boden, beim Wasser Luhe schenkte, die zuvor ein Slawe namens Gruonkin besessen hatte.Alois Köppl: Aus der Geschichte der Gemeinde Gleiritsch, S. 32.
Entstehung des Ortes Die Entstehung des Ortes Luhe dürfte auf den „Schnittpunkt dreier Altstraßen“ zurückgehen. Entlang der Naab, von Regensburg ausgehend, verlief in Richtung Norden die an Schwarzenfeld, Nabburg, Pfreimd und Wernberg vorbeiführende Magdeburger Straße, die über Mitteldeutschland zur Wismarer Bucht führte. Diese wohl älteste Handelsstraße der Oberpfalz, die „bereits Claudius Ptolemäus aus Alexandrien im 2. Jahrhundert n. Chr. … benennt“, berührte Luhe.Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50. Nabburg, S. 8. Von Nürnberg über Amberg und Luhe nach Eger verlief eine zweite Altstraße. Eine weitere „uralte Straße“, von Sulzbach kommend, führte über Luhe entlang des gleichnamigen Flusses nach Michldorf, Kaimling, Waldau und von da über Georgenberg nach Tachau.
Markt Luhe Luhe wurde vor 1280 zum Markt erhoben, da es erstmals im Nachtrag über dieichsgüter Parkstein-Weiden-Floß zum Urbar des Vitztumamtes Straubing als Markt erwähnt wird. Der genaue Zeitpunkt der Markterhebung lässt sich aber nicht feststellen.Wilhelm Volkert: Die älteren bayerischen Herzogsurbare (= Blätter für oberdeutsche Namenforschung, 7). 1966, S. 25 f. Das Privileg des Mitte des 13. Jahrhunderts erhaltenen Marktrechts bestätigten 1331 Kaiser Ludwig der Bayer und 1383 Erzbischof Johannes VI. von Prag. Damit durften die Luher Bürger jährlich zwei Jahrmärkte und an jedem Mittwoch einen Markttag ausrichten. Der Freiheitsbrief von 1331 hatte darüber hinaus die Verleihung der eigenen Gerichtsbarkeit zum Inhalt. 1376 wurde ein Pilgerablass durch den Prager Erzbischof Johannes gewährt. Der alte Markt Luhe erlangte große wirtschaftliche Bedeutung als Altstraßenknotenpunkt. Dort kreuzte sich die in Nord-Süd-Richtung verlaufende mittelalterliche Magdeburger Straße mit der von Nürnberg nach Prag führenden Alten Heerstraße (Teil der Goldenen Straße). Eine weitere Anbindung bestand mit Amberg, dem Zentrum des spätmittelalterlichen Eisenerzbergbaues. Handel und Handwerk profitierten von der zentralen Lage. Reisende, Fuhrleute und Zugtiere waren zu versorgen. Zu dieser Zeit gab es in Luhe bereits vier Mühlen, mehrere Wirtshäuser, Bäcker-, Metzger- und Kramerläden. Der gegen Ende des 17. Jahrhunderts eingerichtete Postwagenkurs führte auf der Strecke Regensburg-Eger durch Luhe. 1863 wurde auch die Eisenbahn herangeführt. Bis 1910 wurde Pflasterzoll erhoben. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es alle üblichen Handwerksberufe. Neben dem Nahrungsmittelgewerbe gab es Weber, Schmiede, Wagner, Fassbinder, Lederer, Schuster und Schreiner mit speziellen Handwerksordnungen. Ab 1420 wurde in Luhe auch Bier gebraut.
1928 fiel ein Großteil des Marktes Luhe einem Brand zum Opfer. Das Feuer brach durch einen Kabelbrand bei Drescharbeiten aus. Dabei wurde die komplette Bebauung des Marktplatzes sowie viele weitere Häuser zerstört (44 Anwesen waren betroffen), das Feuer machte erst kurz vor der Pfarrkirche halt.
Gebietsreform der 1970er Jahre Die heutige Gemeinde Luhe-Wildenau entstand am 1. Mai 1978 durch den Zusammenschluss des Marktes Luhe und der Gemeinden Neudorf bei Luhe und Oberwildenau (mit dem am 1. April 1928 eingemeindeten Unterwildenau) bei gleichzeitiger Eingliederung von Teilen der aufgelösten Gemeinden Engleshof (Meisthof und Seibertshof), Glaubendorf (Glaubenwies) und Rothenstadt (Sperlhammer), zunächst unter dem Namen Luhe und ohne den Zusatz Markt. Am 1. Juni 1979 wurde die Gemeinde in Luhe-Wildenau umbenannt und am 1. August 1980 zum Markt erhoben.
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung im Markt Luhe-Wildenau: Datenbank Statistikdaten Bayern
Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2005 2010 2015 2020 Einwohner 1528 1626 1622 1632 1715 2308 2433 2620 3012 3471 3403 3424 3477
Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 3022 auf 3397 um 375 Einwohner bzw. um 12,4 % der Einwohnerzahl.
Politik Bürgermeister und Marktgemeinderat Sebastian Hartl (CSU) ist seit Mai 2020 Erster Bürgermeister. Dieser wurde bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 mit 74,4 % der abgegebenen Stimmen gewählt.
Der Marktgemeinderat besteht nach der Kommunalwahl 2020 aus 16 Mitgliedern mit folgender Sitzverteilung:
Partei / Liste: CSU SPD CWU JUFWDie Bürgerliste Gesamt Sitze 2020 6 3 32 1116
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Pfarrkirche St. Martin in Luhe: mittelalterliche Wehrkirche, Innenausstattung aus Barock und Rokoko mit sieben Altären Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Luhe/Koppelberg (Barock) Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes (Luhe) (Neogotik) Altes Rathaus mit historischem Marktplatz in Luhe (mit Schwedenturm, Pranger, Granitschwertreliefstein) Alter Pfarrhof in Luhe (Frater-Muttone-Bau, Barock) Hammerschlösschen und Kapelle St. Lorenz in Unterwildenau (frühes 17. Jahrhundert) Neubarocke Strahlenkranzmadonna am Marktplatz in Luhe Kirche St. Michael (Oberwildenau)
Sport und Kultur FC Luhe-Markt e. V. Golfclub Schwanhof e. V. SC Luhe-Wildenau Schützengilde Luhe e. V. Seilzieher Ober- und Unterwildenau TSV Neudorf 1974 e. V. LuhKulTour (Verein f. Kultur und Begegnung)
Wirtschaft und Infrastruktur Luhe war früher Verkehrsknotenpunkt und Handelsstandort. Oberwildenau war bedeutender Standort für Sand- und Kiesabbau. Nach der amtlichen Statistik gibt es in Luhe-Wildenau ca. 1420 (Dezember 2015) sozialversicherungspflichtige Beschäftigte am Arbeitsort. Der Ein- und Auspendlersaldo beträgt ca. 230 Personen. Hauptarbeitgeber sind: Firma Höhbauer GmbH (Fenster und Türen), Firma Glasprofi GmbH (Glasveredelung), Firma IMG GmbH (Metallverarbeitung), Firma Höllerer Dienstleistungen GmbH (Telekommunikation und Kundenservice) und Firma Siemens AG, Werk Luhe.
Arbeitsplätze Arbeitsplätze im Markt Luhe-Wildenau:Daten Bürgerversammlung 2016
Jahr 2006 2008 2010 2012 2014 2015 2016 Arbeitsplätze 925 963 1013 1183 1240 1378 1417
Verkehr In Luhe-Wildenau gibt es zwei Haltepunkte an der Bahnstrecke Regensburg–Weiden und es liegt direkt an der Autobahn A 93. Fünf Kilometer südlich kreuzt diese die A 6 im Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2018): Zwei Kinderhäuser Eine Grundschule Zwei Musikschulen
Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Marktes Georg Augustin Holler (1744–1814), Komponist, Stadtmusikmeister und herzoglicher Musiklehrer Flavius Scheuermann (1744–unbekannt), Franziskaner, Organist und Komponist Marie Schandri (1800–1868), Köchin und Kochbuchautorin Erwin Pohl (1914–2013), Glasdesigner, Mitglied der Luher Künstlergruppe Die Gabel Bernhard M. Baron (* 1947), Kulturmanager
Ehrenbürger Albert Gewargis (1939–2025), Landarzt Michael Höhbauer (1928–2002), Fabrikant, Bürgermeister Dekan Joseph Sauer (1904–1997), Pfarrer in Luhe Karl Gerber (1896–1977), Landarzt Pfarrer Anton Schlosser (1886–1964), Pfarrer aus Grünau Hans Rauch (1885–1963), Ministerialrat, MdL Hans Hausmann (1876–1933), Bezirksamtmann Pfarrer Josef Kellner (1870–1951), Pfarrer in Luhe Michael Reichenberger (1856–1935), Kgl. Postexpeditor, Bürgermeister Michael Siegert (1852–1932), Mühlenbesitzer, Bürgermeister Franz Nagler (1850–1929), Lehrer in Luhe BGR Joseph Mauerer (1843–1920), Pfarrer in Luhe
Literatur Alois Köppl: Aus der Geschichte der Gemeinde Gleiritsch. Gemeinde Gleiritsch 1988, 2. Ausgabe. Monumenta Boica 31/1. Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg. München 1981, ISBN 3-7696-9915-7. Wilhelm Volkert: Die älteren bayerischen Herzogsurbare (= Blätter für oberdeutsche Namenforschung, 7). 1966, S. 1–32.
Weblinks
Website des Marktes Luhe-Wildenau
Einzelnachweise
Kategorie:Markt in der Oberpfalz Kategorie:Katholischer Wallfahrtsort in der Oberpfalz Kategorie:Gemeindegründung 1978