Bad Krozingen (bis 1933 Krozingen, alemannisch ) ist eine Große Kreisstadt und ein Kurort im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg.
Geographie Lage Bad Krozingen liegt im Breisgau, etwa 16 Kilometer südwestlich von Freiburg und 45 km nördlich von Basel, umgeben von Feldern (Gemüse, Spargel, Mais) und Weinreben. Durch die Stadt, die zusammen mit Staufen ein Mittelzentrum bildet, fließt der kleine Fluss Neumagen, der auf dem Stadtgebiet bei Biengen in die Möhlin mündet, die wiederum bei Breisach den Rhein erreicht.
Das Landschaftsschutzgebiet Krozinger und Schlatter Berg ist seit 1993 ausgewiesen.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden Bad Krozingens sind, von Norden aus im Uhrzeigersinn: Breisach am Rhein, der Freiburger Stadtteil Munzingen, Schallstadt, Ehrenkirchen, Staufen im Breisgau, Heitersheim, Eschbach und Hartheim.
Stadtgliederung Zu Bad Krozingen gehören die vor der baden-württembergischen Gemeindereform der 1970er-Jahre selbständigen Gemeinden Biengen, Hausen an der Möhlin, Schlatt und Tunsel. Die ehemaligen Gemeinden sind identisch mit den Ortsteilen der Stadt. Die vier Ortsteile Biengen, Hausen an der Möhlin, Schlatt und Tunsel sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem.
Zu den Ortsteilen:Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Bd. 4. Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1978, S. 65–69. ISBN 3-17-007174-2 Zum Kernort Bad Krozingen gehören auch die Gemeindeteile Kems und Oberkrozingen. Biengen wurde erstmals im Jahre 770 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt und 1971 nach Bad Krozingen eingemeindet. Zu Biengen gehört der Weiler Dottighofen sowie die abgegangene Ortschaft Innighofen. Hausen an der Möhlin, erstmals 1147 urkundlich erwähnt, wurde 1973 nach Bad Krozingen eingemeindet. Schlatt wurde erstmals 1130 urkundlich erwähnt. Der Johanniterorden in Heitersheim erwarb Schlatt im Jahre 1371. 1973 wurde es nach Bad Krozingen eingemeindet. Tunsel, erstmals 852 (n. a. A. 860) urkundlich erwähnt, wurde 1974 nach Bad Krozingen eingemeindet. Zu Tunsel gehören die Weiler Burghöfe und Schmidhofen sowie die abgegangene Ortschaft Muttikofen.
Geschichte Einige Funde (Vorratsgefäß und trapezförmiges Steinbeil) weisen darauf hin, dass die Region schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. In der vorchristlichen Zeit und weit darüber hinaus war die Region von Kelten und Merowingern besiedelt. Gewann-, Fluss- und Ortsnamen wie Neumagen, Möhlin, Kems, Tunsel, Belchen oder Rhein bezeugen dies. Um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eroberten die Römer den heutigen Südwesten. Aus der folgenden Zeit fand man auf der Gemarkung Bad Krozingens u. a. die Überreste eines römischen Vicus, Teile von Töpfereien mit Brennöfen, einen römischen Brunnen und Fundamente mehrerer Gutshöfe. Bei einer Rettungsgrabung westlich der Basler Straße wurden 2019/20 größere Bereiche der römischen Siedlung aufgedeckt.Marcel El-Kassem, Bertram Jenisch, Arne Schmid-Hecklau: Rückblick auf 2000 Jahre Bad Krozinger Ortsgeschichte. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2020, S. 47.
Ab dem 4. Jahrhundert waren die Alemannen hier sesshaft. Die ältesten Nachweise einer alamannischen Besiedlung sind Gräber u. a. in der ehemaligen römischen Straßenstation und im Gräberfeld „Unterer Stollen“ mit 204 Bestattungen. Nach Ausweis der reichen Grabbeigaben wurde es zwischen 500 und 700 n. Chr. belegt. Erstmals wurde Krozingen als „Scrozzinga“ im Jahr 808 n. Chr. in den Urkundenbüchern des Klosters St. Gallen erwähnt, vermutlich nach dem Geschlecht des alemannischen Adligen Crozzo genannt.StiASG, Urk. I 178. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020. Der Ort entstand aus dem alten Siedlungskern Oberkrozingen, Kems und Unterkrozingen als alemannische Siedlung am Übergang der Römerstraße Basel-Offenburg über den Neumagen.
mini|Pfirt’sches Schlösschen Bis zum Übergang an das Kurfürstentum Baden mit dem Frieden von Pressburg im Jahr 1805 gehörte Krozingen zum vorderösterreichischen Breisgau und hatte wechselnde Ortsherren. Dies waren die Schnewlin von Landeck, die Herren von Schauenburg und die Herren von Pfirt. Nach ihnen ist das ehemalige Pfirt’sche Schlösschen benannt, in dem die Ortsherrschaft ihren Sitz hatte und das heute die Volksbank beherbergt.
Im Ersten Weltkrieg waren die Menschen in der Kommune trotz ihrer Möglichkeiten als Selbstversorger mit Mangel und Hunger konfrontiert. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Ort wurden zur Versorgung der Stadt Freiburg herangezogen.Vgl. Daniel Schneider: Umkirch und der Breisgau im Ersten Weltkrieg. Erfahrungen und Alltag zwischen Monarchie und Demokratie, Freiburg im Breisgau/Berlin/Wien 2022, S. 32–49, 82–104.
Bei der Suche nach Erdöl, das im Oberrheingraben vermutet wurde, stieß man 1911 stattdessen auf Thermalwasser, das für die Zukunft Krozingens als Kurort entscheidend wurde. Nach weiteren Bohrungen und dem Beginn eines Kurbetriebs wurde Krozingen im Jahre 1933 das Prädikat „Bad“ verliehen. Ein modernes Kurhaus wurde 1959 fertiggestellt.
Im Zuge einer Verwaltungsreform in den 1970er-Jahren wurden die damals selbständigen Gemeinden Biengen (am 1. Dezember 1971), Hausen an der Möhlin (am 1. September 1973), Schlatt (am 1. Januar 1973) und Tunsel (am 1. Januar 1974) nach Bad Krozingen eingemeindet. Vom aufgelösten Landkreis Müllheim kam die Gemeinde zum neu geschaffenen Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Am 1. September 2005 wurde Bad Krozingen zur Stadt ernanntStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005 – die Gemeinde war mit etwa 16.000 Einwohnern zur zweitgrößten Gemeinde des Landkreises geworden.
Zum 1. Januar 2025 wurde Bad Krozingen zur Großen Kreisstadt erklärt.
Klima
Politik
Gemeinderat
Nach der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 beträgt die Zahl der Sitze im Gemeinderat Bad Krozingen 23. Bei einer Wahlbeteiligung von 57,2 % (+2,2) ergab sich folgende Sitzverteilung:
Partei/Liste Stimmenanteil G/V %p Sitze G/V CDU 38,4 % + 5,1 9 + 1 Grüne 25,4 % + 1,9 6 + 1 SPD 14,0 % + 2,0 3 ± 0 KFB (Krozinger Freie Bürger) 22,2 % + 2,6 5 + 2
mini|Rathaus von Bad Krozingen
(Ober-)Bürgermeister Seit 19. Januar 2014 ist Volker Kieber (CDU, bis 2025 parteilos) Bürgermeister von Bad Krozingen. Im November 2013 wurde er mit 89,5 Prozent der Stimmen im zweiten Wahlgang erstmals zum Bürgermeister gewählt. Bei der Bürgermeisterwahl am 24. Oktober 2021 wurde er mit 94,41 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Seit der Erhebung Bad Krozingens zur Großen Kreisstadt am 1. Januar 2025 trägt er die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister. Davor war von 1998 bis 2014 Ekkehart Meroth (CDU) Bürgermeister der Stadt. Von 1982 bis 1998 war Wolfgang Fuchs Bürgermeister. Von 1955 bis 1981 amtierte Herbert Hellmann.
Verwaltungsgemeinschaft Mit der Gemeinde Hartheim besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft. Bad Krozingen ist die erfüllende Gemeinde und hat den Vorsitz im gemeinsamen Ausschuss, der mit je drei Gemeinderäten beider Gemeinden paritätisch besetzt ist.
Wappen Blasonierung: In Blau über einer goldenen Weltkugel ein von Strahlen umgebenes goldenes Gottesauge. Das merkwürdige Wappenbild beruht auf einer allmählichen Umgestaltung und Umdeutung des alten Siegelbildes und Ortszeichens der Gemeinde. Das älteste bekannte Siegel, an einer Urkunde aus dem Jahre 1686 überliefert, zeigt innerhalb der Umschrift „Gemeinde Crotzingen“ ein geometrisches Gebilde. Es stellt möglicherweise in vereinfachter Form einen Sester (Getreidemaß) dar. Dieses Zeichen begegnet einem in verschiedenen Varianten nicht selten als Dorfmarke und ist wohl auch hier als solche anzusehen. Eine Herleitung aus dem Rad im Wappen des Ortsadels ist ebenso unwahrscheinlich wie die Deutung als Armbrustebene mit einem aufgesetzten gestürzten Pfeil (Stadler) oder gar die Erklärung als über der Weltkugel schwebendes Gottesauge. Im 19. Jahrhundert kam die Deutung des Siegelbildes als Weltkugel und Gottesauge auf. Die Gemeinde beharrte auf diesen Symbolen und ihrer Deutung, als das Generallandesarchiv 1901 einen historisch begründeten Entwurf für ein neues Wappen vorlegte. 1921 wurde die bisher gebräuchliche Wappenzeichnung festgelegt, in der das „Gottesauge“ mit den üblichen Strahlen versehen ist.
Städtepartnerschaften Seit 1985 bestehen mit den südfranzösischen Kommunen Gréoux-les-Bains und Esparron-de-Verdon Städtepartnerschaften. Seit 2004 ist die Gemeinde auch mit Naoiri in Japan in einer Partnerschaft verbunden, die 1989 mit einer Städtefreundschaft begann. Seit 2005 ist Naoiri eine Teilgemeinde der Stadt Taketa. Eine Städtefreundschaft bestand seit 1993 auch mit Bojnice in der Slowakei. Im Juli 2011 wurde im Rahmen des Krozinger Lichterfestes ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet, der die Städtefreundschaft zu einer Städtepartnerschaft machte. badische-zeitung.de, 26. Juli 2011 Gréoux-les-Bains, Naoiri und Bojnice sind wie Bad Krozingen Thermalbadeorte.
Zweckverband Bad Krozingen ist Mitglied im Grenzüberschreitenden örtlichen Zweckverband Mittelhardt-Oberrhein, der auf Basis des Karlsruher Übereinkommens die grenzüberschreitende kommunale Zusammenarbeit von Gemeinden im Elsass und Baden fördert.Der grenzüberschreitende örtliche Zweckverband Mittelhardt-Oberrhein
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchen und Kapellen mini|hochkant|Katholische Kirche St. Alban mini|hochkant|Evangelische Christuskirche Die katholische Kirche St. Alban ist urkundlich im Jahre 1144 erstmals erwähnt. Der erste Kirchenbau an dieser Stelle erfolgte zeitlich früher, der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. Bei einem Brand am Palmsonntag 2002 wurden die Barockdecke und die Orgel stark beschädigt und der Hochaltar fast zerstört. Zwei Jahre später war die Kirche wieder hergestellt. Zerstörte Teile wurden restauriert und die Aufteilung des Hochaltars leicht verändert. Nach der Reformationszeit ist Krozingen katholisch geblieben, weil es zu Vorderösterreich gehörte. 1556 erfolgte die Reformation in Baden. Der erste evangelische Geistliche, Vikar Funk, förderte sehr tatkräftig den Bau der ersten evangelischen Kirche. Die Christuskirche wurde 1935 durch den damaligen Landesbischof eingeweiht. Eine besondere Sehenswürdigkeit sind die von Georg Meistermann 1980/81 entworfenen modernen Kirchenfenster (Thema: Erscheinungsweisen Gottes in der Welt). In der romanischen Glöcklehofkapelle (erbaut im 10./11. Jahrhundert) finden sich Fresken mit einer der ältesten Christusdarstellungen nördlich der Alpen. Die St. Fridolinskapelle steht mitten auf einer Straßenkreuzung am Rande des Ortsteiles Kems. Sie wurde wahrscheinlich nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet; den Altar hatte 1602 der Abt Martin I. von St. Blasien gestiftet. Sie wurde im Jahr 2014 komplett saniert und gelegentlich finden dort auch kleine Konzerte statt. Die St. Josefskapelle steht in einem Hofbezirk, der einst dem Kloster St. Trudpert gehörte. Nach der Säkularisation wurde die Kapelle von den ersten privaten Besitzern zum Dank für die Übergabe dieses Hofes errichtet.
Museen mini|Litschgi-Haus mini|Schloss mit der Sammlung historischer Tasteninstrumente Stadtmuseum im Litschgihaus