Gedern ist eine Kleinstadt im Nordosten des hessischen Wetteraukreises. Der Ort war ein anerkannter Luftkurort. Seit dem März 2023 darf sich Gedern Tourismusorthttps://wirtschaft.hessen.de/presse/gedern-erhaelt-titel-tourismusort nennen und entsprechende Beiträge von Übernachtungsgästen erheben.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Gedern liegt ca. 50 km nordöstlich von Frankfurt am Main am Rande des Vogelsberges, etwa in der Mitte Hessens. Sie liegt in einem Tal des Mittelgebirges Vogelsberg, ungefähr in der Mitte zwischen Fulda (37 km) und Frankfurt am Main (50 km). Sie ist Teil des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg. Gedern liegt auf einer Höhe von 357 m.
Stadtgliederung und Nachbargemeinden Gedern besteht aus den Stadtteilen Gedern, Mittel-Seemen, Nieder-Seemen, Ober-Seemen, Steinberg und Wenings.
Im Norden grenzt Gedern an die Stadt Schotten (Vogelsbergkreis), im Nordosten an die Gemeinde Grebenhain (Vogelsbergkreis), im Osten an die Gemeinde Birstein (Main-Kinzig-Kreis), im Süden an die Gemeinde Kefenrod, im Südwesten an die Stadt Ortenberg sowie im Westen an die Gemeinde Hirzenhain. Gedern grenzt direkt an den Vogelsbergkreis.
Geschichte Mittelalter Gedern wurde am 24. Mai 780 erstmals in einer vom Kloster Lorsch ausgestellten Urkunde als Gauuirada/Gauuirida erwähnt.Glöckner, Cod. Lauresh. 3, S. 235 Nr. 3631 = 3751b. 797 schenkte Regniher die Gederner Marienkirche samt 18 Hörigen dem Kloster Lorsch. 1000 n. Chr. wird Gedern in einer Fuldaer Urkunde als „Gewiridi“ erwähnt, 1187 wird „Wenings“ erstmals in einem Besitzverzeichnis der Johanniter zu Nidda erwähnt. 1247 fiel Gedern nach dem Tod Gerlachs von Büdingen an die Herren von Breuberg und Trimberg. Erbberechtigt waren die Geschlechter Kempenich, Ysenburg und Breuberg.
1316 belehnte Erzbischof Balduin von Trier Eberhard III. von Breuberg mit der Gerichtsbarkeit von Gedern und der Hälfte des Ortes. 1320 wird Ober-Seemen erstmals als „Ober-Siemene“ erwähnt, als Luther von Isenburg in einer Urkunde den Verkauf des „Zehnten“ bestätigte. Das Landgericht Gedern fiel 1327 an Trimberg. 1336 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer Wenings die Stadtrechte. Die erste Pestwelle suchte Gedern in den Jahren 1348–1352 heim. Die Verleihung der Markt- und Stadtrechte an Konrad von Trimberg für den Ort „Gaudern“ (Gedern) durch Kaiser Karl IV. erfolgte 1356. Die Linie Trimberg starb 1376 aus und „Gaudern“ (Gedern) fiel an Eppstein-Königstein. 1381 verpfändete Eberhard von Eppstein das Gederner Gericht an Engelbert von Lißberg und an die Herren von Hanau und Schlitz. 1398 fand Gottfried von Eppstein mit 330 Gulden den Johann von Rodenstein in Lißberg ab; die Herren von Lißberg waren ausgestorben. 1424 waren alle Pfandrechte an Gedern abgelöst, somit war Eppstein Alleinbesitzer. Während des Bauernaufstandes 1431 wurden die Eisenhütten von Gedern und Hirzenhain zerstört. 1465 kaufte Eberhard von Eppstein die Wüstung „Klein Niddern“, somit wird auch die Waldschmiede von Gedern urkundlich erwähnt. Wenings wurde im Jahre 1467 zur Festungsstadt erklärt, nachdem die Stadtmauer, fünf Türme sowie drei mächtige Tore fertiggestellt worden waren.
1468 wurde eine Urkunde über die Verleihung der Pfarrstelle in Gedern ausgestellt. Daraus geht auch hervor, dass die Kirchen in Ober-, Mittel- und Niederseemen sowie in Volkartshain von der Kirche in Gedern abhängig waren. Im Jahr 1497 fiel das Gericht Gedern an das Haus Königstein, sieben Jahre später (1504) schied Böß-Gesäß aus dem Gericht Gedern aus.
Frühe Neuzeit mini|Evangelische Kirche, erbaut 1847
1524 wurden Gedern und Wenings lutherisch. 1530 wurde der Betrieb der Eisenhütte am Schmitterberg eingestellt; heute ist noch gut zu erkennen, wo sich der Erzbruch in etwa befand. Mit Eberhard IV. von Eppstein-Königstein starb sein Geschlecht 1535 in der männlichen Linie aus, und die Herrschaft Gedern fiel an seinen Neffen Graf Ludwig II. von Stolberg-Wernigerode. Am 29. Juli 1568 erhielt die Stadt „Gaidern“ durch Kaiser Maximilian II. das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten. 1572 wurde die Eisenhütte „Schmitterberg“ an Hirzenhain verpachtet. Die bei den Bauernaufständen zerstörte Eisenhütte Gedern wurde 1585 neu errichtet.
Gedern gehört zu den Gebieten, in denen das Solmser Landrecht von 1571 gewohnheitsrechtlich, aber nur teilweise rezipiert, wurde. Das galt insbesondere für die Bereiche Vormundschaftsrecht, Erbleihe und eheliches Güterrecht. Im Übrigen galt das Gemeine Recht.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 108, Anm. 36 und S. 25, Anm. 81, sowie beiliegende Karte. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte zum 1. Januar 1900 das alte Partikularrecht außer Kraft.
1635 erreichte die zweite Pestwelle die Stadt. 1638 wurde die Grafschaft Stolberg geteilt, Gedern wurde Sitz der älteren Linie. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges waren Stadt und umliegende Dörfer fast vollständig entvölkert.
Zwischen 1675 und 1710 baute Graf Ludwig Christian das Schloss Gedern zu seiner Residenz aus. 1678 wurde ein Galgen, 1679 die Brauerei errichtet, 1710 das Rentamt fertiggestellt. Die jetzige barocke Turmhaube, die einen gotischen Spitzturm ersetzte, erhielt die Gederner Kirche im Jahre 1738.
1742 wurde Graf Friedrich Karl von Kaiser Karl VII. gegen Zahlung einer beträchtlichen Geldsumme in den Fürstenstand erhoben.
Beginn der Neuzeit Nach dem Aussterben der Linie Stolberg-Gedern im Jahre 1804 fiel Gedern an die Hauptlinie der Grafen zu Stolberg-Wernigerode, die bereits 1806 Gedern durch die Rheinbundakte an das Großherzogtum Hessen abtreten mussten.
Das Gederner Kirchenschiff wurde 1884 zur Basilika umgebaut.
1888 wurde die Oberwaldbahn (Eisenbahnlinie Stockheim–Gedern) fertiggestellt.
1905 wurden die ersten Wasserleitungen in Gedern verbaut, hierbei wurden auf der heutigen Frankfurter- und Lauterbacherstraße Mauerreste entdeckt, die auf Stadttore schließen lassen, jedoch keine großen. Die steilste in Deutschland zulässige Bahntrasse wurde 1906 eröffnet. Sie umfasste die Strecke von Gedern nach Ober-Seemen (Stand 1995). Heute verläuft hier der Vulkanradweg. 1907 wurde das Fransecky-Denkmal enthüllt, es musste in den 1960ern dem Neubau der Volksbank und des Parkdecks weichen. 1925 wurde Gedern in den Bund oberhessischer Städte aufgenommen. 1926 zählte Gedern zum Kreis Büdingen. Ebenfalls 1926 erhielt Gedern sein Stadtwappen. 1929 wurde das Bezirkskrankenhaus erbaut und in Betrieb genommen.
Zeit des Nationalsozialismus und Gedenken mini|Gedenktafel für die jüdischen Opfer des NS-Regimes in Gedern Bereits wenige Wochen nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kam es in Gedern zu gewalttätigen antisemitischen Ausschreitungen, die von der örtlichen SA initiiert wurden. Bereits am Abend des 13. März 1933 traf sich eine Menschenmenge auf dem Schlossberg und zog danach vom nördlichen Ende Gederns Richtung Stadtkern. Von dort lief die Menge über die Mühlstraße und die Untergasse weiter. Auf ihrem Weg wurden wenigstens zwölf jüdische Familien heimgesucht und auf offener Straße sowie nach gewaltsamem Eindringen in deren Wohngebäude teils schwer misshandelt. Dabei kamen Knüppel und Motorradketten zum Einsatz. Die Schreie der Misshandelten waren weithin zu hören, wie in einem Gerichtsprotokoll vom Landgericht Gießen aus dem Jahre 1949 festgehalten wurde.
Am Abend des 26. September 1933 fand eine zweite Terroraktion gegen jüdische Einwohner aus Gedern statt. Wenigstens vier jüdische Männer wurden gewaltsam zu Reinigungsarbeiten herangezogen. Sie mussten unter Zwang Wahlparolen der Eisernen Front entfernen und wurden dabei von Angehörigen der SA beaufsichtigt und auf ihrem Weg zu den Wahlplakaten misshandelt. Dies fand unter Beifall von etwa 100 bis 200 ortsansässigen Zuschauern statt.
Im Jahre 1933 lebten noch 118 jüdische Personen in Gedern, aber bereits 1937 waren alle zuvor in Gedern ansässigen Juden aufgrund der Repressalien geflohen. Die Existenzgrundlage war der jüdischen Gemeinde durch Boykott der Geschäfte entzogen worden. Viele versuchten die Flucht in die Anonymität nach Frankfurt am Main, einige wanderten direkt ins Ausland aus.Saul Friedländer, C.H. Beck-Verlag, München 1998, 3. Auflage 2007, S. 30
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die örtliche Synagoge in ein Wirtshaus umgewandelt. Durch den Umbau des Hauses deutet heute nichts mehr auf die ehemalige Nutzung hin. Im Jahr 2010 wurde vor dem Gebäude eine Gedenktafel errichtet, auf der 35 Namen von Familien genannt sind, die zwischen 1933 und 1937 Gedern verlassen mussten. Der neue und der alte Judenfriedhof von Gedern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in einen würdigen Zustand versetzt und werden seitdem fortlaufend von der Kommune gepflegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Ab 1950 profilierte sich Gedern nach und nach als Familienferienort. Später erfolgte der Ausbau zum Luftkurort.
1952 erwarb die Katholische Kirche ein Grundstück, um ihr Gotteshaus zu errichten, Weihnachten 1954 wurde dort der erste Gottesdienst abgehalten.
1969 verschwisterte sich die Stadt Wenings, seit 1971 ein Teil von Gedern, mit der französischen Stadt Nucourt.Geschichte der Partnerschaft mit Nucourt auf wenings.eu, abgerufen am 5. November 2023.
Hessische Gebietsreform Die Stadt Gedern in ihren heutigen Grenzen entstand im Jahre 1972 durch die Gebietsreform in Hessen. Zugleich wurde die Stadt zum 1. August 1972 Teil des neu gebildeten Wetteraukreises.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis eingegliedert: Am 1. Dezember 1970 die bis dahin selbständige Gemeinde Ober-Seemen; am 1. Juli 1971 kam Steinberg hinzu; Burkhards, Kaulstoß, Mittel-Seemen, Nieder-Seemen, Sichenhausen und die Stadt Wenings folgten am 31. Dezember 1971. Für alle nach Gedern eingegliederten ehemaligen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Ausgliederungen Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass neben der Stadt Schotten auch Gedern in den neuen Vogelsbergkreis wechseln würde, doch Gedern entschied sich für den Wetteraukreis. So wurden die ehemaligen Vogelsberggemeinden Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen am 1. August 1972 an die Nachbarstadt Schotten abgetreten.
Aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit zu Gedern haben die Dörfer Burkhards, Kaulstoß und Sichenhausen heute noch die gleiche Vorwahl wie die Stadt Gedern, des Weiteren gehen die Schüler nach Gedern zur Schule.
Antisemitismus in Gedern 1987 bis 1989 kam Gedern bundesweit in die Schlagzeilen, als der jüdische Arzt Dan Kiesel in Gedern antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt war und daraufhin die Stadt verließ. Die Zeit, die taz, das ZDF und andere berichteten. Kiesel sah sich Telefonterror, Sachbeschädigung und Brandstiftung ausgesetzt. Einige Gederner Bürger wehrten sich gegen die „Pressehetze gegen Gedern“, was sogar im hessischen Landtag debattiert wurde; außer reißerischen Reportagen gebe es keinerlei Beweise für Verfolgungen und Attentatsversuche gegen Dan Kiesel. Die Landesärztekammer Hessen sprach unverzüglich Erklärungen gegen die Hetze gegen Dan Kiesel aus.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Gedern angehört(e):
vor 1601: Heiliges Römisches Reich, Amt Ortenberg (Kondominat des Wetterauer Grafenvereins) ab 1601: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Stolberg-Wernigerode, Amt Gedern ab 1677: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Stolberg-Gedern, Amt Gedern ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Oberhessen, Amt Gedern (zur Standesherrschaft Stolberg gehörig) ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Oberhessen, Amt Gedern (zur Standesherrschaft Stolberg gehörig)