mini|Burg Eltz im Mai 2021
Burg Eltz ist eine Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert und eine der bekanntesten ihrer Art in Deutschland. Sie liegt auf im Tal der Elz, einem linken Nebenfluss der Mosel, in der Gemarkung der Ortsgemeinde Wierschem in Rheinland-Pfalz. Seit mehr als 800 Jahren ist das Bauwerk im Besitz der Adelsfamilie Eltz und weitgehend erhalten. Es gehört wie Schloss Bürresheim und Burg Lissingen zu den Befestigungsanlagen in der Eifel, die nie gewaltsam erobert wurden. Die Burg ist öffentlich zugänglich und ein beliebtes Ausflugsziel.
Geschichte Gründung und Besitzverhältnisse mini|links|Grundriss der Burg Eltz, A: Bergfried Platt-Eltz (vor der Aufteilung erbaut), B–B7: Kempenicher Häuser, C–C2: Rübenacher Haus, D–D3: Rodendorfer Häuser Die Burg wurde wahrscheinlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts an einem Handelsweg errichtet, der durch das Elzbachtal führte und die Mosel bei Moselkern mit dem fruchtbaren Maifeld verband. Der Elzbach umfließt drei Seiten der Burg, die auf einem bis zu 60 Meter hohen, elliptischen Felskopf emporragt. Die Erbauer orientierten sich bei der Anlage an der Form des Felssporns. Dadurch entstanden die teilweise ungewöhnlichen Grundrisse der einzelnen Räume. Der Name Eltz wird erstmals 1157 in einer Schenkungsurkunde Kaiser Friedrich Barbarossas erwähnt. In ihr wird ein „Rudolfus de Elze“ als Zeuge aufgeführt.Mittelrheinisches Urkundenbuch, Band 1; Nr. 599 und 567 Die unteren fünf Stockwerke des romanischen Bergfrieds Platt-Eltz datieren aus dieser Zeit. Um 1252 bis 1300 erhielt der Bergfried seinen gotischen Aufbau, gleichzeitig entstand auf der Ostseite des Hofs das älteste der Kempenicher Häuser sowie, nördlich angrenzend, das Haus Klein-Rodendorf.
Zu einer ersten Stammesteilung der Herren von Eltz kam es noch vor 1268 unter den Brüdern Elias, Wilhelm und Theoderich. Sie teilten die Burg und die dazugehörigen Güter unter ihren drei Familien auf. Deren Nachfahren spalteten sich im Laufe der Zeit in weitere Äste und Zweige auf. Daraus entstanden schließlich, benannt nach ihren verschiedenen zusätzlichen Besitzungen und Wappensymbolen, die Zweige:
Eltz-Kempenich, genannt „Eltz vom goldenen Löwen“, Eltz-Rübenach, genannt „Eltz vom silbernen Löwen“ sowie Eltz-Rodendorf, genannt „Eltz von den Büffelhörnern“
Die drei Linien teilten ihren Besitz zeitweise unter sich noch in weitere Anteile auf. Noch heute lassen sich an der Burg Eltz die Teilbauten der Linien zu Kempenich, Rübenach und Rodendorf in der Form selbständiger Wohntürme erkennen. Ihre Familien bildeten fortan eine Ganerbengemeinschaft, so dass Burg Eltz zu einer Ganerbenburg mit mehreren Besitzern wurde. Zeitweise wohnten, einschließlich Gesinde, bis zu über 100 Personen auf der Burg. Die Wohntürme (oder Turmgruppen) der drei Linien tragen bis heute ihre Namen. Den Rittersaal und die Kapelle nutzten alle Besitzerfamilien gemeinsam. 1323 wurde die Ganerbschaft in einem Burgfriedensbrief erstmals kodifiziert; später erfolgten mehrfach Ergänzungen des Vertrages.Burg Eltz – Historie, auf: burg-eltz.de
Im Jahr 1264 wurde erstmals das Burghaus in Koblenz-Rübenach erwähntRübenach Burghaus, auf: burgdirekt.de, ein romanischer Wohnturm, der möglicherweise auf eine ältere Holzmotte zurückgeht, und der 1316 an die Familie Eltz kamBurghaus Freiherr von Eltz-Rübenach, auf: rund-um-koblenz.de, als sie die Vogteirechte über Rübenach als erzbischöflich trierisches Lehen erhielt. Um 1520 wurde der Turm zu einem Burghaus erweitert.Udo Liessem: Der Wohnturm der von Eltz, 2000, auf: unser-ruebenach.de Die Linie Eltz-Rübenach übte das Vogtsamt bis zur französischen Besetzung 1794 und der darauf folgenden Auflösung des Kurstaats aus. Das Burghaus in Rübenach befindet sich bis heute im Besitz der freiherrlichen Linie Eltz-Rübenach, ebenso wie die Burg Kühlseggen und das Schloss Wahn. Auf der Burg Eltz errichteten sie ab 1311 die unteren fünf Stockwerke des Rübenacher Hauses.
Konflikt mit Balduin von Trier mini|hochkant=1.4|Burg Eltz und Burg Trutzeltz, rechts In den Jahren 1331–1336 kam es zu den einzigen schweren kriegerischen Auseinandersetzungen um die Burg. Während der Eltzer Fehde widersetzten sich die Eltzer Herren zusammen mit anderen freien Reichsrittern der Territorialpolitik des Erzbischofs und Kurfürsten Balduin von Trier. Zur Belagerung und einer möglichen Einnahme der Burg Eltz durch den Beschuss mit Katapulten ließ der Erzbischof des Bistums Trier auf einem Felsenvorsprung am Hang über der Burg die heute nur noch mit wenigen Ruinenmauern erhaltene Belagerungsburg Trutzeltz errichten. Zwei Jahre konnten die Belagerten durchhalten, mussten dann aber aufgeben. Die freien Reichsritter mussten auf ihre Reichsfreiheit verzichten. Balduin ernannte Johann wieder zum Burggrafen, allerdings als seinen Untertanen und nicht mehr als freien Ritter.
Frühe Neuzeit Zwischen 1490 und 1540 wurden auf Burg Eltz die später so genannten Rodendorfer Häuser erbaut, sie griffen den Stil des frühen 14. Jahrhunderts auf, der das Gesamtbild der Anlage durch die bereits vorhandenen Gebäude prägte. Die Hoffront der Häuser öffnet sich mit einer auf drei Pfeilern ruhenden gewölbten Vorhalle. Neben ihr befindet sich ein in die Außenmauer eingelegtes Madonnenmosaik aus dem 19. Jahrhundert. Um 1515 entstanden auch das Torwärterhaus zum inneren Burghof sowie die Remise.
mini|Der Elzbach und die Burg Eltz mini|hochkant|Nordost-Ansicht Der 1510 geborene Jakob III. von Eltz war einer der bedeutendsten Kurfürsten in der Geschichte des Erzbistums Trier. Er wurde 1525 Domherr, 1535 Kapitular und 1547 Domdekan von Trier. Außerdem war er ab 1564 Rektor der Universität Trier. 1567 wurde er in Koblenz zum Erzbischof von Trier gewählt und amtierte bis zu seinem Tod 1581 als Erzbischof und Kurfürst. Er verlieh seinen Eltzer Neffen das ehrenvolle Erbmarschallsamt des Kurfürstentums Trier. Die Enkel von Georg, dem Bruder des Kurfürsten, waren die Stifter der Linien zu Eltz-Oetingen und Eltz-Kempenich (von Kurtrier als Pfand erhalten ab 1663). Die Vettern von Georg begründeten wiederum zwei Linien, Johann Friedrich den Zweig zu Eltz-Bliescastell (wo die Eltzer als Trierer Amtmänner saßen) und Johann Philipp den Zweig zu Eltz-Waibling. Schließlich entstand durch Johann Adolph, Sohn von Friedrich von Eltz auf Bliescastell, die Linie Eltz-Rodendorf. Die Herrschaft Rodendorf (später Rotendorf genannt, heute Château-Rouge, Departement Moselle, Lothringen) gelangte durch Johann Adolphs Gemahlin Katharina von Brandscheid 1583 zunächst hälftig und im 18. Jahrhundert ganz in den Besitz des Zweiges Eltz-Rodendorf, der ab 1681 auch das lothringische Freisdorf und von 1762 bis 1812 die Burg Bourscheid besaß.
1604 bis 1661 wurden die Kempenicher Häuser errichtet. Durch ihre architektonische Komposition und ihr gegliedertes Fachwerk runden sie den Gesamteindruck des Innenhofes ab. Unter dem mächtigen Treppenturm wurde ein Brunnen erbaut, der der Wasserversorgung der gesamten Burg diente. Die Bauarbeiten wurden von Hans Jakob zu Eltz und dessen Ehefrau Anna Elisabeth von Metzenhausen verstärkt betrieben und zu Ende gebracht. Hans Jakob zu Eltz wurde am 15. Juli 1624 mit dem Amt des Trierer Erbmarschalls betraut. Ihm standen der Oberbefehl und die Führung der Trierer Ritterschaft zu. In dieser Zeit hatten die anderen Linien ihre Gebäude auf Burg Eltz schon weitgehend verlassen und sich auf ihren übrigen Besitzungen, u. a. in Trier, Koblenz, Boppard, Mainz, Eltville und Blieskastel angesiedelt. Um 1664 wurde die gotische Kapelle mit einem Erker versehen und das Goldschmiedehaus in der Vorburg errichtet.
In der Zeit von 1665 bis 1743 erreichten die Eltzer im Kurstaat Mainz ihren größten Einfluss. Der 1665 geborene Philipp Karl von Eltz trat 1686 in das deutsch-ungarische Kolleg in Rom ein. Nach dem Tod des Mainzer Kurfürsten wurde Philipp Karl zu dessen Nachfolger gewählt. Er war damit geistlicher Führer und mächtigster Kirchenfürst nördlich der Alpen, als Mainzer Kurfürst zugleich traditionell der „Reichserzkanzler für Germanien“, also für die deutschen Gebiete des Heiligen Römischen Reichs.
Zeit vom Pfälzer Erbfolgekrieg bis zur französischen Herrschaft Im Pfälzer Erbfolgekrieg von 1688 bis 1689 wurde ein Großteil der rheinischen Burgen zerstört. Da Hans Anton zu Eltz-Üttingen ein ranghoher Offizier im französischen Heer war, konnte er die Burg Eltz vor der Zerstörung bewahren.
Graf Hugo Philipp zu Eltz (1742–1818) wurde während der französischen Herrschaft am Rhein von 1794 bis 1814 als Emigrant behandelt. Seine Besitztümer am Rhein und in der Nähe von Trier wurden eingezogen. Die Burg Eltz und die dazugehörigen Güter waren der Kommandantur in Koblenz unterstellt. Als sich später herausstellte, dass Graf Hugo Philipp nicht emigriert, sondern in Mainz geblieben war, kam er 1797 wieder zur Nutznießung seiner Güter und Renten. 1815 erwarb er von den Freiherren von Eltz-Rübenach das Rübenacher Haus der Burg, mit zugehörigem land- und forstwirtschaftlichem Grundbesitz. Da die Linie Eltz-Kempenich, der er angehörte, bereits 1786 den Anteil der ausgestorbenen Linie Eltz-Rodendorf geerbt hatte, ist sie bis heute alleiniger Eigentümer der Burg. Sie führte den Titel Grafen und Edle von und zu Eltz, genannt Faust von Stromberg. Die Nachkommen dieser „gräflichen Linie vom goldenen Löwen“ besitzen bis heute neben der Burg Eltz auch den Eltzer Hof in Eltville.
Restaurierung im 19. Jahrhundert mini|Burg Eltz, Sammlung Alexander Duncker Die Burgenromantik führte seit dem frühen 19. Jahrhundert dazu, dass die Öffentlichkeit sich für die Burg zu interessieren begann. Zahlreiche Besucher, darunter deutsche Kaiser und Könige, der Maler William Turner oder der Schriftsteller Victor Hugo besuchten sie. Damals setzte sich Graf Karl zu Eltz (1823–1900) sehr für die Restaurierung seiner Burg ein. In der Zeit von 1845 bis 1888 wurden 184.000 Mark in die umfangreichen Bauarbeiten investiert. Dies entspricht nach heutiger Kaufkraft rund 15 Millionen Euro. Er ging dabei behutsam vor und berücksichtigte die vorhandene Architektur.Burg Eltz: Geschichte burg-eltz.de
Brand von 1920 und Folgezeit Am 20. September 1920 brach im Südteil des Kempenicher Hauses ein Brand aus und griff auf weitere Gebäudeteile über. Zerstört wurden insbesondere der Kapellenbau und das darüber gelegene Archiv, die Ausstattung des Kempenicher Hauses und der zehn oberen Räume des Rodendorfer Hauses.Albert Hofmann: Burg Eltz (Teil 1), Deutsche Bauzeitung 1920, Heft 84, S. 405/406, 407. Und Burg Eltz (Teil 2), Heft 85, 1920, S. 409. Wiederaufbauarbeiten (Kapelle und Haus Rodendorf) und Wiederherstellungen im Haus Kempenich wurden 1930 beendet.Jens Friedhoff: Burg Eltz bei Moselkern. Anmerkungen zu Brandzerstörung und Wiederaufbau der Burg 1920 bis 1930. S. 443–464. Aufsatz in einem Jahrbuch. Referenz ist im Literaturverzeichnis nachgewiesen.
Im Jahre 1945 wurden die ehemaligen Grafen Eltz, die seit dem frühen 18. Jahrhundert das kroatische Schloss Eltz in Vukovar besessen hatten und seit 1850 überwiegend dort lebten, enteignet und vertrieben und kehrten nach Eltville und Eltz zurück. 1945 wurde in der Burg ein regelmäßiger Museumsbetrieb begonnen. Seit 1961 war sie auf dem 500-Mark-Schein abgebildet. Zwischen 1975 und 1980 wurden die Außenmauern saniert. 1981 wurde die Schatzkammer eröffnet.
Sicherung und Sanierung (2009 bis 2012) mini|Innenhof