mini|Video einer Löwin und ihrer Jungen im Phinda-Reservat Der Löwe (Panthera leo) ist neben dem Tiger eine der beiden größten Arten aus der Familie der Katzen. Er ist heute nur noch in Teilen Afrikas südlich der Sahara sowie im indischen Bundesstaat Gujarat beheimatet; in Afrika ist er das größte Landraubtier. Charakteristisches Merkmal erwachsener Männchen ist eine Mähne. Löwen leben im Unterschied zu anderen Katzen in Rudeln. Eine veraltete, poetische Bezeichnung ist Leu.

Merkmale Körperbau und Fellfarbe mini|alt=Männlicher Löwe in Okonjima, Namibia|Männlicher Löwe in Okonjima, Namibia mini|Weibchen des Asiatischen Löwen Löwen weisen unter anderem hinsichtlich ihrer Körpergröße einen deutlichen Sexualdimorphismus auf: Männchen sind durchschnittlich größer und schwerer (siehe Tabelle). Die größten Löwen leben heute im südlichen Afrika, die kleinsten in Asien. Die größten Löwenformen des Pleistozän, zum Beispiel der Amerikanische Löwe und der Höhlenlöwe, waren deutlich größer, werden heute aber meist zu eigenständigen Arten gerechnet.

Merkmal Männchen Weibchen QuelleKopf-Rumpf-Länge184–208 cm160–184 cmWest & Packer 2013P. M. West; C. Packer: Panthera leo. Lion. In: J. Kingdon et al. (Hrsg.): Mammals of Africa. Bloomsbury Publishing 2013, S. 149–159, ISBN 978-1-4081-8996-2. Online=.170–190 cm140–175 cmLeyhausen 1987P. Leyhausen: Pantherkatzen und Verwandte. In: B. Grzimek. (Hrsg.): Grzimeks Enzyklopädie Säugetiere. Bd. 4. Kindler 1987, S. 1–48.Südafrika: Durchschnitt: 190 cm, Maximum: 206 cmSüdafrika: Durchschnitt: 169 cm, Maximum: 193 cmJames Stevenson-HamiltonAsien: Durchschnitt: 186 cmAsien: Durchschnitt: 165 cmYadvendradev V Jhala 2019Schwanzlänge82,5–93,5 cm72–89,5 cmWest & Packer 2013Asien: 81–94 cmAsien: 64–88 cmYadvendradev V Jhala 201970–105 cm70–105 cmLeyhausen 1987Schädellänge33–38 cmca. 30 cmTomašových und J. Gullár 2022M. Sabo, A. Tomašových und J. Gullár: Geographic and temporal variability in Pleistocene lion-like felids: Implications for their evolution and taxonomy. In: Palaeontologia Electronica. 25 (2), 2022, S. a26, doi:10.26879/1175.SchulterhöheSüdafrika: Durchschnitt: 101 cm, Maximum: 110 cm (Ausnahme: 116 cm)Südafrika: Durchschnitt: 87 cm, Maximum: 100 cmJames Stevenson-Hamilton Sam FerreiraAsien: Durchschnitt: 101 cm, Maximum: 110 cmAsien: Durchschnitt: 94.5 cm, Maximum: 103 cmYadvendradev V Jhala 201980–110 cm80–110 cmLeyhausen 1987Gewicht150–225 kg (Durchschnitt: 190 kg, Rekord: 272 kg)122–192 kg (Durchschnitt: 126 kg)San Diego Zoo Global Library 2020150–250 kg120–180 kgLeyhausen 1987Südafrika: Durchschnitt: 200 kg, Maximum: 251 kgSüdafrika: Durchschnitt: 143 kg, Maximum: 152 kgDewalt Keet A.Roberts Nowell & Jackson 1996K. Nowell; P. Jackson: Wild Cats. Status Survey and Conservation Action Plan. UCN/SSC Cat Specialist Group 1996, S. 17–21; 37–41. (PDF; 24,6 MB, abgerufen am 7. Februar 2021).Asien: Durchschnitt: 160 kg Maximum: 190 kgAsien: Durchschnitt: 116,5 kg, Maximum: 138 kgNowell & Jackson 1996 Yadvendradev V Jhala 2019

mini|Löwen sind die einzige Katzenart mit einer Schwanzquaste, charakteristisches Merkmal sowohl von Männchen als auch Weibchen. Löwin im Louisville Zoo, Kentucky Löwen haben ein kurzes, sandfarben oder gelblich bis dunkelocker oder lohfarben (hell rotbraun) gefärbtes Fell. Die Unterseite und die Beininnenseiten sind heller beziehungsweise weiß. Auffällig ist die schwarze Schwanzquaste, die häufig einen als Hornstachel bezeichneten keratinösen Sporn umgibt. Junge Löwen haben dunkle Flecken, die während des ersten Lebensjahres verblassen. Selten bleiben diese Flecken auch bei erwachsenen Löwen sichtbar, aber stets undeutlich und nur aus der Nähe erkennbar.

mini|Weiße Löwen verdanken ihre Färbung einer Farbmutation. Zoologischer Garten Bratislava, Slowakei Wie bei Tigern gibt es bei Löwen gelegentlichen Leuzismus: Löwen mit nahezu weißem Fell. Diese Tiere sind keine Albinos, was äußerlich daran erkennbar ist, dass sie keine roten Augen haben; im Gegensatz zu Albinos bilden leuzistische Tiere das Pigment Melanin. Bei Leuzismus wird die weiße Fellfarbe über ein rezessives Gen vererbt. Weiße Löwen treten heute nur in der südafrikanischen (in ihrem taxonomischen Status umstrittenen; siehe unten) Unterart Transvaal-Löwe (Panthera leo krugeri) auf. Seit 1995 (Stand: 2015) wurden keine adulten weißen Löwen in freier Natur beobachtet, obwohl gelegentlich weiße Jungtiere geboren wurden. Dies hängt jedoch offenbar nicht damit zusammen, dass weiße Löwen einen geringeren Jagderfolg hätten, weil sie für potenzielle Beutetiere leichter zu entdecken wären: Ausgewilderte weiße Löwen hatten unter naturnahen Bedingungen in umzäunten Freilandgebieten keinen signifikant geringeren Jagderfolg als normale lohfarbene (tawny) Löwen. Der Jagderfolg weißer Löwen basiert offenbar darauf, dass Löwen häufig nachts jagen und tagsüber bei der Jagd Deckung bietende Vegetation nutzen. Die Autoren dieser Untersuchung schließen aus den Ergebnissen, dass die Überlebensbedingungen weißer Löwen von Natur aus nicht schlechter sind als die normal gefärbter und dass heute deswegen keine erwachsenen weißen Löwen mehr in freier Natur beobachtet werden, weil diese von Trophäenjägern ausgerottet werden.J. A. Turner, C. A. Vasicek, M. J. Somers: Effects of a colour variant on hunting ability: the white lion in South Africa. In: Open Science Repository Biology, Online(open-access), e45011830, 2015, doi:10.7392/openaccess.45011830 Eine weitere, allerdings selten auftretende Färbungsvariante sind schwärzliche, melanistische Löwen.

Mähne mini|Dieses subadulte (vor seinem Erwachsenendasein stehende) Männchen trägt als Zeichen einer sich entwickelnden Mähne längeres Fell an Kopfseiten und Brust sowie eine „Irokesenmähne“ (Mohawk mane) an Hinterkopf und Nacken. Tierpark Hellabrunn, München

Adulte Männchen haben eine lange Mähne, die oft dunkelbraun ist, aber auch schwarz, hellbraun oder rotbraun sein kann. Diese Mähne breitet sich von Kopf und Hals bis über Brust und Schultern aus, seltener über den Bauch. Form und Farbe der Mähne variieren nicht nur zwischen Individuen, sondern auch beim selben Individuum im Laufe des Lebens in Abhängigkeit von der körperlichen Verfassung.

mini|Die Mähnen asiatischer Löwen sind weniger ausgeprägt als die afrikanischer Löwen. Männchen im indischen Gir-Nationalpark Besonders lange und dunkle Mähnen sind ein Zeichen guter Verfassung und Kampfeskraft, da Hormonstatus und Ernährungszustand Auswirkungen auf Dichte und Länge der Mähne haben. Experimentelle Untersuchungen mit ausgestopften Löwenmännchen haben gezeigt, dass Weibchen positiv auf Modelle mit längeren und dunklen Mähnen reagieren, während Männchen Modelle mit ausgeprägten Mähnen eher meiden. Praktischen Nutzen könnte die Mähne als Schutz gegen Prankenhiebe und Bisse bei Kämpfen rivalisierender Männchen haben. Deshalb haben Männchen durch eine Mähne einen Selektionsvorteil, nicht aber Weibchen, die nicht auf Kämpfe spezialisiert sind. Bei der Jagd ist eine Mähne, anders als bei Kämpfen, nicht von Vorteil. Andererseits haben Forschungen gezeigt, dass auch die Temperatur einen wichtigen Einfluss auf die Größe der Mähne hat und Löwenmännchen in kälteren Gebieten auch unabhängig von ihrer Unterart stärkere Mähnen ausbilden als solche, die in sehr warmen Gebieten leben. So bilden Löwenmännchen in Zoos kühler Regionen meist stärkere Mähnen aus als ihre Artgenossen in wärmeren Gefilden. Bei asiatischen Löwen ist die Mähne weniger deutlich ausgeprägt als bei ihren afrikanischen Artgenossen.

Bereits bei zwölf Monate alten Männchen sind Anzeichen einer sich entwickelnden Mähne erkennbar.Mara Predator Project. Lion Database, abgerufen am 13. Februar 2021. Es dauert mehr als fünf Jahre, bis ein Löwenmännchen eine voll ausgebildete Mähne hat. In einigen Gebieten Afrikas, etwa im Tsavo-Nationalpark in Kenia, sind zahlreiche Männchen mähnenlos oder besitzen nur schwache Mähnen. Auch im Pendjari- und W-Nationalpark-Gebiet in Westafrika tragen nahezu alle Männchen keine oder wenig entwickelte Mähnen.Marjolein Schoe, Etotépé A. Sogbohossou, Jacques Kaandorp, Hans de Iongh: PROGRESS REPORT – collaring operation Pendjari Lion Project, Benin. Funded by the Dutch Zoo Conservation Fund, 2010.

In seltenen Fällen kommt es auch vor, dass weibliche Löwen eine Mähne ausbilden. Im Okavangodelta in Botswana wurden mehrfach Löwinnen gesichtet, die wie männliche Tiere aussahen und sich auch so verhielten. Grund könnte entweder ein Gendefekt bei der Entwicklung des Embryos oder eventuell ein besonders hoher Testosteronspiegel beim Muttertier während der Trächtigkeit sein. Die prähistorischen Löwen der Spelaea-Gruppe (siehe unten) hatten vermutlich keine Mähnen.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Löwen: historisch (rot) und heute (blau)

Während der letzten Vereisung hatten Löwen (die je nach systematischer Einordnung verschiedene Arten repräsentierten oder als Unterarten nur einer Art eingestuft werden) ein großes Verbreitungsgebiet. Es reichte in der letzten Kaltzeit von Peru bis Alaska, wo der Amerikanische Löwe vorkam,C. R. Harington: Pleistocene remains of the lion-like cat (Panthera atrox) from the Yukon Territory and northern Alaska. In: Canadian Journal of Earth Sciences,6:(5), 1969, S. 1277–1288, doi:10.1139/e69-127 und erstreckte sich über Sibirien und weite Teile Nordasiens und Europas, wo der Höhlenlöwe vorkam, bis Indien, Arabien und Afrika im Süden.Nobuyuki Yamaguchi et al.: Evolution of the mane and group-living in the lion (Panthera leo): a review. In: Journal of Zoology, Volume 263, Issue 4, 2004, S. 329–342, doi:10.1017/S0952836904005242. Einen Großteil dieses Verbreitungsgebietes büßten die Löwen allerdings schon am Ende der Vereisungszeit ein.

Das geschichtliche Verbreitungsgebiet des rezenten Löwen umfasste nicht nur große Teile Afrikas, sondern auch das südöstliche Europa sowie Vorderasien und Indien. Eurasien wurde während des Letzteiszeitlichen Maximums vor etwa 21.000 Jahren von Afrika aus besiedelt.A. Schnitzler, L. Hermann: Chronological distribution of the tiger Panthera tigris and the Asiatic lion Panthera leo persica in their common range in Asia. In: Mammal Review, Volume 49, Nr. 4, S. 340–353, Oktober 2019, doi:10.1111/mam.12166 Nordafrika war zu dieser Zeit etwas kühler als heute und extrem trocken; Südeuropa war großenteils von halbwüstenartiger Steppe bedeckt, in feuchteren Regionen gab es eingestreute Baumgruppen.N. Ray, J. M. Adams: A GIS-based Vegetation Map of the World at the Last Glacial Maximum (25,000-15,000 BP). internet archaeology. The digital journal for archaeology. ().

Ob von der Iberischen Halbinsel bis Italien Löwen lebten, ist unklar. Fossilfunde aus dem frühen Holozän im Norden Spaniens lassen sich nicht eindeutig dem Löwen zuordnen, es könnte sich auch um Überreste des Höhlenlöwen gehandelt haben. Ein eisenzeitlicher Löwenfund aus dem Süden Spaniens könnte auf Tiere zurückzuführen sein, die von Römern für Zirkusspiele eingeführt wurden. Umstritten ist auch, ob in Italien gefundene, etwa 7000 bis 9000 Jahre alte Zähne vom Löwen oder vom Höhlenlöwen stammen.

mini|Ruheplätze in Bäumen bieten Löwen Schutz vor möglichen Angreifern, ein kühleres Mikroklima und Aussichtspunkte. Junge Löwen im Queen Elizabeth National Park, Uganda