mini|Luftbild von Schorndorf mini|Über den Dächern von Schorndorf mini|Fachwerkimpression mini|Auf dem Holzberg

Schorndorf ist eine Stadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg mit Einwohnern (). Sie liegt etwa 26 Kilometer östlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Mittelstadt gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie ist bevölkerungsmäßig nach Waiblingen und Fellbach die drittgrößte Stadt des Landkreises und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Seit dem 1. Januar 1967 ist Schorndorf eine Große Kreisstadt. Mit der Gemeinde Winterbach hat die Stadt Schorndorf eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.

Geographie Geographische Lage mini|hochkant|Die Rems in Schorndorf, links das Röhmareal

Schorndorf liegt in einer tiefen Talerweiterung der Rems, die im Süden vom Schurwald und im Norden von den Berglen und dem Welzheimer Wald begrenzt wird. Im Stadtgebiet münden die von Norden kommenden kleinen Flüsse Schornbach und Wieslauf in die Rems. Diese durchfließt die Kernstadt von Ost nach West. Die Schorndorfer Altstadt befindet sich südlich des Flusses.

mini|Grafenberg

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Schorndorf; sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Westen genannt:

Winterbach, Remshalden, Berglen, Rudersberg, Welzheim, Urbach, Plüderhausen (alle Rems-Murr-Kreis), Adelberg, Wangen und Uhingen (alle Landkreis Göppingen) sowie Lichtenwald (Landkreis Esslingen).

Stadtgliederung mini|alternativtext=Grafik mit den Stadtteilgrenzen der Schorndorfer Teilorte|Karte der Schorndorfer Stadtteile

Schorndorf besteht aus der Kernstadt und den sieben im Rahmen der Gebietsreform der 1970er-Jahre als Stadtteilen eingegliederten Gemeinden Buhlbronn, Haubersbronn, Miedelsbach, Oberberken, Schlichten, Schornbach und Weiler/Rems. Zu einigen der Stadtteile gehören teilweise noch separat gelegene Wohnplätze mit besonderem Namen, Metzlinsweiler Hof zu Buhlbronn, Metzlinsweiler Mühle zu Haubersbronn, Unterberken zu Oberberken und Mannshaupten zu Schornbach. mini|Buhlbronn, Miedelsbach, Haubersbronn, Schornbach

In der Kernstadt werden zum Teil weitere Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Geschichte aufgrund der Bebauung ergeben haben und die meist nicht genau abgrenzbar sind. Hierzu gehören beispielsweise Fuchshof und Grauhalde.

Die Stadtteile außer der Kernstadt bilden jeweils eine Ortschaft mit Ortschaftsrat im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung,Hauptsatzung der Stadt Schorndorf in der Neufassung vom 24. Juli 2000, zuletzt geändert am 30. Mai 2018 und entsprechen den acht Gemarkungen im Stadtgebiet.   Stadtteil/Ortschaft/Gemarkung Zahl derOrtschafts-räte Gemarkungs-FlächeHektar Einwohner Ein-gemein-dung am25px Schorndorf (Kernstadt) – 2075,82 27.055 –25px Buhlbronn 8 273,00 824 25px Haubersbronn 14 481,71 3.372 25px Miedelsbach 12 274,40 1.939 25px Oberberkenmit Unterberken 10 1256,36 1.525 25px Schlichten 8 437,67 861 25px Schornbachmit Mannshaupten 10 356,47 1.866 25px Weiler 14 555,69 4.347 Stand der Einwohnerzahlen: 28. Februar 2025

Wüstungen Auf dem Stadtgebiet liegen die Wüstungen Ebersberglen, Fliegenhof, Hochingen, Schlössle Schlichten (Burg Heldenstein) und das Schlössle Unterberken (Burg Ebersberg).

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Schorndorf.

Raumplanung Schorndorf ist ein Mittelzentrum innerhalb der Region Stuttgart, deren Oberzentrum Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Schorndorf gehören der Süden und der Osten des Rems-Murr-Kreises, d. h. das Rems- und Wieslauftal sowie angrenzende Gebiete. Im Einzelnen sind dies neben Schorndorf die Städte und Gemeinden Alfdorf, Kaisersbach, Plüderhausen, Remshalden, Rudersberg, Urbach, Welzheim und Winterbach.

Geschichte Urgeschichte Früheste Siedlungsspuren im Raum Schorndorf lassen sich bereits für die Mittelsteinzeit und wesentlich häufiger für die Jungsteinzeit belegen. Dagegen gibt es für eine Siedlungstätigkeit während der Metallzeit (Kupfer-, Bronze- und Eisenzeit) kaum belegte Funde."Birgit Kulessa:Ungewöhnliche frühmittelalterliche Funde aus Schorndorf" aus Fundberichte aus Baden-Württemberg 33, 2013

Römerzeit In größerem Umfang sind archäologische Funde aus der Römerzeit bekannt. Unter Kaiser Antoninus Pius war ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. der Limes „vorverlegt“ worden und hatte seine äußerste Lage erreicht (Vorderer Limes).

Die Grenze des römischen Reichs verschob sich von der Neckar-Odenwald-Linie nach Osten. Es entstand der neue Teilabschnitt des obergermanischen Limes,Der Obergermanische Limes und der Raetische Limes werden in der Forschung und in der Literatur zum Obergermanisch-Raetischen Limes (ORL) zusammengefasst der schnurgerade vom Kastell Lorch zum Kastell Miltenberg am Main verlief. Gleichzeitig wurde der Donaulimes bzw. der vorgelagerte Alblimes nach Norden verlegt, und es entstand der neue Abschnitt des raetischen Limes vom Kastell Lorch bis zum Kastell Eining, wo er kurz vor Regensburg wieder auf den Donaulimes traf. Durch diese Vorverlagerung des Limes wurde das Remstal in die Provinzen Obergermanien (Germania superior) bzw. Raetia einbezogen. Die Grenze zwischen diesen beiden römischen Provinzen verlief östlich vom Kastell Lorch.

Im Zuge der Limesverlegung wurden neue Fernstraßen angelegt oder bestehende vorrömische Wegeverbindungen ausgebaut, insbesondere auch um das Kastell Cannstatt mit Kastell Welzheim und Kastell Aalen zu verbinden.Archäologen legen den Urahnen der B 29 frei Auf diese Straßen trafen im Bereich der heutigen Stadt Schorndorf wohl schon in römischer Zeit mehrere Verbindungsstraßen, deren exakter Verlauf allerdings nur annähernd bekannt ist.

In Schorndorf befand sich mutmaßlich eine Straßenkreuzung, an der sich ein ausgedehnter Straßenvicus entwickelte. Dieser konnte am nördlichen Rand des heutigen Schorndorfer Stadtgebietes mit Hilfe zahlreicher archäologischer Fundstellen nachgewiesen werden. Weitere Einzelfunde sind eine römische villa rustica im Gewann Schornbacher Straße,Die Villa Rustica von Schornbach (PDF; 369 kB) ein Stein-Flachbild von Maja und Merkur in der Grafenhalde sowie ein Steinbild von Merkur im Ramsbach.Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Schorndorf. J. B. Müller’s Verlagshandlung, Stuttgart 1851, S. 71 ff. (Wikisource).

Allerdings haben in jüngster Zeit Neubewertungen von Fundstücken, die bereits seit den 1950er-Jahren im Stadtmuseum lagern (Viergöttersteine), die Vermutung aufkommen lassen, dass es im Bereich der heutigen Schorndorfer Nordstadt „eine römische Siedlung größerer Art gegeben haben“ könnte und nicht nur einen Straßenvicus.Dornröschenschlaf im Stadtmuseum

Frühmittelalter Etwas westlich vom römischen Fundgebiet wurden um 1955 bei Bauarbeiten am Christallerweg verstreute Grabbeigaben sowie alamannische Gräber gefunden, die teilweise in die römische Kulturschicht eingetieft waren. Die zeitliche Einordnung der Objekte umfasst einen Zeitraum von der Mitte des 6. Jahrhunderts bis in die Zeit um 700. Obwohl es sich insgesamt nur um wenige Fundobjekte handelt, sind gleich mehrere Funde vertreten, die im südwestdeutschen Raum als Einzelstücke zu bezeichnen und daher von besonderem archäologischen Interesse sind. Mehrfach handelt es sich dabei um Gegenstände, die auf eine gehobene Stellung der Verstorbenen hindeuten könnten, was eine sozial differenzierte, größere Bevölkerungsgruppe voraussetzt, die das Gebiet über mehrere Generationen besiedelt hat. Eine den Gräbern zugehörige Siedlung muss sich in der Umgebung befunden haben, konnte aber nicht durch weitere Funde nachgewiesen werden. Diese nicht näher lokalisierte frühmittelalterliche Siedlung nördlich der Rems ist vermutlich spätestens in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts aufgegeben worden. Als Anlass wurde die Überschwemmungsgefahr durch Hochwasser der Rems vermutet.I. C. Rösler, Schorndorfs Entstehung und Stadtgründung, Heimatbuch Schorndorf u. Umgebung 6 (Schorndorf 1973) Aus dem Umstand, dass im mittleren Remstal keine Siedlungen mit der Endung -ingen oder -heim vorhanden sind, ging die Forschung bislang davon aus, dass in dieser Region der frühmittelalterliche Siedlungsbeginn erst nach dem fränkischen Herrschaftsausbau einsetzte. Schorndorf wurde in der bisherigen Forschung als Siedlung des sogenannten älteren Landesausbaus angesehen, welcher in dieser Region zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert datiert wird. Ein solcher zeitlicher Ansatz wird durch die Funde am Christallerweg, die bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen, nun korrigiert.

Im 8. Jahrhundert entwickelte sich dann auf überschwemmungssicherem Gelände südlich der Rems auf einem Schwemmsandkegel im Bereich der heutigen Stadtkirche eine neue dörfliche Ansiedlung „uff dem Sand“ als Ursprung des mittelalterlichen Schorndorfs.Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Schorndorf. J. B. Müller’s Verlagshandlung, Stuttgart 1851, S. 81 (Wikisource). (PDF) Einen Hinweis auf eine Datierung gibt möglicherweise das Patrozinium der Kirche, welche den Heiligen Basilides, Cyrinus, Nabor, Nazarius und Celsus geweiht war. Dies lässt die Gründung der Kirche in der Zeit nach 765 n. Chr. annehmen.

Hochmittelalter mini|Wappen der Adelsfamilie „von Schorndorf“ Die erste schriftliche Erwähnung des Ortsnamens stammt aus dem Jahr 1235. In einer Urkunde, laut der ein Heinrich von Waldhausen und seine Frau Grundstücke in Urbach und Hülben an das Kloster Lorch gegen zwei lebenslängliche Pfründen übertragen, wird als Zeuge neben Anderen ein „Dietericus de Shorendorf“ aufgeführt.Erste urkundliche Erwähnung Schorndorfs aus 1235 Derselbe taucht als „Dieterico de Sordorf“ in einer weiteren Urkunde des Klosters Adelberg von 1236 wiederum als Zeuge auf. Diesmal wird er als „ministerialis imperii“, also als (staufischer) Reichsdienstmann bezeichnet.Urkunde aus 1236 Als dessen Dienstsitz (Ministerialenburg) wird der Vorgängerbau des heutigen Schlosses angenommen.

In den Folgejahren nutzte Graf Ulrich I. von Württemberg (Ulrich der Stifter) die zermürbenden Auseinandersetzungen Friedrichs II. mit dem Papst und dem oberitalienischen Städtebund, die eine nachhaltige Schwächung des Hauses Staufen verursachten, um seine eigene Hausmacht zu festigen und zu erweitern. Auch der Ort Schorndorf wurde von Ulrich wohl um 1250 erworben oder annektiert, wobei die genauen Umstände nicht bekannt sind. Unter Graf Ulrich entsteht im Anschluss an die Ministerialenburg die erste städtische Ansiedlung.

Spätmittelalter Die erste urkundliche Erwähnung als württembergische Stadt stammt aus dem Jahr 1262, als Ulrich dem Kloster Adelberg den zollfreien Durchgang durch seine Stadt Schorndorf („municipium nostrum Schorndorf“) und sein ganzes Gebiet gestattete.Urkunde aus 1262: erste Erwähnung als württ. Stadt Die Stadt wurde ausgebaut und befestigt, um die württembergische Herrschaft gegen den staufischen Restbesitz im Osten abzusichern. Die erste Erwähnung des Gerichts in Schorndorf („judices iurati“) sowie die früheste Erwähnung von Stadtmauern („muros opidi“) stammen von 1299,Urkunde aus 1299: früheste Erwähnung von Stadtmauern und Gericht in Schorndorf wobei die Mauern zunächst nur den zwischen Marktplatz und Burgschloss gelegenen Teil der heutigen Altstadt umfassten. Das westlich gelegene Dorf „uff dem Sand“ blieb als Vorstadt außerhalb der Mauern. Erst im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Vorstadt mit Kirche und Kirchhof in die Ummauerung einbezogen. Zwischen dieser sogenannten Unterstadt und der östlichen, sogenannten Oberstadt wurden im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts der noch bestehende Graben aufgefüllt und der Marktplatz angelegt.