mini|hochkant|Luis Posada Carriles (1963) Luis Clemente Faustino Posada Carriles (* 15. Februar 1928 in Cienfuegos, Kuba; † 23. Mai 2018 in Miami, USALawyer for Luis Posada Carriles says the militant Cuban exile has died at a South Florida care home) war einer der bekanntesten militanten Gegner und Organisator terroristischer Anschläge gegen das unter Führung von Fidel Castro ab 1959 in Kuba eingeführte sozialistische Gesellschaftssystem. Insbesondere die Regierungen Kubas und Venezuelas beschuldigten ihn der maßgeblichen Beteiligung an mehreren terroristischen Anschlägen. In konservativen exilkubanischen Kreisen in Florida wurde er dagegen lange als Held und Freiheitskämpfer angesehen.Greg Allen: Miami's Cubans Watch Their Hero Go On Trial, in: NPR.org vom 9. Januar 2011, abgerufen am 28. April 2014 (englisch)
Leben Kuba bis 1961 Posada Carriles wuchs in einer Familie der gehobenen Mittelschicht der südkubanischen Hafenstadt Cienfuegos auf. Seine Eltern, Luis Nicolás Posada González und Dolores Carriles Vega, besaßen eine Druckerei. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Ausbildung zum Chemiker und arbeitete von 1946 bis 1948 zunächst bei zwei Zuckerfabriken. Anschließend begann er ein Medizinstudium an der Universität Havanna, das er jedoch nicht abschloss. Zwischen 1956 und 1958 arbeitete er als selbstständiger Schädlingsbekämpfer in seiner Heimatstadt, bevor er von März 1958 bis März 1959 bei der Firestone-Reifenfabrik in Havanna als Abteilungsleiter angestellt war.Personal Record Questionnaire on Posada (PDF; 646 kB), deklassifiziertes Dokument der CIA vom 17. April 1972, abgerufen über das National Security Archive am 30. April 2014 (englisch)Ann Louise Bardach: Without Fidel. S. 104, Scribner, New York 2009 (englisch)
Nach dem Sieg der kubanischen Revolution 1959 und der Errichtung einer von Fidel Castro diktatorisch geführten Regierung schloss er sich Mitte 1960 in Havanna dem organisierten Widerstand an und betätigte sich nach eigenen Aussagen im Untergrund mit Sabotageaktionen, für die ihn der US-Auslandsnachrichtendienst Central Intelligence Agency (CIA) mit den benötigten Materialien versorgte, die er sich zum Teil in Miami abholte.Bardach: Without Fidel. S. 107 Nach einer Festnahme im Januar 1961 konnte er der kubanischen Polizei entkommen und erhielt in der diplomatischen Vertretung Argentiniens Botschaftsasyl. Im folgenden Monat wurde ihm freies Geleit zur Ausreise nach Mexiko gewährt, von wo aus er direkt in die USA weiterreiste.
USA ab 1961 Unmittelbar nach seiner Ankunft in Florida Ende Februar 1961 meldete er sich als Freiwilliger für die exilkubanische Brigade 2506, die für eine Invasion Kubas zusammengestellt wurde. Nach kurzem Training in Guatemala sollte er im April 1961 in der kubanischen Schweinebucht landen, sein Einsatz wurde jedoch aufgrund des Scheiterns der Invasion vorzeitig abgebrochen. Von Oktober 1961 bis März 1963 arbeitete er in der Firmenzentrale seines früheren Arbeitgebers Firestone in Akron (Ohio).Luis Posada Carriles (PDF; 646 kB), deklassifizierte Personalakte der CIA von 1966, abgerufen über National Security Archive am 2. Mai 2014 (englisch)
Als einer von 212 von der CIA unter den Mitgliedern der Brigade 2506 ausgesuchten Exilkubanern absolvierte er von März bis August 1963 eine Offiziersausbildung der US Army in Fort Benning (Georgia), wo er anschließend noch bis März 1964 diente.Bardach: Without Fidel. S. 107f Dabei freundete er sich mit zwei Kubanern an, die gleichzeitig mit ihm ausgebildet wurden und ihn noch drei Jahrzehnte später unterstützten: Erstens Félix Rodríguez, der im Dienst der US-Behörden blieb und im Kampf gegen die von Kuba weltweit unterstützten Terror- und Guerillagruppen zum Einsatz kam – wobei vor allem seine Begegnung mit Ernesto „Che“ Guevara in Bolivien bekannt wurde. Zweitens Jorge Mas Canosa, der nach seinem Ausscheiden aus der US Army zunächst als Geschäftsmann reich wurde und ab den 1980er Jahren als Gründungspräsident der Cuban American National Foundation erheblichen Lobby-Einfluss auf die US-amerikanische Kuba-Politik ausübte.
Posada schloss sich der politisch links stehenden, vom ehemaligen Minister des ersten nachrevolutionären Kabinetts Manuel Ray angeführten Anti-Castro-Gruppe „Junta Revolucionaria Cubana“ (JURE) an, die im Kern aus ehemaligen Kämpfern der Bewegung des 26. Juli bestand und sich für einen demokratischen Sozialismus einsetzte.CIA: Junta Revolucionaria Cubana JURE nach Cuban Information Archives, abgerufen am 15. Mai 2012 (englisch) Zwischen 1965 und 1974 wurde Posada Carriles von der CIA für erbrachte Leistungen bezahlt,Cuba anger at US Posada Carriles verdict, in: BBC News vom 9. April 2011, abgerufen am 28. April 2014 (englisch)Unclassified summary of the CIA's relationship with Luis Posada Carriles (PDF), im US-Gerichtsverfahren gegen Posada eingesetztes Dokument der CIA, abgerufen über National Security Archive am 30. April 2014 (englisch) darunter bis 1967 als Ausbilder an der für Spionagetätigkeit auf Kuba zuständigen Station in Miami (JMWAVE), die Anfang 1968 aufgelöst wurde.Alfonso Chardy und Oscar Corral: Cuban exile militant Luis Posada Carriles’ CIA links 40 years ago in South Florida, in: Miami Herald vom 1. Juli 2006, abgerufen via Global Research am 28. April 2014 (englisch)
Venezuela ab 1969 1969 übernahm er eine Leitungsfunktion im venezolanischen Geheimdienst Dirección de los Servicios de Inteligencia y Prevención (DISIP), der eng mit der CIA kooperierte. Er erhielt die venezolanische Staatsangehörigkeit, die Bedingung für die Arbeit beim Geheimdienst war. 1971 war er bei DISIP zum Leiter der Spionageabwehr aufgestiegen. Kurz nach der Amtsübernahme des 1974 gewählten neuen Präsidenten Carlos Andrés Pérez verlor Posada seinen Posten. Laut (heute deklassifizierten) Quellen der CIA bestanden gleichzeitig beim US-Auslandsgeheimdienst Bedenken angesichts sich mehrender Berichte über eine Zusammenarbeit Posadas mit Drogenschmugglern und anderen Kriminellen, so dass Posadas Arbeit für die CIA 1974 vorerst zum Erliegen kam.Ann Louise Bardach: Without Fidel. S. 108f. Nach seiner Entlassung bei DISIP eröffnete Posada in Caracas die Privatdetektei und Sicherheitsagentur ICICA, die mit großem geschäftlichen Erfolg für Großkunden wie Chrysler und viele der angesehensten Banken Mitarbeiter Sicherheitsprüfungen unterzog, Diebstähle untersuchte und Überwachungsanlagen installierte.Ann Louise Bardach: Without Fidel. S. 111
Anschlag auf kubanisches Verkehrsflugzeug 1976 Im Juni 1976 konstituierte sich in der Dominikanischen Republik unter Führung von Orlando Bosch ein neuer Zusammenschluss militanter Castro-Gegner namens Coordination of United Revolutionary Organizations (CORU), an dessen geheimer Gründungssitzung Posada als einer von zwanzig Exilkubanern teilnahm. Als öffentlichkeitswirksame Maßnahme im bewaffneten Kampf gegen die kubanische Führung wurde im Rahmen von CORU der Abschuss eines kubanischen Flugzeugs erörtert.Ann Louise Bardach: Without Fidel. S. 114 Laut Angaben von Informanten, die vom FBI dokumentiert wurden, war Posada zusammen mit Orlando Bosch der Urheber des Bombenattentates auf den Flug 455 der kubanischen Luftfahrtgesellschaft Cubana am 6. Oktober 1976 auf dem Weg von Barbados über Kingston (Jamaika) nach Havanna, bei dem 73 Passagiere, viele von ihnen kubanische Sportler, getötet wurden. Bosch und Posada wurden deswegen in Venezuela zunächst vor ein Militärgericht gestellt, das sie freisprach. Auch eine Neuverhandlung vor einem Zivilgericht endete zunächst mit Freispruch, ging jedoch in Revision. Posada verbrachte insgesamt neun Jahre in Untersuchungshaft, vor Beginn des angesetzten Revisionsverfahrens gelang ihm schließlich 1985 die Flucht aus Venezuela.Tim Weiner: Cuban Exile Could Test U.S. Definition of Terrorist in: New York Times vom 9. Mai 2005, abgerufen am 14. März 2012 (englisch)
Mittelamerika ab 1985 In El Salvador wurde Posada auf Vermittlung seines bereits in die Operationen eingebundenen Freundes Félix Rodríguez als Verbindungsmann für die CIA zu einheimischen Militäroffizieren und den nicaraguanischen Contras tätig, was in der 1986 aufgedeckten Iran-Contra-Affäre öffentlich wurde.Weißes Haus, Hinterausgang, in: Die Zeit vom 19. Dezember 1986, abgerufen am 29. April 2014 Als er 1990 als Sicherheitsberater der Regierung von Guatemala arbeitete, überlebte er in der Hauptstadt Guatemala-Stadt einen Fidel Castro zugeschriebenen Mordanschlag, bei dem er von drei Attentätern angegriffen und von 12 Schüssen getroffen wurde, bevor er anschließend monatelang im Krankenhaus lag. Seitdem war sein Sprechvermögen eingeschränkt.Luis Posada Carriles en ‘A Mano Limpia’, Fernsehauftritt vom Juni 2013, abgerufen auf YouTube am 1. Mai 2014 (spanisch)Toni Keppeler: Das traurige Ende des Castro-Jägers, in: taz.de vom 20. Januar 2011, abgerufen am 28. April 2014 Gemäß später veröffentlichter Unterlagen warnte ihn die CIA 1993 in Honduras telefonisch vor einem weiteren Mordanschlag, über dessen Planung sie Informationen erhalten hatte.
Anschlagserie in Havanna 1997 Zwischen April und September 1997 kam es auf Kuba zu einer Serie von elf versuchten oder tatsächlichen Bombenanschlägen auf touristische Einrichtungen, bei der ein italienischer Tourist getötet wurde. Es handelte sich dabei um die größten politisch motivierten Gewaltaktionen seit Anfang der 1960er Jahre, als sich die neue Revolutionsregierung unter Castro gegen bürgerkriegsartige Gegenwehr durchsetzte. Im November 1997 erschien in der Tageszeitung Miami Herald eine über zwei Monate recherchierte Reportage, die zu dem Ergebnis kam, dass Posada das Bindeglied zwischen den ausführenden salvadorianischen Berufsverbrechern und den Finanziers der Anschläge in Südflorida gewesen sei.Juan O. Tamayo: Cuban Hotels Were Bombed by Miami-Paid Salvadorans, in: Miami Herald vom 16. November 1997, abgerufen über Cuba Hotel Bombings am 30. April 2014 (englisch) Posada Carriles brüstete sich 1998 in einem vielbeachteten Interview mit der New York Times damit, die Anschläge organisiert zu haben. Der Tod des Italieners sei nicht geplant gewesen. Dieser habe „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gesessen. Ziel sei es gewesen, die kubanische Tourismusindustrie durch die möglichst öffentlichkeitswirksame Abschreckung ausländischer Gäste und Investoren zu schädigen.Ann Louise Bardach und Larry Rohter: A Bomber's Tale: Taking Aim at Castro; Key Cuba Foe Claims Exiles' Backing. In: New York Times vom 12. Juli 1998, abgerufen am 29. April 2014 (englisch) Posada distanzierte sich nach der Veröffentlichung des Interviews von seinen selbstbezichtigenden Äußerungen und behauptete, von den beteiligten Journalisten mit vertraulichen Geheimdienstunterlagen erpresst worden zu sein. Er habe sie daraufhin mit bewusst falschen Angaben täuschen wollen, um andere Personen zu schützen, dies sei jedoch ein „taktischer Fehler“ gewesen.Kirk Nielsen: Fidel Made Them Do It, in: Miami New Times vom 9. August 2001, abgerufen am 30. April 2014 (englisch)
Panama: Vereitelter Anschlag auf Fidel Castro 2000