Die Schlacht um die Gilbertinseln, auch Operation Galvanic genannt, wurde zwischen den Truppen Japans und der USA im Rahmen des Pazifikkrieges ausgetragen. Sie dauerte vom 20. bis zum 24. November 1943 und endete mit einem Sieg der Amerikaner. Die Eroberung der Gilbertinseln war der erste Schritt in der von Admiral Nimitz bevorzugten Strategie des so genannten „Island Hopping“ (Inselspringen) über die kleinen Atolle Mikronesiens. Eigentlich bestand die Schlacht aus zwei unabhängigen, jedoch gleichzeitig erfolgenden amphibischen Landungen auf den beiden Atollen Makin und Tarawa. Während die Kämpfe auf Makin für die Amerikaner weniger heftig ausfielen, kam es auf Tarawa zu erbitterten Kämpfen zwischen etwa 4.800 japanischen Verteidigern und 18.600 amerikanischen Marineinfanteristen, die auf beiden Seiten hohe Verluste mit sich brachten.

Die Amerikaner wählten zusätzlich das Abemama-Atoll als Ziel für eine Landung aus, da die große Lagune als Nachschubbasis für ihre Pazifikflotte im Vormarsch auf Japan geradezu prädestiniert war. Trotz einer sehr kleinen japanischen Besatzungseinheit von nur 25 Mann benötigten die Marines drei Tage, um das Atoll zu sichern (→ Gefecht um Abemama).

Vorfeld der Schlacht

Die Inseln und Inselgruppen der ehemaligen britischen Kolonie der Gilbert- und Elliceinseln bilden eine Kette von Atollen, deren höchsten Erhebungen zumeist nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen. Sie befanden sich zum Zeitpunkt der Schlacht genau zwischen den wichtigen japanischen Stützpunkten auf den Marshallinseln und den Karolinen sowie den amerikanischen Stützpunkten im Süden. Ihre Eroberung war daher unerlässlich für den Plan, nach und nach auf Japan vorzurücken. Der eigentliche Plan sah vor, Tarawa und Nauru, eine Insel etwa 500 km westlich der Gilbertinseln, zu besetzen. Ein Angriff auf den gut befestigten Stützpunkt Nauru jedoch hätte mehr Kapazitäten gefordert, als zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren, und so wurde Nauru zugunsten Makins, auf dessen Hauptinsel Butaritari sich ein japanischer Stützpunkt für Wasserflugzeuge befand, aufgegeben.

Den Japanern war die strategische Bedeutung der Inseln bewusst, unter anderem wegen des Erfolgs eines amerikanischen Angriffs auf Makin durch von zwei U-Booten abgesetzte Marineinfanteristen am 17. August 1942. Das Atoll Tarawa mit seinem Militärflugplatz auf der westlichsten Insel Betio wurde zur Festung ausgebaut: So wurde das dort befindliche Flugpersonal schon im September 1942 durch eine Garnison der 6. Yokosuka-Speziallandungskräfte (, Yokosuka dai-6 tokubetsu rikusentai) ergänzt, die zur 3. Sonderstützpunktverteidigung (, dai-3 tokubetsu konkyochitai) wurde. Im Dezember wurde mit dem Ausbau der Verteidigungsstellungen begonnen. Der eigentliche Verteidigungsplan beinhaltete die Unterstützung durch Flugzeuge sowie Kriegsschiffe und U-Boote von den japanischen Basen Rabaul im Bismarck-Archipel und Truk auf den Karolinen. Die tatsächliche Situation im November 1943 ließ dies allerdings nicht zu, da bereits alle verfügbaren Kräfte durch die amerikanischen Operationen im Bismarck-Archipel und den Salomonen gebunden wurden.

mini|Karte des Atolls Tarawa So ruhte die gesamte Last der Verteidigung auf den vor Ort stationierten Truppen. Diese waren auf Tarawa: 1122 Mann der 3. Sonderstützpunktverteidigung, 1497 Mann der 7. Sasebo-Marinesonderinfanterie (, Sasebo dai-7 tokubetsu rikusentai) – einer Eliteeinheit –, 1247 Mann der 111. Pioniereinheit (, dai-111 setsueitai), 970 Mann (davon mehr als die Hälfte Koreaner) des 4. Flottenpionier-Detachements (, Dai-4 kantai setsuei hakentai), sowie 30 Mann der 755. Luftgruppe (, dai-755 kōkūtai).

Abweichende Angaben kommen auf 5236 japanische Soldaten, davon 1.000 kaum bewaffnete Koreaner. Die ersten beiden aufgeführten Verbände waren Elite-Einheiten.Hanson W. Baldwin: Große Schlachten des 2. Weltkriegs. Fourier Verlag 2002, Wiesbaden, ISBN 978-3932412097, Tarawa S. 219

Ihr Defensivplan sah vor, die Landungsboote der Angreifer durch Hindernisse zu Wasser und zu Land sowohl zu verlangsamen als auch in schmale Gassen zu lenken, um sie dem konzentrierten Feuer der Verteidiger auszusetzen. Die Strände selbst waren vermint und durch etwa 500 Maschinengewehrnester rundum abgedeckt, während die Inlandsverteidigungen eher darauf ausgelegt waren, Schutz vor amerikanischen Bombardements zu bieten, als dass aus ihnen heraus ein effektiver Widerstand möglich gewesen wäre.

Die amerikanische Flotte, die im November 1943 vor den Inseln kreuzte, übertraf alle bis dahin üblichen Maßstäbe der Operationen im Pazifik: Sie umfasste 17 Flugzeugträger, 6 Schlachtschiffe, 8 Schwere Kreuzer, 4 Leichte Kreuzer, 66 Zerstörer und 36 Transportschiffe, die sich auf mehrere Verbände verteilten.

Von Norden her näherten sich drei Verbände: Aus der Task Force (TF) 50 die Task Groups 50.1 und 50.2 sowie die Task Force 52 unter Rear Admiral Richmond Kelly Turner, zu denen unter anderem die Flugzeugträger Yorktown, Lexington, Enterprise, Cowpens, Belleau Wood und Monterey gehörten, sowie die Schlachtschiffe North Carolina, South Dakota, Massachusetts, Idaho, Mississippi, New Mexico und Turners Flaggschiff, die Pennsylvania. Dazu kamen die zum Angriff auf Makin bestimmten Truppentransporter und natürlich ein Geleitschutz aus diversen Kreuzern und Zerstörern.

Von Süden aus näherten sich drei weitere große Verbände: Aus der Task Force 50 die Task Groups 50.3 und 50.4, bestehend aus den Flugzeugträgern Bunker Hill, Essex, Independence, Saratoga und Princeton, sowie die TF 53, bestehend aus den Geleitflugzeugträgern Barnes, Suwannee, Chenango, Sangamon und Nassau, zusammen mit den Truppentransportern für den Angriff auf Tarawa und den Schlachtschiffen Maryland, Tennessee und Colorado unter Admiral Raymond A. Spruance, der auf seinem Flaggschiff, dem Schweren Kreuzer Indianapolis, mitfuhr. Mit diesem Kontingent wurde eine außergewöhnliche Feuerkraft aufgefahren, mit dem Ziel einige Inseln zu erobern, deren Gesamtfläche nicht einmal der von Hamburg entsprach.

Der tatsächlichen Schlacht gingen bereits einige Luftangriffe voran, um erstens die feindlichen Verteidigungsanlagen zu schwächen und zweitens durch Angriffe auf die Gilbert- und Marshallinseln den Gegner über die eigenen Absichten zu verwirren.

Landung auf Tarawa mini|hochkant=2|Karte des amerikanischen Angriffplans auf Betio

Um 5.00 Uhr morgens begannen die Feuergefechte zwischen Schiffsartillerie und Küstengeschützen. Eine Dreiviertelstunde später jedoch stellten die Schiffe wie geplant ihr Feuer ein, um den bevorstehenden Luftangriff durch Sturzkampfbomber nicht mit dem aufsteigenden Rauch ihrer Granateinschläge zu behindern, oder gar die eigenen Flugzeuge zu treffen. Ein wenig später als geplant trafen die Bomber ein. Deren Besatzungen mussten feststellen, dass viele der attackierten Stellungen auch nach direkten Volltreffern intakt geblieben waren, ein Ergebnis der langen Bemühungen der Japaner, ihre Stellungen mit dicken Stahlbetonwänden und -decken abzusichern. Nach diesem Angriff schließlich war die Insel komplett von Qualm und Rauch bedeckt und es war beinahe unmöglich geworden, Punktziele wie die kleineren, gut befestigten MG-Stellungen der Japaner anzuvisieren.

Die US-Schiffe, insbesondere die Transporter, waren zu nah an der Insel und gerieten unter Beschuss. Sie waren in falsche Positionen gefahren und mussten erst einmal in andere Positionen fahren. Danach erfolgte das Umsteigen der Soldaten in die Landungsboote und das Landing Vehicle Tracked. Bald merkten die Amerikaner, dass die Aktionen der Landungsboote unrettbar hinter dem Zeitplan lagen. Ein starker Gegenwind machte es ihnen schwer, die verlorene Zeit wieder einzuholen und zum geplanten Zeitpunkt, 8.30 Uhr, den Strand zu erreichen. Die amerikanische Führung sah sich gezwungen, den geschätzten Zeitpunkt der Landung am Strand zunächst um 15 und dann um 30 Minuten zu korrigieren, was jedoch auch weiterhin den Realitäten nicht entsprach. Als weiteres Problem stellte sich die Ortung und Markierung der vorgesehenen Landungsbereiche heraus.Hanson W. Baldwin: Große Schlachten des 2. Weltkriegs. Fourier Verlag 2002, Wiesbaden, ISBN 978-3932412097, Tarawa S. 220–221

Als um 8.54 Uhr die Schiffe das Feuer einstellten, um die Landung der eigenen Truppen nicht zu gefährden, begann für diese die härteste Phase der Landung. Es sollte noch mehr als 20 Minuten dauern, bis die ersten Soldaten den Strand betreten konnten. Während dieses Zeitraums blieben die sich nur langsam voranbewegenden Amphibienfahrzeuge und Landungsboote fast ganz ohne eigene Feuerunterstützung und wurden von den verbleibenden japanischen Maschinengewehren und Kanonen unter Beschuss genommen. Weiterhin zeigte sich, dass zu diesem Zeitpunkt das für Atolle typische Korallenriff wegen der einsetzenden Ebbe an vielen Stellen bereits aus dem Wasser herausragte, was die Landung für die größeren Boote der späteren Angriffswellen erschwerte. So mussten die Soldaten teilweise aus den Booten steigen und die letzten 500 Meter durch das hüfthohe Wasser waten, während sie von den japanischen Stellungen unter Beschuss genommen wurden. Andere wiederum wurden von den zurückkehrenden Amphibienfahrzeugen der ersten Welle aufgenommen und an Land befördert.

So entstand an den drei Strandabschnitten eine chaotische Situation – viele Gruppen wurden versprengt, schlossen sich mit anderen Zügen zusammen, suchten nach ihren Kommandeuren. Andere ertranken in tieferen Stellen unter der Last ihrer Ausrüstung. Als sie schließlich gegen 10.00 Uhr erste Positionen an Land gesichert hatten, stellten die Amerikaner bald fest, dass fast alle Funkgeräte durch Feindbeschuss oder eindringendes Salzwasser unbrauchbar geworden waren.

mini|250px|links|Zerstörter amerikanischer LVT-1-Amphibienpanzer am Strandabschnitt RED 1

Den japanischen Truppen auf Tarawa wiederum waren durch den vorangehenden Beschuss und die Bombardements schwere Schäden entstanden. Fast alle größeren Geschütze waren zerstört worden und deren Mannschaften gefallen. An einigen Strandabschnitten war der amerikanische Vormarsch allerdings fast zum Erliegen gekommen. An Abschnitt RED 1 konnten sich die japanischen Verteidiger erbittert gegen die GIs zur Wehr setzen und diese vom Rest der Landungstruppen abschneiden.

Die Frontlinien verliefen weiterhin in direkter Nähe des Strandes. Die Versuche der Amerikaner, Vorstöße in Richtung des Inneren der Insel zu unternehmen, liefen alle sehr langsam und verlustreich ab. Alle Versorgungslinien zwischen den Schiffen und den Stellungen an Land lagen weiterhin unter Beschuss der Japaner. Bis 11.00 Uhr hatte sich die Anzahl der verfügbaren Amphibienfahrzeuge halbiert. Gegen Mittag schließlich hatte sich der Rauch von der Insel zum Großteil verzogen, sodass man Aufklärungsflüge unternehmen konnte. Der amerikanische Vormarsch schien gestoppt, auf den Stränden fehlte es an jeglicher Deckung, vielerorts lagen ganze Züge von Marines zusammengekauert hinter Palmenstämmen oder in Granattrichtern. Ein effektives Vorgehen gegen den japanischen Widerstand schien nicht möglich, bis es schließlich unter hohen Verlusten gelang, einige Panzer anzulanden, die dann hauptsächlich als mobile MG-Stellungen und Deckung genutzt wurden. So verschob sich die Frontlinie bis Abend fast zur Mitte der Insel hin, wo sich auch die Landebahn des japanischen Flugplatzes befand.

Während der Nacht verlagerten die Japaner einige Stellungen zwischen die Strandabschnitte RED 2 und RED 3, um diese voneinander abzutrennen, was ihnen auch am nächsten Tag für einige Zeit gelang. Doch schon am Vormittag unternahmen die Landungstruppen von RED 1 einen Vorstoß in Richtung Westen der Insel, was bei starker Artillerieunterstützung auch gelang, so dass gegen Abend ein weiterer Trupp beim Strandabschnitt GREEN landen konnte. Die Kämpfe bei RED 2 und RED 3 im Norden gingen währenddessen mit unverminderter Härte weiter. Bis zum Abend gelang dort nur ein kleinerer Vorstoß in Richtung des Flugfelds.