mini|Ein Frachter und mehrere Kriegsschiffe während der Operation Portcullis im Dezember 1942 Die Malta-Konvois waren alliierte Schiffskonvois mit Nachschub und Versorgungsgütern für die Inselbevölkerung und die Verteidigungstruppen auf der Inselgruppe Malta im Mittelmeer während des Zweiten Weltkriegs. Die britische Kolonie Malta war eine isoliert liegende und zugleich schwer angreifbare Basis, von der aus alliierte See- und Luftstreitkräfte den Nachschub der Achsenmächte im Mittelmeer, hauptsächlich für die Italienische Kolonie Libyen und den Afrikafeldzug, empfindlich stören konnten. Es wurde daher zum Ziel einer lang andauernden „Belagerung“, der sogenannten „zweiten großen Belagerung Maltas“ von 1940 bis Ende 1942. Die strategische Bedeutung der Inseln war so hoch, dass das britische Mutterland große Mengen an Ressourcen, Schiffen und Mannschaften aufwendete, um diese vorgeschobene Basis zu erhalten, während die Achsenmächte ihrerseits bedeutende Anstrengungen unternahmen, sie zu neutralisieren.

Die Zivilbevölkerung und die Inselgarnison benötigten unter Kriegsbedingungen einen ständigen Nachschub an Lebensmitteln, medizinischen Versorgungsgütern, Treibstoff, Ausrüstung, Munition, Ersatzmannschaften und ähnlichem, die sie aus dem Mutterland und anderen Teilen des Empire erhielten. Neben den Malta-Konvois fand die Versorgung der Inseln aus der Luft, durch einzeln fahrende Handelsschiffe sowie durch Überwasserkriegsschiffe und U-Boote statt. Die im Ersten Weltkrieg erfolgreiche und effektive Geleitzugtaktik bot zwar auf den Ozeanen Schutz, unter den beengten Bedingungen des Mittelmeers war sie jedoch höchst riskant und gefährlich. Zum Schutz der Konvois wurden Schiffe der Mediterranean Fleet und der Force H sowie Flugzeuge des Fleet Air Arm und der Royal Air Force eingesetzt. Ihre Gegner waren bis 1941 hauptsächlich die italienische Regia Aeronautica und Regia Marina, danach vorwiegend die deutsche Luftwaffe und Kriegsmarine.

Im Jahr 1942 erreichte die Schlacht um die Insel ihren Höhepunkt und die Royal Navy bildete große Konvois von den von ihr kontrollierten westlichen und östlichen Ausgängen des Mittelmeers, um den Verlust der Insel abzuwenden. Hawker Hurricanes und Supermarine Spitfires wurden von Flugzeugträgern auf den sogenannten Club Runs von Gibraltar nach Malta gebracht. Im Sommer 1942 waren die Luftstreitkräfte der Achse nahe daran, die Insel als Bedrohung auszuschalten, und es bestanden deutsch-italienische Pläne, sie in einer triphibischen Operation mit dem Decknamen „Unternehmen Herkules“ endgültig einzunehmen, während sich in Nordafrika Erwin Rommels Panzerarmee Afrika anschickte, ins Nildelta vorzustoßen. Erst nach der Zweiten Schlacht von El Alamein im Oktober und November 1942 ging die Bedrohung der Insel allmählich wieder zurück. Die zur gleichen Zeit stattfindende Operation Torch und der Sieg der 8. Armee in Ägypten brachten Malta stückweise wieder in Reichweite landbasierter alliierter Jagdflugzeuge. Mit dem Erfolg der Operation Stoneage, einem Konvoi im November 1942, war die Schlacht um die Insel praktisch beendet und alliierte Mittelmeerkonvois nahmen ihre regelmäßige Tätigkeit zur Versorgung der alliierten Landtruppen wieder auf.

Vorgeschichte und strategische Situation mini|Lage Maltas Die nur wenig über 300 Quadratkilometer große Inselgruppe mit der Hauptinsel Malta und der Hauptstadt Valletta war seit dem Ende der Koalitionskriege eine britische Kolonie. In den 1940ern hatte sie eine Bevölkerung von rund 275.000. Der Nahrungsmittelbedarf musste schon in Friedenszeiten zu zwei Dritteln über Importe gedeckt werden. Malta war ein wichtiger Zwischenpunkt auf der Handelsroute durch den Suezkanal nach Britisch-Indien, in den Nahen Osten, nach Ostafrika, in den Fernen Osten und nach Australien. Die nur 80 Kilometer von Sizilien entfernt liegenden Inseln sind strategisch positioniert, die Straße von Sizilien zwischen Italien und Nordafrika zu kontrollieren. Im engeren Umkreis liegen einige kleinere zu Italien gehörige Inseln wie Pantelleria und Lampedusa, von denen während des Zweiten Weltkriegs aber nur Pantelleria über einen Flugplatz verfügte. Die Entfernung Maltas zur Küste Tripolitaniens in Libyen beträgt etwa 350 Kilometer, die nach Kap Bon in Tunesien 285 Kilometer.

mini|hochkant=1.5|Karte des Mittelmeerraums und des nördlichen Afrikas 1940 Frankreich und Besitzungen Italien und Besitzungen Britische Besitzungen Die Versorgung Maltas war prinzipiell sowohl von Osten (über den Suezkanal) als auch von Westen (über die Straße von Gibraltar) möglich. Das ausgedehnte Britische Weltreich bot die Möglichkeit, Konvois mit Frachtschiffen und Tankern aus beiden Richtungen zusammenzustellen. Konvois aus dem Westen hatten Gibraltar als Ausgangspunkt, die aus dem Osten meist Alexandria, bisweilen auch Haifa oder Port Said. Die Route von Gibraltar aus hatte den Vorteil, dass diese Konvois erst auf der zweiten Hälfte der Fahrt in Reichweite feindlicher Flugzeuge gerieten, da das Vichy-Regime, das den westlichen Teil Nordafrikas kontrollierte, nicht kriegführend war. Die im östlichen Mittelmeer startenden Konvois dagegen konnten schon viel früher von Flugzeugen aus Italienisch-Libyen und ab Frühjahr 1941 aus Griechenland und Kreta angegriffen werden. Grundsätzlich war eine starke Eskorte notwendig, die unter Umständen auch Flugzeugträger für die Luftabwehr umfasste. Die Konvoisicherung bestand für gewöhnlich aus einer Nahsicherung (vorwiegend gegen U-Boote) aus Zerstörern und kleineren Fahrzeugen, einer Deckungsgruppe aus Kreuzern und Zerstörern und der Hauptflotte (oft mit schweren Schiffen) in größerer Entfernung. Die Hauptflotte wurde für Konvois aus dem Osten von der in Alexandria liegenden Mittelmeerflotte gestellt, für solche aus dem Westen von der in Gibraltar stationierten Force H.

Das faschistisch regierte Königreich Italien trat erst ein dreiviertel Jahr nach dem Kriegsbeginn im September 1939 – im Juni 1940 – in den Krieg gegen Großbritannien und das bald besiegte Frankreich ein. Es verfügte über eine starke, der britischen Mittelmeerflotte ebenbürtige Marine mit zahlreichen Basen entlang der langgestreckten Küstenlinie und eine Luftwaffe beträchtlichen Umfangs. Die nächstgelegene größere Marinebasis war Tarent in Süditalien. Mit seiner in günstiger Reichweite gelegenen Kolonie in Libyen verfügte Italien über eine eigene Bezugsquelle für das strategisch wichtige Erdöl. Die Kolonie Italienisch-Ostafrika war dagegen durch die britische Kontrolle des Suezkanals ab dem Kriegseintritt isoliert. Eines der Ziele Italiens war es, beide Kolonien durch die Ausschaltung der britischen Präsenz in Ägypten und dem Sudan zu verbinden.

Die Verteidigungskräfte auf der Insel umfassten im Juni 1940 unter anderem eine Brigade Infanterie sowie kleinere Artillerie-, Flugabwehr- und Panzerabwehreinheiten. Zur Luftverteidigung standen ferner drei einsatzfähige Gloster-Gladiator-Jagdflugzeuge zur Verfügung, einige weitere lagerten noch in Einzelteilen auf der Insel. In der Prioritätenliste rangierte die Verteidigung Maltas weit hinter den hohen Anforderungen des Krieges in Frankreich und der Heimatverteidigung. Gouverneur und Befehlshaber der Inselverteidigung war seit Ende April 1940 Generalleutnant William Dobbie. Auch als Marinestützpunkt spielte Malta anfangs eine untergeordnete Rolle. Nur der Monitor HMS Terror und einige U-Boote waren zum Zeitpunkt der italienischen Kriegserklärung am 11. Juni im Grand Harbour von Valletta stationiert.

1940 Konvois MF 1 und MS 1, erster „Club Run“ Der erste Konvoi, MF 1, lief am 9. Juli von Malta aus und erreichte Alexandria am 11. Juli. Er bestand aus drei Frachtschiffen und transportierte evakuierte Zivilisten sowie eine Anzahl von Hafenarbeitern. Der zweite Konvoi aus etwas langsameren Schiffen verließ Malta am 10. Juli und erreichte Alexandria am 14. Juli. Er umfasste fünf Schiffe.

Die Sicherung der beiden Konvois wurde durch die Mittelmeerflotte unter Andrew Cunningham gestellt und bestand aus den Schlachtschiffen Malaya, Ramillies, Royal Sovereign und Warspite, dem Flugzeugträger Eagle, den Kreuzern Caledon, Capetown, Gloucester, Liverpool, Neptune, Orion und Sydney sowie 21 Zerstörern. Am 9. Juli kam es vor der Südküste Kalabriens zur Seeschlacht bei Punta Stilo mit einem auf dem Rückweg von Nordafrika befindlichen italienischen Geleitverband aus zwei Schlachtschiffen, zehn Kreuzern und 32 Zerstörern, die unentschieden endete.

Am 31. Juli begann der erste der sogenannten „Club Runs“, bei dem der Flugzeugträger Argus zwölf Hawker Hurricanes in Reichweite von Malta bringen sollte. Die Force H, inklusive des Flottenträgers Ark Royal lief gegen 8 Uhr von Gibraltar aus und führte am 2. August einen Ablenkungsangriff auf Cagliari. Alle zwölf Hurricanes erreichten sicher Malta.

Konvoi MF 2 Dieser Konvoi, bestehend aus einem Kühlschiff, einem Tanker der Royal Fleet Auxiliary und einem Frachter, lief am 29. August aus Alexandria aus und erreichte Malta am 2. September. Die Eskorte bildeten die Kreuzer Gloucester, Liverpool und Kent sowie vier Zerstörer, wobei nur die Zerstörer bis Malta mitliefen. Die Mittelmeerflotte befand sich mit Malaya, Warspite, Eagle, Orion, Sydney sowie zwölf zusätzlichen Zerstörern in See. Am 31. August wurde der Konvoi aus der Luft angegriffen und das Kühlschiff Cornwall in Brand gesetzt. Das Feuer konnte kontrolliert werden und alle Schiffe erreichten ihr Ziel.

Die Force H war von Gibraltar aus ebenfalls im Einsatz. Sie verfügte über den Schlachtkreuzer Renown, das Schlachtschiff Valiant, den Flugzeugträger Illustrious, die Kreuzer Calcutta, Coventry und Sheffield sowie 17 Zerstörer. Mit Ausnahme von Sheffield und zehn Zerstörern liefen diese Schiffe als Verstärkungen nach Alexandria.

Konvois MF 3 und MF 4 Der aus vier Schiffen bestehende Konvoi MF 3 stach am 8. Oktober von Alexandria aus in See und erreichte Malta am 11. Oktober. Calcutta, Coventry und vier Zerstörer bildeten die Eskorte. Die Mittelmeerflotte befand sich mit vier Schlachtschiffen, den beiden Flugzeugträgern, sechs Kreuzern und 17 Zerstörern in See und fungierte als zusätzlicher Begleitschutz. Ein Zerstörer lief dem Konvoi von Malta aus entgegen. Der Zerstörer Imperial wurde unterwegs von einer Mine getroffen und musste nach Malta geschleppt werden.

Nach der Ankunft von MF 3 wurde der Konvoi MF 4 gebildet, der von Malta nach Alexandria zurücklief und am 16. Oktober dort ankam. Calcutta, Coventry und zwei Zerstörer bildeten die Naheskorte. In einem Nachtgefecht vor Capo Passero am 12. Oktober versenkte der Kreuzer Ajax zwei italienische Torpedoboote und beschädigte einen Zerstörer, der später vom Kreuzer York versenkt wurde.

Konvois MW 3 und ME 3 Mit diesen Konvois wurde ein neues Namensschema eingeführt, bei dem die von Alexandria nach Malta laufenden Konvois mit MW (Malta westward) und die zurücklaufenden mit ME (Malta eastward) bezeichnet wurden. Typischerweise wurden zwei solche Konvois kombiniert, sodass die Eskorte auf ihrem Hin- und Rückweg sichern konnte.

MW 3, bestehend aus fünf Schiffen, legte am 4. November in Alexandria ab und erreichte Malta am 10. November. Die Eskorte bildeten wieder Calcutta und Coventry sowie vier Zerstörer. Zusätzlich schloss sich unterwegs ein älteres Minenabwehrfahrzeug dem Konvoi an, das in Malta stationiert werden sollte. Die Hauptflotte, bestehend aus Malaya, Ramillies, Valiant, Warspite, Illustrious, den Kreuzern Gloucester und York und 16 Zerstörern deckte die Operation, die gleichzeitig mit Konvois nach Griechenland und Kreta stattfand.

Aus Gibraltar liefen am 7. November das Schlachtschiff Barham, die Kreuzer Berwick und Glasgow und drei Zerstörer als Verstärkung für die Mittelmeerflotte ab. Sie liefen ebenfalls am 10. November in Valletta ein und lieferten hier Truppen und Material ab.