mini|hochkant|Harald Juhnke (1990er Jahre) Harry Heinz Herbert Juhnke, bekannt als Harald Juhnke [Aussprache des Nachnamens: , oft auch ] (* 10. Juni 1929 in Berlin; † 1. April 2005 in Rüdersdorf bei Berlin), war ein deutscher Schauspieler, Entertainer, Synchronsprecher und Sänger.
Karriere mini|Gedenktafel an Juhnkes elterlichem Wohnhaus (fälschlicherweise als Geburtshaus deklariert) in der Stockholmer Straße 29 mini|Berliner Gedenktafel am Haus Lassenstraße 1 in Berlin-Grunewald
Harald Herbert Juhnke wurde als Sohn des Polizeibeamten Herbert Juhnke (1898–1981) und dessen Ehefrau Margarete Juhnke, geborene Kolberg (1903–1974) in der Städtischen Frauenklinik Charlottenburg in Berlin geboren.Juhnke, Harald. In: Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon. Band 2: Hed–Peis. Deister, Bad Münder 1961, S. 773. – Ergänzend. Standesamt-Unterlagen mit Sterbeeinträgen der Eltern. Beim Vater Standesamt Charlottenburg Nr. 2764/1981, bei der Mutter Standesamt Tiergarten Nr. 233/1974. Seine Mutter stammte aus einer Bäckerfamilie. Er wuchs im seinerzeit eher proletarischen Bezirk Wedding auf. 1948 verließ er die Schule, um Schauspieler zu werden.
Bühnenschauspieler Nach dreieinhalb Monaten Schauspielunterricht bei Marlise Ludwig trat er am 9. November 1948 in Berlin erstmals auf einer Bühne auf: Im damaligen Haus der Kultur der Sowjetunion, das später zum Maxim Gorki Theater umgetauft wurde,Harald Juhnke, Harald Wieser: Meine sieben Leben. Rowohlt Verlag, Reinbek 1998, S. 319. spielte er in dem Revolutionsstück Ljubow Jarowaja einen russischen Offizier. Bei dem damals noch umherziehenden Ensemble Die Vaganten spielte er unter anderem in dem christlichen Stück Ihr werdet sein wie Gott.vaganten.de Kleine Geschichte der Vaganten Bühne 1950 engagierte ihn das Theater Neustrelitz, dann die Freie Volksbühne Berlin.
Als freischaffender Schauspieler spielte Juhnke an zahlreichen Bühnen und häufig auf Tourneen. Er bevorzugte Boulevardstücke, wo er anfangs meist in Liebhaberrollen zu sehen war und später in Charakterrollen.
1987 wurde er fest ans Berliner Renaissance-Theater engagiert. Eine seiner Paraderollen war Archie Rice in John Osbornes Der Entertainer. Er spielte auch die Titelrollen in Tartuffe, in Der Geizige und in Der Hauptmann von Köpenick, James Tyrone in Eines langen Tages Reise in die Nacht und den Blinden in Peter Turrinis Alpenglühen.C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 348.
Filmschauspieler In den 1950er und 1960er Jahren wurde er als Filmschauspieler bekannt. Man engagierte ihn als jugendlichen Liebhaber oder als lustigen Berliner. Er selbst maß diesen Filmen keine allzu große Bedeutung bei:
Populär wurde Juhnke durch das Fernsehen in den 1970er Jahren als Entertainer und Seriendarsteller. Die 1990er Jahre brachten für ihn dann ein Comeback als Filmschauspieler. In den Filmen Schtonk!, Der Papagei (beide 1992) und Der Hauptmann von Köpenick (1997) erwarb er sich bei Kritikern großes Lob als Charakterdarsteller. 1995 spielte er die Hauptrolle in dem Film Der Trinker nach Hans Fallada, in dem er auch die Erfahrungen mit seiner eigenen Alkoholerkrankung verarbeitet.
Synchronsprecher Zwischen 1952 und 1994 war Juhnke in der Synchronisation tätig. So sprach er z. B. Marlon Brando (u. a. in Die Faust im Nacken, Morituri und Sayonara), Elvis Presley (Pulverdampf und heiße Lieder), Charles Bronson (Ein Mann ohne Furcht), Peter Falk (Eine Leiche zum Dessert), Peter Sellers (Der rosarote Panther), Robert Wagner (u. a. Die gebrochene Lanze), Woody Allen (Was Sie schon immer über Sex wissen wollten…), Stacy Keach (Abrechnung in San Franzisko) und Philippe Leroy (Milano Kaliber 9).
Für zwei Disney-Filme übernahm Juhnke in den siebziger Jahren deutsche Synchronrollen. So war er die Stimme des Fuchses Ehrlicher John in der zweiten Synchronfassung von Pinocchio. In Bernard und Bianca sprach er den Albatros Orville.
In dem Film Charlie – Alle Hunde kommen in den Himmel von Don Bluth war er als die deutsche Stimme des Schäferhundes Charlie B. Barkin zu hören. Der Film wurde 1989 in den mit Disney konkurrierenden Sullivan Bluth Studios fertiggestellt.
Fernsehstar Ab 1977 trat er verstärkt im Fernsehen auf, zunächst mit Grit Boettcher in der ZDF-Serie Ein verrücktes Paar. Ab 1979 moderierte er als Nachfolger des verstorbenen Showmasters Peter Frankenfeld die ZDF-Show Musik ist Trumpf und erreichte damit bis zu 30 Millionen Zuschauer. Juhnkes Alkoholprobleme führten Ende 1981 zur Einstellung der Sendereihe.
Im Jahr 1985 übernahm er die Rolle des Trödelhändlers Ottmar Kinkel in der seit 1977 laufenden Fernsehvorabendserie Drei Damen vom Grill. Von 1987 bis 1989 spielte er mit Eddi Arent in der Sketchserie Harald und Eddi. Er war der erste Gast in der Harald-Schmidt-Show.
Von 1985 bis 1991 moderierte er die Sendung Willkommen im Club.
Sänger und Museumsgründer
Als Showmaster eiferte er in Smoking und Lackschuhen seinem Vorbild Frank Sinatra nach. Zu seinen Songs zählte eine deutsche Version von Sinatras Hit My Way, den er ebenso wie die Lieder Berlin, Berlin (New York), Barfuß oder Lackschuh mehrmals in unterschiedlichen Versionen und Arrangements einspielte.Harald Juhnke - Was ich im Leben tat (My Way) Fernsehaufnahme aus dem Jahr 1999, abgerufen am 11. Juni 2020 auf YouTube Mit der Hagener NDW-Band Extrabreit nahm er 1996 die Single Nichts ist für immer auf.
Privatleben Familie mini|hochkant|Wohnhaus der Familie von Harald Juhnke in Berlin-Gesundbrunnen mini|Villa von Harald Juhnke in Berlin-Grunewald, Lassenstraße (abgerissen 2012) Juhnke war 1999 zusammen mit Walter Plathe und Günter Pfitzmann Mitbegründer des Zille-Museums in Berlin.
Juhnke war in erster Ehe seit 1952 mit der Schauspielerin und Tänzerin Sybil Werden verheiratet. Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder: Tochter Barbara (1953–1955) und Sohn Peer (* 1956), der als Orthopäde in München arbeitet. Die Ehe wurde 1962 geschieden. Von 1963 bis 1971 war er mit Chariklia Baxevanos liiert. Am 8. April 1971 heiratete Juhnke die Schauspielerin Susanne Hsiao in Berlin-Schmargendorf, die Tochter eines chinesischen Gastronomen und einer Ostpreußin. 1972 wurde ihr Sohn Oliver Marlon geboren.
Alkoholkrankheit Die Öffentlichkeit nahm an Juhnkes Alkoholkrankheit, insbesondere durch die Berichterstattung in der Boulevardpresse, regen Anteil. Sein problematischer Alkoholkonsum wurde 1959 erstmals öffentlich bekannt. Juhnke war seinerzeit wegen Trunkenheit am Steuer, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung zu sieben Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden. Nach vier Monaten wurde er wegen guter Führung entlassen und verzichtete fortan auf einen Führerschein. Es kam seither immer wieder zu schweren Alkoholabstürzen, die häufig auch in Phasen großer Erfolge einsetzten, zu Regressforderungen seiner Arbeitgeber führten und die Engagements des Mannes für alle Fälle, zu dem er sich selbst stilisierte, gefährdeten oder beendeten.
Im Jahr 1981 verlor Juhnke seine Fernsehshow Musik ist Trumpf, da das ZDF der Ansicht war, dass es sich nicht mehr auf ihn verlassen könne.
Am 25. Oktober 1984 erhielt Juhnke die Kündigung durch das ZDF aufgrund seiner „Unberechenbarkeit“. Anlässe waren sein geplatzter Auftritt in der Fernsehshow Dalli Dalli, sein Ausstieg aus den Dreharbeiten zu einer Verfilmung des Dramas Die Hose sowie sein betrunkener Auftritt in der SFB-Talkshow Leute, eine Talkshow aus dem Café Kranzler mit Gisela Marx und Wolfgang Menge. Ausdrücklich befürwortet wurde die Kündigung durch den Moderator der ZDF-Suchtwoche Hans Mohl.Harald Juhnke, Harald Wieser: Meine sieben Leben. Rowohlt Verlag, Reinbek 1998, S. 239/240 In den 1980er Jahren gewann die Molkerei Müller Juhnke als Werbeträger u. a. für Buttermilch und Kefir und spielte gezielt auf den Konsum alkoholfreier Getränke als Alternative für ihn an.
Im Januar 1996 verpasste er einer Reporterin des Senders RTL, die mit ihrem Fernsehteam vor seinem Haus wartete, am Gartenzaun eine Ohrfeige. Anfang Februar 1997 hielt er sich in Begleitung des Sohnes Oliver im Mondrian-Hotel in Los Angeles auf, von wo Juhnke zu Dreharbeiten für die ARD-Serie Klinik unter Palmen weiterreisen wollte. In betrunkenem Zustand schlug er zunächst eine in der Lobby anwesende Touristin aus Florida und dann seinen Sohn. Es wurde ihm vorgeworfen, einen schwarzen Wachmann, der Juhnke zu seinem Zimmer geleitet hatte, einen „dreckigen Nigger“ genannt und gesagt zu haben, dass dieser unter Adolf Hitler vergast worden wäre. Der Vorfall und die Beleidigung führten zu internationalem Aufsehen und wurden von deutschen Politikern wie den Bundestagsabgeordneten Cornelie Sonntag-Wolgast und Johannes Gerster verurteilt.
1998 wurde seine Autobiografie, die er mit dem Journalisten Harald Wieser verfasst hatte, unter dem Titel Meine sieben Leben vom Rowohlt Verlag veröffentlicht.
Bei einem Konzert am 11. Oktober 1999 im Berliner Friedrichstadtpalast kehrte Juhnke nach der Pause zunächst für eine halbe Stunde nicht auf die Bühne zurück. Stattdessen trat als Gast die afroamerikanische Jazzsängerin Jocelyn B. Smith auf, die zunächst vereinzelt, schließlich von rund einhundert der zweitausend Zuschauer ausgepfiffen wurde. Juhnke betrat zunächst noch für ein Duett mit Smith die Bühne, brach das Konzert dann ab und warf dem Publikum Rassismus vor. Juhnke und Smith wiederholten das Konzert einen Monat später an gleicher Stelle ohne Störungen.
Endgültiger Zusammenbruch Als „Quartalstrinker“ konnte Juhnke durch längere Phasen von Abstinenz bis zuletzt eine Leberzirrhose vermeiden. Die Schäden am Gehirn schritten jedoch voran.Harald Juhnke, Harald Wieser: Meine sieben Leben. Rowohlt Verlag, Reinbek 1998, S. 293 Im Spätsommer 1997 verbrachte Juhnke wegen einer schweren Lungenentzündung 55 Tage im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin, davon zwei Wochen im künstlichen Koma. Er erholte sich langsam und hinterließ einen verwirrten Eindruck. Hier erwähnten die Ärzte erstmals ihm gegenüber das Korsakow-Syndrom als Folge einer vergiftenden Lebensführung. Auf den Rat eines Neurologen hin ließ er sich im Oktober 1997 in der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel von Franz Müller-Spahn untersuchen. Dieser attestierte ihm, dass er zwar nicht das Vollbild der Krankheit zeige, wohl aber unter Korsakow-Symptomen leide wie Gedächtnislücken, illusionären Verkennungen, halluzinativer Ängstlichkeit, leichtem Verfolgungswahn und schweren Schlafstörungen. Nach einer umfassenden Suchttherapie warnte ihn der Professor: „Bei der nächsten Flasche wird es für Sie möglicherweise keine Zukunft mehr geben.“ Juhnke sei am Verlust der Kontrollfähigkeit erkrankt. Dadurch verwandle seine Biochemie das Bedürfnis nach einem entspannenden Glas augenblicklich in eine anormale Gier. Anschließend kehrte Juhnke nach Berlin zurück.Harald Juhnke, Harald Wieser: Meine sieben Leben. Rowohlt Verlag, Reinbek 1998, S. 379–391