Die fünf Sinne ist ein fünfteiliger Zyklus von Ölgemälden des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn. Die Bilder entstanden 1624 oder 1625 und sind die frühesten bekannten Werke des gerade 18 oder 19 Jahre alten Rembrandt. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt für ein halbes Jahr in der Ausbildung bei Pieter Lastman oder hatte sie gerade beendet.

Vier der Gemälde wurden im 20. und 21. Jahrhundert wiederentdeckt, davon befinden sich drei in der Leiden Collection in New York City und eines im Museum De Lakenhal in Leiden. Das fünfte Bild ist verschollen, und obwohl über sein Aussehen fast nichts bekannt ist, steht seine frühere Existenz als Teil des Zyklus außer Zweifel. Bildserien der fünf Sinne entstanden ab dem 16. Jahrhundert insbesondere im Bereich der Grafik.Vogelaar: Brillenverkoper (Allegorie op het Gezicht), 2012, S. 18,

Die Tafelmalereien sind als Hochformate auf Eichenholz ausgeführt und hatten ursprünglich Maße von etwa 21,5 × 17,7 Zentimeter. In späterer Zeit wurden ringsum Teile angefügt, so dass die Formate etwa 32 × 25 Zentimeter erreichten. Die neuen Ränder und angrenzende Teile der Originale wurden so übermalt, dass die Darstellung passend auf das größere Format erweitert wurde. Bei Restaurierungen wurden die Ergänzungen dreier Bilder entfernt. Die entfernten Teile von einem dieser Bilder sind noch erhalten und eingelagert. Das vierte Gemälde wurde lediglich mit einem Rahmen versehen, der die Ergänzungen verdeckt.

Die Originalität der Gemälde wurde über Jahrzehnte immer wieder angezweifelt. Das Rembrandt Research Project nahm die seinerzeit bekannten Bilder 1982 als die drei ersten Gemälde in die Gruppe B ihres Werkverzeichnisses auf, da die Urheberschaft Rembrandts weder bewiesen noch widerlegt werden konnte. Spätere dendrochronologische Untersuchungen konnten nachweisen, dass die Holztafeln aus dem frühen 17. Jahrhundert stammten. Noch vor der Entdeckung des vierten Gemäldes wurden die Bilder Rembrandt zugeschrieben. Die Signatur Rembrandts auf dem 2015 gefundenen vierten Gemälde ist die früheste bekannte Signatur Rembrandts und sie beseitigte alle Zweifel an der Authentizität des ganzen Zyklus.

Bildbeschreibungen

Die drei Sänger (Hören) Das Gemälde zeigt drei Personen, ein Paar mittleren Alters und einen Jüngling, beim gemeinsamen Gesang. Im Vordergrund rechts sitzt an einem Holztisch ein Mann mit schütterem Haar und ohne Kopfbedeckung. Er trägt einen blaugrauen Stoffmantel, dessen Ränder mit Pelz besetzt sind, ein helles Halstuch und auf der Nase eine kleine Lesebrille. Nur die obere Körperhälfte ist sichtbar. Auf dem Tisch liegt ein aufgeschlagenes großes Buch, dessen rechte Seite flach auf dem Tisch und die linke Seite auf dem Arm des Mannes ruht, um dessen Begleitern das Lesen zu erleichtern. Die rechte Hand des Mannes ist leicht angehoben, als wolle er einen Takt vorgeben oder mit einer Geste auf etwas aufmerksam machen. Zu seiner Rechten, in die mittlere Bildebene gerückt, sitzt vornübergebeugt eine Frau im etwa gleichen Alter. Sie ist mit einem weißen Wollkleid und mit einem bunten Turban bekleidet. Ihre beiden Hände sind rechts neben dem Buch übereinander gelegt, die Proportionen sind unnatürlich verzerrt, so dass die Hände fast einer außerhalb des Bildes stehenden Person zuzuordnen sind. Hinter dem Paar befindet sich ein dunkel gekleideter Jüngling mit schwarzem Barett, der bis auf sein Gesicht und einen Teil seiner linken Brustseite verdeckt ist und über die Frau hinweg in das Buch schaut. Er wurde als Jan Lievens identifiziert, mit dem Rembrandt wiederholt zusammenarbeitete.

Die Holztafel hat das Format 21,6 × 17,8 cm und ist mit Ölfarbe auf baltischem Eichenholz mit senkrechter Maserung gemalt, das dendrochronologisch auf das frühe 17. Jahrhundert datiert werden konnte. Das Holz stammt von demselben Baum wie das für Die Kopfoperation (Fühlen). Zum Zeitpunkt der Entdeckung des Bildes waren ringsum Teile angestückelt, die einen Rahmen bildeten und das Gesamtmaß auf brachten. Dabei wurden oben 8,6 cm, unten 1,4 cm und an den Seiten jeweils 3,6 cm angefügt. Die dadurch entstandene vergrößerte Unterlage wurde rückseitig lackiert und das Gemälde auf die angefügten Teile erweitert. So erhielt der Jüngling einen nach außerhalb des Bildes weisenden rechten Arm, links unten befindet sich ein Leuchter mit einer brennenden Kerze und links oben ein Vorhang. Im Hintergrund wurden eine Fensteröffnung, ein hölzernes Bücherregal, eine Laute und eine große Blockflöte an der Wand zugefügt sowie rechts hinter dem Mann eine Stuhllehne. Die Ergänzungen erstreckten sich als Übermalungen auch auf das ursprüngliche Gemälde, da der Maler seine Arbeit überzeugend mit dem Original verbinden wollte. 1988 wurde das Gemälde weitgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt, die entfernten Ergänzungen befinden sich noch in der Leiden Collection.

Der ohnmächtige Patient (Riechen) Das Gemälde zeigt drei Personen, im Vordergrund einen in einen bunt gestreiften Hausmantel gehüllten Jüngling, der offenbar ohnmächtig geworden nach hinten geneigt auf einem Stuhl sitzt. Sein rechter Arm ist entblößt und ruht in der mit einem weißen Tuch bedeckten Hand eines Barbiers oder Baders, der offenbar einen Aderlass durchführen wollte. Der Barbier ist mit einem graublau und lila quergestreiften Wams bekleidet. Er trägt eine lilafarbene Kopfbedeckung mit weißem Unterrand, um seinen Hals hängen zwei goldene Ketten. Zwischen den beiden Akteuren steht im Hintergrund eine in einen dunklen pelzbesetzten Kapuzenmantel gekleidete alte Frau. Sie wirkt äußerst besorgt und hält dem bewusstlosen Jüngling ein weißes Tuch unter die Nase, das offenbar mit einer stark riechenden Lösung getränkt ist und den Patienten aus seiner Ohnmacht holen soll. Im Hintergrund befinden sich links ein Holzregal mit zahlreichen Gerätschaften eines Barbiers und rechts ein Schrank mit halb offener Tür. An dessen Seite ist das leicht gewellte Porträt eines Mannes mit Pelzmütze angebracht. Dieses Porträt trägt an seiner oberen linken Ecke die erst im Zuge der Restaurierung sichtbar gewordene Signatur RHF (für Rembrandt Harmenszoon Fecit, deutsch: Rembrandt, Sohn des Harmen, hat es gemacht).

Die Holztafel hat das Format 20,6 × 17,8 cm und ist mit Ölfarbe auf baltischem Eichenholz mit senkrechter Maserung gemalt, das auf das frühe 17. Jahrhundert datiert werden konnte. Das Holz stammt von demselben Baum wie das der Kopfoperation (Fühlen). Zum Zeitpunkt der Entdeckung des Bildes waren ringsum Teile angestückelt, die einen Rahmen bildeten und das Gesamtmaß auf brachten. Dabei wurden oben 9,5 cm, unten 1,6 cm und an den Seiten jeweils 3,8 cm angefügt. Die neue Unterlage war auf der Rückseite lackiert und das Gemälde auf die angefügten Teile erweitert worden. Wie bei den anderen drei bekannten Bildern des Zyklus sind beim ohnmächtigen Patienten eigenständige Motive zugefügt worden, und die Figuren des Barbiers und des Jünglings sind links und rechts nicht mehr abgeschnitten. Links neben dem Barbier befindet sich nun eine Büste auf einem Tisch. Das offene Regal mit den Barbier-Utensilien wurde deutlich nach oben vergrößert und oben hängt in der Mitte des Hintergrunds ein Reptil an der Wand, wahrscheinlich ein Krokodil. Der Schrank rechts im Bild wurde so vergrößert, dass er nun in ganzer Höhe sichtbar ist. Der Stuhl, auf dem der Patient sitzt, hat eine Rückenlehne erhalten. Die Farbe der Ergänzungen ist stärker nachgedunkelt als die des ursprünglichen Bildes und bei der Entdeckung des Bildes waren auf ihnen die umfangreichsten Beschädigungen der Farbschicht.

Insgesamt war das Gemälde mit einer dicken Schmutzschicht und stark gedunkelter Firnis bedeckt, und an zahlreichen Stellen war es zu Abblätterungen und Verlusten der Farbe gekommen. 2016 wurde das Gemälde restauriert. Dabei wurden die im 18. Jahrhundert angefügten Teile nicht entfernt. Für die Ausstellung wurden sie mit einem Rahmen abgedeckt, der sich bei Bedarf aufklappen lässt und dann den Blick auf die Ergänzungen freigibt.

Schmecken In der Fachwelt besteht kein Zweifel daran, dass der Zyklus von Rembrandt mit den Darstellungen aller fünf Sinne gemalt wurde und dass alle Gemälde das gleiche Format haben, drei Hauptpersonen darstellen und in der Farbgebung einander ähneln. Die Darstellung des Schmeckens ist verschollen. Die überraschende Entdeckung des vierten Gemäldes aus dem Zyklus in US-amerikanischem Privatbesitz nährt die Hoffnung, dass auch das Motiv des Schmeckens die Jahrhunderte überdauert hat und irgendwann wiedergefunden wird.

Der Brillenverkäufer (Sehen) Der junge Rembrandt löst sich von der Bildtradition allegorischer Personifikationen durch weibliche Personen in klassischer Kleidung und schildert Alltagsszenen. Er zeigt entsprechend der anderen Bilder der Serie drei im Vordergrund agierende Personen. Die Darstellung wird von der rechts stehenden und nach links zu seinem Kunden gewandten Halbfigur eines Brillenverkäufers dominiert, der mit seiner orientalischen Kleidung fast schon satirische Elemente aufweist. Er ist in ein an den oberen Ärmeln geschlitztes und gelb unterlegtes pinkfarbenes Wams gekleidet und trägt ein turbanähnlich um den Kopf gewickeltes mehrfarbig gestreiftes Tuch und einen auffälligen Geldbeutel an der Seite. An breiten Gurten trägt er einen voluminösen Bauchladen, in dem sich zahlreiche Lorgnons, Lorgnetten oder Brillen mit rot, gelb und weiß gestreiften Bändern befinden. Die linke Hand hält er hinter dem Rücken, mit der rechten reicht er seinem Gegenüber, einem alten Mann mit Knollennase, grauem Bart und Pelzmütze, einen Zwicker, eine bügellose Brille. Der Kunde ergreift sie mit seiner Rechten und deutet mit seiner linken Hand auf seine Nase. Zwischen diesen beiden Männern steht, leicht in den Hintergrund gerückt, eine alte Frau. Von ihr sind außer dem schwarzen Kopftuch nur das Gesicht mit einem schlecht sitzenden Zwicker und zusammengekniffenen Augen und die wie zum Tasten in Richtung des Brillenverkäufers erhobene Hand zu sehen, der das Sehen verkörpert. Die Szene vermittelt den Eindruck, als solle die Wirkungslosigkeit der angebotenen Brillen verdeutlicht werden (oder als frage sich der Mann, ob der Zwicker überhaupt auf seine Knollennase passe). Im Hintergrund sind schemenhaft zwei weitere Männer dargestellt, die aber zum Motiv des Vordergrunds keinen Bezug zu haben scheinen.

Die Holztafel hat das Format 21,0 × 17,8 cm und ist mit Ölfarbe auf baltischem Eichenholz mit senkrechter Maserung aus dem frühen 17. Jahrhundert gemalt. Eine Röntgenuntersuchung des Gemäldes erbrachte den Befund, dass die Unterlage zunächst den weiblichen Akt eines unbekannten Malers trug, der von Rembrandt übermalt wurde. Ringsum wurden im 18. Jahrhundert Teile angestückelt, die das Bild auf vergrößerten. Dabei wurden oben 10,3 cm, unten 1,5 cm und an den Seiten jeweils 3,8 cm angefügt. Die vergrößerte Unterlage wurde rückseitig lackiert und das Gemälde auf die angefügten Teile erweitert. Die in Rembrandts Original links nur zu zwei Dritteln sichtbare Halbfigur des Kunden wurde mit der Ergänzung in ganzer Breite dargestellt, einschließlich des angewinkelten rechten Arms. Über ihm, links oben, ist ein nach links zusammengeraffter und schräg herabhängender dunkler Vorhang dargestellt. Hinter dem Brillenverkäufer, am rechten Bildrand, wurde ein Tisch mit einem ovalen gerahmten Spiegel zugefügt. Für eine der schemenhaften Figuren im Hintergrund wird erkennbar, dass sie durch eine Tür rechts im Bild den Raum verlässt. Auch hier verliefen die Ergänzungen als Übermalungen bis in das ursprüngliche Gemälde. Im oberen Bereich der Ergänzungen waren große Bereiche des Farbauftrags einschließlich der Grundierung abgefallen, so dass der Untergrund frei lag. Im Zuge einer Restaurierung im Jahr 1992 wurden die Ergänzungen und Übermalungen des 18. Jahrhunderts wieder entfernt.

Die Kopfoperation (Fühlen)