Vivarium – Das Haus ihrer (Alp)Träume (Originaltitel: Vivarium) ist ein Science-Fiction-Thriller von Lorcan Finnegan, der am 18. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte.

Handlung Gemma und Tom sind ein Paar und sehen sich nach einem gemeinsamen Zuhause um. Sie sehen sich die Wohnsiedlung Yonder mit dem merkwürdigen Makler Martin an. Dort gleicht jedes Haus dem anderen. Als Martin ihnen das Haus mit der Nummer 9 vorstellt, verschwindet er plötzlich. Gemma und Tom wollen die Anlage verlassen, doch sie scheinen sich ständig im Kreis zu bewegen und sie finden den Weg nicht mehr. Schließlich geht ihnen der Sprit aus und sie nächtigen in dem Haus. Am nächsten Tag steigt Tom auf das Dach, um sich einen Überblick zu verschaffen, doch bis zum Horizont sieht man nur die gleichen Häuser. Sie beschließen, geradeaus der Sonne zu folgen, doch sie landen wieder bei Haus Nummer 9. Als letzten Versuch zündet Tom das Haus an, um dadurch ein Notsignal zu senden. Doch niemand erscheint.

Am nächsten Tag steht das Haus wieder genauso da wie zuvor. Davor ist ein Paket mit einem Baby. Das junge Paar solle sich um das Baby kümmern und dürfe im Gegenzug diese „Welt“ verlassen. Das Kind wächst ungewöhnlich schnell. Es imitiert Tom und Gemma und drangsaliert sie durch schrilles Geschrei. Auch sonst macht der Junge einen fremdartigen Eindruck. In Kleidung, Gesichtszügen und Verhalten weist er Ähnlichkeiten zu dem Makler Martin auf. Gemma und Tom entfremden sich zusehends. Ihre Beziehung wird wortloser, Tom schließt das Kind im Auto ein, wo es verhungern soll, aber Gemma rettet es. Gemma und das Kind scheinen fast eine Mutter-Kind-Beziehung zu entwickeln.

Eines Tages entdeckt Tom, dass der Rasen wie ein Tier auf Hitze reagieren kann, und auch der Boden darunter ist irgendwie merkwürdig. Er beginnt zu graben und steigert sich in endlose Besessenheit. Hustend übernachtet er im Loch, während Gemma das Rätsel um den Jungen zu lösen versucht. Durch geschicktes Fragen kann sie herausfinden, dass er tatsächlich eine andere Anatomie als ein Mensch hat. Ihre Angst wächst.

Als der Junge erwachsen ist, lässt er seine Adoptiv-Eltern nicht mehr ins Haus, aber macht Ausflüge in die Siedlung. Gemma verfolgt ihn, aber verliert ihn immer wieder aus den Augen. Tom erkrankt und stirbt in Gemmas Armen. Der Junge bringt einen Karton mit einem Leichensack, legt Tom hinein und wirft ihn in das Loch, das dieser gegraben hat, und in dem Tom gerade eine Leiche entdeckt hatte. Aus Wut und Angst will Gemma den Jungen mit einer Spitzhacke erschlagen, doch er krabbelt insektengleich auf allen Vieren davon und hebt den Bürgersteig an, um darunter zu verschwinden. Gemma verfolgt ihn und gerät in eine Art Parallelwelt, wo sie weitere Behausungen entdeckt, jede in einer anderen Farbe, in denen verzweifelte Paare die Geschwister (oder Vorfahren) des Jungen groß ziehen. Es gelingt ihr nicht, Kontakt aufzunehmen, jedes Mal versinkt sie im Boden.

Als sie nach einem Sturz auf der Treppe des Hauses Nummer 9 auf der Straße wieder zu sich kommt, ist sie sterbensschwach wie zuvor Tom. Der Junge packt auch sie, noch lebend, in einen Leichensack, wirft sie zu Tom und schüttet das Loch zu. Mit einem Benzinkanister befüllt der Junge Gemmas Auto, fährt in die Stadt und sucht Martins Laden auf. Als er eintritt, verstirbt Martin gerade. Der Junge nimmt sich sein Namensschild und packt auch Martin in einen Leichensack, faltet ihn zusammen und entsorgt ihn in einer passenden Schublade. Da betritt Kundschaft den Laden, ein weiteres junges Paar.

Produktion Filmstab und Dreharbeiten mini|hochkant=0.8|Regisseur Lorcan Finnegan Regie führte Lorcan Finnegan. Das Drehbuch stammt von Garret Shanley. Jared Mobarak von The Film Stage schreibt, das naturnahe Gefühl in ihrem neuen Heim veranlasse das Paar, dessen Eigenheiten abzutun, doch schnell erweise sich dieses als Gefängnis, worauf auch der Titel anspiele. Er erinnert, dass ein Vivarium ein Gehege ist, das für die Beobachtung oder Untersuchung von Tieren unter naturnahen Bedingungen dient.Jared Mobarak: Vivarium Review: Jesse Eisenberg & Imogen Poots Go House Hunting in Entertaining, Frightening Thriller. In: The Film Stage, 23. März 2020. In der Antike wurde jede Form eines Tierparkes Vivarium (lateinisch: vivarium = „Behälter für lebende Tiere“) genannt.

Die Filmmusik komponierte Kristian Eidnes Andersen. Ein Soundtrack-Album mit insgesamt elf Musikstücken wurde im April 2020 von Milan Records als Download veröffentlicht.'Vivarium' Soundtrack Released. In: filmmusicreporter.com, 24. April 2020.

Die Dreharbeiten fanden im belgischen Lüttich und in den Ardmore Studios in Dublin statt. Als Kameramann fungierte MacGregor.

Besetzung und Synchronisation Die deutsche Synchronisation erfolgte durch die Cinephon Filmproduktions GmbH. Dialogbuch und Dialogregie übernahm Stephan Hoffmann. RolleDarstellerSynchronsprecherGemmaImogen PootsMarie-Isabel WalkeTomJesse EisenbergKonrad BösherzMartinJonathan ArisSteven MertingJunge 1Senan JenningsThoralf TheusnerJunge 2Eanna HardwickeMarc Bluhm

Veröffentlichung Der Film feierte am 18. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes in der Semaine de la critique seine Weltpremiere.Irish film Vivarium selected to premiere at Cannes. In: thejournal.ie, 22. April 2019.

Im Juli 2019 wurde er beim Fantasia Film Festival,Rob Hunter: Genre Films from Around the World Head to Fantasia Film Festival 2019. In: filmschoolrejects.com, 27. Juni 2019. beim Neuchâtel International Fantastic Film FestivalAngst und Schrecken in Neuchâtel: Die meisterwarteten Filme vom NIFFF 2019. In: outnow.ch. Abgerufen am 6. Juli 2019. und beim Jerusalem Film Festival gezeigtVivarium. In: jff.org.il. Abgerufen am 24. Juli 2019. und im August 2019 beim Melbourne International Film Festival.Vivarium. In: miff.com. Abgerufen am 9. Juli 2019. Der Film befand sich in der Auswahl des Fantasy Filmfest 2019.Vivarium. In: f3a.net. Abgerufen am 23. Juni 2019. Ebenfalls 2019 wurde er beim Fantastic Fest in Austin gezeigt,Christian Zilko: Fantastic Fest Announces Second Wave of Lineup, Rian Johnson’s 'Knives Out' to Close Festival. In: indiewire.com, 20. August 2019. gefolgt von Vorstellungen beim London Film Festival und beim Internationalen Filmfestival Warschau.63rd BFI London Film Festival programme announced. In: bfi.org.uk, 29. August 2019.Programm 2019. In: wff.pl. Abgerufen am 29. September 2019.

2020 sollte der Film in die Kinos im Vereinigten Königreich kommen,Vivarium. In: filmdates.co.uk. Abgerufen am 22. März 2020. der Start wurde jedoch wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt. Stattdessen wurde er im März 2020 als Video-on-Demand veröffentlicht. Im Juni 2020 erschien der Film in Deutschland auf DVD und Blu-ray.

Charles Tesson, der künstlerische Leiter der Semaine de la critique, beschreibt den Film als eine Mischung aus Twilight Zone und Die Truman Show.Elsa Keslassy: Cannes Critics’ Week Unveils Its Lineup. In: Variety, 22. April 2019.

In den USA erhielt der Film von der MPAA ein R-Rating, was einer Freigabe ab 17 Jahren entspricht.Vivarium. In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 14. März 2020. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 16 Jahren freigegeben.

Rezeption Kritik Der Film konnte bislang 72 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen.

Jared Mobarak von The Film Stage schreibt in seiner Kritik, Regisseur Lorcan Finnegan und Drehbuchautor Garret Shanley gestalteten in ihrem Science-Fiction-Film den Albtraum, in dem sich Gemma und Tom wiederfinden, gleichermaßen erschreckend wie unterhaltsam. Von der optischen Täuschung ihrer Umgebung bis zu den Exzentrizitäten dieses Kindes, das sie nicht einmal mit einem Namen würdigen, gehe der Film unter die Haut. Bald würden Gemmas und Toms Bedürfnisse und Wünsche durch die von der Simulation diktierten ersetzt. Der Film sei aber auch eine Metapher für das, was unser Leben innerhalb des menschlichen Kollektivs bedeutet: „Wir sind Waren, Sklaven, Laborratten und Viren. Wir existieren unter dem Deckmantel der Individualität nur, um uns einer kapitalistischen Welt anzupassen, die uns unsere Einzigartigkeit nimmt, um uns den Launen eines größeren Ganzen zu unterwerfen.“ Als Mensch passe man sich an, um in diesem System zu überleben, doch in Wirklichkeit seien wir nur Werkzeuge, die durch unsere Kinder unseren eigenen Ersatz erzeugten, so Mobarak. Er nennt die Menschen „Inkubatoren, die sicherstellen, dass die kapitalistische Maschinerie nicht aufhört.“ Dies würde der Mensch auch noch freiwillig tun, weil es in unserer Natur liege. In Bezug auf das titelgebende Gefängnis, in dem sich Gemma und Tom befinden, resümiert Mobarak: „Wie man in Vegas sagt: Das Haus gewinnt immer.“

Auszeichnungen Fantasy Filmfest 2019 Nominierung für den Fresh Blood Award (Lorcan Finnegan) In: fantasyfilmfest.com. Abgerufen am 2. Oktober 2019.

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2019 Nominierung für den Kritikerpreis in der Semaine internationale de la Critique (Lorcan Finnegan)La sélection 2019: Compétition Longs métrages. In: semainedelacritique.com. Abgerufen am 23. April 2019. Auszeichnung mit dem Prix Fondation Gan à la Diffusion

Sitges Film Festival 2019 Nominierung als Bester Film im Official Fantàstic Competition (Lorcan Finnegan) Auszeichnung als Beste Schauspielerin (Imogen Poots)The eagerly-awaited 'Ready or Not', the Lovecraftian 'Color Out of Space' and the Spanish-Argentinean co-production '4x4', leading off the preview of new Sitges 2019 titles. In: sitgesfilmfestival.com, 30. August 2019.Emilio Mayorga: Galder Gaztelu-Urrutia’s Debut 'The Platform' Tops Sitges Awards. In: Variety, 12. Oktober 2019.

Trivia

Während Tom und Gemma in ihrem Auto dem vorausfahrenden Immobilienmakler Martin folgen, um das Haus Nr. 9 in dem Neubaugebiet Yonder zu besichtigen, läuft in deren Autoradio der Song Rudy A Message To You von dem Rocksteady/Ska-Musiker Dandy Livingstone von 1967. Im Abspann erklingt der Song Complicated Game von XTC von 1979.

Weblinks

Vivarium im Programm der Semaine de la Critique der Internationalen Filmfestspiele von Cannes (französisch) Vivarium – Official Trailer von Saban Films bei YouTube (Video, englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2019 Kategorie:Belgischer Film Kategorie:Irischer Film Kategorie:Dänischer Film Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Science-Fiction-Film Kategorie:Thriller