Das Bildungssystem in Grönland hat sich von den Anfängen an im Laufe von rund 300 Jahren an das dänische Bildungssystem angepasst. Heute gibt es in Grönland eine zehnjährige Unterrichtspflicht, die um eine Gymnasialbildung und zahlreiche Berufsausbildungen sowie Studiengänge ergänzt werden kann. Dabei muss das Land den Problemen der geringen Einwohnerzahl und der großen Verstreutheit der Bevölkerung trotzen, um dennoch ein Bildungssystem nach westlichen Standard anbieten zu können.

Geschichte 1721–1905 mini|Grönländer werden missioniert. Eine Malerei von Aron von Kangeq Die Inuit im präkolonialen Grönland kannten kein Bildungssystem im westlichen Sinne. Als Hans Egede 1721 nach Grönland kam und begann die dort lebenden Inuit zu missionieren und damit die Kolonialgeschichte des Landes einleitete, war ein wichtiger Teil seiner Arbeit, dass die Bevölkerung das Lesen lernte, um die Bibel lesen zu können. Erst mehrere Jahrzehnte später wurde es auch üblich Schreiben zu lernen. Ein zentralisiertes oder organisiertes Bildungssystem existierte im 18. Jahrhundert noch nicht. Der Unterricht oblag den europäischen Missionaren sowie den ebenfalls europäischen Katecheten. Der Missionar Jørgen Sverdrup erkannte den Wert der grönländischen Bevölkerung für das Bildungswesen und ließ deswegen ab etwa den 1770er Jahren grönländische Katecheten ausbilden, was das Missionswesen stark förderte. 1798 konnten nahezu alle Grönländer der dänischen Mission lesen und schreiben, während diejenigen, die von der Herrnhuter Brüdergemeine missioniert wurden, keine solchen Kenntnisse hatten.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert bestand neben der Ausbildung der wenigen grönländischen Katecheten kein Bedarf an der weiterführenden Ausbildung der Grönländer, da diese lediglich der Jagd nachgehen und die Bibel lesen können sollten. Um die Ausbildung der Katecheten besser zu organisieren, wurden in den 1840er Jahren zwei Lehrerseminare in Nuuk und Ilulissat gegründet, von denen das Ilinniarfissuaq in Nuuk das bedeutendere war. An diesem studierte als einer der ersten Rasmus Berthelsen, der anschließend selbst 54 Jahre lang bis zu seinem Tod 1901 als Lehrer tätig war und somit großen Einfluss auf das Bildungswesen hatte. In der Herrnhuter Brüdergemeine gründete der Missionar Samuel Kleinschmidt ebenfalls eine Katechetenschule, wechselte aber 1859 zum Ilinniarfissuaq und lehrte dort zusammen mit Rasmus Berthelsen bis zu seinem Tod 1886. Von 1870 bis zu seinem Tod 1900 war der Missionar Nikolaj Edinger Balle Leiter des Seminariums und spielte somit ebenfalls eine bedeutende Rolle im grönländischen Bildungswesen des späten 19. Jahrhunderts.

Der Schulunterricht fand ausschließlich auf Grönländisch statt und während anfangs nur Lesen, Schreiben und Christentumskunde unterrichtet worden waren, kamen im 19. Jahrhundert auch Rechnen, Geografie, Geschichte und Naturgeschichte hinzu. Eine Schulpflicht existierte jedoch nicht und häufig fand der Unterricht mangels eigentlicher Schulgebäude bei den Lehrern zuhause statt. Diese waren neben den Missionaren die Katecheten, die teils an den Seminarien ausgebildet waren, teils aber auch nur privat, sowie an den Wohnplätzen meist nur Leser, also Einwohner ohne weiterführende Ausbildung, die die grundlegendste Bildung aus ihrer eigenen Schulbildung weitervermittelten.

In den 1840er Jahren begann man, einige Grönländer mit dänischen Vätern zwecks Ausbildung nach Dänemark zu schicken, wo sie handwerkliche Berufe erlernen sollten, da sie meist aufgrund ihrer Erziehung für die Jagd ungeeignet waren. Diese Versuche wurden jedoch schnell wieder aufgegeben, vor allem weil die Lehrlinge meist keinerlei Dänisch sprachen. Erst in den 1870er Jahren wurde ein erneuter Versuch unternommen, wofür in Kopenhagen das Grønlænderhjemmet eingerichtet wurde, an dem die Lehrlinge gemeinsam wohnten. Zugleich wurden einige Frauen nach Dänemark geschickt, wo sie sich zur Hebamme ausbilden lassen sollten, allerdings schloss nur Karoline Rosing diese Ausbildung erfolgreich ab. Viele Grönländer arbeiteten jedoch in Handwerksberufen ohne hierfür eine organisierte Ausbildung erhalten zu haben.

1905–1950 Nach Nikolaj Edinger Balles Tod hatte Christian Wilhelm Schultz-Lorentzen die Leitung des Seminariums übernommen. Er veranlasste die Einführung des grönländischen Kirchen- und Schulgesetzes im Jahr 1905, durch das Grönland offiziell aufhörte Missionsgebiet zu sein, Teil der dänischen Volkskirche wurde und das Bildungswesen dem dänischen Staat unterstellt wurde. Unter Schultz-Lorentzen wurde auch das Seminarium ausgeweitet. Bis hierhin waren in rund 55 Jahren 100 Schüler aufgenommen worden (mit Aufnahme jedes dritte Jahr), also durchschnittlich rund fünf bis sechs pro Jahrgang. Fortan bestand jeder Jahrgang aus rund zwanzig Schülern und es wurde ein eigenes Seminariumsgebäude errichtet.

Nach der Arbeit der Grønlandskommission von 1920/21 wurde 1925 das Gesetz zu Grønlands Styrelse eingeführt, das auch das Bildungswesen erneut revolutionierte. Hierbei wurde die siebenjährige Schulpflicht eingeführt, die in Dänemark schon seit 1814 herrschte. Bisher hatte die Ausbildung am Seminarium sechs Jahre gedauert, wurde nun aber aufgeteilt: Im Anschluss an den Besuch der Grundschule war es möglich zwei Jahre lang eine Efterskole zu besuchen, von denen vier Stück gegründet wurden. Erstmals wurden auch Mädchen der Zugang zu weiterführender Bildung ermöglicht und eine der vier Efterskoler wurde später in eine reine Mädchenschule umgewandelt. Nach dem Besuch der Efterskole konnte ein zweijähriger Højskolekursus besucht werden, der am Seminarium in Nuuk stattfand und in etwa der dänischen Realschule entsprach. Die Absolventen der Højskole konnten anschließend ihre Ausbildung am Seminarium fortsetzen, die noch einmal zwei Jahre in Anspruch nahm. Die besten Schüler der Højskole oder des Seminariums durften zuletzt eine höhere Ausbildung in Dänemark genießen, wobei hierfür nur drei bis vier Grönländer pro Jahr ausgewählt wurden. Zudem wurde 1925 der Dänischunterricht eingeführt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Bildungswesen von Grönländern dominiert und lediglich am Seminarium und den Efterskoler unterrichteten Dänen.

Die Ausbildung von Grönländern in Dänemark in handwerklichen Berufen für besonders Talentierte nahm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts leicht zu. Zwischen 1927 und 1936 wurden 41 Grönländer nach Dänemark geschickt, von denen alleine 23 als Böttcher, sieben als Zimmerer und fünf als Maschinenschmiede ausgebildet wurden. Lediglich zwei erhielten eine nichthandwerkliche Ausbildung als Büroangestellte. Den Lehrlingen stand keine freie Berufswahl zur Verfügung und im Gegensatz zu dänischen Lehrlingen erhielten sie während der Ausbildung keinen Lohn; allerdings bezahlte der Staat für Ausbildung, Essen und Unterkunft.

1950–1979 Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg in Grönland der Wunsch nach einer Modernisierung, der nach der Arbeit der Grønlandskommission von 1948 bis 1950 in der G50-Politik resultierte. Dabei wurden mit dem Schulgesetz von 1950 Kirch- und Schulwesen voneinander getrennt. In größeren Schulen wurden dänischsprachige Klassen eingeführt, in denen der Unterricht mit Ausnahme des Religions- und des Grönländischunterrichts ab der dritten Klasse auf Dänisch stattfand. Nach der weiterhin siebenjährigen Grundschule wurde weiterhin der Besuch einer Efterskole ermöglicht, die auf den Besuch der vierjährigen Realschule vorbereitete. Dort war die Unterrichtssprache mit Ausnahme von Religion und Grönländisch grundsätzlich Dänisch. Da das Interesse für weiterführende Schulbildung groß war und die Kapazitäten der grönländischen Efterskoler überstieg, wurden ab den 1960er Jahren zahlreiche Kinder zum Schulbesuch nach Dänemark geschickt.

Mit der Modernisierungspolitik der 1950er und 1960er Jahre stieg der Bedarf an Personen mit Berufsausbildungen in Handwerks- und Verwaltungsberufen stark an und konnte durch die geringe Zahl an in Dänemark ausgebildeten Grönländern nicht gestemmt werden, da es neben der Lehrerausbildung am Seminarium weiterhin keine organisierten Berufsausbildungen in Grönland gab. Erst in den 1970er Jahren begann man, weitere Berufsausbildungen in Grönland zu schaffen und Berufsschulen zu gründen.

Die Aufteilung in grönländisch- und dänischsprachige Klassen führte rasch zu einem Niveauunterschied, da der dänischsprachige Unterricht als qualitativ besser angesehen wurde und bald dazu führte, dass grönländische Eltern ihre Kinder in dänischsprachige Klassen schickten. In den 1960er Jahren begann man die Klassen bereits von der ersten Klasse an sprachlich aufzuteilen und für diese den Grönländischunterricht erst ab der dritten Klasse einzuführen. Der starke Bevölkerungsanstieg um 1960 führte dazu, dass es plötzlich massiv an Lehrern für die innerhalb weniger Jahre verdreifachte Zahl an Schülern mangelte, weswegen vor allem dänische Lehrer ohne Grönländischkenntnisse eingesetzt wurden, was zu einer weiteren Danisierung des grönländischen Schulwesens führte, die später eine der Keimzellen für das Aufkommen der grönländischen Nationalitätsbewegung der 1970er Jahre wurde.

Mit dem Schulgesetz von 1967 wurde das grönländische Schulsystem noch weiter an das dänische angepasst. Hierzu zählte die Einführung der Folkeskole, die die bisherige Grundschule (Kinderschule) ersetzte. Diese musste mindestens sieben Jahre besucht werden, allerdings konnte sie freiwillig bis zu drei Jahre weitergeführt werden, sodass der Schulabschluss nach der siebten, achten, neunten oder zehnten Klasse möglich war. Wer eine höhere Bildung anstrebte, konnte je nach Niveau nach der fünften, sechsten, siebten oder achten Klasse in eine Vorbereitungsklasse wechseln, die nach zwei Jahren mit der Realschulreife endete. Mit dieser konnte anschließend die dreijährige Realschule besucht werden.

Seit 1979 mini|Schulkinder am ersten Folkeskoletag in Upernavik (2007) Die damalige grönländische Nationalitätsbewegung kulminierte in der Einführung der Hjemmestyre im Jahr 1979. Das Bildungswesen gehörte zu den ersten Verantwortungsbereichen, die die grönländische Regierung von Dänemark übernahm, was am 1. Januar 1980 geschah. Das hierbei eingeführte Schulgesetz beendete die Vorherrschaft der dänischen Sprache in der Theorie und beschloss das Grönländisch sofern möglich einzige Unterrichtssprache sein sollte. Tatsächlich sorgte die große Zahl dänischer Lehrkräfte sowie dänischsprachige Unterrichtsmaterialien noch jahrelang dafür, dass der Unterricht häufig de facto auf Dänisch stattfand. Das Bildungssystem bestand nun aus einer dreijährigen Vorschule, gefolgt von einer sechsjährigen Grundschule, die zusammen die Hauptschule bildeten, wodurch die Schulpflicht auf neun Jahre erhöht wurde. Hiernach konnte eine zweijährige Fortsetzungsschule und danach eine zweijährige Kursschule besucht werden.

Zum 1. Januar 1981 übernahm die grönländische Regierung auch die Verantwortung für die Berufsbildung in Grönland. Der Abschluss der Fortsetzungsschule qualifizierte für die Durchführung einer solchen. Die Zahl an Berufsschulen in Grönland wuchs in dieser Zeit. 1988 wurde das Berufsbildungssystem modernisiert, sodass von nun an alle grundlegenden Berufsausbildungen in Grönland durchführbar sein sollten.