Die Quaestiones disputatae (QD) sind eine wissenschaftliche Buchreihe, die aktuelle und kontroverse Themen der Theologie in der Breite der theologischen Disziplinen behandelt. Die Reihe, die im Verlag Herder erscheint, umfasst derzeit (Stand: Juli 2023) 332 Bände.

Programmatik In ihrer Einführung zur Reihe umschrieben Karl Rahner und Heinrich Schlier 1958 deren Zwecksetzung folgendermaßen: „Wir wollen wissenschaftliche Theologie treiben als katholische Theologen. Das und sonst gar nichts. Es handelt sich nicht um eine Schule, noch werden in der Kirche besondere geistespolitische Ziele verfolgt.“Karl Rahner/Heinrich Schlier, Einführung, in: Karl Rahner, Über die Schriftinspiration (Quaestiones disputatae 1), Freiburg 1958, 5–10, hier: 5.

Vor dem Hintergrund der damals vorherrschenden ungeschichtlich denkenden und als erstarrt wahrgenommenen neuscholastischen Schultheologie und wenige Jahre nach der Veröffentlichung der Enzyklika Humani generis (1950) Piusʼ XII. mit ihren antimodernistischen Verurteilungen der Nouvelle théologieVgl. dazu Dirk Ansorge, Kleine Geschichte der christlichen Theologie. Epochen, Denker, Weichenstellungen, Regensburg 2017, 300ff. und 324ff. präzisierten sie: „Wir sind … der Überzeugung, daß auch nach zweitausend Jahren christlicher Theologie deren wissenschaftliche Arbeit in ihrem Kern nicht ihrer eigenen Geschichte, sondern ihrer Sache gelten muß.“Karl Rahner/Heinrich Schlier, Einführung (s. Anm. 1), 6. Es sei „einfach falsch“, dass „die Theologie in ein Stadium der Endgültigkeit gekommen ist“,Karl Rahner/Heinrich Schlier, Einführung (s. Anm. 1), 6f. vielmehr gebe es echte Sachfragen, die in der Reihe adressiert werden sollen. Das impliziert „für die Frage nach der Sache“Karl Rahner/Heinrich Schlier, Einführung (s. Anm. 1), 7. notwendige historische Untersuchungen. Insbesondere gilt dies für die Reflexion auf die Bibel, die „für uns immer der erste Ausgangspunkt der theologischen Arbeit ist“. Das hier anklingende Programm eines „Zurück zu den Quellen“ zum Zwecke der Erneuerung der Theologie wurde wenige Jahre später vom Zweiten Vatikanischen Konzil rezipiert.

1985, angesichts einer neuerlichen konservativen Wende unter Johannes Paul II.,Vgl. Peter Neuner, Turbulenter Aufbruch. Die 60er Jahre zwischen Konzil und konservativer Wende, Freiburg 2019, bes. 236ff. machten die nachfolgenden Reihenherausgeber, Heinrich Fries und Rudolf Schnackenburg, sich dieses Anliegen zu eigen und betonten darüber hinaus im Geist des Konzils „das recht verstandene Aggiornamento“ als Kernanliegen der Reihe. „Dieses zeigt sich sowohl als Aufgabe der Vermittlung und Übersetzung [der Inhalte des Glaubens] in die jeweilige geschichtliche Stunde sowie auch dadurch, daß infolge neuer, aus der Geschichte und der Situation entstehender Fragestellungen die Theologie und ihre Sache neu befragt wird und den Rang einer Quaestio … erhält, deren Antwort nicht schon von vorneherein feststeht, sondern die durch Disputatio … gesucht wird.“Heinrich Fries/Rudolf Schnackenburg, Vorwort der Herausgeber, in: Stefan Niklaus Bosshard, Erschafft die Welt sich selbst? Die Selbstorganisation von Natur und Mensch aus naturwissenschaftlicher, philosophischer und theologischer Sicht (Quaestiones disputatae 103), Freiburg 1985, 5f., hier: 5. Heute versteht sich die Reihe in dieser Linie als „ein Forum wissenschaftlicher Theologie …, auf dem die relevanten Fragen über Gott und die Welt, die Kirche und den Glauben, die Menschen und ihre Zeit ohne Denkverbote so diskutiert werden, dass neue Einsichten gewonnen und neue Debatten angestoßen werden. Die Quaestiones disputatae sind eine katholisch geprägte Reihe, die ökumenisch engagiert, interreligiös kompetent und im säkularen Feld diskursiv präsent ist.“Vorwort der Herausgeberin und des Herausgebers, in: Johanna Rahner/Thomas Söding (Hrsg.), Kirche und Welt – ein notwendiger Dialog. Stimmen katholischer Theologie (Quaestiones disputatae 300), Freiburg 2019, 5–8, hier: 5.

Herausgeber Begründet wurde die Reihe 1958 von Karl Rahner und Heinrich Schlier. In deren Nachfolge wurde sie herausgegeben von Heinrich Fries (1985–1994), Rudolf Schnackenburg (1985–1996), Peter Hünermann (1994–2019), Thomas Söding (seit 1996) und Johanna Rahner (seit 2019). So wurde der Grundsatz, dass ein Tandem aus einem Exegeten und einem Dogmatiker (oder Fundamentaltheologen) die Reihe verantwortet, von Anbeginn bis heute durchgehalten.

Bände der Reihe