mini|Bergwanderung Wandern ist eine Form weiten Gehens über mehrere Stunden. Bildete die Fortbewegung zu Fuß früher die normale Art des Reisens, stellt sie heute in entwickelten Ländern vorwiegend eine Freizeitbeschäftigung und eine Sportart dar. Wandern ist eine mit Naturerleben verbundene, gemäßigte Sportart und ein zentraler Wirtschaftsfaktor vorwiegend des Sommertourismus. In der kalten Jahreszeit ist das Schneeschuhwandern eine beliebte Wintersportart geworden.

In Europa und Nordamerika sind reizvolle Regionen in der Natur durch Wanderwege gut erschlossen, die zu schönen landschaftlichen Stellen führen, aber auch besiedelte Gebiete durchqueren können. Zum Wandern kann man sich an die markierten Pfade halten oder auch geeignete Wege ohne regen Straßenverkehr benutzen.

Viele Wanderwege führen zu Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten. Neben Wegstrecken, die sich für Tagesausflüge eignen, haben die Wanderorganisationen auch Weitwanderwege angelegt und markiert, die in mehrere Tagesetappen unterteilt sind. Eine besondere Kategorie dieser Strecken bilden Pilgerwege.

Rund um den Wandertourismus hat sich eine vielseitige Infrastruktur entwickelt, die den Zugang zu den Wanderstrecken, die Ausrüstung mit dem Material und Literatur, die Verpflegung und Unterkunft sowie die Sicherheit und den Rettungsdienst ermöglicht.

Begriffsbestimmung mini|Alpine Wanderung mini|Klassisches Wanderterrain: die Täler und Höhen der Mittelgebirge mini|Wanderterrain in Argentinien Man unterscheidet zwischen zweckfreiem und zweckgebundenem Wandern. Zweckfreie Wanderungen dienen etwa der Erbauung oder Ertüchtigung, während zweckgebundenes Wandern früher Gründe hatte wie Forschung, Arbeitssuche, Walz, Flucht oder Handel oder in weiterem Sinne militärische Märsche.

Abgeleitet aus einer für Deutschland repräsentativen Befragung ergibt sich für das zweckfreie Wandern in Abgrenzung zum Spazierengehen folgende Definition:

Geschichte Entstehung Als erster historisch dokumentierter „zweckfreier“ Wanderer gilt der Italiener Francesco Petrarca, der 1336 mit seinem Bruder den etwa hohen Mont Ventoux bestieg. Über viele Jahrhunderte nach ihm sind nur wenige weitere Wanderungen dieser Art dokumentiert. Doch ist der Begriff des Wanderers auch in Deutschland im Mittelalter bekannt. 1353 werden in einem Vertrag zwischen Balduin von Luxemburg, Erzbischof von Trier, und Wilhelm von Gennep, Erzbischof von Köln, über die Raubritterburg Daun in der Eifel Kaufleute, Pilger, Wandeler und gemeine Leut erwähnt, die aus der Burg überfallen wurden (LHAK Best. 1A Nr. 7079).

Erst mit der Aufklärung, namentlich mit Albrecht von Hallers Gedicht Die Alpen (1729) und Jean-Jacques Rousseaus Julie oder Die neue Heloise (1761), kam beim Bildungsbürgertum eine neue Naturbegeisterung auf. Die neue Art der Fortbewegung, das Wandern, wurde zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums vom Adel. Aufrecht im Gang blickte man nun in die Welt und beobachtete Volk und Natur ungetrübt von Kutschenfenstern. Zahlreiche aufklärerische Wanderer erkundeten im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts Europa zu Fuß und schrieben ihre Erkenntnisse möglichst objektiv nieder. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den sozialen und politischen Gegebenheiten der durchwanderten Gebiete. Als schillerndstes Beispiel gilt oftmals der Leipziger Johann Gottfried Seume, der 1801 zu einer Fußreise nach Sizilien aufbrach und nach neun Monaten über Paris nach Leipzig zurückkehrte. Wandern ist mit der Liminalität in Verbindung gebracht worden, da es ein besonderes Erlebnis mit anderen Hierarchien ist.Arnd Krüger: Historie des Wanderns, in: A. Dreyer, A. Menzel & M. Endreß (Hrsg.): Wandertourismus. München: Oldenbourg 2010, S. 15–21.

Romantik Anschließend an die Aufklärung übernahmen die Romantiker das Wandern und prägten sein Bild bis heute. Schriftsteller wie Joseph von Eichendorff unternahmen ausgedehnte Wanderungen. Im Unterschied zu den Aufklärern war ihr Blick nicht mehr auf die sozialen und politischen Gegebenheiten gerichtet, sondern primär auf die Landschaft als Spiegel des eigenen Inneren. Sie suchten die Einsamkeit, um in ihr den Kosmos in sich selbst zu finden. Auch Novalis erzählt in seinem Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“ von einem Jungen, den ein wandernder Fremder inspiriert. Dieser hat die blaue Blume entdeckt: das Sinnbild der Sehnsucht, des Unerreichbaren, das Symbol der Wanderschaft in der Romantik.welt.de

Harz, Rügen und die Sächsische Schweiz waren die Lieblingsziele der Romantiker. Deren wilde unberührte Natur in Verbindung mit Wasser entsprach ihren Vorstellungen. Es entstanden Skizzen, Gemälde und Kupferstiche. Schließlich machten die Künstler die Regionen durch ihre Bilder so bekannt, dass es bei den wohlhabenden Herrschaften zum guten Ton gehörte, diese Landschaft selbst zu sehen. Wer es sich leisten konnte, wurde mit Sänften zu den Aussichten getragen, denn die Kleidung, gerade jene der Frauen, war kaum wandertauglich. Rückblickend betrachtet war dies der Anfang des Tourismus in Deutschland.

Im 19. Jahrhundert wurden zunehmend weniger Städte erwandert, vielmehr ließ man sich in Kutschen oder mit der Eisenbahn zu den Ausgangspunkten in der Natur bringen, wo man immer häufiger auf vorgegebenen Strecken lief. Wurden die Aufklärer noch abschätzig angeschaut, so machten die Romantiker das Wandern salonfähig. Mit dem Einzug der Eisenbahnlinien gerieten viele dieser Wanderwege in Vergessenheit.

In der Sächsischen Schweiz wurde intensiv anhand von historischen Bildern der Wegeverlauf von Dresden ins Elbsandsteingebirge rekonstruiert. Heute ist der Wanderweg als Malerweg erwanderbar.

Institutionalisierung des Wanderns mini|Ausgeschilderter Wanderweg auf einer öffentlichen Straße in der Schweiz mini|Typisch beschilderte Wanderwege in Österreich (hier am Nassfeld)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Institutionalisierung des Wanderns durch Wander- und Gebirgsvereine. Diese meist bürgerlichen und heimatverbundenen Vereine leisteten Pionierarbeit: Sie erstellten Wanderwege, Wegweiser, Wanderkarten, Wanderführer, Schutzhütten und Aussichtstürme. Nach einem Gedicht von Wilhelm Müller komponierte Carl Friedrich Zöllner im Jahr 1844 ein Lied, das in dieser Fassung zum bekannten Wander- und Volkslied Das Wandern ist des Müllers Lust wurde. 1864 wurde mit dem Badischen Schwarzwaldverein der erste deutsche Mittelgebirgsverein gegründet, 1896 nach einem Bergwanderunfall die erste Bergrettungsstelle weltweit im österreichischen Mürzzuschlag (Bundesland Steiermark).

Deutscher Wanderverband 1883 in Fulda gegründet, ist der Deutsche Wanderverband die Dachorganisation der Gebirgs- und Wandervereine in Deutschland. Seine Mitgliedsorganisationen markieren und betreuen ehrenamtlich ca. 200.000 km Wanderwege. Im Verband sind 58 Gebietsvereine mit insgesamt 600.000 Mitgliedern organisiert. Zu den Satzungsaufgaben gehören neben der Wegearbeit und der Pflege des Wanderns auch Naturschutz-, Jugend-, Familien- und Kulturarbeit.

Naturfreunde

Die 1895 in Wien gegründeten Naturfreunde ermöglichten erstmals das Wandern für eine proletarische Schicht. Mit starker sozialistischer Prägung eröffneten sie erste Naturfreundehäuser, in denen Wanderer günstig übernachten und Ferien machen konnten. Seit ihrer Gründung haben sie mehr als 1.000 Häuser errichtet – in Deutschland alleine rund 450.

Wandervogel

Zur gleichen Zeit kam die Jugendbewegung auf, die 1901 in die Wandervogelbewegung mündete. Die Wandervögel waren meist jugendliche Schüler und Studenten, die aus den Städten in die Natur flohen und durch eine neue Lebensweise gegen die wilhelminische Gesellschaft aufbegehrten.

Formen des Wanderns Bergwandern mini|Bergwanderpfad Lausitzer Weg

Das Wandern im bergigen Gelände wird als Bergwandern bezeichnet, wobei die Grenzen zwischen Wandern, Bergwandern und Bergsteigen nicht genau definiert sind. Unter anderem grenzt sich das Bergsteigen vom Bergwandern durch die Notwendigkeit zu klettern ab, wobei von „Klettern“ erst dann gesprochen wird, wenn man die Hände zu Hilfe nehmen muss. Der Schweizer Alpen-Club hält in einer Präzisierung zur SAC-Wanderskala fest, dass das Bergsteigen dann beginnt, wenn mindestens ein Mitglied der Gruppe bergsteigerische Hilfsmittel (wie Pickel, Seil, Steigeisen) benötigt. Werden – unabhängig vom Gelände – aufgrund der Erfahrung und Kenntnisse der Tourengänger keine Hilfsmittel gebraucht, gilt eine Tour als Bergwanderung.

Bergwandern wird zur Höhenwanderung, wenn sie in größerer Höhe ohne starke Höhenunterschiede verläuft (siehe auch Hochtour). Von Überquerung oder Übergang spricht man, wenn ein Gebirgspass zu übersteigen ist und der Weg meist von einer Schutzhütte zur nächsten führt.

Weitwandern, Fernwandern, Trekking Als Weitwandern bezeichnet man eine Wandertour, die über größere Strecken führt, und bei der man mehrere Tage unterwegs ist. Von Fernwanderwegen spricht man, wenn mehrere Weitwanderwege miteinander verbunden werden. Trekking ist Weitwandern in abgelegenen Gebieten mit marginaler Infrastruktur.Sven Groß, Manuel Sand: Draußen erleben! UVK, München, Tübingen 2022, ISBN 978-3-7398-3179-4, Kap. 5.1.8.

Ab 1905 wurde in der Schweiz der Jurahöhenweg angelegt und markiert, der über die aussichtsreichen Höhenzüge des Juragebirges in 16 Etappen von Dielsdorf nördlich von Zürich bis in die Nähe von Genf führt.Website des Jurahöhenwegs auf schweizmobil.ch Heute ist der Jurahöhenweg auch ein Bestandteil des Europäischen Fernwanderwegs E4.

Das Weitwandern als Aspekt des Bergsports wurde 1912 von DuÖAV-Sekretär Josef Moriggl angedacht, der sich mit dem Wandern von Hütte zu Hütte befasste. Der Alpinschriftsteller E. Benesch beschrieb 1932 drei Weitwanderrouten im Alpenraum.

Im Laufe der 1960er und 1970er Jahre entstehen zunehmend durchmarkierte Routen, auch weil man den wirtschaftlichen Aspekt des Weitwanderns erkennt – der Weitwanderer ist an die lokalen Ressourcen gebunden. In dieser Zeit werden auch die ersten überregionalen Vereine gegründet. Ab 1969 bestehen die Pläne, europaweites Fernwandern durch geeignete Routen attraktiv zu machen. Heute werden diese Bestrebungen in Form der Europäischen Fernwanderwege von der Europäischen Wandervereinigung koordiniert.

Siehe auch: Fernwanderweg – Übersicht über Wegenetz und Wandergebiete.

Parallel entwickelt sich die Wilderness-Bewegung Nordamerikas, die von den Naturreservaten ausgehend zu analogen Weit- und Fernwegen (englisch Trail) führt. Zum weltweiten Phänomen wird Weitwandern als Freizeitgestaltung Trekking ab der Zeit, in denen die „exotischen“ Gebirge wie Himalaya oder Anden für einen über Expeditionen hinausgehenden breitenwirksamen Ferntourismus erschlossen werden.

Bei der Jugendbewegung und den Pfadfindern wird das Wandern mit Zelt meist als auf Fahrt gehen bezeichnet. Fahrten dauern meist ein Wochenende bis drei Wochen.

Thruhiking oder Thruhike (auch Thru-hiking oder Thru-hike; deutsch Durchwanderung) bedeutet, einen Weit- oder Fernwanderweg zusammenhängend vom Anfang bis zum Ende zu bewandern.

Das Ultraleichtwandern (auch Trekking Ultraleicht oder Ultralight Trekking) ist eine Art des Trekkings, die die Minimierung des Ausrüstungsgewichts unter Einbeziehung der Gegebenheiten einer Tour, des persönlichen Know-hows sowie des Sicherheits- und Komfortbedürfnisses betont. In der Regel spricht man von Ultralight, wenn das Rucksackgewicht (ohne Proviant, Wasser und Brennstoff) unter 5 kg liegt. Ein Rucksackgewicht zwischen 5 und 9 kg wird als Light Trekking bezeichnet.

Sportwandern