mini|Schloss Prantshausen und Sebastianikirche mini|Das Rathaus in Bad Aibling (eröffnet 2012) mini|hochkant|Die Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt auf dem Hofberg

Bad Aibling (bairisch Oabling) ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Rosenheim mit Moorheilbädern.

Die im Mangfalltal liegende Stadt ist Bayerns ältestes Moorheilbad und seit der Eröffnung der Therme Bad Aibling am 17. September 2007 auch Bayerns jüngstes Thermalbad. Für ihr Wasser aus einer Tiefe von nahezu 2300 Metern erhielt die Stadt die staatliche Anerkennung als Heilquelle durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Geografie Räumliche Lage Die Stadt liegt im oberbayerischen Alpenvorland, im Kessel des ehemaligen Rosenheimer Sees. Im Stadtgebiet fließt die Glonn in die Mangfall. Die dicht bebaute Innenstadt liegt am Fuß eines Moränenhügels, des Klafferers, der am nordwestlichen Ende mit dem Hofberg abschließt. Am südlichen Rand der Stadtmitte liegt der Kurpark mit dem Irlachweiher.

Die Stadt befindet sich rund 50 km südöstlich der Landeshauptstadt München, 23 km südlich von Grafing bei München, 33 km südwestlich von Wasserburg am Inn, 10 km westlich von Rosenheim, 40 km nördlich von Kufstein und 22 km nordöstlich von Miesbach. Verkehrstechnisch ist die Stadt mit einer Anschlussstelle an die Bundesautobahn 8 und mit zwei Bahnhöfen an der Mangfalltalbahn Holzkirchen–Rosenheim erschlossen.

Gemeindegliederung mini|Bad Aibling von Norden mini|Über den Dächern von Bad Aibling

Die Stadtgemeinde Bad Abling hat 29 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Bad Aibling, Dettendorf (nur Gemarkungsteil 0), Ellmosen, Harthausen (nur Gemarkungsteil 0), Mietraching und Willing.

Nachbargemeinden

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Stadtgebiet: Landschaftsschutzgebiet Rote Filze nördlich Bad Aibling (LSG-00418.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Moore nördlich Bad Aibling (8038-372) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Leitzachtal (8237-371)

Geschichte

mini|Hofberg (Stich von Matthäus Merian 1644) mini|Markt Aibling nach einem Stich von Michael Wening (1726) mini|links|hochkant|Stadtpfarrkirche am Hofberg mini|Irlachweiher, Entstehung und Geschichte des Weihers

Bis zum 19. Jahrhundert Seit etwa 500 vor Christus wurde der Ort durch die Kelten besiedelt. Im Jahr 15 v. Chr. wurde die Siedlung durch die Römer besetzt.

Um das Jahr 470 nach Christus folgte die Besetzung durch die Bajuwaren. Es entstand ein Hof auf dem Hofberg (Agilolfinger). 788 war Bad Aibling der Königshof (Pfalz) der Karolinger. 804 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als Epininga. Die Hofkapelle als Eigenkirche der Salzburger Erzbischöfe wurde im Jahr 927 bezeugt.

Zwischen 1000 und 1200 nach Christus war der Ort Verwaltungssitz für die oberbayerischen Ländereien des Bistums Bamberg (Vogtei Aibling). 1180 erwarben die Gaugrafen von Falkenstein-Neuburg die Aiblinger Vogteirechte. Die Beurkundung als Markt wurde 1244 verliehen. Etwa sechs Jahre später, 1250, fiel Aibling von den Falkensteinern an die Wittelsbacher. Fünfzig Jahre später wurde das Pflegamt Aibling eingerichtet. Seit dem 14. Jahrhundert wird Aibling als Stadt bezeichnet.

Anno 1321 erhielten die Bürger das Münchener Stadtrecht, d. h., dass sich Aibling „aufgrund eines herzoglichen Privilegs“ sein Recht bei der Residenzstadt München „holen“, also von diesem ableiten durfte.Historisches Lexikon Bayerns, Städte und Märkte in Altbayern, Abschnitt „Autonomie und Rechtsausstattung“. Abgerufen am 6. Januar 2016. 1481 folgte die Erteilung der Marktfreiheit. Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, am 13. Juni 1648, besetzten schwedische Truppen Aibling, nachdem bei erbitterten Kämpfen fast alle Verteidiger gefallen waren.

Aibling wurde im Rahmen des Spanischen bzw. des Österreichischen Erbfolgekriegs 1704, 1705 und 1741–1745 von österreichischen Truppen besetzt. Während des Zweiten Koalitionskriegs im Jahr 1800 rückten drei französische Divisionen unter Jean-Victor Moreau in Aibling ein. 1845 wurde eine Soolen- und Moorschlamm-Badeanstalt durch Desiderius Beck eröffnet. Die Desiderius-Quelle, benannt nach dem Begründer des Moorheilbades, Desiderius Beck, der 1845 als königlich bayerischer Gerichtsarzt die erste bayerische Sole- und Moorschlamm-Badeanstalt in Bad Aibling eröffnete, soll das Heilwasser in der Rheumatologie, Orthopädie und Neurologie einsetzen. Am 31. Oktober 1857 folgte die Eröffnung der Mangfalltalbahn. Im Jahre 1894 wurde das Elektrizitätswerk Bad Aibling gegründet, 1898 wurde die Wasserversorgung ausgebaut. Bereits einige Jahre später gingen die Stadtwerke Bad Aibling hervor. Der Ort wurde am 17. Mai 1895 durch Prinz Luitpold als Heilbad anerkannt. Am 27. Mai 1897 wurde mit der Lokalbahn Bad Aibling–Feilnbach die zweite elektrisch betriebene Bahnstrecke Bayerns eröffnet.

20. Jahrhundert Am 4. Dezember 1918 konnte der damalige bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner bei einer Rede im Kurhaus vor einer geplanten Entführung des Kampfbundes Thule entkommen.

Am 23. Februar 1919 wurde ein revolutionärer Arbeiterrat zusammengesetzt. Am 7. April wurde die Räterepublik ausgerufen, acht Tage darauf folgte der Einmarsch der Münchener Rotgardisten. Am 4. Mai marschierte die weiße Garde des Freikorps Chiemgau nach dem Sturz der Räteregierung ein.

Die Erhebung zur Stadt erfolgte am 1. April 1933. In den Jahren 1936 und 1937 wurde der Sportflugplatz zum Fliegerhorst der Luftwaffe ausgebaut. Das historische Rathaus der Stadt wurde 1940 durch einen Brand zerstört. 1941 wurde auf dem Fliegerhorst die Stuka-Vorschule 1 eingerichtet.

Am 20. Oktober 1944 wurde Bad Aibling zum Ziel eines Luftangriffs der 15. US-Luftflotte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte Bad Aibling zur Amerikanischen Besatzungszone. Auf dem Gelände des Fliegerhorsts wurde direkt nach der Ankunft der amerikanischen Truppen das größte Kriegsgefangenenlager Süddeutschlands errichtet, teilweise waren hier bis zu 100.000 Personen gleichzeitig interniert. Bis zur Auflösung des Lagers wird die Gesamtzahl der Kriegsgefangenen mit etwa 750.000 angegeben.

Die amerikanische Militärverwaltung richtete Ende 1946 auf dem Gelände ein DP-Lager zur Unterbringung von Displaced Persons ein. Das Lager wurde zunächst von der UNRRA und ab Mitte 1947 von der IRO betreut und beherbergte ehemalige jugoslawische Kriegsgefangene, die infolge des Balkanfeldzugs DP-Status hatten. Zwischen 1948 und 1951 existierte in den ehemaligen Kasernengebäuden – ebenfalls unter Trägerschaft der IRO – das IRO Children’s Village Bad Aibling, wo insgesamt über 2.300 jüdische Kinder und Jugendliche mit DP-Status versorgt und betreut wurden.

In Bad Aibling gab es auch eine von der World ORT betriebene Ausbildungsstätte für jüdische Kinder- und Jugendliche. Sie wurde von 100 Schülern besucht, die meisten im Alter von 14 bis 18 Jahren. ORT-Tutoren boten Sprachunterricht und Orientierungskurse für Auswanderungswillige an, und es gab ein breites Angebot an Berufslehrgängen. Die Einrichtung wurde nach der Verabschiedung des Gesetzes über die Rechtsstellung heimatloser Ausländer im Bundesgebiet zusammen mit dem DP-Lager 1951 geschlossen.ORT and the Displaced Person Camps: Bad Aibling

1952 wurde das Gelände des Fliegerhorsts von der US Army übernommen und zur geheimdienstlich genutzten Bad Aibling Station ausgebaut.

1971 wurde die Mangfalltalbahn elektrifiziert. Ein Jahr darauf folgte mit der Landkreisgebietsreform die Auflösung des Landkreises Bad Aibling; Bad Aibling und der größte Teil des Mangfalltales wurden Teil des Landkreises Rosenheim. 1973 wurde die Lokalbahn Bad Aibling–Feilnbach stillgelegt.

Im Jahr 2000 wurde eine Umgehungsstraße eröffnet.

21. Jahrhundert Im Jahr 2002 unternahm man eine Bohrung nach Thermalwasser (Tiefbohrung Bad Aibling Thermal 1) mit Niederbringung auf eine Endteufe von 2.299,7 m. Bad Aibling feierte 2004 sein 1200-jähriges Bestehen. Im gleichen Jahre wurde das Stadtspiel 1648 uraufgeführt und die Bad Aibling Station des Echelon-Systems aufgelassen. Ein Jahr darauf war der Beginn der Baumaßnahmen für die Therme Bad Aibling. Im Jahr 2006 begründete Bad Aibling eine Städtepartnerschaft mit Cavaion Veronese in Norditalien. 2007 brannte das historische Kurhotel Ludwigsbad nach Brandstiftung aus; die Therme wurde eröffnet.

Seit 2005 entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Bad Aibling Station die Nullenergiestadt Mietraching.

Das Hallenbad Prantseck bestand 35 Jahre; im Herbst 2013 wurde es auf Grund schlechter Bausubstanz geschlossen.

Der schwere Eisenbahnunfall von Bad Aibling ereignete sich am 9. Februar 2016 gegen 7 Uhr auf Höhe des städtischen Klärwerks auf der Bahnstrecke Holzkirchen-Rosenheim. Es kollidierten frontal zwei Züge auf einer eingleisigen Strecke mit 12 Toten und über 17 Schwer- sowie 63 Leichtverletzten.Focus: Liveticker zum Unglück

Eingemeindungen Im Jahre 1936 wurde auf Befehl der NS-Regierung ein größeres Gebiet von Mietraching nach Bad Aibling umgegliedert, um dort den Fliegerhorst, eine militärische Schulflugbasis, zu gründen. Am 1. Januar 1973 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ellmosen eingegliedert. Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Mietraching und Willing kamen am 1. Mai 1978 hinzu.

Bevölkerungsentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 13.155 auf 19.100 um 5.945 Einwohner bzw. um 45,2 %.

Die Einwohnerzahlen gelten für die Gemeinde in den heutigen Grenzen.

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Bad Aibling von 1840 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner 1840 2.597 1871 3.479 1900 5.181 1925 6.218 1939 7.764 1950 10.908 1961 9.991 1970 10.860 1980 11.821 Jahr Einwohner 1987 12.583 1990 14.163 1995 15.966 2000 16.437 2005 17.834 2006 17.795 2007 18.007 2008 18.052 2009 18.125 Jahr Einwohner 2010 18.272 2011 17.099 2012 17.316 2013 17.633 2014 17.983 2015 18.407 2016 18.595 2017 18.817 2018 19.100

Der Anteil der unter 18-Jährigen beträgt 19,6 %, der der über 65-Jährigen 17,1 %. Bei der bayerischen Volkszählung im Jahre 1987 lag der Ausländeranteil bei 5,6 %.

Politik Stadtrat 24 ehrenamtliche Stadträte bilden zusammen mit dem hauptamtlichen Bürgermeister den Stadtrat von Bad Aibling.

2020Bürgermeister und Stadtrat. Website der Stadt Bad Aibling, abgerufen am 4. Juni 2020. 2014 2008 2002 1996 1990 1984 1978 1972 1966 1960 Sitze insgesamt 25 25 25 25 25 25 25 25 20 17 17 CSU 10 11 11 14 11 10 14 16 11 8 5 SPD 3 4 6 4 7 9 8 8 10 9 9 ÜWG 3 5 5 4 5 4 2 1 – – – GOL 6 3 3 3 2 2 1 – – – – Bayernpartei 1 1 – – – – – – – – 1 ÖDP 1 1 – – – – – – – – – FDP – – – – – – – – – – 1 BHE – – – – – – – – – – 1 AfD 1 – – – – – – – – – –

Bürgermeister Amtszeit1. Bürgermeister2. Bürgermeister3. Bürgermeister 1947–1948 Wunnibald Sedlmeier (CSU) Michael Scherer (CSU) – 1948–1952 Josef Matheis (CSU) – 1952–1956 Josef Matheis (CSU) Michael Scherer (CSU) – 1956–1960 Max Falter (SPD) Wolfgang Kessler (CSU) – 1960–1966 Ferdinand Arnold (CSU) – 1966–1968 Michael Scherer (CSU) – 1968 Michael Scherer (CSU) – – 1968–1974 Hans Falter (SPD) Michael Scherer (CSU) – 1974–1984 Josef Riedl (CSU) Konrad Gartmeier (CSU) – 1984–1985 Anton Müller (CSU) – 1985–1986 Felix Schwaller (CSU) – 1986–1990 Werner Keitz (SPD) Felix Schwaller (CSU) – 1990–2002 Meinrad Egger (ÜWG) 2002–2008 Felix Schwaller (CSU) Roland Fortner (CSU) Rudi Gebhart (ÜWG) 2008–2014 Heidi Benda (Grüne) Otto Steffl (CSU) 2014–2016 Otto Steffl (CSU) Kristin Sauter (SPD) 2016–2017 Erwin Kühnel (CSU) Kristin Sauter (SPD) 2017–2020 Erwin Kühnel (CSU) Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) 2020–2026 Stephan Schlier (CSU) Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) Markus Stigloher (CSU) 2026– Kirsten Hieble-Fritz (FW-ÜWG) Michael Krimplstötter (CSU) Katharina Dietel (Bündnis 90/Die Grünen)

Verschuldung