mini|Antonio Gambello († 1481): Porträt des Dogen auf einer Münze, ca. 1457 mini|Domenico Tintoretto: Der Doge im Porträt im Dogenpalast, Ende 16. Jahrhundert; das Spruchband betont, er habe nach vielen Eroberungen das blühende Vaterland im Frieden verlassen: „POST MARE PERDOMITUM POST URBES MARTE SUBACTAS / FLORENTEM PATRIAM LONGÆVUS PACE RELIQUI“. Francesco Foscari (* 19. Juni (?) 1373 in Venedig; † 1. November 1457 daselbst) war von seiner Wahl am 15. April 1423 bis zu seiner Absetzung am 21. Oktober 1457 Doge von Venedig. Nach der Zählweise der staatlich kontrollierten Historiographie war er der 65. Doge der Republik Venedig. Foscari regierte über 34 Jahre lang, länger als jeder Doge vor oder nach ihm; er war, sieht man vom Frühmittelalter ab, einer der wenigen Dogen, die abgesetzt wurden.
Unter seiner Regierung wurde die territoriale Ausdehnung Venedigs auf das oberitalienische Festland, aber auch nach Dalmatien, und damit seine Position als Landmacht vorangetrieben. Die dazu nötigen Kriege, vor allem gegen Mailand, aber auch gegen das römisch-deutsche Reich forderten die Ressourcen der Stadt in einem bis dahin kaum bekannten Ausmaß ein. Gleichzeitig blühte jedoch die Wirtschaft Venedigs, allem voran der Fernhandel, und die bauliche Entwicklung der Stadt wurde gefördert.
Herkunft und Familie mini|links|Porträt Francesco Foscaris gegen Ende seines Lebens, meist um 1460 datiertes Gemälde von Lazzaro Bastiani (1429–1512), heute im Museo Correr Francesco Foscari wurde um 1373 (nach Angaben von Giuseppe Gullino – ohne Quellenangabe – kam er am 19. Juni 1373 zur Welt) als Sohn des Niccolò di Giovanni Foscari und dessen Ehefrau Cateruzia Michiel geboren.Dennis Romano: La rappresentazione di Venezia. Francesco Foscari: vita di un doge nel Rinascimento, Viella, Rom 2012, S. 28. Die Familie war nie sehr zahlreich, war aber von erheblichem Vermögen und reichte der Überlieferung nach bis in das 10. Jahrhundert zurück. Die Foscari zählten zu den etwa 150 Familien, die einen erblichen Sitz im Großen Rat hatten und damit anerkanntermaßen zum Adel der Stadt gehörten. Damit war der Zugang zu zahlreichen Staatsaufgaben verbunden, die durch Abstimmung im Großen Rat befristet vergeben wurden. Zu den Wahlämtern zählte auch das Dogenamt, jedoch wurde dieses in einem mehrstufigen Abstimmungsverfahren auf Lebenszeit vergeben. Die Foscari zählten allerdings zu den case nove, nicht zu den case vecchie, also zu den etwas später aufgestiegenen Familien.
Der eigentliche Aufstieg der Familie begann erst mit Francescos Urgroßvater Nicolò. Er war Besitzer umfangreicher Landgüter auf der Terraferma, dem oberitalienischen Festland, aber auch in Venedig am Rialto. Die festländischen Güter ballten sich um Zelarino im Trevisanischen und um Noventa im Paduanischen; diese kamen möglicherweise durch seine zweite Ehe mit Balzanella da Peraga in den Besitz der Foscari. Gleichzeitig brachten diese ausgedehnten Güter die Foscari in den Wirkungskreis der mächtigsten Familien des Nordostens, der Carrara und der Scaligeri. Den Grafentitel hatte Nicolò 1331 vom König von Böhmen und Polen erlangt,Zum dortigen Besitz vgl. Giorgio Zoccoletto: La Contea dei Foscari a Zelarino, Centro Studi Storici di Mestre, 1999. Cangrande I. della Scala schlug ihn 1328 zum Ritter. Im Januar 1341 diktierte Nicolò seinen letzten Willen dem Notar Felice de Merlis.Vgl. Andreina Bondi Sebellico (Hrsg.): Felice de Merlis, prete e notaio in Venezia ed Ayas (1315–1348), Bd. I, 1973, Bd. II, 1978; Andrea Mozzato (Hrsg.): Felice de Merlis prete e notaio in Venezia ed Ayas (1315–1348), Bd. III (indici), 2012 (erschienen im Rahmen der Reihe Fonti relative alla storia di Venezia). Zu Universalerben wurden seine Söhne Giovanni und Jacobello.
Der ältere der beiden, Großvater des späteren Dogen, durchlief eine seinem Stand entsprechende politische Karriere. So wurde Giovanni Podestà von Padua und von Treviso, nahm an zahlreichen diplomatischen Missionen teil. 1356 und 1372 geriet er jedoch in Konflikt mit der venezianischen Regierung, einmal weil er Asolo den feindlichen Truppen Ungarns übergeben hatte, dann im Zusammenhang mit den Gefällen für die Nachfolge seines Sohnes Paolo als Bischof von Castello (er wurde später Erzbischof von Patras). mini|Darstellung eines Schiffes, entstanden um 1447–1449 in Venedig (?), British Library, Cotton Titus A. XXVI, f. 41 Francescos Vater Nicolò, einem der mindestens fünf Söhne des Giovanni, gelang es, das Familienvermögen im Handel zu konsolidieren, sein ältester Sohn jedoch betätigte sich nie im Handel. Nicolò und sein Bruder Franzi betätigten sich als erste aus der Foscari-Familie im Geschäft mit den Ländern des östlichen Mittelmeeres, während bis dahin ihre Wirtschaftstätigkeit um die Landgüter gekreist hatte. Bei den meisten anderen patrizischen Familien war die Entwicklung genau in entgegengesetzter Richtung vonstattengegangen. Um 1372 heiratete Nicolò Cateruzia Michiel, die die gewaltige Summe von 3.000 Dukaten als Mitgift in die Ehe brachte. Es dürfte diese Summe gewesen sein, die den Foscari die Möglichkeit eröffnete, sich im Fernhandel zu betätigen. So trieb Nicolò etwa in Bari und Trani Handel. Doch ab 1379 kümmerte er sich hauptsächlich um seine politische Karriere, die ihm bis 1412, dem Jahr seines Todes, zahlreiche hohe Posten in der Republik Venedig eintrug. So zählte er schließlich auch im Jahr 1400 zu den 41 Dogenwählern, als Michele Steno gewählt wurde.
Nicolò hatte drei Töchter und drei Söhne, von denen Francesco der älteste war. Marco, der jüngere Bruder Francescos, wurde Prokurator von San Marco; er heiratete Margherita, die Tochter des Patriziers Francesco Marcello. Der mittlere Bruder Donato starb bereits 1421. Franceschina heiratete den Adligen Santo Venier, während Elena ins Kloster San Zaccaria eintrat, das nur dem Patriziat offenstand, wo sie Äbtissin wurde. Über die dritte Schwester Francesco Foscaris, Briseida, ist nichts weiter bekannt. Als Testamentsvollstrecker setzte Nicolò neben den Söhnen und seiner Frau auch seinen Bruder Franzi und Santo Venier ein sowie Marco Loredan. Cateruzia teilte das Erbe auf, Nicolò wurde in San Simeone Apostolo beigesetzt. Die drei Sklavinnen waren schließlich ebenfalls im Testament vorgesehen. Marta sollte zu Marco gehen und nach weiteren 10 Jahren des Dienstes freigelassen werden, Caterina wurde sofort freigelassen, Anastasia folgte Elena in ihr Kloster.
Franzi, Francescos Onkel, war viel jünger als sein Bruder Nicolò. Er wurde früh der Tochter des Despoten von Lepanto Giovanni Bua Spatas versprochen, auch wenn die Verheiratung erst 1395 stattfand. Sie brachte eine Mitgift von umgerechnet etwa 3.300 Dukaten in die Ehe, dazu das Kastell Dragamesto, das von Carlo I. Tocco erobert worden war. Das Paar hatte sechs Söhne und mindestens zwei Töchter. Franzi begann seine politische Karriere 1394 als Capo des Sestiere Santa Croce. Seinen Familiensitz verlegte er Richtung Sant’Aponal und San Canzian, doch tat dies der familiären Zusammenarbeit keinen Abbruch.
Nach Aussage des Chronisten Marin Sanudo kam Francesco Foscari in einem Palazzo am Canal Grande zur Welt, wahrscheinlich in der Gemeinde San Simeon Apostolo nahe dem heutigen Bahnhof. Andere Quellen berichten, er sei mit seinen beiden Brüdern Donato und Marco in Ägypten aufgewachsen, wohin sein Vater 1374 verbannt worden sei, nachdem er als Bruder des Bischofs von Castello in Ungnade gefallen war.Claudio Rendina (Il dogi. Storia e segreti, Rom 2007, S. 233) schreibt: „era nato verso il 1374 in Egitto, dove il padre Niccolò era stato esiliato, probabilmente come fratello del vascovo di Castello, caduto in disgrazia dalla repubblica“.
In erster Ehe heiratete Francesco Foscari 1395 Maria Priuli di Andrea di Lorenzo, eine Erbin aus reichem Hause; ihr Familienzweig trug den Namen „dal banco“. Mit ihr hatte er zwei Söhne und zwei Töchter, namentlich Girolamo, Lorenzo, Bianca und Camilla.
Nach ihrem Tod um das Jahr 1414 nahm er 1415 die ebenfalls vermögende Venezianerin Marina Nani zur zweiten Frau. Mit ihr hatte er neun Kinder, fünf Töchter und vier Söhne, die jedoch alle – mit Ausnahme des Zweitgeborenen Jacopo – 1425 und 1437 an der Pest starben.
Leben mini|hochkant|Wappen Francesco Foscaris, frühes 17. Jahrhundert Francesco Foscari wurde in eine Familie mit weitläufigem Landbesitz und engen Kontakten zu anderen Patrizierfamilien geboren, die zugleich im Fernhandel, wenn auch wenig fassbar, tätig war. Über seine Jugend ist wenig bekannt, ebenso über seine Bildung. Überliefert ist eine für die Zeit typische Legende, nach der die Väter Francescos und des späteren Papstes Pius’ II., als sie in Ägypten als Händler auf Reisen waren, einem Eremiten oder Propheten begegnet sein sollen. Dieser habe den Söhnen die jeweilige weltliche und geistliche Karriere vorausgesagt. Antonio Morosini, Verfasser einer Chronik, schrieb 1430, Foscari habe als Doge die Gesandten aus Genua in „bon latin“ angesprochen, er habe also Latein gelernt; auch lobt der Verfasser seine Redegewandtheit – „dolcezza“ – gegenüber Gesandten aus Florenz (Romano, S. 34). Der Vater Francescos hatte also für eine gute Ausbildung in Sprachen und Rhetorik gesorgt, was sich bei seinem zweiten Sohn Jacopo noch deutlicher zeigte, der mit Humanisten wie Francesco Barbaro, Poggio Bracciolini oder Leonardo Bruni zu korrespondieren verstand.
Ämterlaufbahn Frühe Ämter mini|Die Außenfassade der 1453 begonnenen Ca’ Foscari, die auf den Canal Grande blickt. Ihre Fertigstellung unter Leitung des Baumeisters Bartolomeo Bon erlebte der Doge nicht mehr. Francesco Foscari strebte schon früh eine politische Karriere an, wie sie in Venedig einer entsprechenden Ämterlaufbahn entsprach. Nach Aussagen von Zeitgenossen war er ein brillanter Redner mit einem hervorragenden Gedächtnis und von großer Überzeugungskraft. Ehrgeizig wie er zudem war, kletterte er die Ämterleiter beständig nach oben. Zunächst wandte er sich der Rechtsprechung zu. Bereits im Jahr 1400 saß er im Rat der Vierzig, einer Art oberstem Gerichtshof, obwohl er formal noch zu jung für diese Position war. Mit nur 27 Jahren wurde er 1401 zu einem der Vorsteher dieser Quarantia, im Dezember 1401 zum Giudice del Proprio gewählt. 1404 wurde er Avvogadore di Comun, einer Art Chefankläger des Staates.
Konzentration auf die Außenpolitik (ab etwa 1403) Das Jahr 1402 war eine Zäsur in der außenpolitischen Geschichte, denn Timur zerschlug in der Schlacht bei Ankara das Osmanenreich und der schärfste Gegner Venedigs in Italien, Gian Galeazzo Visconti, fiel der Pest zum Opfer. Venedig gelang es binnen weniger Jahre, erheblichen territorialen Gewinn aus der veränderten Situation zu schlagen. 1403 war Foscari Savio agli Ordini, eine Funktion, in der er auf Krieg gegen Francesco Novello da Carrara († 1406) drängte, der seinerseits versuchte, Mailänder Gebiete zu gewinnen. Dabei gingen Francesco und sein Vater sowie sein Onkel strategisch so geschickt vor, dass die zugehörigen Einträge in den Registern des Senates und des Collegio den Eindruck erwecken, sie versuchten die Außenpolitik der Stadt zu steuern. Später gelang es den drei Foscari nicht mehr, gemeinsam in dieser Weise wirksam zu werden, was möglicherweise damit zusammenhing, dass Vater und Onkel Positionen innehatten, die dadurch, wie es seit langer Zeit Usus war, weiteren Familienmitgliedern versperrt waren. Dies änderte sich erst mit dem Tod des Vaters im Jahr 1412.
Innerster Machtzirkel: Rat der Zehn, Gesandter in Mailand (1408), bei König Sigismund und Sultan Mehmed I. 1405 war Francesco Foscari erstmals Haupt (Capo) des Rates der Zehn, erneut im Jahr 1413. 1412 war er Mitglied im Kollegium der Savi alla Guerra, einer Gruppe gewählter Patrizier, denen temporär zahlreiche Kompetenzen im Zusammenhang mit der Kriegsführung übertragen wurden. Er vertrat als Gesandter die Republik 1408 beim Herzog von Mailand, um ein Abkommen zwischen diesem und Ottobuono Terzi, dem Signore von Parma und Reggio auszuhandeln.