Wermelskirchen ist eine Mittelstadt in Nordrhein-Westfalen südöstlich von Remscheid im Rheinisch-Bergischen Kreis mit den Ortsteilen Dhünn und Dabringhausen im Naturpark Bergisches Land. Die Große Dhünntalsperre, die größte Trinkwassertalsperre im Westen Deutschlands, liegt teilweise auf Wermelskirchener Stadtgebiet. mini|Stadtteile von Wermelskirchen mini|334px|Wermelskirchen – Ensemble an der Eich

Geographie

Die Entfernung zu Köln beträgt rund 35, die zu Düsseldorf etwa 45 Kilometer. Die benachbarten Kommunen heißen Remscheid, Hückeswagen, Wipperfürth, Kürten, Odenthal, Burscheid und Solingen. Das Stadtbild wird durch altbergische Schiefer- und Fachwerkhäuser geprägt.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet von Wermelskirchen (Fläche: 74,74 km²) besteht aus drei Stadtteilen: dem Gebiet des ursprünglichen Wermelskirchens (ca. 34,71 km²) und den beiden 1975 eingemeindeten, zuvor eigenständigen Gemeinden Dabringhausen (ca. 23,11 km²) und Dhünn (ca. 16,84 km²).

Ortsbereich Wermelskirchen

Altenhof, Bechhausen, Belten, Bergermühle, Bollinghausen, Braunsberg, Buchholzen, Buddemühle, Büschhausen, Dreibäumen, Durholzen, Eich, Eipringhausen, Eipringhauser Mühle, Elbringhausen, Ellinghausen, Ellinghauser Mühle, Finkenholl, Finkenholler Mühle, Frohntaler Hammer, Habenichts, Heiderbach-Hammer, Heintgesmühle, Herrlinghausen, Hilfringhausen, Hinterhufe, Hünger, Im Berg, Kallenberg, Kenkhausen, Kolfhausen, Kovelsberg, Lehn, Löh, Lüffringhausen, Neuenflügel, Neuenhaus, Oberwinkelhausen, Ostringhausen, Pohlhausen, Preyersmühle, Schwanen, Sellscheid, Stockhausen, Stolzenberg, Süppelbach, Tente, Töckelhausen, Unterstraße, Unterwinkelhausen, Vorderhufe, Well, Wellermühle, Wirtsmühle, Wolfhagen, Zurmühle

Untergegangen oder wüst gefallen:

Höhrather Walkmühle

Ortsbereich Dabringhausen

Arnzhäuschen, Bremen, Dortenhof, Emminghausen, Forthausen, Großeledder, Großfrenkhausen, Grunewald, Haussels, Heide, Höferhof, Höhe, Hundheim, Käfringhausen, Ketzberg, Ketzbergerhöhe, Kleineledder, Kleinfrenkhausen, Kleinklev, Koenenmühle, Limmringhausen, Lindscheid, Linde, Luchtenberg, Lüdorf, Maria in der Aue, Markusmühle, Neuemühle, Pantholz, Plettenburg, Rausmühle, Rölscheid, Schaffeld, Schlagbaum, Schürholz, Sondern, Steinhausen, Stumpf, Wenschebach

Untergegangen oder wüst gefallen:

Dahl, Dhünnenburg, Doktorsdhünn, Großklev, Humburgshammer, Hutzhammer, Jülichsdhünn, Kesselsdhünn, Klevermühle, Loosenau, Malsberg, Schirpendhünn, Werth

Ortsbereich Dhünn

Assmannskotten, Bergstadt, Dhünn-Neuenhaus, Dhünnsche Mühle, Eichholz, Friedenberg, Haarbach, Haarhausen, Halzenberg, Hammesrostringhausen, Heidchen, Heiligen Born, Heister, Hülsen, Knochenmühle, Krähenbach, Kreckersweg, Mittelberg, Mittelhagen, Neuenhaus, Neuenweg, Niederhagen, Oberberg, Oberhagen, Oberpilghausen, Osminghausen, Pilghauser Mühle, Staelsmühle, Unterberg, Unterhagen, Wickhausen, Wöllersberg

Untergegangen oder wüst gefallen:

Kotten, Kotterlinde

Geschichte Stadtname

Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde der Ort um das Jahr 1150 als Werenboldeskirken. Den Ortsnamen Wermelskirchen muss man von einem Mann mit Namen „Werinbold“ ableiten. Ein Namensträger Werinbold wird schon in den Jahren 860 bis 880 im Umfeld der Kölner Erzbischöfe Gunthar und Willibert genannt. Siedlungsgeschichte und Eingemeindungen mini|Festzug aus Anlass der 1000-Jahr-Feier von Wermelskirchen mini|Historische Karte von P. J. Heinrichs von Wermelskirchen 1883 Die Siedlungsgeschichte Wermelskirchens beginnt mit der Besiedlung des Bergischen Landes im Zuge der sächsischen und fränkischen Landnahmen vom 7. bis 10. Jahrhundert. Die -inghausen-Orte, von denen sich 19 im Wermelskirchener Stadtgebiet finden, werden den sächsischen Borchtern zugerechnet. Um 1200 wurde die romanische Kirche St. Bartholomäus mit der Michaeliskapelle im Turm errichtet. In der Urkunde der Übertragung des Landes Blankenberg an Berg im Jahr 1360 gehörte der Ort zum Amt Bornefeld in der Grafschaft Berg, dem späteren Herzogtum Berg, und ist Gerichtssitz. Im Jahre 1398 erwarb sich Herzog Wilhelm II. von Berg von König Wenzel die Erlaubnis, zwei neue Landzölle – einen zu Lennep, den anderen zu Wipperfürth – einzurichten.

Wie aus der Erkundigung von 1555 bekannt, hatte Lennep einen Beizoll in Wermelskirchen. Im selben Jahr führt die Stadt Köln Beschwerde beim Herzog wegen des neuen Zolls zu Wermelskirchen. Herzog Gerhard überweist 1451 einem Dietrich von Zweiffel den Zoll zu Wermelskirchen. Die Familie von Zweifel besaß auch ein Gut in Wermelskirchen. Im Jahr 1462 bekennt Herzog Gerhard von Berg von dem Wilhelm zur Eyck 634 Gulden geliehen zu haben und ernennt ihn gleichzeitig zum Kellner auf Schloss Burg und sichert ihm Geleit zu. Diese hohe Summe und die Stellung als Kellner zeugt von sehr guten Verhältnissen in Wermelskirchen. Während der Hansezeit erreichte Wermelskirchen größere Bedeutung beim Warentransport über Land, dafür war das gewährte Geleit eine wichtige Voraussetzung. Noch im 18. Jahrhundert beförderten Wermelskirchener Fuhrunternehmer große Gütermengen für den Düsseldorfer Hofstaat.

Im 19. Jahrhundert gehörte das spätere Stadtgebiet von Wermelskirchen zunächst zu den drei Landgemeinden Dorfhonschaft, Oberhonschaft und Niederhonschaft im Kreis Lennep.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1865, S. 26 Diese drei Gemeinden wurden 1873 zur Gemeinde Wermelskirchen zusammengeschlossen. Dabei wurden Teile der Niederhonschaft an Dhünn und von der Oberhonschaft an Remscheid abgegeben. Noch im selben Jahr wurde die neue Gemeinde Wermelskirchen zur Stadt erhoben und erhielt die Rheinische Städteordnung.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf 1873, S. 366

Im Jahre 1885 feierte Wermelskirchen sein Millennium. Den Recherchen seines ersten Ortschronisten Peter Josef Heinrichs zufolge wurde unter anderem mit einem großartigen Festzug dem historisierenden Zeitgeist gehuldigt. Im Volksmund wird der Wermelskirchener auch als Dellmann bezeichnet, was auf einen Wermelskirchener Pastor namens Gustav Dellmann zurückgeht (* 20. September 1849; † 28. Oktober 1914), der von 1881 bis 1910 in Wermelskirchen wirkte.

1938 wurde das Amt Wermelskirchen aus der Stadt Wermelskirchen sowie den Gemeinden Dabringhausen und Dhünn gebildet. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Wermelskirchen auf Betreiben von Bürgermeister Borcherding in Zusammenarbeit mit den Unternehmern Flöring, Jürgens und Wellershaus zur Lazarettstadt erklärt, um die Stadt vor Bombenangriffen zu bewahren. Der Ortskommandant Major Meiser sagte zu, diesem Unternehmen nicht im Wege zu stehen. Dennoch erlitten einige Teile des Stadtgebiets, insbesondere der Stadtteil Hünger, durch einen Bomberangriff am 4. November 1944 wegen abgetriebenen Leuchtfeuers für die Stadt Solingen schwere Beschädigungen. Nach Aussage anderer Zeitzeugen war das Ziel die in der Schule Hünger liegende Horchfunker-Einheit der Wehrmacht, nach dritter Meinung war die an der Unterburg befindliche Zündnadel- und Granatenfabrik Angriffsziel. Über 80 Tote in ganz Wermelskirchen waren zu beklagen. Flüchtlinge aus umliegenden Gemeinden fanden in Wermelskirchen Schutz.

Nach über 40-jähriger Planungsphase und rund fünfjähriger Bauzeit wurde am 22. August 2005 die Umgehungsstraße B 51n zur Entlastung des innerstädtischen Verkehrs eröffnet.

Im Zuge der Kommunalgebietsreform wurden am 1. Januar 1975 Dabringhausen und Dhünn eingegliedert.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Seit 1975 unterlag die Einwohnerzahl von Wermelskirchen nur geringen Schwankungen:Bevölkerungsstand Basis Zensus 2011 – Gemeinden, abgerufen am 13. August 2019.

Jahr Einwohner 1975 34.852 1980 34.737 1985 33.860 1990 35.865 1995 37.123 2000 37.016 2005 36.588 2010 35.611 2015 34.504 Jahr Einwohner 2017 34.705 2018 34.765 2019 34.719 2020 34.597 2021 34.480 2022 34.739 2023 34.673 2024 34.375 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Wermelskirchen von 1975 bis 2018

Religion mini|Evangelische Stadtkirche Wermelskirchen mini|Katholische Kirche St. Michael mini|Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Wermelskirchen. Die Form des Gebäudes ist einem Zelt nachempfunden. Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 42,0 % der Einwohner evangelisch, 22,4 % römisch-katholisch und 35,6 % konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angaben.Stadt Wermelskirchen Religion, Zensus 2011 Am 31. Dezember 2023 gehörten von den 35.257 Einwohnern 32,9 % (11.606) der evangelischen und 19,4 % (6.836) der römisch-katholischen Konfession an. 47,6 % gehörten keiner Konfession oder anderen Glaubensgemeinschaften an.Stadt Wermelskirchen Stadtinfo Zahlen Daten Fakten Einwohnerzahl am 31.12.2023, abgerufen am 19. November 2024 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken, während der Anteil der Konfessionslosen zunahm.

Kirchen Die evangelische Kirchengemeinde Wermelskirchen mit ihren fünf Pfarrbezirken, die zum Kirchenkreis Lennep gehört, umfasst den Stadtkern Wermelskirchens sowie die Stadtteile Hünger und Tente. Im Gebiet der Stadt Wermelskirchen gibt es auch noch die evangelischen Kirchengemeinden Dabringhausen, Dhünn und Hilgen-Neuenhaus. Gemeinsame Verwaltungsstelle ist das evangelische Gemeindeamt an der Stadtkirche. Die Stadtkirche am Markt ist im 11. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet worden. Im Zuge der Reformation wurde sie evangelisch. 1838 erfolgten Abriss und Neubau des Kirchenraumes. Der Turm aus dem 12. Jahrhundert mit der Turmhaube aus dem 18. Jahrhundert blieb erhalten.

Zur römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Michael und Apollinaris gehören die Gläubigen dieser Konfession. Sie bildet zusammen mit der Kirchengemeinde St. Laurentius (Burscheid) den Seelsorgebereich Wermelskirchen / Burscheid im Erzbistum Köln. Die neugotische Kirche St. Michael an der Kölner Straße in Wermelskirchen ist im 19. Jahrhundert errichtet und 1952 mit Ausnahme des Turms abgerissen und neu gebaut worden.

In Wermelskirchen ist ferner eine große Anzahl von evangelischen Freikirchen heimisch. Sie gehören teils zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Im Stadtgebiet befinden sich die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Wermelskirchen, die Christliche Versammlung Wermelskirchen und Treffpunkt Hoffnung. In der Ortschaft Dabringhausen befinden sich das Gemeindezentrum Dabringhausen, und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Forthausen. In der Ortschaft Dhünn befindet sich die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Dhünn. In der Ortschaft Neuenflügel befindet sich die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Neuenflügel. Diese vergleichsweise hohe Anzahl an evangelischen Freikirchen ist historisch bedingt durch die Nähe zur Stadt Wuppertal, die im 19. Jahrhundert ein Zentrum der evangelischen Freikirchen war und noch ist.

Politik Bürgermeister Am 10. Oktober 2004 konnte sich der von den Wählergemeinschaften Bürgerforum, UWG und WNK sowie der FDP unterstützte gebürtige Schwabe Eric Weik (FDP) mit 70,1 % der Stimmen in der Stichwahl durchsetzen. Bei der Wahl 2009 wurde er im Amt bestätigt.Sitzungsprotokoll des Stadtrates vom 26. Oktober 2009 Im September 2015 gewann Rainer Bleek (SPD) die Bürgermeisterwahl. 2020 erreichte die parteilose Kandidatin Marion Lück (inzwischen Marion Holthaus) die absolute Mehrheit und wurde Wermelskirchens erste Bürgermeisterin. Bei der Wahl im September 2025 setzte sich der CDU Kandidat Bernd Hibst mit 54,51 % im ersten Wahlgang durch.

Rat der Stadt

Dem Rat der Stadt gehören neben der hauptamtlichen Bürgermeisterin 54 Mitglieder aus neun Parteien bzw. Wählergruppen an. Die Kommunalwahl am 14. September 2025 führte zu folgender Sitzverteilung: CDU: 19 Sitze SPD: 9 Sitze AfD: 6 Sitze GRÜNE: 6 Sitze Bürgerforum: 4 Sitze LINKE: 3 Sitze FDP: 3 Sitze FW: 2 Sitze Zukunft Wermelskirchen: 2 Sitze

Wappen

Städtepartnerschaften Wermelskirchen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu folgenden Städten:

Loches (Touraine) (Frankreich), seit 1974