mini|Standseilbahn Stuttgart zum Waldfriedhof mini|hochkant|Harderbahn bei Interlaken Eine Standseilbahn ist eine Seilbahn, bei der die Wagen auf Schienen oder anderen festen Führungen fahren und im Unterschied zu Luftseilbahnen durch ein oder mehrere Seile gezogen – nicht getragen – werden.Österreichisches Bundesgesetz über Seilbahnen (Seilbahngesetz 2003 – SeilbG 2003) Mit diesem Verkehrsmittel können auf kurzer Strecke beträchtliche Höhenunterschiede überwunden werden. Bei Bergstrecken verkehren üblicherweise zwei Wagen oder Wagengruppen, die fest mit einem Drahtseil verbunden sind, das in der Bergstation über eine Seilscheibe geführt wird. Die beiden Wagen oder Wagengruppen am Drahtseil halten sich ungefähr im Gleichgewicht, so dass für den Antrieb der Bahn nur kleine Kräfte aufgebracht werden müssen. Der Antrieb erfolgte früher oft durch Wasserballast (Wasserballastbahn), heute meistens durch einen Elektromotor, der auf die Seilscheibe in der Bergstation wirkt. Bei den meisten Bahnen begegnet der talwärts fahrende Wagen dem bergwärts fahrenden Wagen in der Mitte der Strecke, wo eine Ausweichstelle angelegt ist. Kürzere Strecken sind alternativ oft zweigleisig angelegt.

Ebenfalls zu den Standseilbahnen gehören Sonderbauformen mit nur einem Wagen und einem Gegengewicht oder einer Seiltrommel, meist als Schrägaufzüge oder Windenbahnen bezeichnet.Walter Hefti: Schienenseilbahnen in aller Welt. Birkhäuser Verlag, Basel/Stuttgart 1975, ISBN 3-7643-0726-9, S. 32.

Ältere, teilweise synonyme Bezeichnungen für Standseilbahn sind Seileisenbahn, Drahtseilbahn, Schienenseilbahn und Seilstandbahn.

Von der Standseilbahn zu unterscheiden sind die Kabelbahnen, bei denen die Wagen für Verkehrshalte und beim Wenden an den Streckenenden vom Zugseil ab- und angekuppelt werden. Beispiele sind die San Francisco Cable Cars oder die Mini-Metro. Auch die Überwindung von Steilstrecken mit Hilfe eines Seiles zwischen einem aufwärts und einem abwärts fahrenden Zug fällt nicht unter den Begriff Standseilbahn.

Geschichte mini|hochkant|Die Budavári Sikló in Budapest wurde 1870 eröffnet. Sie ist die älteste noch in Betrieb stehende Standseilbahn in Europa mini|Die Turmbergbahn war bis zu ihrer vorläufigen Betriebseinstellung 2024 die älteste noch in Betrieb stehende Standseilbahn Deutschlands In einem militärischen Feuerwerksbuch des Jahres 1411 wurde erstmals eine Standseilbahn beschrieben. Die frühen Standseilbahnen dienten im Wesentlichen dem Transport von Material und Personen zu Burganlagen auf steilen Bergkuppen. Die älteste erhaltene Standseilbahn der Welt dürfte der um 1495 errichtete Reißzug auf die Festung Hohensalzburg sein.Reinhard Kriechbaum: In: der Tagespost. 15. Mai 2004, abgerufen am 19. April 2017. Spätere Standseilbahnen entstanden vielfach als Schiffshebewerke im frühen 19. Jahrhundert im Kanalbau in Amerika.

Als älteste dem Personentransport dienende Standseilbahn zählt die 1845 eröffnete Wasserballastbahn Prospect Park Incline Railway bei den Niagarafällen in den Vereinigten Staaten. In Europa verkehrte 1862 die erste Standseilbahn in Lyon auf der Strecke Rue Terme–Croix Rousse, die 1967 stillgelegt und durch eine Straße ersetzt wurde. Die älteste auf originalem Gleis und Trasse verkehrende Standseilbahn Europas ist die seit 1870 verkehrende Budavári Sikló in Budapest. Die älteste unterirdische Standseilbahn, und die erste U-Bahn außerhalb Londons, ist der 1875 eröffnete Tünel (dt. Tunnel) in Istanbul.Seite der Istanbuler Verkehrsbetriebe zum Tünel

Frühe Standseilbahnen wurden als Wasserballastbahnen gebaut, wobei aber auch stationäre Dampfmaschinen zum Einsatz kamen (Beispiele: Schloßbergbahn in Budapest mit Antrieb in der Talstation,Walter Hefti: Schienenseilbahnen in aller Welt. Schiefe Seilebenen, Standseilbahnen, Kabelbahnen. Birkhäuser, Basel 1975, ISBN 3-7643-0726-9. Rue Terme–Croix Rousse in Lyon mit Antrieb in der Bergstation).

Eine der ersten elektrisch angetriebenen Standseilbahnen war die 1888 eröffnete Bürgenstock-Bahn, wo kein Wasser in der Bergstation zur Verfügung stand. Der Antrieb schien sich zu bewähren, sodass der gleiche Bauherr auch die Stanserhorn-Bahn und die San-Salvatore-Bahn als elektrische Standseilbahnen in Auftrag gab. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Wasserballastbahnen auf elektrischen Antrieb umgestellt. Der elektrische Betrieb erlaubte leichtere Wagen, die kleinere Bremskräfte benötigen und deshalb auch schneller fahren konnten, so dass die Transportkapazität der Bahn gesteigert werden konnte.

Beispiele

Chile In Valparaíso gibt es rund 30 zwischen 1883 und 1931 entstandene sogenannte Ascensores (wörtlich Aufzüge), von denen noch zehn in Betrieb sind (-> Standseilbahnen und Aufzüge von Valparaíso). Die meisten von ihnen stehen unter Denkmalschutz, außerdem stehen sie als Teil der UNESCO-Welterbestätte „Historisches Viertel der Hafenstadt Valparaíso“ unter Schutz (-> Welterbe in Chile). Gemeinsam ist allen Standseilbahnen in Valparaíso, dass die Anlagen zweigleisig sind, die Wagen auf Regelradsätzen laufen und in der Tal- und Bergstation für stufenlose Einstiege bis an die Anschläge fahren. Die Seildehnung wird durch verstellbare Seilscheiben in den Bergstationen ausgeglichen.

In der Hauptstadt Santiago de Chile existiert als klassische Standseilbahn die Funicular de Santiago von der Plaza Caupolicán auf den Cerro San Cristóbal. Die meterspurige Anlage mit einer Abtschen Ausweiche und einem zusätzlichen Halt am Zoologischen Garten weist eine Streckenlänge von 485 Metern auf, wurde von Ceretti e Tanfani im italienischen Mailand gebaut und ging am 25. April 1925 in Betrieb.

Deutschland mini|Standseilbahn am Altonaer Kai um 1849 Von 1845 bis 1879 wurden auf der Altonaer Hafenbahn Güterwagen auf Rollböcken über eine 210 Meter lange Steigung von 15 Prozent vom Hafenkai zum höher gelegenen Bahnhof bewegt. Der Antrieb des Seilzugs erfolgte anfangs mit einem Pferdegöpel, ab 1849 dann durch eine Dampfmaschine. Ab 1879 wurde diese Standseilbahn durch eine 400 Meter lange Tunnelstrecke der Altona-Kieler Eisenbahn ersetzt.

In Zeitz führte ab 1877 eine Standseilbahn von der Unterstadt in die Oberstadt und transportierte auf einem steilen Straßenabschnitt Personen und Fuhrwerke. Der Antrieb erfolgte über eine stationäre Dampfmaschine in der Bergstation. Der Bahnbetrieb wurde 1959 wegen unzuverlässiger Sicherheitseinrichtungen eingestellt. Die 1887 eröffnete Malbergbahn ist ebenfalls stillgelegt, ebenso die 1888 eröffnete Turmbergbahn in Karlsruhe, womit die am 25. September 1888 eröffnete Nerobergbahn in Wiesbaden die älteste noch in Betrieb stehende Standseilbahn ist.

Österreich In Österreich wurde die erste öffentliche Standseilbahn 1873 auf den Leopoldsberg eröffnet, aber bereits 1876 wieder stillgelegt. Die 1892 in Betrieb genommene Festungsbahn Salzburg ist die älteste noch in Benutzung stehende entsprechende öffentliche Anlage Österreichs. Zwei Jahre später, am 25. November 1894, ging in Graz die Schloßbergbahn in Betrieb. Die vermutlich älteste erhaltene Standseilbahn, der Reißzug der Festung Hohensalzburg lässt sich zumindest bis in das Jahr 1460 zurückverfolgen.

Portugal In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon befinden sich drei Standseilbahnen, die zwischen 1884 und 1892 eröffnet wurden; in anderen Landesteilen finden sich weitere Standseilbahnen.

Schweiz mini|Die Giessbachbahn ist die älteste noch in Betrieb stehende Anlage in der Schweiz In der Schweiz eröffnete die Zahnradbahn Lausanne–Ouchy am 16. März 1877 ihren Betrieb. Die Bahn wurde im Jahr 1958/1959 in eine Zahnradbahn und 2006–2008 in eine automatische Pneumetro (M2 der Métro Lausanne) umgebaut. Die 1879 eröffnete Giessbachbahn im Berner Oberland ist die älteste noch in Betrieb stehende Schweizer Standseilbahn und zugleich die älteste alleine zu Tourismuszwecken erbaute Seilbahn Europas. 1883 folgte die Standseilbahn Territet–Glion am Genfersee, 1884 die Standseilbahn auf den Gütsch in Luzern, 1885 die Marzilibahn in Bern und 1886 die Standseilbahn in Lugano vom Bahnhof ins Stadtzentrum. Die Kadenz der Eröffnungen erhöhte sich danach und neben innerstädtischen Bahnen kamen weitere Ortserschliessungsbahnen und rein touristische Bahnen dazu, deren Entstehung meist eng mit der Hotellerie verbunden war. In dieser Hinsicht tat sich vor allem der Bauunternehmer und Hotelier Franz Josef Bucher-Durrer zusammen mit seinem Compagnon Josef Durrer hervor. Die 1899 in Betrieb genommene Standseilbahn Neuveville–Saint-Pierre ist die letzte Standseilbahn mit Wasserballast der Schweiz. Sie befindet sich in der Stadt Freiburg. Die Bahn gehört zum nationalen Kulturgut der Schweiz.

In den 1930er Jahren entstanden in mehreren Schweizer Skiorten Schlittenseilbahnen, die lokal im Volksmund als Funi (von frz. funiculaire bzw. ital. funivia) bezeichnet werden. Diese Bahnen benötigten keine feste Infrastruktur, so dass sie kostengünstig erstellt werden konnten. Die Anlagen wurden bald durch leistungsfähigere Skilifte abgelöst.

1934 wurde für rund 50 Jahre die vorerst letzte Standseilbahn in der Schweiz eröffnet. Erst 1980 wurde mit dem Sunnegga Express in Zermatt wieder auf dieses Transportmittel zurückgegriffen, als in den Skigebieten die Luftseilbahnen an Kapazitätsgrenzen gestoßen waren. Im Jahre 2001 kam mit der Fun’ambule in Neuenburg, die im Hinblick auf die Expo'02 erstellt wurde, erstmals auch wieder eine neue innerstädtische Standseilbahn dazu. Die meisten der bestehenden Bahnen wurden im Verlaufe der Zeit wiederholt gründlich erneuert oder gar auf dem bestehenden Trassee neu aufgebaut. Einige davon haben dabei bis heute ihren ursprünglichen Charakter der Gründerzeit nicht verloren. So die Stanserhorn-Bahn, Heimwehfluhbahn, die Giessbachbahn, die Reichenbachfall-Bahn und die Sonnenbergbahn.

mini|Talstation der Standseilbahn Kiew (2012) Ukraine In der Ukraine sind die 1905 mit einer Länge von 238 Metern, einer Steigung von 36 Prozent und einem Höhenunterschied von 75 Metern in Betrieb genommene Standseilbahn Kiew sowie die 1902 eröffnete und 2005 erneut in Betrieb genommene Standseilbahn Odessa in Betrieb.

Vereinigte Staaten Ende des 19. Jahrhunderts existierten in der Industriestadt Pittsburgh 24 Inclines oder Inclined Railway genannte Standseilbahnen, die erst dem Kohlentransport und später dem öffentlichen Personenverkehr dienten. Zwei der Anlagen, die Duquesne Incline und die Monongahela Incline sind erhalten geblieben.

Technik Wagen mini|Personenwagen der Harderbahn bei Interlaken mini|Polybahn in Zürich, vollautomatische Anlage mit historisch aussehenden Wagen mini|Bei der Stoosbahn passen sich die Abteile der Neigung an Standseilbahnen dienen heute meist dem Personenverkehr. Kleinere Wagen haben ein Fassungsvermögen von ungefähr 20 Personen, teilweise werden aber auch bis zu 450 Personen fassende Züge aus mehreren Wagen eingesetzt.

Die Wagen werden üblicherweise der durchschnittlichen Streckenneigung angepasst. Da längere Bahnen nur selten auf der ganzen Strecke die gleiche Neigung aufweisen, liegen die Böden der Abteile nicht immer waagrecht. Bei neueren Anlagen mit stark schwankender Neigung wie der Standseilbahn Schwyz–Stoos von 2017 und der 2007 in Betrieb genommenen Hungerburgbahn sind die Abteile einzeln und beweglich aufgehängt. Eine neigungsabhängige Steuerung sorgt dafür, dass die Fahrgastkabinen auf der ganzen Strecke stets horizontal liegen.

In den Alpenländern wurden viele Standseilbahnen für den Personal- und Materialtransport beim Kraftwerksbau im Gebirge erstellt. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurden diese Bahnen oft für den öffentlichen Personenverkehr freigegeben. Beispiele sind die Gelmerbahn, die Standseilbahn Ritom oder die Peterskopfbahn.