mini|Luftkämpfe zwischen amerikanischen und japanischen Fliegerkräften, Juni 1942 (Diorama) mini|Flächenbombardements, Beispiel Heilbronn, 31. März 1945

Luftkrieg ist eine Form der Kriegsführung, bei der militärische Operationen hauptsächlich durch Luftstreitkräfte und Luftkriegsmittel anderer Teilstreitkräfte ausgeführt werden.

Die Kriegsführung lässt sich grob unterscheiden in:

Krieg in der Luft: Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge durch eigene Jagdflugzeuge und bodengestützte Flugabwehr. Krieg aus der Luft: vor allem Aufklärung und Bekämpfung von Bodenzielen, einschließlich gegnerischer Luftstreitkräfte am Boden, durch Aufklärungsflugzeuge und Bomber. Dies bezeichnet man auch als taktischen Luftkrieg. Seine drei Aufgaben bzw. Ziele sind der Angriff feindlicher Bodenziele in mittelbarer Nähe zu den eigenen Einheiten (Luftnahunterstützung) die Abriegelung aus der Luft (taktische Ziele im Rückraum – wie Brücken, Straßen und Nachschub – hinter der gegnerischen Kriegsfront bekämpfen). der strategische Luftkrieg mit der Zerstörung von gegnerischen militärischen und politischen Kommando- und Führungseinrichtungen inklusive deren Fernmeldemittel, von Produktionseinrichtungen für militärische Rüstungsgüter (Luftfahrzeuge und Panzer), Elektrizitätswerke und Überlandleitungen, Kraftstoffraffinerien und andere (Gas-)Energieeinrichtungen, Luft-, Land- und Wassertransportwege und -einrichtungen (Flughäfen, Seehäfen und Docks) sowie Produktionskapazitäten Nahrungsmittelindustrie.

Die Integration des Luftkrieges in die allgemeine Kriegsführung galt Daniel MoranEquipping tomorrow’s military and civilian leaders to tackle emerging security challenges bei nps.edu. zufolge als „zentrale militärische Herausforderung des 20. Jahrhunderts“. Während sich die ursprüngliche Hoffnung, dass der Luftkrieg abschreckend wirken könne oder militärisch allmächtig sei, sich nicht erfüllt habe, habe sich die Luftkriegsführung als entscheidendes Element des Gefechts der verbundenen Waffen etabliert.Daniel Moran: Geography and Strategy. In: John Baylis u. a.: Contemporary Strategy. 2. Auflage, Oxford University Press, Oxford 2007, S. 133.

Wichtige Theoretiker des Luftkrieges waren bzw. sind Giulio Douhet (1869–1930), Billy Mitchell (1879–1936), John Boyd (1927–1997) und John Warden (* 1943).

Der Anfang mini|hochkant|Kriegsballon „Intrepide“

Die erste kriegerische Nutzung des Luftraums bestand im Einsatz von Ballons zu Aufklärungszwecken („Feldluftschiffer“) und zur Lenkung des Artilleriefeuers.

Das erste Mal wurden Heißluftballons durch das revolutionäre Frankreich im Jahre 1793 zur Beobachtung feindlicher Stellungen eingesetzt; in diesem Jahr wurde die Aéronautique Militaire gegründet.Harenberg Kompaktlexikon. Band 2. Harenberg, ISBN 3-611-00542-8, S. 1843. Ein mit Wasserstoff gefüllter Fesselballon, der „Intrépide“, wurde von der kaiserlichen Armee in der Schlacht um Würzburg am 3. September 1796 erbeutet. Er befindet sich im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien und gilt als das älteste heute noch erhaltene militärische Fluggerät.Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Wien 2000, S. 43.

mini|links|Start des Ballons Le Washington am 12. Dezember 1870 vom Pariser Bahnhof d'Orleans, Vorderseite

mini|links|Die Rückseite dieser Medaille des von Pierre Eugène Godard geführten Ballons

Der erste Luftangriff auf eine Stadt fand in den Revolutionsjahren 1848 und 1849 statt: Bei der Belagerung von Venedig schlug der österreichische Feldmarschallleutnant, Artillerieexperte, Waffentechniker und Erfinder Franz von Uchatius vor, durch unbemannte Ballons Bomben auf die Stadt werfen zu lassen. Drei Wochen später erfolgte tatsächlich dieser erste Luftangriff der Weltgeschichte mit 110 von Uchatius hergestellten Ballonbomben.Christian Ortner: Die österreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren. Wien 2007, S. 73. Auch um die Belagerung der Stadt Sewastopol 1855 im Krimkrieg aufzulösen, hatte der britische Admiral Thomas Cochrane, 10. Earl of Dundonald eine Idee für den Abwurf von mit Chemikalien gefüllten Fassbomben, die mittels eines Ballons über der Stadt abgeworfen werden sollten, was der französische Luftschiffer Gardonia in einem Vortrag in London erläuterte.Augsburger Tagblatt, No. 216. Donnerstag 9. August 1855, S. 1390. Als Digitalisat (Stand: 5. Februar 2021).

Im Amerikanischen Bürgerkrieg wurden vereinzelt Ballons zur Aufklärung verwendet.

Im Deutsch-Französischen Krieg wurde von den Franzosen die Verbindung mit dem belagerten Paris 1870 bis 1871 mit Freiballonen erreicht.

Der erste Einsatz eines Flugzeugs für die Kriegsführung fand während des italienisch-türkischen Krieges am 23. Oktober 1911 in Form eines Aufklärungsfluges durch Carlo Maria Piazza in einer Blériot XI in Tripolitanien statt. Am 1. November 1911 folgte der erste Bombenangriff, als Giulio Gavotti aus einer Etrich Taube drei 2-kg-Bomben per Hand auf ein türkisches Militärlager abwarf.20 Minuten vom 13./14. Mai 2011: Die allererste Bombe fiel auf Libyen Am 4. März 1912 erfolgte bei Vollmond der erste Nachtflug durch Piazza und Gavotti und am 17. August 1912 wurde der erste Pilot in der Luft durch Gewehrfeuer vom Boden aus verletzt. Mit Leutnant Piero Manzini, der am 25. August 1912 bei einem Aufklärungsflug über feindlichem Gebiet abstürzte und dabei den Tod fand, war in diesem Krieg auch der erste tote Flieger während eines kriegerischen Ereignisses zu verzeichnen.

mini|Italienische Luftschiffe bombardieren osmanische Stellungen im italienisch-türkischen Krieg

Der italienische General Giulio Douhet begründete in der Folge seine Theorie des Bombenkrieges, nach der Flugzeuge speziell zur Bombardierung gebaut werden sollten. Somit gilt er als Begründer der Luftkriegstheorie. Seine Pläne, Italien komplett auf einen Luftkrieg vorzubereiten, stießen jedoch auf großen Widerstand. Als er unautorisiert den Bau von Bombenflugzeugen beauftragte, wurde er nach dem Disziplinarrecht zur Infanterie versetzt. Später wurde er sogar verhaftet; erst als Italien 1915 in den Ersten Weltkrieg eintrat (siehe Londoner Vertrag (1915)) und verheerende Niederlagen erlitt, wurde er in seine Stellung zurückberufen.

Während der Mexikanischen Revolution setzten die nördlichen Verbände neun Flugzeuge ein, die von amerikanischen Piloten geflogen wurden. Somit war dieser Konflikt nach dem italienisch-türkischen Krieg der zweite bewaffnete Konflikt, in dem Flugzeuge zur Anwendung kamen.Gerhard Wiechmann: Die preußisch-deutsche Marine in Lateinamerika 1866–1914: eine Studie deutscher Kanonenbootpolitik. Dissertation, Universität Oldenburg 2000, Seite 366–367. (online).

Alle Großmächte bauten sich Lufteinheiten auf, die aber noch Teil von Heer oder Marine waren. Siehe z. B. Royal Flying Corps (RFC), Französische Luftwaffe, k.u.k. Luftfahrtruppen, USAF, Fliegertruppe des Russischen Reichs.

Erster Weltkrieg

mini|links|Künstlerische Illustration des Bombenabwurfs durch Zeppelin VI auf Lüttich am 6. August 1914 mini|hochkant=1.25|Verteilung der Luftstreitkräfte zu Beginn des Ersten Weltkrieges

Im Ersten Weltkrieg wurden die meisten der Luftkriegskonzepte entwickelt, die den Luftkrieg bis zum Vietnamkrieg und teilweise auch darüber hinaus bestimmten.

Der vermutlich erste Luftangriff des Ersten Weltkriegs fand auf Lüttich statt: Am 6. August 1914 um drei Uhr morgens flog der deutsche Zeppelin LZ 21/„Z VI“ über Lüttich und warf Bomben ab, die neun Zivilisten töteten.Siehe Holger H. Herwig: The Marne, 1914. The Opening of World War I and the Battle That Changed the World. New York 2011, S. 110; Reichsarchiv (Hrsg.): Die Grenzschlachten im Westen (Der Weltkrieg 1914 bis 1918, Band 1). Berlin 1925, S. 115.http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/, Eintrag '5. August 1914' Das Bombardement wurde von deutscher Seite propagandistisch aufgegriffen:

Luftaufklärung mini|Angriff eines deutschen Flugzeugs auf einen „feindlichen Fesselballon“ (1918) Zu Beginn des Krieges (1914) konzentrierten sich die Mittelmächte und die Entente hauptsächlich auf die operative Fernaufklärung. Im Laufe des Krieges wurden Luftbildkameras („Reihenbildgeräte“) entwickelt, deren Fotos per Bildaufklärung aus Aufklärungsflugzeugen militärisch genutzt wurden.

Als erster entscheidender Erfolg der Luftaufklärung gelten die Meldungen des britischen Royal Flying Corps (RFC), die es möglich machten, den deutschen Vorstoß in Richtung der Marne abzufangen. Dies bewirkte, dass der Schlieffen-Plan nicht mehr erfüllbar war und der Krieg an der Westfront sich zu einem Stellungskrieg entwickelte.

Als der Grabenkrieg begann, wurden Fesselballons und zweisitzige, mit Funk ausgerüstete Flugzeuge zur Lenkung des Artilleriefeuers eingesetzt. Die Einführung von telegrafischen Löschfunkensendern ab 1915 war gleichbedeutend mit dem eigentlichen Beginn des Flugfunks. Es wurden besonders von den Briten Versuche unternommen, mit Ballons und Flugzeugen Spione hinter den feindlichen Linien abzusetzen.

Luftüberlegenheit Es entwickelte sich die Erkenntnis, dass Ballons und Aufklärer direkt aus der Luft angegriffen werden mussten, da es an ausreichenden und praktischen Möglichkeiten der Flugabwehr vom Boden aus mangelte. Die Entwicklung echter Jagdflugzeuge, mit denen ein Pilot ohne die Hilfe eines mitfliegenden Schützen in Richtung der Flugzeuglängsachse feuern konnte, ging vom französischen Piloten Roland Garros aus. Er befestigte ein nach vorne gerichtetes Maschinengewehr an einer Morane-Saulnier L und verstärkte die Propellerrückseite, sodass er durch den Propellerkreis hindurch feuern konnte, ohne den Propeller zu beschädigen. Ein von Fokker entwickeltes Unterbrechergetriebe für die luftschraubensynchrone Auslösung der Maschinenwaffen war eine sinnvolle Weiterentwicklung dieser Methode. Die damit ausgerüstete Fokker E-I gilt als erstes in Serie gefertigtes Jagdflugzeug der Welt.

Auf alliierter Seite behalf man sich zunächst mit einer Druckpropelleranordnung, später mit starr montierten, über den Propellerkreis hinweg ausgerichteten Waffen. Die Strukturen zur Führung von Verbänden im Kampf wurden der Kavallerie entlehnt und kontinuierlich weiterentwickelt. Der britische Pilot Lanoe Hawker setzte sich früh für einen disziplinierten Verbandsflug beim RFC ein. Auf alliierter Seite blieb man bei der Aufteilung in Schwadronen (englisch squadron), auf deutscher Seite kam es zur Aufstellung von Staffeln, die zahlenmäßig den Schwadronen entsprachen, und Geschwadern, die mehrere Staffeln zusammenfassten.

Die Alliierten stellten ihre Verbände im Verlauf des Krieges als separate Streitkräfte auf, die unabhängig von der Heeresleitung operieren durften. Wenig später kamen regelmäßige Patrouillenflüge hinzu, durch die die Franzosen und Briten die gesamte Westfront kontrollieren konnten.

Die Deutschen antworteten darauf mit der Durchführung von „Sperrflügen“. Bei dieser Taktik mussten die deutschen Besatzungen nahe der Front stationiert werden, um den Luftraum durch ständige Überwachungen zu sperren. Allerdings waren für ein solches Vorgehen sehr viele Jagdflugzeuge notwendig, die konzentriert in einem engen Gebiet operieren mussten und deshalb für andere Aktionen nicht verfügbar waren.

Im Oktober 1916 erfolgte auf Anregung des erfahrenen Kampffliegers Oswald Boelcke eine Umstrukturierung der deutschen Luftwaffe, die nun als eigenständige Streitkraft neben Heer und Marine aufgestellt wurde. Des Weiteren wählte Boelcke einige herausragende Flieger in den eigenen Reihen, die er persönlich im Luftkampf ausbildete und in der legendären „Jagdstaffel 2“ zum Einsatz brachte. Um seine Erfahrungen weiterzugeben, fasste er in der Dicta Boelcke die wichtigsten Grundlagen des Luftkampfes zusammen.