Bülach [] (im einheimischen zürichdeutschen Dialekt Büüli []Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität von Neuchâtel unter der Leitung von Andres Kristol. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 200.) ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Schweizer Kanton Zürich.
Geographie mini|Nussbaumen Bülach liegt auf am westlichen Fuss des Dättenberges. Zu Bülach gehören neben der eigentlichen Stadtsiedlung mit mittelalterlichem Kern die Ortschaften Eschenmosen, Nussbaumen und Heimgarten. Der heutige Stadtteil Niderflachs war ursprünglich ebenfalls eine eigene Siedlung. Die Luftdistanz nach Zürich beträgt 16 km. Die Gemeindefläche (1609 Hektaren) besteht zu 39,0 % aus Wald, 29,8 % werden landwirtschaftlich genutzt, und 30,8 % dienen der Siedlung und dem Verkehr. 0,3 % sind Gewässer- und unproduktive Fläche (Stand 2018).Gemeindeporträts. Bülach. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.
Geschichte mini|Altstadt, Marktgasse
Frühgeschichte und Mittelalter Die Gegend um Bülach war bereits in prähistorischer Zeit eine Siedlungszone. 1980 wurden Brandgruben aus der Spätbronzezeit in der Schwerzgrueb entdeckt. Der «Keltenwall» auf dem Rhinsberg als Befestigung einer kleineren keltischen Siedlung (Oppidillum, kleines Oppidum) wurde 1998/99 durch die Universität Zürich und die Kantonsarchäologie untersucht und mittels C-14-Untersuchungen in das 10./9. Jahrhundert vor Christus (Ha-B3-Periode) datiert. Der Wall bestand aus Steinen, einem Kastenbau mit Füllmaterial, einer hölzernen Wallfront aus Eichenbalken und einem vorgelegten Graben. Grabhügel der späten Hallstattzeit mit Waffen-, Schmuck- und Gerätebeigaben wurden im Höragen- und Hardwald gefunden. Zur Zeit des Römischen Reiches befand sich auf dem heutigen Stadtgebiet ein römischer Gutshof.
Die ältesten Spuren der alemannischen Dorfbildung stammen aus dem 6. und frühen 7. Jahrhundert. In der Nähe des Stadtkerns wurden 1919–1928 Im Füchsli alemannische Gräber mit archäologisch bedeutenden Funden ausgegraben. Gefunden wurden hierbei zwei Fibeln, die eine ist das sog. Fischfibelpaar, die andere die Bülacher Fibel, der bis heute (Stand 2013) einzige Fund mit Runeninschrift in der Schweiz. Die im Jahr 1968 gemachten archäologischen Ausgrabungen in der reformierten Ortskirche brachten das Grab einer adeligen Frau aus dem 7. Jahrhundert zutage, getrennt von allen anderen unter dem Kirchenschiff gefundenen Gräbern, direkt unter dem damaligen Standort des Taufsteins der Kirche. Die Tracht der Frau war die einer Alamannin, mit nebst reichem Schmuck einem Baumwollkleid, mit Seide bestickten Schuhen und einem leinenen Mantel. Besonders zu erwähnen ist, dass kleine kupferne Plättchen mit dem christlichen Kreuz an ihrem Halsband eingearbeitet waren, was darauf hindeutet, dass die Frau christlichen Glaubens war. In der gleichen Ausgrabung im Jahre 1968 wurden mehrere Pestgräber gefunden. Die Verstorbenen waren in Kalk eingegossen, was zur damaligen Zeit üblich war bei Opfern der Pest.. Website der Jubiläumsausstellung, 2011.
Erstmals erwähnt wird Bülach 811 in einer Urkunde der Abtei St. Gallen als Pulacha. Der Name geht auf eine nicht belegte Form (prædium) *Pulliācum «Landgut des Pullius» zurück, eine mit dem keltischen Suffix -akos gebildete Ableitung zum lateinischen Personennamen Pullius.
Die sich im Hochmittelalter zu einer geschlossenen Siedlung entwickelnde Ortschaft war bereits im 13. Jahrhundert mit Mauern befestigt. Bülach unterstand bis 1376 (spätestens seit dem 13. Jahrhundert) den Freiherren von Tengen.RIplus | Baden 1,2 – Markgrafen von Hachberg (1218-1418). In: Regesta Imperii. Im Jahr 1384 bekam Bülach anlässlich der Übernahme der Vogtei durch Herzog Leopold III. von Österreich das Stadtrecht mit eigener Gerichtsbarkeit verliehen. Diese Bevorzugung hatte Bülach vor allem der sehr günstigen Verkehrslage zu verdanken. 1386 brannte Bülach während des Sempacher Krieges nieder.
1409 wurde Bülach zunächst an Zürich verpfändet und fiel schliesslich 1419 endgültig an die Stadt; seit 1412 bildete es zusammen mit Bachenbülach, Niederflachs und Nussbaumen eine zürcherische Obervogtei. Bülach hatte bis zur Helvetischen Revolution eine beschränkte politische Autonomie (Schultheissenamt und Bürgerversammlung). Während des Alten Zürichkriegs wurde Bülach am 7. August 1444 ein zweites Mal niedergebrannt; am 21. Juni 1506 zerstörte ein weiteres Feuer einen grossen Teil der Landstadt. Das Rathaus wurde 1672/73 neu errichtet.
Das heutige Kirchengebäude stammt aus den Jahren 1508–1514. Das Schiff und der Turm wurden im 17. und 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut. 1523 hielt die Reformation in Bülach Einzug. Richtig Fuss fassen konnte sie aber erst ab 1528 durch die Berufung Johannes Hallers als Stadtpfarrer. Haller war ein bedeutender Helfer und Mitstreiter Ulrich Zwinglis am Grossmünster in Zürich gewesen. In dieser Zeit wurden die Region und Bülach zu einem wichtigen Stützpunkt des Täufertums, das von der reformierten Zürcher Obrigkeit gewaltsam unterdrückt wurde.
Im Norden Bülachs liegt auf einem Hügelsporn die Burgstelle Mangoldsburg.
18. und 19. Jahrhundert mini|Altstadt, Ecke Markt-/Rathausgasse, links das Rathaus 1802, zur Zeit der Helvetischen Republik, verlor Bülach das Stadtrecht vorübergehend. Im Jahr 1831 wurde infolge der neuen Kantonsverfassung das bis dahin bestehende Oberamt Embrach in den heutigen Bezirk mit Namen und Hauptort Bülach umgewandelt.
Das Zürcher Unterland war traditionelles Ackerbaugebiet. Aufgrund des Stadtrechts war Bülach der Marktort für die Agrarprodukte des näheren Umlandes. Ausgedehnte Gemeindewälder sowie zahlreiche Gewerbe- und Handwerksbetriebe trugen zum Wohlstand bei. Die Kleiderfabrikation war besonders verbreitet (Schuhmacher, Schneider, Hutmacher). Verglichen mit dem übrigen Unterland setzte die Industrialisierung in Bülach früh ein. Die erste mechanische Spinnerei mit 25 Beschäftigten entstand bereits 1819. Die Alte Spinnerei Jakobstal bestand von 1863 bis 1982. 1850 zählte man ca. 150 Handwerker und 20 Händler. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden regelmässig Viehmärkte statt. Bachenbülach wurde 1849 selbständige Gemeinde.
Die Bahnlinie Bülach–Oerlikon (der Bülach-Regensberg-Bahn) wurde von der Nordostbahn erstellt und 1865 in Betrieb genommen. Die Strecke Bülach–Schaffhausen wurde 1893 eröffnet. 1892 oder 1893 wurde die Obstbaugenossenschaft Heimgarten gegründet. Sie war Vorbild für die Eden Gemeinnützige Obstbau-Siedlung in Oranienburg bei Berlin.
20. und 21. Jahrhundert mini|Bülach, historisches Luftbild von 23. Mai 1933, aufgenommen von Walter Mittelholzer Die katholische Kirche (Dreifaltigkeitskirche) wurde 1902 geweiht, und 1943 wurde die Kirchgemeinde gegründet.
1890/91 wurde das Glaswerk gebaut. Die Glasfabrik Vetropack AG war bis 2001 zusammen mit den Glaswerken Saint-Prex und Wauwil das grösste Glasverpackungsunternehmen der Schweiz. Im Jahr 1917 nahm die Giesserei Sulzer AG ihren Betrieb auf. Weitere mittelgrosse Industriebetriebe sind im Motoren-, Stahl- und Maschinenbau sowie in der Computerbranche tätig. 1990 waren gut 1 % der Erwerbstätigen im 1. Sektor, 34 % im 2. Sektor und 65 % im 3. Sektor beschäftigt.
Die erste Wasserversorgung von Privathäusern wurde 1884 in Betrieb genommen. Die erste Kanalisationsverordnung trat 1910 in Kraft, wobei ab 1934 eine Anschlusspflicht bestand. Die Kläranlage ist seit 1957 in Betrieb. Die 1967 gebaute Kehrichtverbrennungsanlage (KEZU) wurde aus umweltpolitischen Gründen 1975 wieder geschlossen. Das Kreisspital Bülach besteht seit 1937.
Der Bau einer Mittelschule wurde erstmals 1956 im Kantonsparlament diskutiert; der Schulbetrieb der Kantonsschule Zürcher Unterland (KZU) konnte schliesslich 1972 aufgenommen werden. Die Berufsschule ging 1860 aus der Sonntags- oder Gewerbeschule hervor und bezog 1982 ein eigenes Schulhaus.
1919 kam Eschenmosen, vorher zur Gemeinde Winkel gehörig, zu Bülach.
Seit 1974 hat die Gemeinde neben dem siebenköpfigen Stadtrat, der als Exekutive fungiert, als legislative Behörde ein Parlament mit 28 Sitzen, den Grossen Gemeinderat.
In den frühen 2000er-Jahren stellen die Giesserei und die Glashütte Bülach ihren Betrieb ein. Die Areale wurden umgenutzt und es entstand ein neuer Stadtteil. 2023 ist das neue Glasi-Quartier fertiggestellt.
Der 1911 für die Artillerie eingerichtete Waffenplatz Kloten-Bülach dient seit 1950 zur Ausbildung von Übermittlungstruppen. In der Kaserne Bülach ist seit 2009 der Sitz des Kommandos der Führungsunterstützungsbrigade 41.
Wappen mini|Bülacher Wappen (rechts unten) in der Zürcher Chronik (1485–86) von Gerold Edlibach mini|100px|links|Wappen von EschenmosenAuch für die Ortschaft Eschenmosen existiert ein Wappen Blasonierung: In Rot der silberne Laurentiusrost
Der Laurentiusrost im Wappen bezieht sich auf den heiligen Laurentius, der auf dem Grillrost den Märtyrertod fand. Der heilige Laurentius war der Schutzpatron der in der ersten Erwähnung aus dem Jahr 811 genannten Laurentiuskirche, eines Vorgängerbaus der heutigen Reformierten Kirche Bülach. Der Legende nach starb er, nachdem er all seine Habe an die Armen verteilt hatte. Der Rost erscheint seit 1385 im Stadtsiegel und als Wappen erstmals in Edlibachs Chronik (um 1490). Nach der Reformation verschwand das Wappen zugunsten eines schräg rot und weiss zweigeteilten Schildes. Die Wiedereinführung des alten Wappens war in den 1920er Jahren umstritten, wurde aber schliesslich an der Gemeindeversammlung vom 3. Juli 1931 beschlossen.Peter Ziegler (Hrsg.): Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Wappenzeichnungen von Walter Käch und Fritz Brunner, Zürich 1977, S. 39.
Bevölkerung In Bülach wohnen 24'389 Personen (Stand Ende September 2023).Bülach in Zahlen. Website der Stadt Bülach.
+ Einwohnerschaft nach Nationalität Nationalität Sept. 2023 71,03 % 5,36 % 4,81 % 2,72 % 1,55 % 1,38 % 1,26 % 1,22 % übrige 11,17 %
+ Bevölkerungsentwicklung der Stadt BülachQuellen: 1836: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen (XLS; 927 kB), danach: Gemeindeporträts. Bülach. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr 1836 1850 1900 1950 1963 2000 2005 2010 2015 2020 20222024 Einwohner 1'278 1'545 2'175 4'634 10'028 13'923 14'815 17'478 19'342 21'973 23'59324'435
Wirtschaft Die Kleinstadt musste nach der Jahrtausendwende massive Arbeitsplatzverluste hinnehmen. So schloss die Vetropack ihre Glasherstellung mit 180 Arbeitsplätzen per Februar 2002Vetropack schliesst die Glashütte Bülach, NZZ, 23. März 2001 und die Eisengiesserei von Sulzer schloss ihre Tore, nachdem sie in den 1970er-Jahren noch 700 Personen beschäftigt hatte; 2002 fielen die verbliebenen 142 Stellen weg.Neuer Schlag für Bülach, NZZ, 1. März 2002 Die Niederlassung des Medizinaltechnikkonzerns Schneider konnte durch einen Übergang zu Biotronik den Betrieb fortsetzen und wurde dabei redimensioniert.. In: Bilanz. 28. Mai 2004.
Bülach hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer dynamisch wachsenden Stadt entwickelt und verbindet ländliche Wohnqualität mit der Nähe zu Zürich und zum Flughafen. Die Bevölkerung ist seit 2004 von rund 14’200 auf etwa 25’000 Personen gestiegen, womit Bülach heute zu den zehn grössten Städten des Kantons Zürich gehört. Auch die Zahl der Beschäftigten ist gestiegen, wenn auch weniger stark als die Zahl der Einwohner.