mini|Fassade des Opernhauses, 2007 mini|Innenraum mit Logenrängen, 1879 (Gemälde von Gustav Bauernfeind) mini|Wappenkartusche vor dem Bühnenraum: Zwei Posaune blasende Genien zu Seiten der Wappenkartusche mit dem Brandenburger Adler und der preußischen Königskrone mini|Das heutige Bühnenbild nach einer Zeichnung von Carlo Galli Bibiena (angefertigt von Malern des Bühnenservice Berlin) mini|Deckenplafond – dargestellt ist der Gott Apoll umringt von Putti. Unter ihm befinden sich neun allegorische Frauengestalten Das Markgräfliche Opernhaus in der oberfränkischen Stadt Bayreuth ist ein Theaterbau des 18. Jahrhunderts. Da Bayreuth nach der Markgrafenzeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einer relativ unbedeutenden Provinzstadt geworden war, konnte der Bau die Folgezeit so gut wie unverändert überdauern. Dank der künstlerischen Qualität und des Erhaltungszustands ist das Markgräfliche Opernhaus neben dem Teatro Olimpico eines der beiden bedeutendsten vor der Französischen Revolution errichteten Theatergebäude, das erhalten blieb. Am 30. Juni 2012 erhob die UNESCO den barocken Bau zum Weltkulturerbe.

In Bayreuth wird es nur „Opernhaus“ genannt, das von Richard Wagner errichtete Opernhaus hingegen „Festspielhaus“. Nach dem Verkauf des Fürstentums Bayreuth an das Königreich Bayern im Jahr 1810 wurde das Gebäude als „Königliches Opernhaus“ bezeichnet.Bayreuther Zeitung vom 4. März 1849 bei books.google.de, abgerufen am 10. Februar 2020 bei gda.bayern.de, abgerufen am 10. Februar 2020

Vorgeschichte In den Jahren 1714/15 ließ Markgraf Georg Wilhelm an der heutigen Münzgasse durch den Hofarchitekten Johann David Räntz ein erstes Redoutenhaus und daneben ein „Opera- und Komödienhaus“ errichten.Bayreuth – Opernstraße 16 Redoute bei markgrafenkultur.de, abgerufen am 5. November 2022 Das Bühnenhaus befand sich zwischen dem Opera- und dem Redoutenhaus unmittelbar neben dem heutigen Opernhaus.Nutzbringende Nachbarschaft in: Nordbayerischer Kurier vom 28. Mai 2018, S. 14. Dieser Bau genügte den Ansprüchen der Markgräfin Wilhelmine (ab 1735 mit ihrem Mann Friedrich Herrscherin über das Fürstentum Bayreuth) jedoch nicht.

Baugeschichte Das Markgräfliche Opernhaus wurde zwischen 1744 und 1750 erbaut und zählt zu den wenigen im Original erhaltenen Theater- und Opernbauten der damaligen Zeit in Europa. Es sollte damals den Besuchern den Beginn eines Zeitalters der Weisheit und des Friedens vermitteln, das unter dem Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine eingeleitet wurde.

Das Gebäude wurde von Joseph Saint-Pierre entworfen, das Innere des Hauses gestalteten Giuseppe und Carlo Galli da Bibiena im Stil des italienischen Spätbarocks. Lediglich der originale Bühnenvorhang fehlt seit Ende des 18. Jahrhunderts – sein Verbleib ist unbekannt. Dass er von den Truppen Napoleons entwendet worden sei, ist eine Legende aus dem Jahr 1870.Das Bayreuther Opernhaus - Bedeutung Vorhang

Das Logentheater ist ganz aus Holz gefertigt. Die drei Logenränge sind den drei Ständen der Gesellschaft zugeordnet. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass die Fürstenloge fast nie vom Markgrafenpaar genutzt wurde. In der Mitte der ersten Reihe standen goldene Sessel, von denen aus das Geschehen auf der Bühne aus geringer Entfernung beobachtet werden konnte.

Das Deckengemälde Apollo und die neun Musen schuf Johann Benjamin Müller aus Dresden. In den Rundbildern der Deckenrahmung sind mythologische Szenen aus Ovids Metamorphosen dargestellt.

Bemerkenswert ist die Dachkonstruktion, die vermutlich ein Werk des Hofzimmermanns Adolf Adam Feulner und die größte ihrer Art ist. Die Beraterorganisation ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) der UNESCO erachtete in ihrer Beurteilung das Dach als besonders wertvoll und stufte es als Teil des Welterbes ein.

Mit 25 Meter Spannweite ist das stützenfreie Dach an der Grenze der möglichen Konstruktionslänge. Es ist eine barocke Hängewerkskonstruktion. Dafür wurden die maximalen Stammlängen verwendet, die erhältlich waren. Manche Balken konnten nicht einmal mehr bis zum Ende kantig bebeilt werden, um die Stabilität nicht zu gefährden. Das gewagte Vorgehen war nötig, da die Markgräfin einen gigantischen Zuschauerraum ohne störende Stützkonstruktionen und eine der größten Bühnen ihrer Zeit (180 Quadratmeter Spielfläche) erwartete.

Das Holz für das Dachtragwerk wurde vermutlich im Winter 1746/47 in den Oberförstereien Kulmbach und Sankt Johannis, den Förstereien Creußen, Lindenhardt und Röhrenhof sowie der Wildmeisterei Himmelcron geschlagen. Die Hofzimmerer mussten, nachdem die Außenwände hochgezogen waren, das Dach möglichst schnell errichten, um Bibiena den Innenausbau im Trockenen zu ermöglichen. Das nicht perfekt rechteckige Grundstück zwang dabei zum Kaschieren von Unregelmäßigkeiten und erschwerte es, einen Dachstuhl mit einem gerade durchlaufenden First zu errichten. Um die unterschiedlichen Breiten des Hauses von vorn nach hinten – das Dach verspringt um bis zu 40 Zentimeter – auszugleichen, baute Feulner vier Dachstühle nach demselben Prinzip und verband sie miteinander.

Das geflößte Holz wurde feucht verbaut. Um schneller fertig zu werden, ließ Feulner zwei Phasen der Dachaufrichtung parallel aufeinander zulaufen: eine von der Bühne kommend Richtung Mitte des Baus, die andere von vorn. Bibiena kam erst 1747, als der Dachstuhl stand und die Baustelle trocken war, zum Einbau des Logenhauses nach Bayreuth. Zur Eröffnung hatte die Straßenfassade noch einen geraden Abschluss. Das Walmdach an der Straßenseite entstand erst 1750 mit dem Anbau des Vestibüls.Wunderwerk aus Nadelholz in: Nordbayerischer Kurier vom 11. Juni 2018, S. 14.

Geschichte Das Opernhaus wurde Ende September 1748 anlässlich der Vermählung der Tochter des Markgrafenpaares, Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, mit Herzog Carl Eugen von Württemberg eingeweiht. Zur Eröffnung war die Fassade noch nicht fertiggestellt.Die konnten mal Sachen! in: Nordbayerischer Kurier vom 12. April 2018, S. 23. Im Rahmen eines glänzenden Fests wurden die italienischen Opern Artaserse und Ezio des Komponisten Johann Adolph Hasse aufgeführt.Vorhang auf im Markgräflichen Opernhaus in: Nordbayerischer Kurier vom 11. April 2018, S. 16. Der Bau des Gebäudes, für dessen Kosten letztlich die markgräflichen Untertanen aufkommen mussten, stürzte das Fürstentum Bayreuth in eine Schuldenkrise.Vorhang auf! in: Nordbayerischer Kurier vom 12. April 2018, S. 1. mini|Redoutenhaus (links) und Markgräfliches Opernhaus um 1900Kurt Herterich: Vom Bayreuther Schloßturm zum Festspielhügel, S. 26.

Markgräfin Wilhelmine, eine Schwester Friedrichs des Großen, starb zehn Jahre nach der Einweihung. Sie war eine begabte Komponistin und Librettistin von Opern und Singspielen, die in Bayreuth aufgeführt wurden. Während ihrer rund 20 Jahre währenden Opernleitung (ab 1737) gab sie ihrem Musiktheater ein persönliches und eigenständiges Gesicht, was im Bau des Markgräflichen Opernhauses gipfelte. Nach ihrem Tod wurde im Theater der regelmäßige Spielbetrieb reduziert, nach dem Tod des Markgrafen Friedrich fünf Jahre später (1763) vorübergehend ganz eingestellt. Historiker sehen darin einen Grund dafür, dass dieses hölzerne Opernhaus nicht wie die anderen seiner Zeit einem Feuer zum Opfer fiel. Es wurden dort seltener Kerzen oder Lichter entzündet, die einen Brand hätten verursachen können. mini|Markgräfliche Reithalle, an der Längsseite der Eingang des Theaters, frühes 20. Jahrhundert

Bayreuth leistete sich fortan keine eigenen Ensembles mehr, die Kosten und Repertoires entsprachen dem provinziell Möglichen. 1769 zog erstmals eine Wandertruppe in das Gebäude ein. Minna von Barnhelm, Romeo und Julia und – nun in deutscher Sprache – Molières Der Geizige standen damals auf dem Spielplan. Kabale und Liebe mit dem Bericht über nach Amerika verschickte Soldaten riss in den späten 1780er Jahren in der Bevölkerung vermutlich schwärende Wunden wieder auf. Mehr als 2300 Männer aus seinen Bayreuther und Ansbacher Territorien hatte Markgraf Karl Alexander 1777 unter Androhung standrechtlicher Todesurteile zum Kriegsdienst in den Dreizehn Kolonien gezwungen, nur 1379 kehrten zurück. Zu jener Zeit lebten in der Stadt ungefähr 10.000 Menschen, für die bescheidenen Ansprüche der Bürgerschaft war das Opernhaus zu groß und zudem nicht beheizbar. Darum wich man ab 1785 häufig in ein kleineres, beheizbares Theater aus, das 1762 in der markgräflichen Reithalle entstanden war. Markgraf Karl Alexander versuchte, das Opernhaus auf Abbruch zu verkaufen, jedoch fand sich kein Käufer.Sylvia Habermann: Gewachsenes für immer zerstört in: Amtsblatt der Stadt Bayreuth. Sonderamtsblatt zum Jahrestag der Bombardierungen vom 5., 8. und 11. April 1945 vom 11. April 1995

In den Jahren 1793/94 gastierte Franz Anton von Weber mit seinem Musik- und Theaterensemble, darunter sein Sohn Carl Maria, in Bayreuth. In der Aufführung Albrecht Achilles. Markgraf von Brandenburg stellte der sechsjährige Carl Maria dessen erstgeborenen Prinzen Johannes dar. Im Frühjahr 1794 erklang unter von Webers Regie im Opernhaus erstmals Mozarts Zauberflöte, „Publikumsrenner“ waren jedoch Operette und Singspiel. Die Sänger waren häufig nur Schauspieler mit ungeschulten Naturstimmen, das Orchester entstammte ebenfalls der Theatertruppe und zu seiner Verstärkung herangezogenen Stadtmusikern. Bevorzugte Autoren im Schauspiel waren Kotzebue und Iffland, zahlreiche Possenproduzenten brachten Witziges wie Die schöne Bayreutherin in Wien zur Aufführung. In der Zeit der französischen Besatzung ab 1806 wurde der Spielbetrieb eingestellt.

Nachdem Bayreuth von Napoleon Bonaparte 1810 an das Königreich Bayern verkauft worden war,Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 139. wurde das Opernhaus von bayerischen Beamten verwaltet, die das Haus nicht nur kulturellen Nutzungszwecken zuführten. „Zum Trocknen des für das Armeemagazin gemahlenen Mehls fehlt es an einem schicklichen Platz, und es muss dazu das Opernhaus auf 14 Tage gebraucht werden“ heißt es in einem Schreiben der Regierung aus dem Jahr 1814. In Kriegsjahren galt das Gebäude in erster Linie als Ressource für militärische Zwecke, und sein Zustand verschlechterte sich. Ein Bericht der bayerischen Baubehörde wies darauf hin: „Das Schieferdach des Königlichen Opernhauses ist in schlechtem Zustand. Regenwasser dringt durch die Verschalung und bildet ganze Lachen im Parterre, die dann tagelang zu sehen sind.“Affentheater im Opernhaus in: Nordbayerischer Kurier vom 12. März 2018, S. 16. mini|Markgräfliches Opernhaus um 1910

Das Gastspielwesen nahm im 19. Jahrhundert stabilere Formen an. Das Opernhaus wurde regelmäßig von den fixen Bühnen der Nachbarstädte Coburg, Nürnberg und Bamberg bespielt, wobei die Aktualität nicht außer Acht blieb. Stücke des gefallenen Nationalhelden Theodor Körner und Kleists Käthchen von Heilbronn wurden dargeboten, sogar für die pyrotechnische Schaustellung Der Brand von Moskau musste das feuergefährdete Opernhaus herhalten. Mit Beifallsstürmen wurde 1822 – bereits ein Jahr nach der Uraufführung – Carl Maria von Webers Freischütz bedacht. Beethovens einzige Oper Fidelio stand 1834 auf dem Spielplan. Daneben gab es im 19. Jahrhundert auch klassische Sprechtheateraufführungen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielte ein für die jeweilige Saison zusammengestelltes „Hoftheater-Ensemble“ im Opernhaus Operetten. Stars der aufstrebenden Unterhaltungsbranche fanden sich ebenfalls dort ein. Zauberkünstler, Akrobaten und Athleten traten auf, dressierte Affen zeigten ihre Kunststücke. Bis in die 1930er Jahre wurde das Markgräfliche Opernhaus als Alltagsspielstätte genutzt, ehe die von den Nationalsozialisten umgebaute ehemalige markgräfliche Reithalle (ab 1965: Stadthalle) diese Funktion übernahm.