Die Provinz Brandenburg war eine Provinz Preußens in der Zeit der Monarchie (1815–1918) und des Freistaats (1918–1947). Sie wurde 1815 im Wesentlichen aus der Mark Brandenburg gebildet und war mit der 1920 herausgelösten Hauptstadt Berlin das Kernland des Staates. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Provinz ab 1939 Mark Brandenburg genannt. Im Zuge der Auflösung Preußens ging sie 1947 im Land Brandenburg auf. Die östlich der Oder-Neiße-Linie gelegenen Teile des Territoriums wurden nach Ende des Zweiten Weltkrieges seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung unterstellt.
Verwaltungsgeschichte
Mit der Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden vom 30. April 1815 wurde das Königreich Preußen in zehn Provinzen eingeteilt: Preußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien, Posen, Sachsen, Westphalen, Kleve Berg und Niederrhein.Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 1815, S. 93 ff. Die Provinz Brandenburg.Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden vom 30. April 1815. In: Gesetz-Sammlung für die königlichen Preußischen Staaten, Nr. 9 vom 8. Juli 1815, S. 85 ff.; lwl.org (PDF; 10 MB) Weitere Informationen. In: Internet-Portal „Westfälische Geschichte“; lwl.org umfasste die Mark Brandenburg einschließlich der Neumark östlich der Oder, aber ohne die Altmark westlich der Elbe, die an die Provinz Sachsen angeschlossen worden war. Zur Provinz Brandenburg gehörte ferner die Niederlausitz, die zuvor großenteils in Personalunion mit Kursachsen verbunden gewesen und erst durch den Wiener Kongress zu Preußen gekommen war. Sitz des Oberpräsidiums (= staatliche Provinzialregierung, geleitet vom Oberpräsidenten, für die es heute keine vergleichbare Institution gibt) war wechselnd Potsdam und Berlin.
Zum 25. März 1816 wurde die Provinz Brandenburg in drei Regierungsbezirke gegliedert: Berlin, Potsdam und Frankfurt. Die Regierungsbezirke Berlin und Potsdam verständigten sich im April 1816 auf die Aufteilung in einen engeren Regierungsbezirk, der sich auf das Weichbild der Stadt Berlin, den Tiergarten und die Hasenheide beschränkte, und einen weiteren Regierungsbezirk, zu dem das übrige Berliner Umland gehörte. Diese Zweiteilung bewährte sich nicht. Deshalb wurde der Regierungsbezirk Berlin zur Verwaltungsvereinfachung und zur Kostenersparnis Ende Dezember 1821 aufgelöst.Elfi Bendikat: Öffentliche Nahverkehrspolitik in Berlin und Paris 1890–1914. Strukturbedingungen, politische Konzeptionen und Realisierungsprobleme. de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-015383-1, S. 64–65. Nach einer direkten Unterstellung unter das preußische Innenministerium war die Stadt Berlin ab dem 17. November 1828 eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Potsdam.
Am 1. April 1881 schied Berlin aus dem Provinzialverband Brandenburg aus und erhielt provinzähnliche Rechte, ohne jedoch völlig aus der Provinz auszuscheiden.Provinzialordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen. Gesetzsammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, Nr. 12/1881, S. 234; jbc.bj.uj.edu.pl (vgl. 56).Änderung der Provinzialordnung, Paragraf 2, im Jahr 1881; verfassungen.de abgerufen am 4. Februar 2022. Im Jahre 1920 wurden weitere Gebiete der Provinz Brandenburg mit fast zwei Millionen Einwohnern nach Groß-Berlin eingemeindet. Die Provinz Brandenburg gliederte sich in die beiden Regierungsbezirke Frankfurt und Potsdam. Die Regierungsbezirke waren in Stadtkreise und Landkreise aufgeteilt. Nach Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen im Jahre 1938 kamen von dort die Kreise Schwerin (Warthe), Meseritz und Bomst (teilweise) zur Provinz Brandenburg, die gleichzeitig die Kreise Friedeberg Nm. und Arnswalde an die Provinz Pommern abgab. Seit dem 21. März 1939 führte die Provinz die offizielle Bezeichnung „Mark Brandenburg“.
Nach Einstellung der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges wurde das unter Kontrolle der sowjetischen Besatzungsmacht befindliche Gebiet der Provinz östlich der Oder-Neiße-Linie mit Ausnahme der militärischen Sperrgebiete der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die Westalliierten hatten auf diese Maßnahme keinerlei Einfluss und mussten den Status quo auf der Potsdamer Konferenz akzeptieren. Das übrige Gebiet der Provinz wurde im Juni 1945 als Provinz Mark Brandenburg in der Sowjetischen Besatzungszone bestätigt.Vergleiche Geschichte Brandenburgs #Das erste Land Brandenburg (1947–1952) sowie: Beispiel für die Bezeichnung: „Schulordnung für die Provinz Mark Brandenburg“ vom 15. Februar 1947. deutsche-digitale-bibliothek.de Am 6. Februar 1947 wurde aus der Provinz das Land Brandenburg, das 1949 zu einem Gliedstaat der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde. Der Freistaat Preußen wurde am 25. Februar 1947 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 aufgelöst.
Demografie mini|Muttersprachen der Provinz Brandenburg nach der Volkszählung von 1905 Laut der Volkszählung von 1905 betrug die Gesamtbevölkerung der Provinz Brandenburg 3.531.906 Personen; 97 % von ihnen gaben Deutsch als Muttersprache an. Zu den nennenswerten sprachlichen Minderheiten gehörten die Wenden (Sorben), die 1 % der Provinzbevölkerung ausmachten und überwiegend in ländlichen Gebieten der Niederlausitz – rund um von Cottbus sowie im Spreewald – ansässig waren. Polnischsprachige, die 1,3 % der Bevölkerung stellten, konzentrierten sich vor allem auf städtische Gebiete und das Lausitzer Braunkohlerevier sowie auf landwirtschaftliche Gemeinden in der Uckermark.
Die folgenden Tabellen enthalten Daten, die das Preußische Statistische Landesamt im Rahmen der Volkszählung von 1905 erhoben hat: Region Deutsch Polnisch, Masurisch und Kaschubisch Wendisch Englisch Eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache Total Regierungsbezirk Potsdam 2,280,372 (97,9 %) 30,233 (1,3 %) 179 (0,0 %) 2,604 (0,1 %) 10,162 (0,4 %) 6,335 (0,3 %) 2,329,885 Regierungsbezirk Frankfurt 1,144,647 (95,2 %) 16,224 (1,3 %) 34,614 (2,9 %) 64 (0,0 %) 2,625 (0,2 %) 3,847 (0,3 %) 1,202,021 Provinz Brandenburg 3,425,019 (97,0 %) 46,457 (1,3 %) 34,793 (1,0 %) 2,668 (0,1 %) 12,787 (0,4 %) 10,182 (0,3 %) 3,531,906
Haupt- und Residenzstadt Berlin Deutsch Polnisch, Masurisch und Kaschubisch Russisch Tschechisch Eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache Gesamt Berlin 1,981,923 (97,1 %) 24,281 (1,2 %) 4,434 (0,2 %) 2,440 (0,1 %) 14,713 (0,7 %) 12,357 (0,6 %) 2,040,148
Regierungsbezirk Potsdam Kreis Deutsch Polnisch, Masurisch und Kaschubisch Wendisch Englisch Eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache Gesamt Prenzlau 58,440 (95,0 %) 2,834 (4,6 %) (0,0 %) (0,0 %) 130 (0,2 %) 134 (0,2 %) 61,538 Templin 47,991 (96,8 %) 1,382 (2,8 %) (0,0 %) 3 (0,0 %) 86 (0,2 %) 92 (0,2 %) 49,554 Angermünde 63,690 (97,7 %) 1,313 (2,0 %) (0,0 %) 14 (0,0 %) 41 (0,1 %) 144 (0,2 %) 65,202 Oberbarnim 95,605 (98,8 %) 954 (1,0 %) (0,0 %) 27 (0,0 %) 116 (0,1 %) 113 (0,1 %) 96,815 Lichtenberg (Stadtkreis) 54,420 (98,2 %) 598 (1,1 %) (0,0 %) 8 (0,0 %) 134 (0,2 %) 231 (0,4 %) 55,391 Niederbarnim 330,048 (98,2 %) 3,470 (1,0 %) 28 (0,0 %) 215 (0,1 %) 1,133 (0,3 %) 1,236 (0,4 %) 336,130 Charlottenburg (Stadtkreis) 230,044 (96,0 %) 4,192 (1,7 %) 30 (0,0 %) 980 (0,4 %) 3,097 (1,3 %) 1,289 (0,5 %) 239,632 Schöneberg (Stadtkreis) 137,608 (97,6 %) 1,053 (0,7 %) 35 (0,0 %) 535 (0,4 %) 1,275 (0,9 %) 504 (0,4 %) 141,010 Rixdorf (Stadtkreis) 150,945 (98,3 %) 1,234 (0,8 %) 5 (0,0 %) 20 (0,0 %) 638 (0,4 %) 730 (0,5 %) 153,572 Deutsch Wilmersdorf (Stadtkreis) 61,374 (96,5 %) 631 (1,0 %) 27 (0,0 %) 395 (0,6 %) 914 (1,4 %) 227 (0,4 %) 63,568 Teltow 306,883 (97,8 %) 4,323 (1,4 %) 30 (0,0 %) 255 (0,1 %) 1,537 (0,5 %) 780 (0,2 %) 313,808 Beeskow-Storkow 46,046 (98,7 %) 517 (1,1 %) 2 (0,0 %) (0,0 %) 37 (0,1 %) 47 (0,1 %) 46,649 Jüterbog-Luckenwalde 72,549 (99,4 %) 243 (0,3 %) 6 (0,0 %) 5 (0,0 %) 120 (0,2 %) 44 (0,1 %) 72,967 Zauch-Belzig 84,259 (99,6 %) 262 (0,3 %) (0,0 %) 6 (0,0 %) 66 (0,1 %) 40 (0,0 %) 84,633 Potsdam (Stadtkreis) 60,850 (99,1 %) 174 (0,3 %) 1 (0,0 %) 51 (0,1 %) 206 (0,3 %) 132 (0,2 %) 61,414 Spandau (Stadtkreis) 69,004 (98,2 %) 1,000 (1,4 %) 2 (0,0 %) 15 (0,0 %) 97 (0,1 %) 184 (0,3 %) 70,302 Osthavelland 75,628 (97,8 %) 1,357 (1,8 %) 9 (0,0 %) 5 (0,0 %) 85 (0,1 %) 233 (0,3 %) 77,317 Brandenburg a./Havel (Stadtkreis) 50,463 (98,5 %) 607 (1,2 %) (0,0 %) 8 (0,0 %) 131 (0,3 %) 30 (0,1 %) 51,239 Westhavelland 63,998 (97,5 %) 1,481 (2,3 %) 1 (0,0 %) 2 (0,0 %) 73 (0,1 %) 52 (0,1 %) 65,607 Ruppin 75,772 (98,1 %) 1,315 (1,7 %) 3 (0,0 %) 11 (0,0 %) 70 (0,1 %) 31 (0,0 %) 77,202 Ostprignitz 66,572 (98,9 %) 672 (1,0 %) (0,0 %) 3 (0,0 %) 30 (0,0 %) 30 (0,0 %) 67,307 Westprignitz 78,183 (98,9 %) 621 (0,8 %) (0,0 %) 46 (0,1 %) 146 (0,2 %) 32 (0,0 %) 79,028 Gesamt (Reg. Potsdam) 2,280,372 (97,9 %) 30,233 (1,3 %) 179 (0,0 %) 2,604 (0,1 %) 10,162 (0,4 %) 6,335 (0,3 %) 2,329,885
Regierungsbezirk Frankfurt Regierungsbezirk Potsdam Deutsch Polnisch, Masurisch und Kaschubisch Wendisch Englisch Eine andere Sprache Deutsch und eine andere Sprache Gesamt Königsberg I.Neumark 95,018 (98,5 %) 1,304 (1,4 %) 1 (0,0 %) 4 (0,0 %) 78 (0,1 %) 100 (0,1 %) 96,505 Soldin 45,730 (98,1 %) 796 (1,7 %) 1 (0,0 %) 1 (0,0 %) 47 (0,1 %) 33 (0,1 %) 46,608 Arnswalde 41,043 (97,8 %) 885 (2,1 %) (0,0 %) 3 (0,0 %) 37 (0,1 %) 19 (0,0 %) 41,987 Friedeberg I./Neumark 53,378 (98,8 %) 512 (0,9 %) 1 (0,0 %) (0,0 %) 20 (0,0 %) 103 (0,2 %) 54,014 Landsberg a./Warthe (Stadtkreis) 35,787 (96,9 %) 200 (0,5 %) (0,0 %) 9 (0,0 %) 776 (2,1 %) 162 (0,4 %) 36,934 Landsberg (Landkreis) 55,222 (99,2 %) 399 (0,7 %) (0,0 %) 1 (0,0 %) 19 (0,0 %) 49 (0,1 %) 55,690 Lebus 91,858 (97,3 %) 2,190 (2,3 %) (0,0 %) 5 (0,0 %) 318 (0,3 %) 84 (0,1 %) 94,455 Frankfurt a./Oder (Stadtkreis) 63,412 (98,6 %) 690 (1,1 %) 2 (0,0 %) 10 (0,0 %) 56 (0,1 %) 134 (0,2 %) 64,304 Weststernberg 43,390 (99,4 %) 213 (0,5 %) 1 (0,0 %) (0,0 %) 44 (0,1 %) 19 (0,0 %) 43,667 Oststernberg 44,452 (99,9 %) 41 (0,1 %) (0,0 %) (0,0 %) 2 (0,0 %) 6 (0,0 %) 44,501 Züllichau-Schwiebus 46,640 (98,3 %) 735 (1,5 %) (0,0 %) (0,0 %) 33 (0,1 %) 41 (0,1 %) 47,449 Krossen 59,042 (99,6 %) 163 (0,3 %) 1 (0,0 %) 1 (0,0 %) 13 (0,0 %) 32 (0,1 %) 59,252 Guben (Stadtkreis) 36,343 (99,2 %) 130 (0,4 %) 32 (0,1 %) 12 (0,0 %) 68 (0,2 %) 51 (0,1 %) 36,636 Guben (Landkreis) 42,895 (97,9 %) 134 (0,3 %) 424 (1,0 %) 1 (0,0 %) 355 (0,8 %) 24 (0,1 %) 43,833 Lübben 33,659 (99,5 %) 73 (0,2 %) 76 (0,2 %) 1 (0,0 %) 18 (0,1 %) 18 (0,1 %) 33,845 Luckau 69,174 (98,9 %) 703 (1,0 %) 15 (0,0 %) 2 (0,0 %) 42 (0,1 %) 15 (0,0 %) 69,951 Calau 76,365 (89,6 %) 5,463 (6,4 %) 2,316 (2,7 %) 2 (0,0 %) 240 (0,3 %) 838 (1,0 %) 85,224 Kottbus (Stadtkreis) 44,862 (97,0 %) 300 (0,6 %) 864 (1,9 %) 3 (0,0 %) 75 (0,2 %) 166 (0,4 %) 46,270 Kottbus (Landkreis) 19,051 (38,2 %) 123 (0,2 %) 29,989 (60,1 %) (0,0 %) 11 (0,0 %) 710 (1,4 %) 49,884 Forst (Stadtkreis) 33,541 (99,4 %) 24 (0,1 %) 53 (0,2 %) 4 (0,0 %) 39 (0,1 %) 91 (0,3 %) 33,752 Sorau 83,917 (98,3 %) 632 (0,7 %) 94 (0,1 %) 2 (0,0 %) 204 (0,2 %) 485 (0,6 %) 85,334 Spremberg 29,868 (93,6 %) 514 (1,6 %) 744 (2,3 %) 3 (0,0 %) 130 (0,4 %) 667 (2,1 %) 31,926 Gesamt (Reg. Frankfurt) 1,144,647 (95,2 %) 16,224 (1,3 %) 34,614 (2,9 %) 64 (0,0 %) 2,625 (0,2 %) 3,847 (0,3 %) 1,202,021
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1816 1.254.177 1846 2.066.993 1871 2.863.229 1880 3.389.155 1890 2.541.783 1900 3.108.554 1910 4.092.616 1925 2.592.292 1933 2.725.697 1939 3.007.933 Die Bevölkerungszahl der Provinz wurde sowohl 1881 durch die Ausgliederung der Stadt Berlin als auch 1920 durch die Vergrößerung von Berlin deutlich verringert.
Wappen mini|Wappen der Provinz Brandenburg