Hiddenhausen (niederdeutsch: Hiddenkussen) ist eine kreisangehörige Gemeinde im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen und liegt rund 20 km nordöstlich von Bielefeld, rund 5 km nördlich von Herford. Hiddenhausen ist der Fläche nach die kleinste Gemeinde im ostwestfälischen Kreis Herford (Regierungsbezirk Detmold). Die heutige Gemeinde Hiddenhausen entstand erst 1969 in einer Kommunalreform aus Gemeinden des Amtes Herford-Hiddenhausen; eine kontinuierliche Besiedelung des Gebietes lässt sich jedoch bereits seit dem 7. Jahrhundert belegen.
Geografie mini|Topographie des Stadtgebietes Geografische Lage Hiddenhausen liegt in der Ravensberger Mulde zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Die nächsten Großstädte sind das 20 km südlich gelegene Bielefeld und das 50 km westlich gelegene Osnabrück. Der östliche Teil liegt in den Flussniederungen der Werre, die überwiegend die Grenze im Osten bildet. Der tiefste Punkt liegt bei rund im Norden, wo die Werre das Stadtgebiet Richtung Löhne/Kirchlengern verlässt. Etwa die Hälfte des Gemeindegebietes liegen unter 100 m. Höchste Erhebung ist der Schweichler Berg Höhe. Von Enger kommend durchfließt der Brandbach an der westlichen Grenze und im Nordwesten das Gemeindegebiet. Er fließt dann weiter durch Bünde und Kirchlengern, um sich dann wie die Werre mit der Else zu vereinigen. Im Süden entwässert der Düsedieksbach das südliche Hiddenhausen.
Geologie mini|Geothermische Karte von Hiddenhausen Das Gebiet gehört naturräumlich größtenteils zur Ravensberger Mulde, ein leichtwelliges, zwischen 50 und liegendes Hügelland. Zahlreiche kleine Täler (sogenannte Sieke) schneiden oft unvermittelt und tief in das sonst nur schwach kuppierte Land ein. Geologisch liegen im Wesentlichen Liasplatten mit Lößauflage vor, die durch Zertalung im Pleistozän zum Hügelland umgestaltet wurden. Unter der Lößdecke finden sich teilweise Geschiebelehme. Weitere Hinterlassenschaft der Eiszeiten sind die häufig anzutreffenden Findlinge.
Hiddenhausen bietet in den meisten Lagen eine gute bis sehr gute Nutzung geothermischer Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebietes mini|Flächennutzung Die Form des Gemeindegebietes ähnelt einem Achteck. Hiddenhausen hat eine Fläche von 23,87 km² und ist damit die kleinste Gemeinde im Kreis Herford. Die Nord-Süd- und West-Ost-Ausdehnung betragen etwa 5 km.
Hiddenhausen ist stark zersiedelt und bildet mit den Städten Herford und Bünde eine weitgehend durchgehende Agglomeration. Die Bevölkerungsdichte ist die höchste im dicht besiedelten Kreis Herford. Das nicht besiedelte Land weist kaum größere Waldgebiete auf. Die Gegend zählt aufgrund der hohen Fertilität zum Altsiedelland und wird wie der übrige Kreis Herford intensiv landwirtschaftlich genutzt. Hauptsächlich wird auf den fruchtbaren Lößgebieten Getreide und Mais, aber auch zunehmend Raps kultiviert. Die folgende Tabelle zeigt die genaue Flächennutzung.
Flächenach Nutzungsart Siedlungs- undVerkehrsfläche Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche sonstigeFreiflächen Fläche in Hektar 974 1186 198 44 Anteil an Gesamtfläche 40,8 % 49,7 % 8,3 % 1,9 %
Nachbargemeinden
Hiddenhausen ist die einzige Gemeinde im Kreis Herford, die ausschließlich von Kreisgebiet umgeben ist. Hiddenhausen grenzt im Norden an Bünde, Kirchlengern sowie Löhne, im Osten und Süden an die Stadt Herford und im Westen an Enger.
Gemeindegliederung
300px|mini|Gemeindegliederung Hiddenhausen besteht aus sechs vor 1969 eigenständigen Gemeinden. Bevölkerungsreichster Gemeindeteil ist Schweicheln-Bermbeck. Das Rathaus befindet sich im Gemeindeteil Lippinghausen. Die ehemalige Gemeinde Hiddenhausen – mittlerweile nur noch fünftgrößter Gemeindeteil – war Namenspate für die neue Gemeinde Hiddenhausen nach 1969. Folgende Tabelle zeigt die Gemeindegliederung im Überblick:
Gemeindeteil Einwohner1 Eilshausen 4672 Hiddenhausen 2457 Lippinghausen 2569 Oetinghausen 4073 Schweicheln-Bermbeck 4799 Sundern 1443 Stand 2021
Klima mini|Niederschlagsdiagramm für Eilshausen Das vorherrschende Klima ist das atlantische Seeklima.
Im langjährigen Mittel (1981–2010) hatte die Region durchschnittlich 1583 Sonnenstunden pro Jahr (Beobachtungsstation: Herford). Die Wetterdaten für Hiddenhausen dürften im langjährigen Mittel nicht bedeutend von den angegebenen Daten aus Herford abweichen, da die Städte in etwa gleich hoch und in vergleichbarer naturräumlichen Lage an der Werre liegen. (Das Niederschlagsdiagramm Hiddenhausen-Eilshausen bezieht sich noch auf den Zeitraum 1961–1990)
Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte Frühzeit bis 800
Die ältesten menschlichen Spuren lassen sich in Hiddenhausen der mittleren Steinzeit zuordnen. Aufgrund der etwas erhöhten und damit hochwassersicheren Höhenlage an der Werre war das Gebiet zur Besiedlung geeignet. So wurden beispielsweise Steinzeitbeile, Kleinwerkzeuge aus Stein (Mikrolithen) und eine jungsteinzeitliche Höhensiedlung auf dem Schweichler Berg gefunden. Im Westen wurden weiterhin Grabhügel aus der Bronzezeit sowie ein Bronzemesser gefunden. Aus der vorrömischen Eisenzeit stammen über 400 (Urnen)gräber. Aus 450 v. Chr. stammen über 250 Brandgrubengräber. Einem dieser Gräber aus der jüngeren vorrömischen Zeit war die als „Eilshauser Ente“ bekannte Plastik aus Bronze beigelegt, einem anderen eine umfangreiche Schmucksammlung. Die 1932 entdeckten 68 Brandgrubengräber stammen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. und enthielten Scherben römischer Importware. Aus der Zeit der Völkerwanderung (400–800 n. Chr.) stammen ein Schmelzofen, Überreste eines Hauses, Scherben einer römischen Amphore, Silberschmuck und zwei römische Münzen. Diese Hinweise auf eine feste Besiedelung zu dieser ungewöhnlich frühen Zeit lassen sich jedoch des Weiteren nicht kontinuierlich belegen.
Mittelalter und Reformationszeit (bis 1614)
Erst um 800 lässt sich eine Besiedelung wieder nachweisen. Zu dieser Zeit waren bereits alle heutigen Gemeindeteile als kleine, sächsische Bauerschaften vorhanden, die sich im Mittelalter zu Dörfern entwickelten. Im frühen 10. Jahrhundert wurde die heutige evang.-luth. Kirche im Gemeindeteil (Alt-)Hiddenhausen gegründet und dem heiligen Gangolf geweiht. Zum Kirchspiel gehörten damals die Dörfer Hiddenhausen, Eilshausen, Oetinghausen und Lippinghausen sowie später auch Bustedt. Die Ländereien und Bauernhöfe gehörten zumeist zur Reichsabtei Herford. Im Waldgebiet „Sundern“ hatte die Herforder Äbtissin ihren Sommersitz. Als weltliche Schutzherren fungierten zunächst die Edelherren zu Köln, später dann die Grafen von Ravensberg, deren Ritter Heinrich Ledebur die Burg Bustedt 1415 erbaute. Nach einer verlorenen Fehde musste Ledebur 1417 auf die Wehrburg bei Spenge weichen; die Burg gehörte fortan zum Amt Enger. Ab etwa 1556 gehörten alle heutigen Gemeindeteile zur Vogtei Enger im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg. Anfang des 16. Jahrhunderts kam es zu einer kurzfristigen Regentschaft des Stadtfürsten Henne von Moshburg, die allerdings nach weniger als einem halben Jahr endete.
Leineweberzeit bis 1860
1614 fiel die Grafschaft und damit auch das heutige Gemeindegebiet an Brandenburg-Preußen. Im 17. und 18. Jahrhundert begann in Hiddenhausen (wie auch anderswo im Ravensberger Land) der Flachsanbau und die Verarbeitung des Flachses zu Leinen. Oft war der Flachsanbau jedoch nur Nebentätigkeit oder Fülltätigkeit für die weniger arbeitsintensiven Wintermonate. 1798 wurde der Besitz des Frauenstiftes, darunter Wald und bisher gemeinschaftlich genutzte Flächen, aufgeteilt. Im Zuge dieser Aufteilung wurde auch Sundern eine selbständige Gemeinde. Neuen Siedlern wurde von den Altbauern als Erbpächtern oder Neubauern diejenigen dieser neuaufgeteilten Flächen überlassen, die sie (aus Kapazitätsgründen) nicht selbst bewirtschaften konnten. 1827 siedelten in Hiddenhausen 75 Erbpächter und Neubauern in Streusiedlungen und verdrängten den Wald. Zuvor siedelten die Bauern in geschlossenen Drubbeln. Von 1807 bis 1810 gehörte Hiddenhausen zum Königreich Westphalen, wo es dem Kanton Bünde zugeordnet wurde. Mit der Annexion großer Teile Norddeutschlands durch Napoleon Bonaparte fiel 1811 auch das gesamte Gebiet des Kantons Bünde an Frankreich. Im Arrondissement Minden des französischen Départements der oberen Ems wurde ein vergrößerter Kanton Bünde gebildet, der in Mairien (Bürgermeistereien) gegliedert war. Eine dieser Mairien war die Mairie Hiddenhausen, zu der neben Hiddenhausen auch Eilshausen, Lippinghausen (mit Sundern) und Oetinghausen gehörten.
1813 fiel ganz Minden-Ravensberg wieder zurück an Preußen. 1816 kam Hiddenhausen zum neuen Kreis Bünde und 1832 zum Kreis Herford. 1843 wurde aus dem Gebiet der napoleonischen Bürgermeisterei Hiddenhausen das Amt Hiddenhausen gebildet, das kurze Zeit später mit den Gemeinden des Amtes Herford zum Amt Herford-Hiddenhausen verschmolz. Dieses Amt bestand bis 1968.
Zigarrenmacherzeit bis 1945
Um etwa 1860 begann die Zigarrenindustrie, die ihr Zentrum in Bünde hatte, auch nach Hiddenhausen zu expandieren, und eröffnete Filialbetriebe. Um 1900 wurden die ersten Hiddenhauser Bürger selbst zu Zigarrenfabrikanten. Zwischen 1920 und 1930 gab es in Hiddenhausen etwa 70 Tabakfabrikationen. 1878 wurde die Brauerei Felsenkeller gegründet, 1894 das Margarinewerk Meyer, das quasi als Vorläufer des EMR (gegründet 1909) Teile von Hiddenhausen mit selbst erzeugtem Strom versorgte. Nach und nach entwickelte sich die Möbelindustrie zur vorrangigen Industrie in Hiddenhausen und löste die Tabakindustrie in ihrer Bedeutung ab. 1847 wurde die Köln-Mindener Eisenbahn gebaut, 1900 folgte die Eröffnung der Eisenbahnlinien Herford-Bünde und der Herforder Kleinbahnen; Hiddenhausen erhielt damit Anschlüsse ans Bahnnetz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Zwischen 1818 und 1978 verneunfachte sich die Bevölkerung Hiddenhausens. 1959 wurde in Hiddenhausen ein Wasserwerk erbaut. Die heutige Gemeinde Hiddenhausen wurde durch die Gebietsreform 1969 aus dem Amt Herford-Hiddenhausen gebildet. In Lippinghausen wurde 1974 ein Rathaus eingeweiht; der Verwaltungssitz wurde so in die Gemeinde Hiddenhausen verlegt. 1976 erfolgte die Eröffnung eines Schulzentrums, 1977 einer Sporthalle.
Einst wurden das Gebiet der heutigen Gemeinde Hiddenhausen auch durch die 1903 fertiggestellten, meterspurigen Herforder Kleinbahn von Wallenbrück nach Vlotho erreicht; Bahnhöfe gab es in Oetinghausen (1978 abgerissen) und „Oetinghauser Heide“ (ebenfalls abgerissen); durch ein mehr als zwei Kilometer langes Anschlussgleis wurde von Oetinghausen auch die Margarinefabrik Meyer in Lippinghausen an das Bahnnetz angeschlossen. Seit 1930 waren die Herforder Kleinbahn elektrifiziert. 1966 wurde der Betrieb der Herforder Kleinbahnen eingestellt; die Gleisanlagen wurden bald danach demontiert.
Ortsname Das früheste Schriftzeugnis ist aus dem Ende des 12. Jh. und lautet Hiddenhusun. Eine Nennung im frühen 11. Jh. als Hiadanoson ist umstritten. Es liegen ein Personenname wie Hiddo und -hausen zugrunde. Der Ortsname bedeutet ‚Gehöft des Hiddo‘.
Eingemeindungen
Die heutige Gemeinde Hiddenhausen wurde durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Herford und der kreisfreien Stadt Herford vom 12. Dezember 1968 neu gebildet. Sie besteht seit dem 1. Januar 1969 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Eilshausen, Hiddenhausen, Lippinghausen, Oetinghausen, Schweicheln-Bermbeck und Sundern, die alle zum Amt Herford-Hiddenhausen gehörten – nicht jedoch unbedingt zum Vorgänger, dem Kirchspiel Hiddenhausen, sondern zum Landkanton Herford. Kleine Bereiche der Gemeinde gehörten darüber hinaus zu den bis dahin ebenfalls selbständigen Gemeinden Südlengern und Bustedt. Seit 1969 hat es keine weiteren Eingemeindungen gegeben.
Einwohnerentwicklung