mini|Schloss Nymphenburg von der Stadtseite mini|Schloss Nymphenburg von der Parkseite mini|Luftbild der Gesamtanlage mini|Lageplan von Schloss Nymphenburg auf dem Urkataster von Bayern

Schloss Nymphenburg ist ein Baudenkmal im Bezirk Neuhausen-Nymphenburg der bayerischen Landeshauptstadt München. Es war von 1715 bis 1918 Sommersitz der Kurfürsten und Könige von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. In zwei Jahrhunderten wurde es von den Architekten Enrico Zuccalli und Joseph Effner in den Stilen Barock und Rokoko vom kleinen Landhaus zur monumentalen Dreiflügelanlage ausgebaut. Das Schloss bildet zusammen mit dem ostseitigen Rondell, dem westseitigen Park, vier Burgen und zahlreichen Kanälen ein einzigartiges Bauensemble. Nymphenburg gehört zu den größten Schlössern Deutschlands und zu den bedeutendsten Europas.Quellen: Amtlicher Führer, S. 13 ff. und Dehio München, S. 121 ff.

Wegen umstrittener Pläne, den Schlosstrakt an der Maria-Ward-Straße 1a für das Museum Biotopia abzureißen, wurde Schloss Nymphenburg Anfang 2021 auf die Rote Liste des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker gesetzt. Als Reaktion darauf gründeten Bürger, Experten und Vereine im April 2021 den „Aktionskreis für Schloss Nymphenburg“. Außerdem starteten sie eine Online-Petition für die Verlegung von Biotopia und für die Erhaltung des Schlosstraktes.https://www.br.de/nachrichten/bayern/streit-um-museums-neubau-am-schloss-nymphenburg,SWSdDfO

Geschichte mini|hochkant|Henriette Adelheid von Savoyen, Paul Mignard, nach 1650. mini|Die Churfürstl. Schwaig und Lusthauß Nymphenburg, Michael Wening, 1701. mini|hochkant|Max Emanuel von Bayern, Joseph Vivien, 1706. mini|hochkant|Schloss Nymphenburg, Franz Joachim Beich, 1718.

Gründung als Landhaus Im Jahr 1663 schenkte der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria (reg. 1651–1679) anlässlich der Geburt seines lange ersehnten Thronerben, Kurprinz Max Emanuel, seiner Gemahlin Henriette Adelheid von Savoyen die Hofmark Menzing. Dort lag bereits Schloss Blutenburg. Im selben Jahr kaufte der Kurfürst für 10.000 fl. die östlich davon und näher an München gelegene Schwaige Kemnat. 1664 gab er den Bau eines Landschlosses in Auftrag, als weiteres Geschenk für seine Frau. Sie gab dem Schloss, zu dem sich in der Folge die Aktivitäten des Hofes verlagerten, den Namen „Nymphenburg“. Die italienisierende Bezeichnung „Borgo delle Ninfe“ ist, entgegen einem weit verbreiteten Irrtum, erst eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts. Zunächst als Lustschloss nach Art italienischer Landvillen konzipiert, wurde die Anlage eine Generation später unter Max Emanuel zur barocken Schlossanlage ausgebaut, die als Sommerpalast und Alternative zur Münchner Residenz dienen konnte. Dennoch verlagerten sich damals die Lustbarkeiten des Hofes zeitweise nach Schloss Schleißheim, in dessen Park mittlerweile auch Schloss Lustheim erbaut worden war.

Ausbau zum Sommerschloss Erst 1701 wurde auf Wunsch Max II. Emanuels (reg. 1679–1726) der Grundstein der Erweiterung gelegt und schon 1704 blieb das Vorhaben im Rohbau liegen, nachdem der Spanische Erbfolgekrieg bis 1714 zum Exil des Kurfürsten und zur Besetzung Bayerns durch die Österreicher geführt hatte. Nach der Rückkehr des Kurfürsten wurden die Arbeiten in größerem Umfang ab 1716 wiederaufgenommen, nun entstanden auch die ersten Parkburgen.

Der der Heiligen Dreifaltigkeit und St. Klemens geweihte Konvent im Nordtrakt wurde 1730 gegründet. Das Kloster diente als Augustinerchorfrauenstift.

Im Nymphenburger Vertrag von 1741 verbündeten sich Frankreich, Spanien, Bayern und Sachsen mit Preußen gegen Österreich. Kurfürst Karl Albrecht (reg. 1726–1745) bevorzugte gegenüber den anderen Lustschlössern Nymphenburg und lebte auch nach seiner Rückkehr nach München in seiner Zeit als Kaiser ab Oktober 1744 meist in Nymphenburg. Bis 1745 schloss sich an das Schloss der Hirschjagdpark an.

Im Jahre 1747 gründete Karl Albrechts Sohn Kurfürst Max III. Joseph (reg. 1745–1777) die Nymphenburger Porzellanmanufaktur. Als wichtigste Sommerresidenz war Nymphenburg Schauplatz zahlreicher Festlichkeiten des Hofes, 1763 nahmen die Mozarts an einer großen Gala auf Schloss Nymphenburg teil und Wolfgang Amadeus Mozart spielte vor dem Kurfürsten. 1792 ließ Kurfürst Karl Theodor (reg. 1777–1799) den Nymphenburger Park auch für das Volk öffnen.

1805 fiel der österreichische Feldmarschallleutnant Karl Philipp zu Schwarzenberg mit 200 Husaren in Schloss Nymphenburg ein und forderte mit ultimativen Drohungen den Anschluss der bayerischen an die österreichischen Truppen, bewirkte aber dadurch eine bayerische Allianz mit Frankreich, in der Folge wurde Bayern zum Königreich.

Im Zuge der Säkularisation in Bayern wurden Anfang 1817 die letzten Augustiner-Chorfrauen zu den Servitinnen versetzt. 1835 erhielten dann jedoch die Englischen Fräulein die Gebäude durch König Ludwig I. mit dem Auftrag der Mädchenerziehung übergeben.

König Maximilian I. (reg. 1799–1825) starb 1825 im Schloss, sein Urenkel König Ludwig II. (reg. 1864–1886) wurde 1845 hier geboren. 1863 fand in Nymphenburg das einzige Treffen zwischen Ludwig und Otto von Bismarck statt, der ihm in lebenslanger Brieffreundschaft verbunden blieb. 1866 war das Schloss kurze Zeit Aufenthaltsort des hessischen Großherzogs, der mit Bayern im Deutschen Krieg gegen Preußen kämpfte und vor den Preußen nach München geflohen war. 1873–1875 wurde König Ludwigs Bruder Prinz Otto im südlichen Pavillon unter Isolation gehalten.

Von 1890 bis 1916 befand sich 200 Meter östlich des Schlosses am Romanplatz der Volksgarten Nymphenburg, der zur damaligen Zeit größte Freizeitpark Deutschlands.

Durch die Revolution 1918 kam Nymphenburg unter Krongutverwaltung, dann in Staatseigentum (Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen). Die Wittelsbacher behielten in einem kleinen Teil des Schlosses Wohnrecht, das vom jeweiligen Oberhaupt des Hauses Wittelsbach genutzt wird (derzeit Herzog Franz von Bayern). Prinz Ludwig Ferdinand wohnte mit seiner Familie bis zu seinem Tod im Jahr 1949 kontinuierlich im Schloss.

NS-Zeit und Jagdmuseum mini|Klosterkirche Schloss Nymphenburg, 1910 Mit dem Ende der Weimarer Republik bemächtigten sich die Nationalsozialisten der Schlossanlage. Die Ortsgruppenleitung der NSDAP erhielt 1933 den ehemaligen „Küchenbau“ des dritten südlichen Pavillons mit 550 m² Grundfläche als Niederlassung. Direkt darüber wohnte unerkannt im ersten Stock der Widerstandskämpfer Heinrich Weiß. Der ehemalige Marstall wurde als Exerzierhalle für SA, Jungvolk und Hitlerjugend benutzt. Schloss und Park dienten als Kulisse für Feste nationalsozialistischer Machthaber, wie z. B. für Presseempfänge und Sommerfeste, die Rudolf Heß seinen 800 Mitarbeitern gab. Von 1936 bis 1939 wurde im Park die Nacht der Amazonen als abendlicher Höhepunkt der Internationalen Rennwoche Riem um das Braune Band von Deutschland vor bis zu 20 000 Zuschauern inszeniert. Die bizarre Freiluftrevue mit ihren barbusigen Darstellerinnen nimmt unter den Großveranstaltungen des „Dritten Reichs“ eine Sonderstellung ein.

Am 22. Oktober 1934 gründete Christian Weber den Verein „Deutsches Jagdmuseum e. V. – Forschungs- und Lehrstätte für Jagdkunde“, um sein Vorhaben zur Gründung eines Deutschen Jagdmuseums zu realisieren. Mit Hitlers Rückendeckung fiel 1935 die Wahl des Standorts schließlich auf weite Teile des Nymphenburger Nordflügels. Zur Umsetzung wurden die Englischen Fräulein ihrer Schul- und Internatsräume beraubt. Ein Kleinod barocker Ausstattungskunst, die zwischen 1734 und 1739 erbaute zweigeschössige Klosterkirche mit Stuckaturen von Johann Baptist Zimmermann, Fresken von Joseph Adam Mölck, Skulpturen von Johann Baptist Straub und einem Altarbild von Giovanni Battista Tiepolo wurde Ende 1937 profaniert, um einem Lesesaal zu weichen. Die darunterliegenden Grüfte wurden zum Bierkeller umfunktioniert. Neben umfangreichen Umbauten im Inneren der historischen Gebäude entstanden unter der Leitung des Architekten Oswald Bieber auch Neubauten für das Deutsche Jagdmuseum. Sie lehnten sich in Übereinstimmung mit der Bayerischen Schlösserverwaltung jedoch an die Dach- und Fensterformen, Achsen- und Geschossgliederungen des historischen Vorbilds an. Am 16. Oktober 1938 fand die Eröffnung des Deutschen Jagdmuseums mit einem von dort ausgehenden Festzug unter dem Motto „1000 Jahre Jagd und 1000 Jahre Tracht“ statt. Für einen zweiten Bauabschnitt des Deutschen Jagdmuseums begann ein weiterer brutaler Eingriff in das Schlossensemble. Im Sommer 1939 wurde der 1718 errichtete Kapuzinerbau im äußersten Nordflügel ohne formelle Genehmigung abgerissen.

Kriegsschäden und Wiederaufbau Während des Zweiten Weltkriegs wurden das Hauptschloss und die Amalienburg zum Schutz vor Luftangriffen mit einem Tarnanstrich versehen, die großen Wegeflächen dunkel belegt und Teile des Mittelkanals abgedeckt. Später wurden auch die Wasserbassins auf der Stadtseite des Schlosses aufgefüllt. In den Rasenflächen des Inneren Parterres entstanden zwei unterirdische Bunker, ein weiterer wurde östlich des Eisernen Hauses erstellt und hat sich bis heute erhalten.

Der Schlosskomplex blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Durch Bombentreffer wurde 1944 die 1937 profanierte und zum Lesesaal des Deutschen Jagdmuseums umfunktionierte Klosterkirche zerstört. Weitere Schäden entstanden am Vorplatz des Schlosses. Im Park wurden die Badenburg und die Große Kaskade zerstört bzw. schwer beschädigt, Schäden entstanden auch an der Figurengruppe des Pan und am Baumbestand des Parks. Mitglieder der US-Armee sprengten ein altes Gebäude, das sogenannte Zuchthaus südlich der Großen Kaskade, das als Waffenlager zweckentfremdet worden war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schäden sukzessive beseitigt. Nach Kriegsende befand sich zwischen im Mai und Juli 1945 in den Grünanlagen vor der Stadtseite des Schlosses ein großes Zeltlazarett. 1952 erfolgte die Eröffnung des heutigen Marstallmuseums. Häufig diente das Schloss als Filmkulisse, darunter für die internationalen Produktionen Letztes Jahr in Marienbad (1961) und Ludwig II. (1973). 1972 wurden vor der Kulisse des Nymphenburger Schlosses die olympischen Wettbewerbe im Dressurreiten abgehalten. Das Museum Mensch und Natur im Nordflügel wurde 1990 eingeweiht, für das der Freistaat Bayern 2014 eine Erweiterung durch einen umstrittenen Neubau beschloss. 200 Millionen Euro sind für den Bau des „Biotopia“-Museums kalkuliert.

Äußeres Mittelpavillon mini|Schloss Nymphenburg von der Parkseite, Canaletto, 1761. Ursprünglich wurde der Mitteltrakt im Stil eines italienischen Landhauses als fünfgeschossiger kubischer Block mit später doppelläufigen Freitreppen zu beiden Seiten ab 1664 erbaut und war 1675 im Wesentlichen fertiggestellt. Als Baumaterial diente Kelheimer Kalkstein. Vorbild war das piemontesische Jagdschloss Venaria Reale, dessen Architekt Amedeo Castellamonte (1613–1683) auch die ersten Entwürfe für Nymphenburg lieferte.

Als erster Architekt von Nymphenburg wurde dann aber Agostino Barelli, der Architekt der Münchner Theatinerkirche, und als Bauleiter der Hofbaumeister Marx (Markus) Schinnagl beschäftigt. Schinnagl, als der amtierende Hofbaumeister, wird ansonsten für die Neubauten der Kurfürstin völlig ausgeschaltet, sie findet einheimische Fachkräfte für ihre Bauvorhaben ungenügend ausgebildet. Am bayerischen Hof hatte sich bereits der italienische Barock durchgesetzt.