Ahrensburg (; niederdeutsch Ahrensborg) ist eine Stadt im Südosten von Schleswig-Holstein und die größte Stadt des Kreises Stormarn.

Geografie Geografische Lage Ahrensburg liegt im Nordosten des Agglomerationsraums um Hamburg, im östlichen Bereich der sich ringförmig um die Stadt Hamburg nördlich des Elbstroms erstreckenden naturräumlichen Haupteinheit Hamburger Ring (Nr. 695) der Südholsteinischen Geest.

Nachbargemeinden Die Stadt Ahrensburg grenzt an die Städte und Gemeinden Ammersbek, Delingsdorf, Hammoor, Todendorf, Großhansdorf, Siek, Braak, Stapelfeld und Hamburg.

Klima Die Sonnenscheindauer liegt im Jahresmittel bei 2234,63 Stunden. Der sonnenreichste Monat ist der Juli mit 306,59 Stunden. Die wenigsten Sonnenstunden hat der Januar mit 69,85 Stunden.

Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,7 °C. Der durchschnittlich wärmste Monat ist der Juli mit 18,3 °C, der kälteste der Januar mit 1,6 °C.

Hinweis zu den Klima-Diagrammen: Temperatur und Niederschlag wurden aus den 30 Jahres-Daten 1991–2021 errechnet.

Geschichte Vorgeschichte Das Ahrensburger Tunneltal weist zahlreiche Stationen spätpaläolithischer Rentierjäger auf. Der ebenen Talsohle folgt heute die Bahnstrecke Lübeck–Hamburg. Die Funde rund um das Tal sind so bedeutend, dass Prähistoriker im Allgemeinen von der „Ahrensburger Stufe“ sprechen. Theo Vennemann behauptet in seiner allgemein abgelehnten „Vaskonischen Hypothese“, dass die Menschen damals angeblich in einer dem Baskischen verwandten Sprache diesen Ort nach Arn für Tal benannten, woraus der heutige Ortsname entstanden sei.

Mittelalter Die Geschichte der Stadt geht zurück ins 13. Jahrhundert, als die Grafen von Schauenburg das Dorf Woldenhorn (aus dem später die Stadt Ahrensburg wurde) und die Nachbardörfer Ahrensfelde, Meilsdorf und Beimoor gründeten. Woldenhorn wurde im Jahre 1314 erstmals urkundlich erwähnt. Die Dörfer kamen 1327 zum Zisterzienserkloster Reinfeld, und Woldenhorn war Sitz des Klostervogts bis Mitte des 16. Jahrhunderts.

Etwa in der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die „Arx Arnsburga“, auch Burg Arnesvelde genannt, gebaut, deren Ausmaße durch die äußeren Wallgräben im Forst Hagen im Süden der Stadt noch gut erkennbar sind. Das Wappen der Stadt gibt die Burg Arnesvelde im oberen Wappenfeld wieder. Auf der Burg beheimatete Vögte sind 1295 und 1304 bezeugt. 1326 verlegte der Schauenburgische Graf Johann III. den Sitz seines Vogtes nach Trittau und gab die Burg auf.

Aus den Steinen der Burg soll später das Ahrensburger Schloss errichtet worden sein.

Neuzeit Mit der Säkularisation auf Grund der Reformation wurde der König von Dänemark Eigentümer des Gebiets. Er belohnte seinen Feldherrn Daniel Rantzau 1567 mit der Herrschaft über diese Dörfer. Dessen Bruder und Erbe Peter Rantzau baute um 1595 den Renaissance-Herrensitz in Form einer Wasserburg und die Schlosskirche, heute die Wahrzeichen der Stadt. Vorbildlich war die Angliederung von „Gottesbuden“ (Wohnungen für alte und mittellose Menschen) an die Kirche.

Das „Gut Ahrensburg“ gehörte zu den so genannten Adligen Gütern, die eine erhebliche Selbstverwaltung und Unabhängigkeit besaßen. Für die Bauern bedeutete die Herrschaft der Rantzaus allerdings Leibeigenschaft.

mini|Schloss Ahrensburg mini|hochkant|Schlosskirche Ahrensburg mini|hochkant|Gottesbuden

Das Gut der Rantzaus war Mitte des 18. Jahrhunderts stark verschuldet und wurde 1759 von dem Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann erworben, der Schloss und Bauerndorf stark im Stil des Barock umgestaltete und auf dessen Pläne die heutige Anlage der Stadt zurückgeht. Schimmelmann erwarb Reichtum durch Waffen-, Alkohol- und Sklavenhandel, insbesondere im atlantischen Dreieckshandel.

Zum 7. Juni 1867 wurde das bisherige Gutsdorf Woldenhorn eine selbständige preußische Landgemeinde und benannte sich durch Beschluss der Gemeindeversammlung in Ahrensburg um. Es gehörte dem gleichnamigen „Amt Ahrensburg“ an, aus dem es 1912 als dann amtsfreie Gemeinde wieder ausschied.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Hamburg nach Lübeck im Jahre 1865 wurde Ahrensburg zu einem beliebten Ausflugsziel im Hamburger Umland und die Einwohnerzahl stieg an. 1910 waren es bereits 2750 Einwohner. Eingemeindungen im Jahre 1928 führten zu einer Gebietsvergrößerung um 500 ha.

Bis Anfang der 1930er Jahre bestand in Ahrensburg eine kleine jüdische Gemeinde, deren Synagoge in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 in Brand gesetzt wurde.

Auf dem Gebiet des ehemaligen Gutes wurden ab 1933 die Siedlungen „Daheim/Heimgarten“ (z. T. auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Ammersbek gelegen) und „Am Hagen“ (ursprünglich: „Franz-Seldte-Siedlung“) gebaut. Der Ansturm von Siedlern aus dem Hamburger Raum führte zum Entstehen der heutigen aufgelockerten Siedlungsstruktur.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten in Ahrensburg nur 8270 Menschen. Zum Kriegsende stieg die Bevölkerungszahl von Ahrensburg, durch den Zuzug ausgebombter Hamburger und durch zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands, auf über 18.000 Menschen. Deutschland wurde letztendlich schrittweise besetzt. Am 3. Mai 1945 rückten britische Truppen auch auf Ahrensburg zu. Der Bürgervorsteher Gramm soll an diesem Tag, ohne Befehl oder Erlaubnis gehabt zu haben, in einem Auto in Richtung Schmalenbeck gefahren sein, um den Briten zu signalisieren, dass sich Ahrensburg kampflos ergeben würde. Zeitgleich soll der Ortsgruppenleiter betrunken im Ort herumgelaufen sein und Durchhalteparolen gegrölt haben. Dennoch rückten noch am selben Tag britische Panzer der 15. Schottischen Division in Ahrensburg ein.Hamburger Abendblatt: Kriegsende. Vor siebzig Jahren kapitulierte die Stadt Ahrensburg, vom: 2. Mai 2015; abgerufen am: 31. Mai 2017. Am 4. Mai unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag des letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz, der sich zuvor mit der letzten Reichsregierung nach Flensburg-Mürwik abgesetzt hatte, bei Lüneburg, die Kapitulation aller deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark. (PDF, 16. S.; 455 kB) Die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai 1945. In Ahrensburg richteten die britischen Besatzer im Schloss zeitweise ein Hauptquartier ein.Hamburger Abendblatt: Kriegsende. Vor siebzig Jahren kapitulierte die Stadt Ahrensburg, vom: 2. Mai 2015; abgerufen am: 31. Mai 2017.

Als Ahrensburg am 18. Januar 1949, Abruf am 30. März 2016. das Stadtrecht verliehen wurde, hatte es 17.775 Einwohner – rund die Hälfte davon Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Infrastruktur der Stadt stark ausgebaut. Zugleich siedelten sich zahlreiche Betriebe am Stadtrand an, die Ahrensburg zu einem bekannten Wirtschaftsstandort in Schleswig-Holstein machten.

Das von Joh. Friedrich Behrens, einer Firma zur Herstellung von Druckluftnaglern, entwickelte Unternehmensmodell wurde nach der Stadt als Ahrensburger Modell benannt.

Stadtteile Ahrensfelde Ahrensfelde wurde 1195 erstmals urkundlich erwähnt. Es bestand aus der im Forst Hagen gelegenen Burg und dem umgebenden Dorf. Im Jahr 1320 wurde die Burg bei Kriegshandlungen stark beschädigt. Im Jahr 1327 kam der Ort unter die Herrschaft des Klosters Reinfeld, das ihn der Vogtei Woldenhorn unterstellte. Von 1567 an gehörte Ahrensfelde für drei Jahrhunderte zum Adligen Gut Ahrensburg. Die Leibeigenschaft wurde 1797 aufgehoben, nachdem es bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts darüber Auseinandersetzungen mit Gutsherr Detlev Rantzau gegeben hatte. 1867 wurde Ahrensfelde preußische Landgemeinde und gehörte bis 1948 zum Amtsbezirk Siek, anschließend bis 1951 zum Amt Ahrensburg-Land. Von 1951 bis zur Eingemeindung nach Ahrensburg im Jahr 1974 gehörte das Dorf zum Amt Siek. Bei seiner Eingemeindung hatte Ahrensfelde 475 Einwohner.

Beimoor/Gewerbegebiet Nord Beimoor wurde erstmals 1300 als Streusiedlung urkundlich erwähnt. Ursprünglich zum Kloster Reinfeld gehörend, kam das kleine Dorf 1567 zum Adligen Gut Ahrensburg. Der Name bedeutet wohl Beeren-Moor. Mitte des 19. Jahrhunderts lag auf dem Gelände des Ortes neben einigen Erbpachtstellen, die 1788 nach Aufhebung der Leibeigenschaft geschaffen worden waren, auch ein Meierhof des Gutes. 1889 kam Beimoor, nunmehr preußische Landgemeinde, zum Amtsbezirk Ahrensburg, bis es bei Gründung der neuen Großgemeinde Ahrensburg 1928 dieser eingegliedert wurde. Es hatte damals 47 Einwohner.

West In diesem Stadtteil liegt der U-Bahnhof West und das Gewerbegebiet West. Ein Teil des Bredenbeker Teichs gehört zu diesem Stadtteil. Hier sind auch der kirchliche und der städtische Friedhof gelegen. Dazu kommt der Stadtteil Wulfsdorf an der Grenze zu Hamburg. Hier entstand im Jahr 2003 das Dorfprojekt „Allmende“ mit deutlich über 300 Bewohnern.

Gartenholz Der Stadtteil im Norden der Stadt ist nur durch die Bahnstrecke Lübeck–Hamburg vom Industriegebiet Nord getrennt. Seit Ende 2010 hat er einen eigenen Haltepunkt für die Regionalbahnzüge auf der Strecke. Zu dem seit den späten 1970er Jahren geschaffenen Neubaugebiet Gartenholz kommt die ältere Siedlung Kremerberg am nördlichen Stadtrand.

Erlenhof-Süd Das Wohngebiet Erlenhof-Süd ist ein 2014 neu entstandener Stadtteil westlich der Lübecker Straße und gegenüber dem Stadtteil Gartenholz. Eine eigene Kindertagesstätte und Einkaufsmarkt runden das Angebot des jungen Stadtteils ab.

Hagen Der Hagen war ursprünglich ein Waldgebiet, das an das Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal angrenzte. Es gehörte von jeher zur Vogtei Woldenhorn und ab 1567 zum Adligen Gut Ahrensburg. Der Gutsherr 1868 ließ das Gebiet für die Allgemeinheit sperren. Nach Auflösung des Gutsbezirks 1928 verkauften die Eigentümer große Teile des Hagener Landes als Bauland. Dort errichtete der Deutsche Siedlerbund um 1935 die Franz-Seldte-Siedlung (heute: „Siedlung am Hagen“). Auf weiteren Flächen wurde in den 1930er Jahren die „Siedlung Waldgut Hagen“ erbaut. Der unbebaute Teil des Hagens steht seit 1982 unter Naturschutz. Nach Eröffnung der U-Bahn-Station Ahrensburg Ost entwickelte sich der Hagen zu einem Ausflugsziel der Hamburger.

Eingemeindungen Im Jahr 1928 wurden die Gemeinden Wulfsdorf, Beimoor (erstmals 1300 erwähnt), Kremerberg sowie Teile des aufgelösten Gutsbezirks eingegliedert. Im Jahr 1932 kam der Rest des aufgelösten Gutsbezirks hinzu. Ahrensfelde wurde am 1. Februar 1974 eingegliedert.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Ahrensburg von 1875 bis 2016 mit (blau) und ohne (rot) Ahrensfelde 400px|mini|Bevölkerungspyramide für Ahrensburg (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Ahrensburg, Alter + Geschlecht)

Jahr Einwohnerzahlen 1875 1.509 1885 2.181 1910 2.750 1925 4.777 1939 8.136 1949 17.775 1961 21.178 (21.674)* 1970 25.290 (25.806)* 2002 30.068 2004 30.167 * mit Ahrensfelde Jahr Einwohnerzahlen 2006 30.155 2007 30.663 2008 30.907 2009 31.652** 2010 31.276 2011 31.242 2012 31.292 2013 31.361 2015 32.606 2017 33.305 2021 34.201 ** mit Zweitwohnsitzen

Konfessionsstatistik Gemäß der Zensus 2022 waren 27,9 % der Einwohner evangelisch, 6,5 % römisch-katholisch und 65,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Religion

Von 1823 bis 1899 war Ahrensburg Sitz des Stormarner Propstes der evangelisch-lutherischen Kirche. Heute bestimmen – neben einer Baptistengemeinde, einer Elim-Gemeinde, sowie einer Freien evangelischen Gemeinde – eine evangelisch-lutherische, eine neuapostolische und eine römisch-katholische Kirchengemeinde sowie die Moschee Ulu Camii (Große Moschee)Anschlag auf neue Moschee in Ahrensburg in: abendblatt.de vom 11. Mai 2012, abgerufen am 21. August 2016. das religiöse Leben der Stadt.