Neu Zauche, , ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald im Südosten Brandenburgs. Die Gemeinde wird vom Amt Lieberose/Oberspreewald mit Sitz in der Gemeinde Straupitz (Spreewald) verwaltet.
Geografie mini|links|A-Graben im Spreewald bei Neu Zauche Neu Zauche liegt am nördlichen Rand des Biosphärenreservats Spreewald, rund dreizehn Kilometer östlich von Lübben und fünfzehn Kilometer südwestlich von Lieberose. Die Gemeinde grenzt im Norden an Märkische Heide, im Nordosten an Spreewaldheide, im Südosten an Straupitz (Spreewald), im Süden an Alt Zauche-Wußwerk und im Westen an Lübben (Spreewald). Neu Zauche gehört zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden.
Im Süden bildet der Nordumfluter die gemeinsame Grenze mit der Gemeinde Alt Zauche-Wußwerk. Nordöstlich des Ortsteils Briesensee liegt der Briesener See. Im südöstlichen Teil des Gemeindegebiets liegt das Naturschutzgebiet Neu Zaucher Weinberg.
Gemeindegliederung mini|links|Ortszentrum von Neu Zauche Zur Gemeinde Neu Zauche gehören die folgenden Ortsteile (niedersorbische Ortsnamen in Klammern): Briesensee (Brjazyna nad Jazorom) mit dem bewohnten Gemeindeteil Am See (Pśi Jazorje) Caminchen (Kamjeńki) mit dem Wohnplatz Pechhütte (Smólnica)
Zum Dorf Neu Zauche, das keinen Ortsteilstatus hat, gehören des Weiteren die bewohnten Gemeindeteile Kietz (Kice), Siedlung (Sedlišćo) und Weinberg (Winica).
Geschichte Neu Zauche wurde erstmals am 24. Januar 1334 mit dem Namen Zucha urkundlich erwähnt. Im Januar 1505 lautet die Schreibweise des Ortsnamens noch Große Zcawche, in der Mitte des 16. Jahrhunderts dann Newe Zauche. Im Februar 1347 belehnte Ludwig der Brandenburger die vier Söhne des Hentze von der Zuche mit Neu Zauche und vier weiteren Dörfern sowie deren Zubehör, die in der Herrschaft Neu Zauche zusammengefasst wurden. In der folgenden Zeit kamen weitere Dörfer zur Herrschaft hinzu.
Im Jahr 1670 lebten sechs Bauern, sechzehn Kossäten und vier Büdner in Neu Zauche. Die Herrschaft Neu Zauche wurde 1674 in das Amt Neu Zauche umgewandelt und in Lübben verwaltet. 1718 lebten in Neu Zauche sechs Hufner, 16 Kossäten und sieben Häusler, die eine Schatzung von 1625 Gulden an die Standesherren abzugeben hatten. Ab Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts folgte durch die Ansiedlung von Häuslern ein Bevölkerungsanstieg, im Jahr 1809 waren von den Haushalten in Neu Zauche sechs Bauern, achtzehn Kossäten und 58 Häusler. Nach der auf dem Wiener Kongress beschlossenen Teilung des Königreiches Sachsen kam Neu Zauche zum Königreich Preußen und wurde dort dem Landkreis Lübben (Spreewald) in der Provinz Brandenburg zugeordnet. Im Jahr 1818 hatte der Ort inklusive der Försterei, aller Mühlen und der Weinbergsiedlung 588 Einwohner in 93 Wohngebäuden.Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-9419-1989-1, S. 235f.
mini|hochkant|Gefallenendenkmal Bis 1825 wurden in Neu Zauche noch Gottesdienste in sorbischer Sprache gehalten. In den 1880er Jahren sprachen von den knapp 1000 Einwohnern von Neu Zauche rund 200 Sorbisch.Arnošt Muka: Statistik der Lausitzer Sorben. Herausgegeben und deutsche Übersetzung von Robert Lorenz, Domowina-Verlag, Bautzen 2019, S. 63 und 158. Das Amt Neu Zauche war zuletzt nur noch ein Rentamt und wurde 1874 aufgelöst, seitdem bildete Neu Zauche mit fünf weiteren Landgemeinden den Amtsbezirk Neu Zauche. Die Dorfschule erhielt im Jahr 1884 ein neues Gebäude. Im Jahr 1900 hatte Neu Zauche 1002 Einwohner, bei der Volkszählung im Jahr 1925 waren es 1040 Einwohner. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Neu Zauche zur Sowjetischen Besatzungszone; der Amtsbezirk Neu Zauche wurde aufgelöst. Ab 1949 lag die Gemeinde in der DDR.
Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt der VEB Druckmaschinenwerk Leipzig im heutigen Ortsteil Briesensee ein Betriebsferienlager für die Kinder seiner Beschäftigten. Bei der Kreisreform im Juli 1952 wurde die Gemeinde Neu Zauche dem neu gebildeten Kreis Lübben im Bezirk Cottbus zugeordnet. Nach der Wiedervereinigung kam Neu Zauche zunächst zum Landkreis Lübben in Brandenburg und schloss sich 1992 dem Amt Straupitz an. Bei der Kreisreform in Brandenburg am 6. Dezember 1993 wurde die Gemeinde dem Landkreis Dahme-Spreewald zugeordnet. Das Amt Straupitz wurde 1994 in Amt Oberspreewald umbenannt.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung Brandenburgs wurden am 26. Oktober 2003 die bis dahin selbstständigen Gemeinden Caminchen und Briesensee nach Neu Zauche eingegliedert. Gleichzeitig wurde das Amt Oberspreewald mit dem Amt Lieberose zum Amt Lieberose/Oberspreewald fusioniert. Neu Zauche gehört zum amtlichen sorbischen Siedlungsgebiet in der Niederlausitz und wurde mit dem Titel „Sprachenfreundliche Kommune“ ausgezeichnet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 054 1890 1 053 1910 1 121 1925 1 040 1933 1 019 1939 973 Jahr Einwohner 1946 1 418 1950 1 300 1964 1 067 1971 1 013 1981 917 1985 873 Jahr Einwohner 1990 938 1995 877 2000 830 2005 1 257 2010 1 160 2015 1 119 Jahr Einwohner 2020 1 061 2021 1 070 2022 1 060 2023 1 041 2024 1 03620251 037
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Dahme-Spreewald, S. 26–30Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Die Zunahme der Bevölkerungszahl 2005 ist auf die Eingemeindung von Caminchen und Briesensee im Jahr 2003 zurückzuführen.
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Neu Zauche besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Einzelbewerber Ronny Meehs 15,2 % 1 16,2 % 1 Einzelbewerber Christoph Hoppe – – 12,2 % 1 Einzelbewerber Ralph Raith 16,9 % 1 9,3 % 1 Einzelbewerber Ronny Schulze 7,2 % 1 9,0 % 1 Einzelbewerber Michael Leo – – 8,2 % 1 Einzelbewerberin Linda Kloas 7,7 % 1 7,5 % 1 Einzelbewerber Andreas Steinchen 13,0 % 1 6,4 % 1 Fremdenverkehrsverein Neu Zauche 17,5 % 2 6,1 % 1 Einzelbewerber Marco Lehmann – – 5,7 % 1 Einzelbewerberin Melanie Kossatz – – 5,5 % – Einzelbewerber Guido Hahn 7,3 % 1 5,4 % – Einzelbewerber Manuel Prediger – – 3,1 % – Einzelbewerber Marian Schulze – – 3,0 % – Einzelbewerberin Nadine Graeben – – 2,3 % – Einzelbewerber Harald Kloas 8,5 % 1 – – Einzelbewerber Maik-Harri Sindermann 6,7 % – – – Insgesamt 100 % 9 100 % 9
Bei der Wahl 2019 entsprach der Stimmenanteil des Einzelbewerbers Ralph Raith zwei Sitzen, daher blieb ein Platz in der Gemeindevertretung unbesetzt. Bei der Wahl 2024 entsprach der Stimmenanteil des Einzelbewerbers Ronny Meehs zwei Sitzen, daher bleibt ein Platz in der Gemeindevertretung unbesetzt.
Bürgermeister 1977–2014: Erhard PoppSeit 20 Jahren Bürgermeister im Landkreis Dahme-Spreewald. Landkreis Dahme-Spreewald, 6. Dezember 2013, abgerufen am 8. Dezember 2023. seit 2014: Norbert Janetzki
Janetzki wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 86,2 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|links|Dorfkirche Neu Zauche mini|Gutshaus Neu Zauche
Das Ortsbild wird geprägt von der neugotischen Dorfkirche Neu Zauche. Der kreuzförmige Backsteinbau wurde zwischen 1859 und 1862 nach Plänen von Emil Flaminius errichtet und 1990/91 umfassend restauriert.Kirche in der Gemeinde Neu Zauche restauriert. In: Neue Zeit, 12. Oktober 1991, S. 20. Die Kirchengemeinde Neu Zauche wird bereits im Kirchenverzeichnis des Bistums Meißen (1495) erwähnt. Eine der Glocken im Kirchturm wurde aus dem Vorgängerbau übernommen und stammt aus dem Jahr 1448.
Weiteres Baudenkmal ist das Gutshaus Neu Zauche, das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut wurde und als Verwaltungsgebäude der Herrschaft Neu Zauche diente. In den 1980er Jahren wurde das Gebäude zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut.
Infrastruktur Verkehr Neu Zauche liegt an der Landesstraße L 44 zwischen Lübben und Lamsfeld. Die Gemeinde verfügt über einen Kahnhafen für Spreewaldfahrten.Spreewald-Kahnhafen Neu Zauche. In: spreewald-kahnfahrten-neuzauche.de, abgerufen am 8. Dezember 2023. Der Gurken-Radweg führt durch den Ort.
Der Bahnhof Neu Zauche lag seit 1898 an der Bahnstrecke Lübben–Straupitz (Spreewaldbahn), die 1967 ihren Betrieb einstellte. Heute verkehren in Neu Zauche und den Ortsteilen mehrere Buslinien der Regionalen Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald.
Bildung In Neu Zauche befindet sich die Kindertagesstätte „Spreewaldspatzen“, in der die Kinder nach dem Modell des Witaj-Projekts die niedersorbische Sprache erlernen und in der verschiedene Bräuche wie beispielsweise die Vogelhochzeit gepflegt werden.Katrin Kunipatz: So ist der Alltag in einer Tracht – drei Frauen berichten. Lausitzer Rundschau, 24. Januar 2023, abgerufen am 8. Dezember 2023. Die Grundschule in Neu Zauche wurde Anfang der 2000er Jahre aufgrund zurückgehender Schülerzahlen geschlossen, seitdem besuchen Kinder aus der Gemeinde die Von-Houwald-Grundschule in Straupitz.
Persönlichkeiten Carl Wilhelm von Bredow (1682–1761), preußischer Generalmajor, in Neu Zauche geboren Kaspar Ludwig von Bredow (1685–1773), preußischer Generalleutnant, Erbherr auf Ihlow, in Neu Zauche geboren Emil Flaminius (1807–1893), Architekt der Dorfkirche Neu Zauche Herbert Zerna (1905–1955), 1945–1949 Pfarrer in Neu Zauche
Weblinks
Gemeinde Neu Zauche auf der Website des Amtes Lieberose/Oberspreewald Neu Zauche in der RBB-Sendung „Der Landschleicher“ vom 29. März 2009
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Dahme-Spreewald Kategorie:Ort in der Niederlausitz Kategorie:Ersterwähnung 1334 Kategorie:Ort im Spreewald Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)