Manaus [], amtlich , ist die Hauptstadt des größten brasilianischen Bundesstaates, des Bundesstaates Amazonas. Sie liegt an der Mündung des Rio Negro in den Amazonas. In der Zeit zwischen 1870 und 1910 wurde die Stadt durch den Kautschukboom bekannt, da die Region lange Zeit der einzige Lieferant von Kautschuk war. Heute ist der Ort vor allem der historischen Bauwerke wegen sowie als touristischer Ausgangspunkt für Ausflüge in den sehr artenreichen, die Stadt umgebenden Amazonas-Regenwald bekannt. Manaus ist Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Manaus.
Geographie Manaus liegt auf einer Höhe von am linken östlichen Ufer des Rio Negro, ungefähr elf Kilometer westlich des Zusammenflusses mit dem Rio Solimões im oberen Amazonasbecken inmitten des Dschungels. Der Rio Solimões wird ab hier wieder Amazonas genannt, wie schon vor der brasilianischen Grenze. Bis zur Mündung des Amazonas in den Atlantischen Ozean bei Belém sind es rund 1700 Kilometer entlang des Amazonas und 1500 Kilometer Luftlinie.
Manaus ist Zentrum der Metropolregion Manaus, die 2007 zunächst mit den Städten Manaus, Iranduba, Manacapuru, Novo Airão, Presidente Figueiredo, Rio Preto da Eva, Itacoatiara und Careiro da Várzea gegründet wurde. 2009 kamen noch Autazes, Careiro Castanha, Itapiranga, Manaquiri und Silves dazu.A Região Metropolitana de Manaus. Observatorio da A Região Metropolitana de Manaus.(portugiesisch) Abgerufen am 27. Juli 2021 Die Metropolregion Manaus fasst 2018 13 Munizips zusammen mit einer zum 1. Juli 2018 geschätzten Gesamtfläche von 127.287,789 km² und 2.631.239 Einwohnern. Dies sind 64 % der Gesamtbevölkerung von Amazonas, 14,4 % der Região Norte und 1,3 % des brasilianischen Staates.
Manaus ist in sechs Zonen (Zona Leste, Zona Norte, Zona Oeste, Zona Centro-Oeste, Zona Sul und Zona Centro-Sul), vierzehn Distrikte und 222 Stadtteile aufgeteilt. Das gesellschaftliche Zentrum der Stadt liegt im Süden in der Zona Sul direkt am Rio Negro um den Hafen im Stadtteil Centro.
Die Stadt wird auch als „Paris dos Trópicos“ („Paris der Tropen“) und als „Metrópole da Amazônia“ („Metropole von Amazonien“) bezeichnet.
Klima Aufgrund der Nähe zum Äquator (3° südliche Breite) gibt es im jahreszeitlichen Verlauf nur geringe Änderungen in der Tageslänge. Deshalb werden an Stelle der vier Jahreszeiten nur Trocken- und Regenzeit unterschieden. Es herrscht feucht-tropisches Klima, das heißt, es ist ganzjährig sehr heiß und die Luft ist sehr feucht. Während der Regenzeit von Dezember bis Mai gehen fast täglich starke Schauer nieder. Die Niederschlagsmenge pro Jahr beträgt 2272 Millimeter, was dem zwei- bis fünffachen des in Deutschland erreichten Werts entspricht. Die Luftfeuchtigkeit beträgt nachts mindestens 95 % und ist auch tagsüber oft sehr hoch, so dass die Lufttemperatur vom Menschen als noch wärmer wahrgenommen wird, als sie tatsächlich ist (siehe Gefühlte Temperatur). Die Durchschnittstemperaturen der einzelnen Monate eines Jahres variieren nur sehr leicht zwischen 26 und 28 °C. Die Tageshöchsttemperaturen liegen meistens zwischen 30 und 40 °C, während nachts Temperaturen zwischen 20 und 30 °C erreicht werden.
Regenfälle im Anden-Hochland Kolumbiens und Perus verursachen starke Schwankungen des Wasserstandes des Solimões und zu einem geringeren Teil des Rio Negros, der aber aufgrund des Rückstaus ebenfalls anschwillt. Unterschiede von bis zu 14 Meter werden zwischen der Hochwasserperiode von März bis Juli und der Niedrigwasserperiode von August bis Februar erreicht. Eine Skala im Hafen von Manaus zeigt die Stände der verschiedenen Jahre. Von Hochwasser spricht man in Manaus ab einem Pegel von 27,50 Metern, von schwerem Hochwasser ab einem Pegel von 29,00 Metern. 2021 erreichte das Hochwasser den historischen Rekord von 30,02 Metern. Acht der zwölf schwersten Hochwasserereignisse der letzten hundert Jahre fallen in die vergangenen 15 Jahre.
Geschichte Gründung und Kolonialzeit mini|Der Rio Negro Bereits 1542 entdeckten der Spanier Francisco de Orellana und seine Reisekameraden den Rio Negro und fuhren bis zur Mündung in den Amazonas. Manaus wurde 1669 als kleines portugiesisches Fort unter dem Namen „Forte de São José da Barra do Rio Negro“ gegründet. Die Bevölkerung, die sich um das Fort herum niederließ, wuchs langsam, und 1695 wurde die erste primitive Kirche errichtet. Im Jahr 1787 hatte das Fort erst 301 Einwohner, darunter 243 Indigene, 47 Weiße und 11 schwarze Sklaven. Die Stadt bestand nun aus zwei „Stadtteilen“, von denen einer die alte Kirche, das Haus des Vikars und das Haus des Kommandanten des Forts beherbergten. 1791 wurde das Fort bereits Sitz des Gouverneurs, obwohl es noch kein Stadtrecht hatte. Der damalige Kommandant des Forts, Lobo d’Almada, ließ daher einen Palast für den Gouverneur von Grão-Pará und Rio Negro errichten. Da er allerdings vom Gouverneur D. Francisco de Souza Coutinho nicht dazu autorisiert worden war, wurde er später der Unterschlagung öffentlicher Gelder bezichtigt. 1804 wollte der Nachfolger von Gouverneur Coutinho die Verdienste des mittlerweile verstorbenen Kommandanten d’Almada würdigen und verlegte den Sitz der Regierung wieder nach Manaus.
Kaiserreich 1823 schloss sich das Kolonialgebiet Grão-Pará und Rio Negro dem Kaiserreich Brasilien an.
Am 12. April 1832 revoltierten die Soldaten des Forts unter Führung von Joaquim Pedro da Silva. Die Aufstände, bei denen der Kommandant des Forts, Joaquim Filipe dos Reis, ums Leben kam, waren durch das Ausbleiben der Soldzahlung hervorgerufen worden. Im Anschluss daran sandte die Provinzregierung von Pará Truppen, die von Domingos Simões da Cunha Bahiana angeführt wurden, um den Aufstand niederzuschlagen. Obwohl sich die Verteidigung der Provinz Rio Negro mit ungefähr 1000 Mann und 30 Kanonen auf erhöhtem Gebiet in der Nähe des Zusammenflusses von Rio Negro und Rio Solimões (Amazonas) verschanzte, waren die Truppen aus Pará siegreich.
Im Laufe der Zeit führte die Stadt viele verschiedene Namen. Am 25. Juli 1833 wurde die Provinz Pará, zu der Manaus seit dem gescheiterten Aufstand gehörte, in drei Provinzen aufgeteilt: Grão-Pará, Alto Amazonas und Baixo Amazonas. Das Fort gehörte der Provinz Alto Amazonas (Oberer Amazonas) an, wurde mit der Aufteilung zum Dorf und hieß nun zum ersten Mal Manaus. Im Folgenden konnte das Dorf eine eigene administrative und judikative Struktur aufbauen.
Am 24. Oktober 1848, der heute als Geburtstag der Stadt gilt, erhielt Manaus per Gesetz den Stadtstatus – damals allerdings unter dem Namen „Cidade da Barra do Rio Negro“ – obwohl es noch nicht viel gab, was eine Stadt ausmacht. Zum Beispiel fehlte ein öffentliches Schulsystem. Am 4. September 1856 nannte sie der Gouverneur Herculano Ferreira Pena schließlich wieder Manaus, in Anlehnung an den Indianerstamm der Manaós. Das Wort bedeutet so viel wie „Mutter Gottes“.
Mit einem Beschluss vom 7. Dezember 1866 war es erstmals möglich, dass Reisende und Händler aller Länder den Amazonas hinauf befahren konnten. Dies hatte enorme soziale und wirtschaftliche Erfolge zur Folge, so dass beispielsweise auch die ersten Langstreckenlinien entstanden. Ab 1877 verkehrten beispielsweise regelmäßig Schiffe zwischen Manaus und Liverpool, ab 1881 auch zwischen Manaus und New York City.
Zwischen 1872 und 1883 kamen viele Arbeitssuchende in die Stadt, sowohl aus anderen Teilen Brasiliens als auch aus anderen Teilen der Welt. Die Exporte von Kautschuk schnellten in derselben Zeit in die Höhe, weshalb Manaus zur Zeit des Kautschukbooms reich wurde. Am 24. Mai 1884 wurde die Sklaverei in der Stadt abgeschafft.
Republik links|mini|Öffentlicher Markt, Manaus (1906) Am 21. November 1889 schloss sich die Provinz Alto Amazonas der gerade ausgerufenen Republik an. Um 1890 war Manaus die wohl am weitesten entwickelte Stadt Brasiliens. Damals nannte man die Stadt auch das „Paris der Tropen“, weil sie die einzige des Landes war, die elektrisches Licht und ein Trinkwasser- und Abwassersystem hatte. In dieser Zeit entstanden viele Gebäude wie der Justizpalast (Palácio da Justiça) oder das Theater (Teatro Amazonas), an denen sich der damalige Reichtum erahnen lässt. Manaus wurde zu einer kosmopolitischen Stadt, da Fremde mit den unterschiedlichsten Berufen aus der ganzen Welt kamen und sich hier niederließen. Im Zuge dieses Wohlstands wurde auch die elektrische Straßenbahn Manaus erbaut, die am 1. August 1899 eröffnet wurde. Sie war die erste Straßenbahn Brasiliens. Eine Fahrt mit ihr war relativ günstig, weshalb viele Einwohner aller Bevölkerungsschichten sie nutzten. Die Bahn existierte bis zum 28. Februar 1957. mini|Platz 15. November (1906) Nach dem Verlust des Weltmonopols auf Kautschuk 1910 setzte der Niedergang der Stadt ein. Öffentliche Gebäude verfielen wegen mangelnder Wartung, das Stromnetz fiel aus und die Straßenbahnlinie wurde stillgelegt. Der Gouverneur Plínio Coêlho setzte ein Programm für Arbeit auf, das am 23. Oktober 1951 beschlossen wurde und unter anderem auch den Freihandelshafen einschloss. Am 6. Juni 1957 wurde Manaus von Präsident Juscelino Kubitschek zur Freihandelszone (Zona Franca) erklärt. Unternehmen, die in Manaus produzieren, können ihre Rohmaterialien nun nahezu zollfrei einführen, was seit den 1970er Jahren zu einem Wirtschaftsboom und einem Wiedererwachen des öffentlichen Lebens in der Stadt führt.
Manaus war 2020 und 2021 schwer von der COVID-19-Pandemie in Brasilien betroffen.Christian Heinrich: Das Sterben in Manaus sollte der Welt eine Warnung sein, in: Spektrum.de, 22. Januar 2021; Jan Christoph Wiechmann: Die Warnung der Toten, in: Stern Nr. 11, 11. März 2021, S. 56–65.
Kommunalpolitik Vor 1962 und zwischen 1965 und Ende 1985 wurden die Bürgermeister vom Gouverneur des Staates Amazonas ernannt, was die unterschiedliche Dauer der zum Teil sehr kurzen Amtszeiten erklärt. Ansonsten wurden sie von den Bürgern der Stadt gewählt.
Ab dem 1. Januar 2009 regierte Bürgermeister Amazonino Mendes von der Partido Trabalhista Brasileiro (PTB) die Stadt. Mendes wurde am 1. Januar 2013 von Arthur Virgílio Neto (Partido da Social Democracia Brasileira) abgelöst, der bereits von 1989 bis 1993 dieses Amt innehatte. Neto setzte sich bei der Kommunalwahl 2012 mit 65,95 % der Stimmen gegen die kommunistische Senatorin Vanessa Grazziotin durch und bei der Kommunalwahl 2016 mit 55,96 % gegen acht Mitbewerber.Artur Neto 45, Website Eleições 2016. Abgerufen am 21. Mai 2017 (portugiesisch). Bei den Kommunalwahlen in Brasilien 2020 wurde David Almeida der Partei Avante mit 466.970 oder 51,27 % der gültigen Stimmen zum Stadtpräfekten für die Amtszeit von 2021 bis 2024 gewählt. 2024 wurde er mit 54,59 % der Stimmen, insgesamt 576.171 Stimmen bis 2028 wiedergewählt.
Außer dem Bürgermeister und dem stellvertretenden Bürgermeister gibt es noch 31 Sekretäre und das „Gabinete Civil“. Die Sekretäre haben alle ihren speziellen Aufgabenbereich, wie etwa den öffentlichen Nahverkehr oder Sicherheit. Das Gabinete Civil arbeitet dem Bürgermeister und dem stellvertretenden Bürgermeister zu.
Die Legislative wird durch einen Stadtrat aus 41 gewählten Vertretern (vereadores) der Câmara Municipal ausgeübt.
Siehe auch: Liste der Bürgermeister der Stadt Manaus
Stadtwappen
Die Sonne am oberen Teil des Wappens (Abbildung siehe oben) trägt die Inschrift 21. November 1889, der Tag an dem sich die damalige Provinz Alto Amazonas, zu der Manaus gehörte, dem Ausruf der Republik anschloss. Die Abbildung oben links zeigt das Zusammentreffen der beiden Flüsse Rio Negro und Amazonas (Rio Solimões), das sogenannte „Encontro das aguas“ sowie zwei kleine Boote, die sich am Zusammenfluss befinden. Des Weiteren soll es auf die Entdeckung des Rio Negro durch Francisco de Orellana hinweisen.