mini|hochkant|Selbstbildnis Lucas Hugensz van Leyden, genannt auch Lucas von Leyden (* Ende Mai/Anfang Juni 1494 in Leiden; † Ende Mai/Anfang August 1533 ebenda) war ein niederländischer Kupferstecher, Maler und Holzschnittzeichner der Renaissance.
Leben Van Leyden war ein Sohn des Hughe, Huig oder Hugo Jacobsz., von dem er seine ersten Unterweisungen erhielt und dessen Frau Beatrix († 1531). Seine künstlerischen Fähigkeiten verdankte er jedoch überwiegend seinem Talent und der genauen Beobachtung und Nachahmung der Natur. Er hatte bereits als Kind leidenschaftlich gern gezeichnet. Mit neun Jahren veröffentlichte er mehrere Kupferstiche nach eigenen Entwürfen und im Alter von 12 oder 14 Jahren erregte er mit einem Aquarell mit einer Darstellung aus der Legende des heiligen Hubertus großes Aufsehen. Ein Herr von Lokhorst schenkte ihm für dieses Werk so viele Goldgulden, wie er Jahre alt war. Auch ein von ihm in diesem Alter gestochenes Blatt, das den Mönch Sergius darstellt, den Mohammed in seiner Trunkenheit ermordete, zeugt von einem gewandten Umgang mit dem Stichel. Mit fünfzehn Jahren schuf er einige seiner schönsten Stiche, und im Folgejahr eine Darstellung des Ecce homo. Nach dem Tod seines Vaters wurde er von dem Maler Cornelis Engelbrechtsen weiter ausgebildet, mit dem er bereits vom 23. Mai 1515 bis zum 7. Mai 1519 gemeinsam in der Bogenschützenzunft verzeichnet war. Er hatte einen Bruder namens Dirk Hugenz. für den er sich am 28. Juni 1521 verbürgte. Trotzdem wurde dieser inhaftiert und versuchte aus dem Turm „De Pelicaen“ zu entfliehen. Mit Pieter Cornelisz., dem ältesten Sohn seines Meisters, übte er sich im Glasätzen und Zeichnen während er im Kupferstechen von einem Goldschmied und einem Waffenschmied unterwiesen wurde.
Van Leyden arbeitete unermüdlich. 1521 hielt er sich in Antwerpen auf, wo auf Albrecht Dürer traf und 1522 in dessen Malergilde eingeschrieben wurde. Dürer erwähnte diese Begegnung später in seinem Reisetagebuch.
Dürer fertigte zudem eine Federzeichnung des Meisters an. Spätestens 1525 war er wieder in Leiden und erhielt am 6. August 1526 einen bedeutenden Auftrag. Im Jahr 1527 bereiste er gemeinsam mit Jan Gossaert van Mabuse Belgien und besuchte Maler in Brabant, Flandern und Zeeland. Dabei reisten sie mit seinem eigenen Schiff, das sehr komfortabel ausgestattet war. Sie ließen sich üppige Mahlzeiten servieren und trugen feine Kleidung. Doch als er zurückkehrte, war van Leyden schwere erkrankt. Aus Neid habe ihm jemand während der Reise Gift verabreicht, woran er letztlich gestorben sein soll. Seine letzten sechs Lebensjahre verbrachte er in liegender Stellung im Krankenbett. Es war ihm jedoch weiterhin möglich zu zeichnen oder in Kupfer zu stechen. Auch malte er 1531 noch sein letztes Ölgemälde mit der Darstellung der Blindenheilung durch Christus (Eremitage in Sankt Petersburg). Ihm werden auch einige Werke auf Glas zugeschrieben.
mini|Triptychon Das Jüngste Gericht Unter den Schöpfungen van Leydens finden sich zahlreiche Genrebilder und auch seine religiösen Gemälde zeigen ein genreartigen Wesen. Die Richtungen des damaligen Lebens, besonders des niederländischen Volkslebens, das scharf Verständige und das Phantastische sind in van Leydens Werken zu einem Ganzen verschmolzen. Die Technik in seinen Gemälden ist fein und sorgfältig.
In seinen letzten Bildern, wie dem Triptychon von 1526 mit dem Jüngsten Gericht in der Mitte und Hölle und Fegefeuer auf den Flügeln,Das Jüngste Gericht Leiden Stedelijk Museum De Lakenhal (ta.sandrart.net). im Stadthaus zu Leiden versuchte er sich den Italienern zu anzunähern. Seine mehr als 200 Kupferstiche und Holzschnitte zeugen von außerordentlicher Leichtigkeit und doch großer Sorgfalt in Handhabung des Grabstichels.
Familie Van Leyden hatte seit etwa 1512/1513 eine uneheliche Tochter Marijtgen Lucasdr. († nach 1572), die später als sein einziges Kind seine Erbin wurde. Seine Tochter heiratete 1532 den Maler Damas Claesz de Hoey oder De Hoij († um 1560) aus Utrecht. Noch kurz vor van Leydens Tod wurde sein Enkel geboren. Nicolaes Dammesz. Hoey Lucas Dammesz. Hoey (1533 – Juli 1604) wurde ebenfalls Maler. Huych Dammesz. Hoey Jan oder Jean Dammeszoon de Hoey oder Jan de Hoey (um 1545 – 9. Mai 1615) wurde Maler am französischen Hof von Fontainebleau. Cornelis Dammesz. Hoey Claertgen Hoey Beatris Hoey Jannetge Hoey
Seit 1515/1517 war er mit Elisabeth ‚Lijsbeth‘ (geborene van Bosschuysen; † 1538) verheiratet, eine Tochter des Bürgermeisters Jacob van Boschhuysen und dessen Frau Adele (geborene Herman). Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor. Nach dem Tod ihres Mannes ging sie eine zweite Ehe mit Jan van Rijswijk ein. Andererseits wird berichtet, dass Elisabeth Boschuysen die Mutter der unehelichen Tochter Maritgen oder Grietgen war. Ihre Eltern zählten zu den vornehmsten Familien in Leiden.
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Aristoteles und Phyllis („Der unterjochte Ehemann“), 16. Jahrhundert
1508: Mahomets Trunkenheit und die Ermordung des Mönches Sergius um 1514: Selbstporträt (Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig, Anfang des 17. Jahrhunderts von Andreas Stock [* um 1590] als Stich reproduziert) 1511: Das Sternbild der Zwillinge (Zeichnung mit Silberstift) 1514: Aristoteles und Phyllis 1514–1516: Bildnis Kaiser Maximilians (Gemälde) 1520: Kaiser Maximilian (Kupferstich nach Albrecht Dürer)
Religiöse Motive 1508: Die Auferweckung des Lazarus 1508/1509: Der Auszug zum Opfer Abrahams (Holzschnitt) 1509: Die Versuchung des heiligen Antonius 1509: Szenen aus der Lebensgeschichte Christi (9 Stiche in Form runder Medaillons) 1510: Eine nackte Frau befreit einen Hund von Insekten (Stich) 1510: Ecce homo 1513: Die Anbetung der Könige 1514: Loth und seine Töchter (Louvre, Paris) 1517: Der Kalvarienberg (mit 80 Figuren) 1518: Esther vor Ahasver 1519: Maria Magdalena 1521: Maria mit dem Kinde und Engeln 1526/1527: Das Jüngste Gericht (Mittelteil), Himmelreich (links), Höllenschlund (rechts), Die Apostel Petrus und Paulus (Außenseite, Paulus rechts)Nicolaas Beets: Lucas van Leyden’s laatste oordeel in de Laekenhal te Leiden. In: Elseviers Geïllustreerd Maandschrift. Jahrgang 22, 1912, S. 212–216 (niederländisch, dbnl.org).
mini|hochkant|Das Gastmahl des Herodes
Frauenbilderserie aus seiner Werkserie 1512: Salome empfängt das Haupt Johannis’ das Täufers (Holzschnitt) 1512–1514: Das Gastmahl des Herodes (Holzschnitt) im Rijksmuseum Amsterdam, diese Komposition soll Lucas Cranach zu seinem Werk Salome mit dem Haupt Johannes’ des Täufers an der Tafel des Herodes inspiriert haben. Simson und Delila (Holzschnitt) Ahab und Isabel (Holzschnitt)
Genrebilder um 1508: Die Wahrsagerin (Louvre, Paris) Der Zahnarzt Der Chirurg Der Eulenspiegel
Zuschreibungen Die Schachpartie (Berlin) Der heiligen Hieronymus in Bußübung (im Museum zu Berlin) 1527: Moses, das Wasser aus dem Felsen schlagend (Villa Borghese bei Rom) Anbetung der Könige (Buckingham Palace zu London).
Literatur
Adolf Rosenberg: Lucas von Leyden. In: Robert Dohme (Hrsg.): Kunst und Künstler des Mittelalters und der Neuzeit. Band 1. Evrard, L. de Leyde et Alb. Durer. Brüssel 1883, doi:10.11588/diglit.33504.15 Kap. 15, S. 3–22.
Leyden. Lukas van Leyden, auch Lukas Huygensz genannt. In: Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstler-Lexikon. Mit mehr als 3000 Monogrammen. Halm und Goldmann, Wien / Leipzig, Band 2: L–Z. 1910, S. 31–40 und Band 3: Nachträge und Verzeichnis der Monogramme. 1911, S. 108 (digi.ub.uni-heidelberg.de, ).
Max Friedländer: Lucas van Leyden. Walter de Gruyter, Berlin 1963 (uni-heidelberg.de). Ellen Jacobowitz, Stephanie Loeb Stepanek (Hrsg.): The Prints of Lucas van Leyden & His Contemporaries. Ausstell.-Kat. Washington D.C. 1983. Jan Piet Filedt Kok (Hrsg.): The New Hollstein Dutch & Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450–1700, Lucas van Leyden. Rotterdam 1996. Yvonne Bleyerveld, Hoe bedriechlijk dat die vrouwen zijn. Vrouwenlisten in de beeldende kunst in Nederlanden, circa 1350–1650. Leiden 2000, hier S. 95–115. Ilja M. Veldman: Schilder van een burgercultuur Lucas van Leyden (circa 1494–1533). In: Ons Erfdeel. Jahrgang 54, 2011, S. 20–28 (niederländisch, dbnl.org). Lucas Hugensz. van Leyden. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 81, De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-023186-1, S. 318. Susanne Wagini: Lucas van Leyden (1489/1494-1533): Meister der Druckgraphik. Deutscher Kunstverlag, 2017, ISBN 978-3-422-07407-1.
Weblinks
Werkauswahl bei Rijksmuseum Amsterdam (niederländ., englisch) Lucas van Leyden (niederländisch, 1494–1533) artnet.de
Einzelnachweise
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