mini|hochkant=1.2|Blick über das Gründerzeitquartier Kaßberg zum Chemnitzer Stadtzentrum, 2014 mini|hochkant=1.2|Altes und Neues Rathaus am Chemnitzer Marktplatz mini|hochkant=1.2|Ehemaliges Karl-Marx-Forum mit dem 1971 eingeweihten Karl-Marx-Monument mini|hochkant=1.2|Industriemuseum Chemnitz
Chemnitz (von 1953 bis 1990 Karl-Marx-Stadt) ist eine kreisfreie Stadt im Südwesten des Freistaates Sachsen und dessen drittgrößte Großstadt nach Leipzig und Dresden. Aufgrund der bedeutenden einheimischen Textil- und Maschinenbauindustrie während der Industrialisierung (und der damit einhergehenden Rauch- und Schmutzentwicklung) erhielt Chemnitz den Beinamen Sächsisches .
Als namensgebender Fluss verläuft die Chemnitz durch die am Nordrand des Erzgebirges im Erzgebirgsbecken liegende Stadt. Chemnitz ist Hauptsitz der Landesdirektion Sachsen und Teil der Metropolregion Mitteldeutschland. Am 28. Oktober 2020 wurde die Stadt als Kulturhauptstadt Europas 2025 ausgewählt. Die Feierlichkeiten zur Eröffnung fanden am 18. Januar 2025 statt.
Die älteste urkundliche Erwähnung als Kameniz (von sorbisch kamjenica, „Steinbach“) datiert aus dem Jahre 1143. Mit der industriellen Revolution setzte im 19. Jahrhundert ein starkes Bevölkerungswachstum ein; nach der Reichsgründung 1871 entwickelte sich Chemnitz zu einer wichtigen Industriestadt. In der Zeit der Hochindustrialisierung im Deutschen Reich wurde Chemnitz im Laufe des Jahres 1882 zur Großstadt. Die Einwohnerzahl erreichte zu Beginn der 1930er-Jahre mit über 361.000 Personen ihren historischen Höchstwert. Im Zweiten Weltkrieg wurde bei den Luftangriffen auf Chemnitz im Februar und März 1945 die Innenstadt zu 80 % zerstört. Auf Beschluss des Zentralkomitees der SED und der Regierung der DDR wurde Chemnitz am 10. Mai 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt.
Mit ihrer über 200-jährigen Industriegeschichte ist die Stadt ein Technologiestandort mit den Branchenschwerpunkten Automobil- und Zulieferindustrie, Informationstechnik sowie Maschinen- und Anlagenbau. Über 50 % der Stadt bestehen aus Gebäuden von vor 1950, und es gibt zahlreiche Denkmäler der Industriekultur. Chemnitz ist Standort einer Technischen Universität.
In der Stadt im Erzgebirgsvorland gibt es zahlreiche Freizeiteinrichtungen und Museen, darunter die Kunstsammlungen Chemnitz und das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz.
Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind der Maler Karl Schmidt-Rottluff, der Schriftsteller Stefan Heym, die Designerin Marianne Brandt, die Mitglieder der Band Kraftklub sowie die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt und der Bergsteiger Jörg Stingl, der als zweiter Deutscher den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bestieg.
Geographie mini|Luftbild aus nordöstlicher Richtung, 2012 Überblick Chemnitz bildet mit den beiden anderen sächsischen Großstädten Leipzig und Dresden ein Dreieck, wobei Chemnitz den südwestlichen Eckpunkt bildet. Die Stadt selbst liegt im Naturraum Erzgebirgsbecken und das umgebende Stadtgebiet im Süden auf den Ausläufern des Mittleren Erzgebirges und im Norden auf den etwa 300 m hohen Erhebungen des teils auch Mittelsächsisches Hügelland genannten Naturraums Mulde-Lösshügelland.siehe des Landschaftsforschungszentrum e. V., Dresden Die beiden Mittelgebirgsflüsse Zwönitz und Würschnitz vereinigen sich in Altchemnitz zur Chemnitz (Flusssohle auf etwa 290 m über Normalhöhennull). Sie hat ein breites Tal gebildet und so das Anlegen einer Siedlung begünstigt.
Geologie, Relief, Naturraum Der geologische Untergrund von Chemnitz lässt sich in drei verschieden große Einheiten gliedern. Die nördlichen und nordwestlichen Stadtteile liegen auf dem Sächsischen Granulitgebirge, das sich geographisch als Teil des Mittelsächsischen Hügellandes zwischen Glauchau und Döbeln erstreckt. Im auf dem Stadtgebiet von Chemnitz liegenden Abschnitt des Schiefermantels des Granulitgebirges treten streifenhaft ordovizische Grauwackenschiefer, Alaun- und Kieselschiefer des Silurs sowie devonische Tonschiefer auf. Bei Wittgensdorf gibt es kleine Einschaltungen von Granit des Typs „Mittweida“ (Karbon). Zudem wird diese Zone von Norden nach Nordwesten in die Naturräume Auerswalder Lösshügelland, das untere Chemnitztal, in die Wittgensdorfer Lössplatte sowie das Röhrsdorfer Schieferhügelland unterteilt.
Die Chemnitz durchziehende Vorerzgebirgs-Senke zieht sich in Südwest-Nordost-Richtung durch weite Teile des Stadtgebiets. Innerhalb dieser Struktur befindet sich der Beutenberg (420,9 m), der die Stadt mit dem Zeisigwald im Nordosten begrenzt. Vorherrschende Gesteine der Senke sind Rotliegend-Sedimente (Perm) einer Caldera-Struktur, überwiegend Aschentuffe und Ignimbrite, denen überwiegend wesentlich jüngere Lösslehme und fluviatile Sedimente aufliegen. Die Tufflagen enthalten verkieselte Hölzer, die Fossilfundstätte „Versteinerter Wald von Chemnitz“. Stellenweise tritt im westlichen Stadtgebiet Pechstein auf, der partiell von Achatadern durchzogen ist. Im Bereich Chemnitz werden die Naturräume in den Zschopau-Hochtalboden, die Kohlung-Platte, das Zeisigwald-Struth-Hügelland, das Chemnitztal, den Chemnitz-Terrassenriedel, Siegmar-Bornaer Hügelland, das Neukirchener Hügelland und das untere Würschnitztal untergliedert.
Der Nordrand des Erzgebirges zeigt im Stadtgebiet von Chemnitz ein deutliches Relief. In dieser geologischen Einheit südlich der Linie vom Galgenberg im Stadtteil Euba (471,2 m) über den Adelsberg (508,4 m) bis zum Stadtteil Klaffenbach herrschen tonschieferähnliche Phyllite des Ordoviziums mit Einschaltungen von Amphibolitschiefern (Chemnitz-Harthau) und junge Auensedimente vor. Zerschnitten durch die Täler der Würschnitz und Zwönitz erreicht diese Geländestufe südwestlich des Zusammenflusses zur Chemnitz Höhen von 500 bis 550 m über Normalhöhennull. Hier befindet sich der im Stadtgebiet höchste Berg: die Klaffenbacher Höhe mit 523,4 m über Normalhöhennull. Das Gebiet findet mit den naturräumlichen Bezeichnungen Erzgebirgsnordrandstufe, Unteres Zwönitztal, Harthauer Würschnitztal, Berbisdorfer Riedelgebiet, Dittersdorfer Riedelgebiet eine weitere Unterteilung.Ernst Barth u. a.: Karl-Marx-Stadt. (= Werte unserer Heimat, Bd. 33), Akademie-Verlag, Berlin 1979.Wolfgang Alexowsky, Hans-Jürgen Berger, Frank Horna et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1:25 000, Blatt 5143 Chemnitz. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 4. Auflage, Freiberg 2010Karl-Heinz Thuß, L. Aßmann et al.: Ingenieurgeologische Karte des Freistaates Sachsen 1:25 000, Chemnitz 5143. Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 1. Auflage, Freiberg 1999.
Natur
Chemnitz ist eine Stadt mit ausgedehnten Grünflächen und großen Parkanlagen. Mit mehr als 1000 Hektar an Parks, Wiesen und Waldgebieten kommen auf jeden Einwohner statistisch gesehen mehr als 60 Quadratmeter Grünfläche. Im Stadtgebiet von Chemnitz gibt es vier Naturschutzgebiete (Um den Eibsee, Am Schusterstein, Am nördlichen Zeisigwald und Chemnitzaue bei Draisdorf) sowie zahlreiche Landschaftsschutzgebiete. Dazu zählen zum Beispiel das Chemnitztal, das Sternmühlental und der Rabensteiner Wald.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet umfasst nach zahlreichen Eingemeindungen kein einheitliches, geschlossenes Siedlungsgebiet. Die ländlichen Siedlungen vornehmlich östlicher Stadtteile sind vom Siedlungsgebiet der Chemnitzer Kernstadt getrennt, wogegen sich dieses teilweise über die westlichen Stadtgrenzen nach Limbach-Oberfrohna und Hohenstein-Ernstthal fortsetzt.
Stadtteile Die Stadt besteht aus 39 Stadtteilen, die nach städtebaulichen, stadtplanerischen, siedlungsstrukturellen, statistischen und administrativen Gesichtspunkten festgelegt wurden. Sie sind in § 3 der Hauptsatzung der Stadt Chemnitz eindeutig benannt und nummeriert und in der zugehörigen Anlage mit ihren jeweiligen Grenzen eindeutig beschrieben. Die Festlegung der Stadtteilgrenzen erfolgte unter Nutzung eindeutiger, langfristig beständiger und real erkennbarer Objekte, z. B. Straßen, Eisenbahnstrecken, Gewässer und sonstiger markanter, natürlicher oder baulicher Grenzen. Die Stadtteilgrenzen weichen damit teilweise von den Grenzen der historischen Gemarkungen ab.
Die amtliche Kennzeichnung der Stadtteile durch Nummern erfolgte nach folgendem Prinzip: Ausgehend vom Stadtzentrum (Stadtteile Zentrum (01) und Schloßchemnitz (02)) wurden allen anderen Stadtteilen im Uhrzeigersinn in aufsteigender Folge die Zehnerstelle ihrer Kennzahl zugeordnet, die Einerstelle wurde in Richtung Stadtperipherie in aufsteigender Folge vergeben.
Ortschaften Die Stadtteile Einsiedel, Euba, Grüna, Klaffenbach, Kleinolbersdorf-Altenhain, Mittelbach, Röhrsdorf und Wittgensdorf sind zugleich Ortschaften im Sinne der §§ 65 bis 68 der Sächsischen Gemeindeordnung. Diese Stadtteile kamen im Zuge der letzten Eingemeindungswelle nach 1990 als ehemals eigenständige Gemeinden zur Stadt Chemnitz und genießen daher diese Sonderstellung gegenüber den anderen Stadtteilen. Für diese Ortschaften gibt es je einen Ortschaftsrat, der, abhängig von der Einwohnerzahl der betreffenden Ortschaft, zwischen zehn und sechzehn Mitglieder sowie einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden derselben umfasst. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Eine endgültige Entscheidung obliegt jedoch dem Stadtrat der Gesamtstadt Chemnitz.
Nachbargemeinden Die nachfolgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Chemnitz. Sie werden im Uhrzeigersinn genannt, beginnend im Nordwesten: im Landkreis Mittelsachsen: Hartmannsdorf, Burgstädt, Taura, Lichtenau, Frankenberg/Sa., Niederwiesa, Flöha und Augustusburg im Erzgebirgskreis: Gornau/Erzgeb., Amtsberg, Burkhardtsdorf, Neukirchen/Erzgeb., Jahnsdorf/Erzgeb. und Lugau im Landkreis Zwickau: Oberlungwitz, Hohenstein-Ernstthal, Callenberg und Limbach-Oberfrohna
Klima Chemnitz liegt mit seinem vollhumiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.
Im Erfassungszeitraum 1961 bis 1990 waren Juli und August mit 16,6 und 16,4 °C Durchschnittstemperatur die wärmsten Monate, das mittlere Temperaturminimum betrug im Januar −1,2 °C. Die jährliche Durchschnittstemperatur lag bei 7,9 °C. Die mittlere Sonnenscheindauer liegt bei rund 1530 Stunden im Jahr, mit 200 Sonnenscheinstunden ist der Juli der sonnigste Monat. Chemnitz gilt als eine der sonnigsten Städte Deutschlands. Der absolute Hitzerekord liegt bei +37,8 °C und wurde am 20. August 2012 an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf einer Höhe von registriert. Der bisherige Kälterekord stammt vom 10. Februar 1956 mit einer Tiefsttemperatur von −28,4 °C.
Der Lage auf der Luv-Seite auf windfinder.com des Erzgebirges wegen gibt es relativ hohe Niederschlagsmengen. So liegen die Jahresniederschlagsmengen im Stadtgebiet zwischen 650 und 750 mm. Am Küchwald wurde im Referenzzeitraum 1961 bis 1990 ein durchschnittlicher Jahresniederschlag von 775 mm verzeichnet. Niederschlagsreichster Monat im Stadtgebiet ist hierbei der Juni mit 85 bis 90 mm Niederschlagshöhe, mit 35 bis 45 mm ist der Februar niederschlagsärmster Monat.
Der bisherige maximale Niederschlagsrekord an einem Tag waren 78 Liter Regen pro Quadratmeter, gemessen am 12. August 2002. Die bisher höchste registrierte Schneedecke wurde am 11. März 1988 mit einer Höhe von 66 cm an der Wetterstation in Stelzendorf gemessen.Deutscher Wetterdienst: Mittelwerte des Referenzzeitraumes 1961 bis 1990
Geschichte
Bedeutung und Herkunft des Namens mini|Versteinerter Wald von Chemnitz im Lichthof des Museum für Naturkunde Chemnitz im DAStietz