__NOMEDIAVIEWERCAROUSEL__ mini|Vierter Start einer Alpha (2023)

Firefly Aerospace ist ein US-amerikanisches Raumfahrtunternehmen. Firefly entwickelt zwei Trägerraketen: Die Alpha (auch Firefly α) für bis zu 1 t schwere Nutzlasten und die Eclipse (vormals Beta und MLV) für Nutzlasten bis 16 t. Außerdem betreibt das Unternehmen den Mondlander Blue Ghost und ist an der Entwicklung der Rakete Antares 330 beteiligt.

Ein erster Startversuch der Alpha im September 2021 schlug fehl. Mit dem zweiten Start wurden am 1. Oktober 2022 mehrere Satelliten in eine Erdumlaufbahn befördert. Am 2. März 2025 gelang die erste Mondlandung eines Blue Ghost.

Firefly Aerospace bedeutet übersetzt „Leuchtkäfer-Luft-und-Raumfahrt“. Ein stilisierter Leuchtkäfer bildet auch das Firmenlogo.

Geschichte Im Januar 2014 gründete der Ingenieur Thomas Markusic das Unternehmen Firefly Space Systems. Es war einer von vielen Kleinraketenherstellern, die in Erwartung eines Booms im Markt für Kleinsatelliten entstanden. Markusic hatte zuvor für die NASA, für SpaceX, für Blue Origin und für Virgin Galactic gearbeitet. Mit Firefly begann er die Entwicklung der zweistufigen Rakete Alpha. Sie sollte Methan als Treibstoff verwenden und 400 kg Nutzlast transportieren können. Als besondere Innovation war für die erste Raketenstufe ein Triebwerk mit zwölf Brennkammern in Aerospike-Anordnung vorgesehen. Firefly Space Systems war zunächst – wie SpaceX – in Hawthorne in Kalifornien ansässig, verlegte seinen Sitz aber nach einem Dreivierteljahr nach Cedar Park, einem Vorort der texanischen Hauptstadt Austin.

Noch im Gründungsjahr überschattete ein Rechtsstreit mit Virgin Galactic den Geschäftsverlauf. Virgin warf Markusic unter anderem vor, Geschäftsgeheimnisse und -materialien gestohlen und für die Entwicklung der Alpha genutzt zu haben. Die Beweise dafür habe er mittlerweile vernichtet. Während Firefly-Ingenieure mit dem Test des neuen Aerospike-Triebwerks begannen, eskalierte der Streit mit Virgin. Im August 2016 bestätigte ein Schiedsgericht den Vorwurf der Beweisvernichtung. Kurz darauf zog sich ein wichtiger Investor zurück. Firefly geriet in eine finanzielle Krise und musste den Betrieb einstellen. Dadurch ging auch der einzige, von der NASA erteilte Startauftrag verloren.

Die Vermögenswerte des insolventen Raketenherstellers wurden 2017 von dem ukrainischen Investor Max Poljakow aufgekauft. Poljakow formte daraus die neue Firefly Aerospace, Inc. Der operative Hauptsitz des Unternehmens verblieb in Cedar Park; hinzu kam 2018 ein Entwicklungsbüro in Dnipro, dem Zentrum der ukrainischen Raumfahrtindustrie. Schon bald arbeiteten in der ukrainischen Niederlassung mehr Mitarbeiter als in den USA.

Unter der Kontrolle Poljakows wurde die geplante Rakete erheblich vergrößert; außerdem entschied man sich auch bei der Erststufe für ein konventionelles Triebwerksdesign. Erste Tests des vollständigen Motors fanden im März 2019 statt.Twitter-Nachricht von Firefly Aerospace, 29. März 2019. Die Zweitstufe absolvierte kurz darauf bereits einen fünfminütigen Testlauf. Im selben Jahr kündigte Firefly auch die Entwicklung eines Mondlanders an; dabei werde man mit Israel Aerospace Industries (IAI) zusammenarbeiten, dem Hersteller des Mondlanders Beresheet. Zuvor hatte sich das Unternehmen bereits im Rahmen des CLPS-Programms (Commercial Lunar Payload Services) für den Transport von NASA-Nutzlasten zur Mondoberfläche qualifiziert.

Im Jahr 2020 konnte Firefly wieder erste Startaufträge für die Alpha einwerben. Auch den NASA-Auftrag für den Start einer Elana-Mission gewann man zurück. Ende 2020 wurde das erste Raketenexemplar fertiggestellt.Twitter-Nachricht von Firefly Aerospace, 2. Dezember 2020. Der ursprünglich für 2016 geplante Start dieser Rakete fand am 3. September 2021 statt. Als Nutzlast wurden kostenlos CubeSats und PocketQubes von Universitäten und Unternehmen transportiert.Firefly Aerospace’s Alpha rocket ready for first launch. Spacenews, 24. August 2021. Die Rakete erreichte wegen eines Triebwerksausfalls der Erststufe nicht die vorgesehene Geschwindigkeit; zwei Minuten nach dem Abheben leitete das Personal der Vandenberg Air Force Base daher ihre Selbstzerstörung ein.Firefly Alpha terminated mid-flight. Pressemeldung der Vandenberg Air Force Base vom 3. September 2021. Eine erste Überprüfung der Flugdaten deutet darauf hin, dass ein elektrisches Problem die Abschaltung des Triebwerks verursachte.

Im Frühjahr 2022 verkaufte Poljakow seinen Anteil von 58 % an das Beteiligungsunternehmen AE Industrial Partners, nachdem US-Behörden seine Rolle und Nationalität als Sicherheitsrisiko eingestuft und weitere Startgenehmigungen für die Firefly Alpha verweigert hatten- Bereits im November 2020 war Poljakow aus diesen Gründen als Vorstand zurückgetreten, um das Unternehmen bei der Vergabe von Regierungsaufträgen nicht zu benachteiligen. Im Juni 2022 verlor auch Tom Markusic sein Amt als CEO; er wechselte in die Position des Technikvorstands.Firefly Aerospace co-founder Tom Markusic is out as CEO. Techcrunch, 2. Juni 2022.

Standorte und Einrichtungen mini|hochkant=1.1|Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (2. v. r.) bei der Eröffnung der Firefly-Niederlassung in Dnipro Die Entwicklungstätigkeit von Firefly verteilt sich auf die beiden Einrichtungen in Cedar Park und Dnipro. Außerdem betreibt das Unternehmen etwa 50 Kilometer nördlich des texanischen Hauptsitzes ein Produktions- und Testzentrum.

Für den Start von Satelliten in stark geneigte Umlaufbahnen übernahm Firefly den Space Launch Complex 2W der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien. Dieser Startplatz war bis 2018 für die Delta II genutzt worden; für die Alpha wurde er entsprechend umgebaut. Ein weiterer Startplatz ist am Mid-Atlantic Regional Spaceport an der US-Ostküste in Vorbereitung.Firefly pressing ahead with Alpha launches from Wallops and Sweden. Spacenews, 28. Januar 2025. Ältere Pläne, den Space Launch Complex 20 der Cape Canaveral Space Force Station in Florida zu nutzen, wurden für unbestimmte Zeit zurückgestellt.Firefly launches Alpha rocket on NASA mission. Spaceflight Now, 2. Juli 2024.

Firefly Alpha mini|Eine Alpha wird für den Start vorbereitet (2024)

Verwendung Auch in der vergrößerten Form ist die Alpha ein Vehikel für den Start von Kleinsatelliten. Als Nutzlastkapazität nennt der Hersteller 1000 kg für niedrige Erdumlaufbahnen (LEO). In eine 500 km hohe sonnensynchrone Umlaufbahn (SSO) sollen bis zu 630 kg transportiert werden können. Mit einer zusätzlich geplanten Kickstufe soll auch der Transport von 600 kg in geostationäre Umlaufbahnen und 500 kg zum Mond möglich sein. Für eine spätere Raketenversion werden über 800 kg SSO-Nutzlastkapazität angestrebt.Aerojet Rocketdyne and Firefly Aerospace to Provide Flexible Access to Space. Pressemeldung von Firefly Aerospace und Aerojet Rocketdyne, 18. Oktober 2019.

Zur Vermarktung der Rakete schloss Firefly verschiedene Rahmenvereinbarungen. Unter anderem bestehen Abmachungen mit dem britischen Satellitenhersteller Surrey Satellite Technology (SSTL), dem US-amerikanischen Startvermittler Spaceflight, dem italienischen Raumfahrtdienstleister D-Orbit und dem multinationalen Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus Defence and Space. Der Preis pro Start soll bei etwa 15 Millionen US-Dollar liegen.

Als wichtigstes Konkurrenzprodukt nannte Thomas Markusic die Rakete PSLV der indischen Weltraumbehörde ISRO. Direkt in den USA entsteht auch Wettbewerb durch die RS1 von ABL Space Systems.

Technischer Aufbau mini|hochkant=0.85|Funktionsschema aller Firefly-Triebwerke (vereinfacht) Die Alpha ist als zweistufige Rakete ausgelegt. Eine optionale dritte Stufe, die als Kickstufe innerhalb der Nutzlastsektion transportiert würde, wurde im November 2018 angekündigt.Twitter-Nachricht von Jeff Foust, Spacenews, 27. November 2018.

Außenhülle und Tanks der ersten und zweiten Raketenstufe werden ebenso wie die Nutzlastverkleidung aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Durch diese Leichtbauweise wiegt die knapp 30 Meter hohe Rakete nur 3,8 Tonnen. Die maximale Startmasse inklusive Treibstoff und Nutzlast beträgt 54 Tonnen.

Alle Triebwerke der Alpha werden mit Raketenkerosin (RP-1) und Flüssigsauerstoff betrieben. Sie werden regenerativ gekühlt und arbeiten nach dem Abzapfverfahren (tap-off cycle); das heißt die Düsenwand wird mit durchgeleitetem Treibstoff gekühlt, während die Treibstoff- und die Sauerstoffpumpe von einer Turbine angetrieben werden, die wiederum mit abgezapftem heißem Gas aus der Brennkammer betrieben wird. In der Erststufe sind vier solcher Motoren mit der Bezeichnung Reaver 1 vorhanden, in der zweiten einer namens Lightning 1 („Blitz 1“). Den Gesamtschub im Vakuum gibt Firefly mit 736 kN für die erste und 70 kN für die zweite Stufe an. Die Erststufe wird allerdings nicht im Vakuum, sondern innerhalb der Atmosphäre betrieben, wo die Triebwerke weniger Schub erzeugen.

Weitere technische Daten sind in der Raketendatentabelle aufgeführt.

Starts Stand:

Nutzlasten ohne Flaggensymbol wurden für US-amerikanische Kunden gestartet. CubeSats sind mit dem Symbol „◻“ gekennzeichnet, PocketQubes mit „▫“ und fest montierte (nicht auszusetzende) Nutzlasten mit „⇓“.

Flug Nr. Datum (UTC) Startplatz  Kunde / Nutzlast Art/Zweck der Nutzlast Orbit Anmerkungen FLTA001 VSFB SLC-2W SerenityBSS1Hiapo FossaSat-1B FossaSat-2 Genesis-L, -N Qubik-1, -2Spinnaker 3Firefly Capsule 1 Ausbildung, Experimente ◻Antriebserprobung ◻Forschung und Ausbildung ◻Kommunikationserprobung ▫Kommunikationserprobung ▫2 × Kommunikationserprobung ▫2 × Kommunikationserprobung ▫Sonnensegel ⇓Zeitkapsel ⇓ 300 km(geplant) FehlschlagWeltraum wegen eines Triebwerksausfalls nicht erreicht.Missionsbezeichnung: DREAM FLTA002 VSFB SLC-2W SerenityTechEdSat-15 Fossasat-1B Genesis-G, -J Qubik-3, -4Firefly Capsule 2 Ausbildung, Experimente ◻Technologieerprobung ◻Kommunikationserprobung ▫Kommunikationserprobung ▫Kommunikationserprobung ▫Zeitkapsel ⇓ 280 × 220 km Teilerfolgzu niedriger OrbitJeff Foust: Firefly says Alpha launch a success despite payload reentries. Spacenews, 10. Oktober 2022.Missionsbezeichnung: To the Black FLTA003 VSFB SLC-2W Victus Nox (TacRS-3) militärischer Probestart 540 km ErfolgFirefly’s Alpha successfully launches VICTUS NOX rapid response mission. Nasaspaceflight.com, 14. September 2023 (Lokalzeit). FLTA004 VSFB SLC-2W Tantrum Technologieerprobung 523 × 215 km Fehlschlagzu niedriges PerigäumFly the Lightning. Firefly Aerospace, abgerufen am 23. Dezember 2023. FLTA005 VSFB SLC-2W ELaNa 43:SerenityTechEdSat 11CatSatKubesat-1Mesat1R5 S2-2.0R4 S4SOC-I Ausbildung, Experimente ◻Technologieerprobung ◻Forschung ◻Forschung ◻Forschung und Ausbildung ◻Technologieerprobung ◻Technologieerprobung ◻Technologieerprobung ◻ ca. 500 km Erfolg FLTA006 VSFB SLC-2W LM 400 Satellitenbus-Erprobung FehlschlagKein Orbit erreicht, nachdem die Düse des Zweitstufentriebwerks kurz nach der Stufentrennung beschädigt wurde.Alpha FLTA006. Firefly Aerospace, 29. April 2025. FLTA007 VSFB SLC-2W ICOR SV Technologieerprobung ca. 400 km Erfolghttps://spacenews.com/firefly-alpha-returns-to-flight/

Eclipse (Firefly Beta, MLV) Von Beginn an erwog Firefly auch den Bau einer mittelschweren Trägerrakete namens Beta.Episode 15: DOWNLINK--Firefly Space Systems. The Orbital Mechanics, 23. Juni 2015. In ersten Konzepten ähnelte die Rakete einer Delta IV Heavy oder Falcon Heavy: Sie sollte aus drei nebeneinander montierten Alpha-Erststufen und einer Zweitstufe bestehen, welche allerdings – anders als bei Delta und Falcon – vergrößert und verstärkt wird. So sollte die Beta 31 Meter hoch werden und eine wesentlich größere Nutzlastsektion als die Alpha erhalten. Für das Zweitstufentriebwerk namens Lightning 2 waren 163 kN Vakuumschub geplant. Die maximale Startmasse sollte auf 150 Tonnen steigen, die Nutzlastkapazität auf 4000 kg LEO beziehungsweise 3000 kg SSO.